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Piacenza.Bearbeiten

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Piacenza, il Piacentino,[1] ehemaliges Herzogthum in Italien, welches sich von dem Po bis an das Apenninische Gebirge erstreckte, und mit dem Herzogthum Parma vereinigt war. (s. den Art. Parma) Da der König von Sardinien den Theil von Piacenza, den er durch den Wormser Traktat, 1743 von Oesterreich bekommen, zufolge des Aachner Friedens, 1748 an den Spanischen Infanten, Don Philipp, abtrat, so bedung er sich den Rückfall aus, wenn der damalige König beyder Sicilien auf den Spanischen Throne käme, und sein Bruder, Don Philipp, ihm in beyden Sicilien folgte. Allein als der Spanische Thron, nach Ferdinands VI Tode ledig war, so bestig solchen K. Carl III ohne sich an die Dispositionen des Aachner Friedens, an dem er keinen Theil genommen hatte, zu kehren. Er machte seinen 3ten Sohn zum König beyder Sicilien, und der König von Sardinien konnte also seinen Antheil an Piacenza nicht durch Rückfall erhalten. Zur Entschädigung für die Einkünfte, die er entbehren mußte, und die auf 400,000 Piemontische Lire angeschlagen wurden, legten Frankreich und Spanien, 1763 auf dem Rathhause zu Turin, ein Capital nieder, das jährlich die vorbenannte Summe der Einkünfte abwirft, welche der König von Sardinien erhebt. Jezt gehört Piacenza mit zum Französischen Departement Parma. Man bauet in dem Placentinischen viel Seide, und der Boden ist überaus fruchtbar an Getreide, Wein, Oel, Kastanien; auch ist die Viehweide gut.

Die Hauptstadt Piacenza, franz. Plaisance, liegt in einer anmuthigen Ebene 5 bis 600 Schritte vom Po, ist ziemlich groß, und größer als Parma, und jezt der Hauptort eines Arrondissements. Sie hat schöne öffentliche Plätze, breite und gerade Strassen, ansehnliche Gebäude, gegen 30,000 Einwohner, eine gute Citadelle, eine Universität, eine unter den Erzbischof zu Genua gehöriges Bißthum, viele Gemälde und Bildhauerarbeiten.

Unter den Kirchen hält man die im Augustinerkloster für die schönste. In der Benediktinerkirche St. Sixti ist das Grabmahl der Stifterin Engilberge, Gemahlinn des Kaisers Ludwigs II, ingleichen ein vortrefflicher Hochaltar, nebst dem Grabmahl der natürlichen Tochter K. Carls V Margaretha von Oesterreich, Gemahlin des Herzogs Oktav, zu sehen. Hier war vormals ein vortreffliches Gemälde von Raphael, es ist aber 1754 für 40,000 Scudi in die kursächsische Gallerie nach Dresden verkauft worden. Auf dem großen Marktplatze stehen 2 ansehnliche metallene Statuen Alexanders Farnese, ersten Herzogs von Parma, und seines Sohns Rainutii; ingleichen ein zierlicher Brunnen. Die Hauptstrasse la Stradona ist zu einem Spazierorte für Kutschen und Fußgänger überaus wohl eingerichtet. Das herzogliche Schloß ist inwendig mit guten Zimmern versehen, ungeachtet es von aussen nicht in die Augen fällt. Es ist nicht ganz ausgebauet. Das hiesige Theater ist schön und bequem aber nicht groß.

Es wohnt in dieser Stadt ein zahlreicher aber unthätiger und größentheils verarmter Adel. Uebrigens wird jährlich hier vom 15. April an 14 Tage hindurch ein großer Jahrmarkt gehalten. Ausser der Manufaktur von seidenen Stoffen ist unter den Einwohnern fast gar kein Gewerbe.

Piacenza ist auch der Geburtsort des berühmten Ferrante Pallavicino.


Von Reisende.Bearbeiten

Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg

Parma, den 19ten November. 1791. [2]

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Die Stadt Piacenza ist inwendig nicht so schön, als ihre Lage, wenn man sie von jener Seite des Po ansieht, verheißet, und sie scheint ziemlich wüste. Im Dom ist die Kuppel ganz von Guercino bemahlt. Die Augustinerkirche ist schön, besonders ihre Fasade, an welcher itzt gebauet wird. In der Sakristey wird eine sehr schöne Arbeit, die ein Deutscher gemacht hat, aufbewahrt. Aus Einem holz hat er Christum am Kreuz mit einer sehr großen Menge von Menschen, deren einige zu Pferde sind, ausgeschnitzt. Die Figuren sind schön, einige, wegen des Lebens und der Freiheit der Gestalten, meisterhaft. Unter diesem Stück ist, und wo ich nicht irre, aus demselben Stück Holz, die Geburt Christi abgebildet.

In der Kirche des heiligen Sixtus hängt über dem Hauptaltar eine Kopie von dem schönen Rafael in der Gallerie von Dresden, Maria mit dem heiligen Kinde, auf der Erdkugel stehend.

Auf einem öffentlichen Platze stehen zwo eherne Bildsäulen zu Pferde, von zween farnesischen Fürsten. Die Männer scheinen mit besser als die Pferde gerathen zu sein. Der Künstler wollte diese mit Feuer und Kraft beleben, und suchte einen Ausdruck von Wildheit, welcher minder schwer zu erreichen ist, als sanftes Leben, und, wenn er verfehlt wird, die Ansprüche des Meisters, statt sie gelten zu machen, desto sichtbarer vereitelt.

Indessen sind diese Bildsäulen nicht ohne Verdienst, und zieren den Platz.

Unfern von Piacenza ergeußt sich in den Po die Trebia, welche berühmt ward durch Hannibals zweeten Sieg über die Römer.


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
  2. Reise in Deutschland, der Schweiz, Italien und Sicilien. von Friedrich Leopold Graf zu Stolberg. Königsberg und Leipzig, bei Friedrich Nicolovius, 1794.
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