Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Paulina.[]


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Maria Paulina wurde am 20. Oktober 1780 geboren. [1]

Sie vermählte sich im Jahr 1797 mit dem damaligen französischen Divisions-General Viktor Emanuel Le Clerc, *) welcher als Ober-General am 15. December 1801 mit ihr nach Domingo absegelte, wo er seit dem 3. Februar 1802 als General-Kapitän war und am 2. November des nemlichen Jahrs starb, worauf sie am 9. November zurük reiste und am 11. Februar 1803 wieder in Paris ankam. Das einzige Kind aus dieser Ehe, ein im Jahr 1799 geborner Knabe, starb im Monat August des Jahrs 1804.

*) Eine Schwester desselben ist die Gemahlin des Marschalls Fürsten Davoust von Eckmühl, Duc d'Auerstädt.

Am 6. November 1803 wurde sie durch ihre zwote Ehe Fürstin Borghese, daher sie seit dem 18. Mai 1804 Prinzessin (oder Fürstin) Buonaparte Borghese hieß, mit dem Prädikat Kaiserl. Hoheit. Am 30. Merz wurde sie zum Fürstin und Duchessa von Guastalla ernannt, welches aber, mit Beibehaltung des Titels und Uebertragung desselben auf vom Abtretungs-Preis (2,200,000 Gulden) zu erwerbende Güter in Frankreich, am 24. Mai 1806 an das Königreich Italien abgetreten wurde.

Von Nizza, wo sie, vom Gemahl getrennt, gewöhnlich lebte, kam sie im Monat April des Jahrs 1814 nach ihrem Landgut Le Luc im französischen Departement des Var, wo sie ihr Bruder Napoleon am 26. April besuchter. Am 1. Junii kam sie zu ihm nach Porto Ferrajo zu Besuch, und am 3. Junii reiste sie nach Neapel ab, wo sie nun sich aufhält.

Napoleons Uebereinkunft vom 11. April 1814 versichert ihr eine jährliche Rente von 300,000 Francs.

Ihr jeziger Gemahl ist Kamill Philipp Ludwig Fürst Borghese, geboren am 12. Julii 1775, Fürst (von Sulmona und von Rossano im Königreich beider Sicilien) seit dem im Monat April des Jahrs 1800 erfolgten Tod seines Vaters. Daß er sich am 6. November 1803 mit Paulina Buonaparte, verwitweten Le Clerc, nachheriger Prinzessin vermählte, ist schon bemerkt.

Am 10. Februar 1805 ertheilte ihm der Kaiser Napoleon das große Band der Ehren-Legion.

Er wurde am 27. Merz 1805 vom Erhaltungs-Senat zum französischen Bürger und am 30. Merz 1806 vom Kaiser mit seiner Gemahlin zum Fürsten und Ducca von Guastalla ernannt. Er war im Jahr 1805 im Monat Sept. Garde-Eskadrons-Chef, und am Schluß des Monats December Obrist des ersten Karabiner-Regiments, im Jahr 1807 Brigade-General. Am 13. Februar 1808 wurde er, als Titular einer Groß-Würde, Fürst General-Gouverneur der Departemente jenseits der Alpen, (von der Doira, von Marengo, vom Po, von der Sessia und von der Stura,) wofür seine Amts-Residenz zu Turin war, und seitdem bekam auch er das Prädikat Kaiserliche Hoheit. Im Jahr 1809 wurde er auch Ober-Kommandant der 27. und der 28. Militär-Division; als solcher hatte er im Jahr 1814 den Ober-Befehl über die dort gesammelte Reserve-Armee von Italien. Am 19. April huldigte er der provisorischen Regierung von Frankreich, und am 27. des nemlichen Monats trat er den verbündeten Mächten die ihm untergeordneten festen Pläze, unter Zurükweisung ihrer Besazungen und der anderen Truppen über die Alpen, ab.

Er begab sich dann nach Meiland, von wo er am 24. Julii nach Venedig reiste.


Die Prinzessin Pauline, Fürstin Borghese.[]


La Pr. Borghèse.

[2]

Diese Dame ist die Wittwe des auf Domingo verstorbenen Generals Leclerc. Dieser war mit Buonaparte und Murat zu Toulon und Nizza, wie diese ward er wegen schlechter Aufführung gefangen gesetzt und aus dem Dienste fortgejagt.

Kurz darauf als Napoleon den Oberbefehl im Innern nach dem 13. Vendemiaire erhalten hatte, begegnete er seinem alten Freundchen Leclerc, der alle Liebhaber zu einem liebenswürdigen tête-à-tête im Palais-Royal einlud. Dieser Mensch war damals ein H--Wirth der feilsten Art.

Buonaparte wirkte ihm eine Anstellung bei der Sambre- und Maas-Armee unter den Befehlen des Generals Hoche aus. Er war damals zu Frankfurt am Mayn, als man die Nachricht erhielt, dass die vorläufigen Friedens-Artikel von Buonaparte und dem Erzherzog Karl unterzeichnet seyen, allein dessen ungeachtet hat er sich durch seine Diebereien und Plünderungen bei den Bewohnern dieser Stadt zwar kein ehrenvolles aber doch -- ein unvergessliches Denkmal errichtet; er hätte alles Eigenthum achten müssen, weil Frankfurt eine neutrale Stadt war.

Von der Sambre- und Maasarmee kam Leclerc zu der Armee von Italien. Buonaparte erblickte in ihm ein würdiges Mitglied seiner Familie und gab ihm die Hand seiner Schwester Pauline.

Obgleich die Prinzessin Pauline schon mit dem vierzehnten Jahre der Venus vulgivaga ihre Reitze weihte, und fortwährend unter dem mütterlichen Dache ihre Gunst ausbot, so ist sie dennoch sehr schön und von blühender Frischheit.

Ungeachtet dieser Lebensart und ihres plötzlichen Auftauchens zur kaiserlichen Hoheit hat sie nichts von der Frechheit und dem Stolze ihrer Schwester Mürat; sie ist stets munterer Laune und verbindet damit einen grossen Reichthum von Witz. Ihr entfliegen zuweilen harte Wahrheiten und bittere Spötteleien über die heilige kaiserliche Familie.

Der Fürst Borghese, ein Abkömmling von einer reichen und alten römischen Familie, aber von angebohrnem schwachen Verstande, liess sich von einem Pariser Abbé, der sein Lahr- und Hofmeister war, und dabei Galant seiner Frau Mutter, der verwittweten Fürstin Borghese, war, ohne Muhe verführen, mit den Revolutions-Männern seines eigenen Vaterlandes in Reihe und Glied zu treten. Er war der erste Sekretär des ersten Jacobiner-Clubs, der im Frühjahr 1798 in Rom gestiftet ward; und im December des nämlichen Jahres, da die neapolitanischen Truppen den Kirchen-Staat angriffen, führte er nebst seinem nunmehrigen Schwager Santa-Croce, einem andern hoffnungsvollen römischen Fürsten, die römischen Sans-Cülotten auf ihrem Rückzuge an. Er hatte vorher, um seine Liebe zur Gleichheit an den Tag zu legen, als Gemeiner unter einer Compagnie gedient, deren Hauptmann ein Kerl war, der in Rom Hundefleisch und Kaldaunen auf den Strassen zum Verkauf ausrief, und deren Lieutenant als Küchen-Junge in seiner Mutter Küche diente. Nachdem aber die kaiserliche Aristokratie neuerlich bei uns zur Tagesordnung geworden ist, bezeigt er sich nunmehr in Stolz und Eitelkeit eben so unausstehlich, als er vor ein paar Jahren wegen seiner Niederträchtigkeit verächtlich war.

Im Jahre 1803 hat er die verwittwete Madame Le-Clerc geheirathet, die zwischen dem Ableben ihres ersten Gemahls und ihrer Vermählung mit einem zweiten Eheherrn, binnen Zeit von nicht viel über einem Jahre, zweimal der besten Hoffnung gewesen ist, Mutter zu werden. Ihre Mitgift ward auf achtzehn Millionen Livres geschätzt; eine Summe, die freilich hinreicht, viele faux-pas, selbst in den Augen eines verständigern und edlern Mannes, als ihr dermaliger durchhauchtiger Dummkopf ist, (so nennt sie selbst den Fürsten Borghese,) zuzudecken.

Diese Dame ist Napoleons Favorit-Schwester, und der fähigste Weiber-Kopf unter den Buonaparten, aber zugleich auch die lasterhafteste unter allen. Sie hat, beinahe von ihrer Kindheit an, den ganzen Unflath von Entehrung, Unzucht und Lüderlichkeit durchwandert, ehe sie zu ihrer nunmehrigen Standes-Erhöhüng gelangt ist. Ihr höherer Rang hat jedoch an ihrer Moralität nichts gebessert, sonder ihr blos zu Mitteln verholfen, neuen Ausschweifungen nachzuhängen.

Der Fürst Borghese ist, gleich von seiner Braut-Nacht an, aus ihrem Bette verwiesen worden, denn sie hat sowohl ihm, als ihrem Bruder gerade heraus die Erklärung gethan, "sie würde nimmermehr leiden, dass ihr ein Mann, dem es aus dem Halse stinkt, zu nahe kommen dürfte;" obwohl viele, die wegen der Gelegenheiten, welche sie gehabt haben, darüber zu urtheilen, und es gewiss wissen müssen, dreist behaupten, dass ihr eigner Athem eben nicht der lieblichste von der Welt sey.


Zeitungsnachrichten.[]

[1812]

Paris, den 16ten November. [3]

Ihre Kaiserl. Hoheit, die Prinzessin Borghese, ist am 29sten Oktober zu Lyon angekommen. Ihre Kaiserl. Hoheit stiegen im erzbischöflichen Pallast ab, und setzten am 4ten dieses Ihre Reise fort.


Quellen.[]

  1. Das Haus Buonaparte. Ein genealogischer Versuch. 1814
  2. Gallerie der merkwürdigsten Personen des Hofes und Cabinets zu St. Cloud. Amsterdam und Cöln, bei Peter Hammer, 1815.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 281 Freytag, den 22. November/4. December 1812.
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