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Aranjuez, ein königl. Spanisches Lustschloß, im Districte von Toledo, auf einer Halbinsel, bey dem Zusammenfluß des Tajo und Xarama, aus der man eine völlige Insel gemacht hat, indem man aus dem einen dieser Flüsse einen breiten Canal in den andern zog. Dieser Ort nebst der dazu gehörigen Gegend hat Kaiser Karl V. von dem Ritterorden von Santiago an sich gebracht und sein Sohn, Philipp II. hat das Schloß angelegt. Dieses ist zwar nicht sehr groß, hat aber doch viel schönes in sich. Man findet vortrefliche Mahlereyen, alte und neue Büsten, schöne Marmorstufen, prächtige Spiegel aus der königl. Fabrik zu St. Ildefonse, und ein Zimmer mit Porcellan aus der Fabrik zu Madrid.

Das schönste sind die Gärten, welche zusammen die Figur eines Sterns ausmachen. Vorzüglich zeichnen sich die Alleen von Ulmenbäumen aus. Sie sind so breit daß 4 Wagen neben einander fahren können und zwischen jeder gedoppelten Reihe fließt ein kleiner Canal. Der Hauptbogengang ist 6 - 700 Schritte lang und auf 12 Fuß breit und an beyden Seiten mit hohen Hecken eingeschlossen. Alle 70 - 80 Schritte sind Ruheplätze, in der Figur von Vierecken Sechsecken xc. Springbrunnen und Gänge nach andern Alleen angelegt.

Das Wasser zu den Wasserkünsten kommt aus einem kleinen eine halbe Stunde weit entfernten See, Mar de Ontigola genannt, von dem Dorfe Ontigola, welches dasjenige ist, wo sich die fremden Minister zu der Zeit aufhalten, da der Hof zu Aranjuez ist. Dieser kommt gemeiniglich kurz nach Ostern hin und bleibt bis zu Ende des Junius. In dem Julius und August ist die Luft daselbst ungesund und verursacht häufig Fieber.

Der bey dem Schloß liegende Flecken Aranjuez war sonst ein ganz geringes Dorf und hat sich erst unter der Regierung K. Ferdinands VI. vergrößert und verschönert. Die Häuser darinnen sind einförmig gebauet, alle weiß, mit grünen Fensterläden versehen, und die Strassen laufen in gerade Linie fort. Der König giebt jedem, der sich, nach dem beleibten Plan, anbauen will, den Platz umsonst. In der Mitte liegt eine schöne runde Kirche, mit einem Kloster der Barfüsser-Mönche, und ein bedeckter Markt. Die Einwohner, deren Zahl sich immer vermehrt, leben meistens vom Hofe, wann er sich hier aufhält, und von der Miethe, welche sie alsdann von einem Theil ihrer Häuser ziehen.

Der neue Weg von Aranjuez nach Madrid, mit dessen Anlegung unter K. Ferdinand VI. der Anfang gemacht wurde, ist nach römischer Art gebauet, und jede Meile hat 3 Millionen Realen gekostet.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
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