Paris 1806.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]

"Indess unsre Armeen neue Siege erkämpften, schreibt man aus Paris, spürten wir hier kaum, dass wie Krieg haben, wenn nicht die Journale und die Abwesenheit der Garden uns daran erinnerten. Alles geht seinen gewohnten Gang fort; die Effecten stehen höher als vormals. Silbermünze ist im Ueberfluss, und es fehlt oft an Scheidemünze zum wechseln. Keine unter allen öffentlichen Arbeiten, die auf Befehl des Kaisers vorgenommen werden, ist eingestellt. Die Lebensmittel sind, seit Abwesenheit der zahlreichen Garden und Lager, eher wohlfeiler, als theurer geworden, und so leicht die arbeitende Klasse hier nicht, wie gewöhnlich in andern Hauptstädten, unter den Lasten des Kriegs. Die Veränderungen, die auf Napoleons Geheiss mit Paris vorgehen, sind ungeheuer, sind riesenhaft. Paris hatte bisher wol die schönsten Palläste unter allen Städten, aber sie waren unter einem Haufen elender Häuser versteckt; es hatte lange reiche Strassen, aber ohne die nöthigen Verbindungsgänge mit andern; es fehlte an freien Plätzen für diese ungeheure Häusermasse; es fehlte an breiten, geraden Zugängen zu den Hauptgebäuden der Residenz. Auf Napoleons Wink wird für das Alles gesorgt; während er den Franzosen durch seine auswärtigen Thaten einen unsterblichen Namen in der Geschichte gründet, wandelt er ihre Hauptstadt zur schönsten von Europa um; sie wird es in einigen Jahren in der That seyn, so wie sie es in den Augen der Pariser schon seit einem Jahrhundert ist. Dämme umgeben die Seine, wo sie noch mangeln; neue Brücke setzen die Theile der Stadt in Verbindung, die nur durch Schiffe communicirten; und so wie die Austerlitzer Brücke seit kurzem die östlichsten Theile derselben vereinigt, so arbeitet man schon an einer neuen zwischen dem Platze vor den Invaliden und den gegenüber liegenden elisäischen Feldern. Die aufgehobenen Kirchen und Klöster werden demolirt, und dadurch freie, gesunde Plätze eröffnet; einen der schönsten wird das Terrän des ehemaligen Jacobinerklosters bilden, das zu einem grossen Fruchtmarkte bestimmt ist. Von dem Hauptthore der Tuillerien bis zum Hauptthore des Louvres wird mitten durch die dazwischen liegenden Häuser eine breite, neue Strasse, rue Imperiale genannt, parallel mit der Gallerie des Louvres führen; rings um das Louvre werden die elenden Häuserchen weggerissen, der Boden geebnet, und auf allen Seiten freie Plätze geschaffen, um diesem einzigen Platze die Ansicht zu verschaffen, die er verdient. Bald wird auch sein Inneres vollendet seyn; die Gallerie des Louvres, die jenen Pallast mit den Tuillerien verbindet, wird zu ebener Erde grösstentheils Arkaden bilden; in ihrem östlichen Theile werden sieben neue Säle für die Statuen geöffnet werden, die sich bis jezt noch in Magazinen befinden. Parallel mit der Gallerie des Louvres und der rue Imperiale führt die neue Strasse Rivoli von dem Platze der Eintracht auf den Platz des Louvres; neue Häuser, alle mit Arkaden versehen, werden sie zu beiden Seiten umgeben; neue Queerstrassen setzen sie bereits mit der ebenfalls parallelen rue St. Honorée in Verbindung. Diese neuen Strassen gehen grösstentheils über das Terrän der berüchtigten Reitschule, des Klosters der Feuillans u. dergl.; bis auf den Namen werden diese Gebäude vertilgt, und durch diese unausgesetzten Arbeiten 100,000 Arme beschäftigt, die aus Mangel an Verdients den Männern jener Orte zu Gebote standen. Neue öffentliche Brunnen entstehen von allen Seiten; Denkmäler, der Grösse unsrer Zeiten würdig, erheben sich auf dem Platze du Caroussel und de l'etoile vor der Barrière des champs elisées. Napoleon wird einst von Paris sagen können, was August von Rom sagte: Ich habe es von Ziegeln gebaut gefunden, und es von Marmor gebaut hinterlassen.


La Grande Armée.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]

Frankreich.

Am 22. und 23. Aug. rückten zu Paris durch das Thor St. Martin die ersten Truppen von der grossen Armee ein. Es waren die Regimenter Nr. 30, 33 und 58, deren letztes vor Kurzem bey Mannheim über den Rhein gieng. Sie zogen mit klingendem Spiele und fliegenden Fahnen durch die Stadt, und lockten eine Menge Zuschauer an die Fenster.


Reisenden.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[3]
Der Russisch-Kaiserl. Staatsrath Oubril war am 8. Jul. in Paris angekommen. Um dieselbe Zeit waren auch der Senator und Bothschafter in Spanien, General Beournonville, und der Generalgouverneur der Herzogthümer Parma und Piacenza, Divisionsgeneral Junot, daselbst eingetroffen.


[4]

Lord Yarmouth war in der Nacht vom 18. zum 19. Aug. nach London abgereist; Lord Lauderdale hingegen befand sich fortwährend zu Paris.


Preise.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1806]

[5]
Folgendes sind jetzt in Paris die Preise verschiedener Lebensmittel und Bedürfnisse: 4 Pfund Brod kosten 13 Sous, das Pf. Fleisch 14 bis 15 Sous, das Pf. Schweinefleisch 18 S., Schinken 1 Fr. 12 S., 26 Eyer 1 Fr. 10 S., 1 Pf. Butter 1 Fr. 8 S., eine geräucherte Zunge 4 Fr. 10 S. Ein Sack Kohlen kostet 5 Fr., eine Voje Holz (1/2 Klafter) von der geringsten Gattung 34 Fr., das auserlesene Holz 42 Fr. Ein paar Schuhe kosten 7 Fr. 10 S., ein paar Stiefeln 36 bis 42 Fr. Kein Arbeiter hat weniger Tagelohn als 3 Franken. Die Zahl der Armen, welche von den Wohlthätigkeits-Ausschüssen unterstützt werden, beläuft sich auf 100,000. In Bicetre sollen alle unvermögende Greise, die das 70ste Jahr zurückgelegt haben, und eben so die Frauen in das Hospital de la Salpetriere unentgeltlich aufgenommen werden. Gegenwärtig warten 3400 Greise, um ihrer Reihe nach in Bicetre aufgenommen zu werden.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[6]

Paris, 29. April.

Der gestrige Moniteur macht mehrere diplomatische Ernennungen bekannt. Unter andern ist Hr. von Beauharnais, (bisheriger Gesandter zu Florenz), Bruder des ersten Gemahls der Kaiserin, welchen einige öffentliche Blätter zum künftigen Oberhaupte der Schweiz schon bestimmt hatten, zum Grußbothschafter in Madrit, an die Stelle des in den Senat berufenen Hrn. Bernonville und Hrn. Alquier zum Bothschafter in Rom, während der Abwesenheit des Kardinals Fesch, welchen, wie sich der Moniteur äußert, seine Dienstverrichtungen als Groß-Almosenier (vermuthlich bei dem großen Maifeste), nach Paris berufen. Bei der letzten Audienz hat unter andern der Prinz von Isenburg, als Oberst des neu errichteten Regim. d. N., den Eid in die Hände des Kaisers abgelegt. Der Moniteur meldet ferner: "Vom 21. d. an werden 2 Auditoren bei dem Staatsrathe, die wöchentlich werden ernannt werden, von 10 Uhr des Morgens bis Mittags sich in dem Saale des Pallastes der Thuillerien, Marschallssaal genannt, aufhalten, sie werden alle Petitionen, die man an Se. Maj. gelangen lassen möchte, abnehmen; sie werden Auszüge daraus machen, und die nöthigen Erkundigungen einziehen, um am folgenden Tage Sr. Maj. bei dem Lever Bericht erstatten zu können."


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1806.
  2. Wiener Zeitung. Nro 73. Mittewoche, den 10. September 1806.
  3. Wiener Zeitung. Nro. 59. Mittewoche, den 23. Julius 1806.
  4. Wiener Zeitung. Nro 72. Sonnabend, den 6. September 1806.
  5. Wiener Zeitung. Nro. 69. Mittewoche, den 27. August 1806.
  6. Bamberger Zeitung. Nro. 127. Mittwoche, 7. Mai 1806.
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