Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Melissino.[]

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Melissino, aus Cephalonien gebürtig, trat bey guter Zeit in russische Dienste. Als Mechanikus und Artillerist hatte er sich beynahe mit allen Künsten nach und nach bekannt gemacht. Zu gleicher Zeit beschäftigte er sich mit den Wissenschaften und hatte einigen Geschmack am französischen Theater. Er war Großmeister der Freymäurer in Rußland und Stifter mehrerer Logen; die Kaiserinn aber, die diesen Versammlungen nicht traute, ließ ihn zu sich kommen, und verlangte von ihm das Versprechen, daß er die Logen fernerhin weder besuchen noch beschützen wolle. Unter der Kaiserinn Elisabeth hatte er die Direktion der Schauspiele in Petersburg gehabt, und unter der Regierung Katharinens erhob er sich durch seine Dienste im Kriege. Seiner persönlichen Tapferkeit und Geistesgegenwart hatte der Graf Romanzow vornehmlich den Sieg bey Kagoul zu danken. Nach dem Frieden verschafften ihm seine grossen Feuerwerke reichliche Geldeinnahmen, die er stets brauchen konnte. Da er sich in der Moldau einiger türkischer Batterien bemächtigt hatte, machte ihm Katharine die Stücke zum Geschenk, mit der Erlaubniß, Landesmünze daraus zu schlagen. Rußland hat keinen Offizier gehabt, der ihm so wichtige Dienste geleistet hätte. Nach dem Tode des General Müller, der 1790 bey der Belagerung von Kilia blieb, befand sich Melissino, der damals schon General-Lieutenant und Direktor des Artilleriekadettenkorps war, an der Reihe, Chef der gesammten russischen Artillerie zu werden. Nur dann erst konnte er einen erweiterten Wirkungskreis erhalten. Er ließ ein Korps reitende Artillerie errichten, das nach und nach immer verstärkt wurde. Nach der Thronbesteigung Pauls I. verlor Zoubow, welcher Großmeister der Artillerie gewesen war, seine Stelle, und Melissino befand sich abermals auf diesem Posten. Mit den ersten Tagen seiner Regierung vermehrte Paul seine Ehrenzeichen noch mit dem des blauen Bandes und beschenkte ihn mit 1000 Bauern; bald aber überhäufte er diesen über siebenzig Jahre alten General mit Verdruß und Kummer. Der Schmerz und Tiefsinn zerstörten plötzlich seine blühende Gesundheit und die unermüdete Thätigkeit, welche sein schönes Alter ausgezeichnet hatte; er schwand langsam dahin, und ein neuer Ungestüm Pauls brachte ihm den Tod.


Quellen.[]

  1. Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
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