Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Schicksale der zerstörten Veste Plassenburg.[]


[1] Da bestieg Alexander der Gütige, Markgraf von Ansbach Plassenburgs verwaisten Fürstenstuhl. Nur zwei und zwanzig Jahre beherrschte er das beglückte Land. Dann, wie Timoleon, nachdem er Sicilien die Freiheit geschenkt, übergab er die Regierung im Jahr 1792 Friedrich Wilhelm II. König von Preußen. Gekrönt kehrt Brandenburgs Adler aus Norden zurück auf der Plassenburgs alternde Thürme, wo noch vor dreihundert Jahren die Ahnden der Könige thronten, die der Stolz der Menschheit geworden sind. Noch erlebte Alexander in England, wohin er sich zurückgezogen hatte, der Plassenburg letztes Schicksal; denn er starb im Jahr 1807.

Kaum war im Jahr 1806 der Krieg Frankreichs und des Rheinbundes wider Preußen ausgebrochen, als das Fürstenthum Baireuth, zu entleg n, ausgeschlossen von der Vertheidigungslinie des Preussischen Heers, in furchtbaren Massen von dem französischen überschwemmt wurde: da rückte (10. Oct.) ein leichtes Bataillon bairischen Fußvolkes vor die Plassenburg, sie einzuschliessen.

Der Zeit wahrte der Veste General von Uttenhofen, voll grossprecherei, ohne wahren Heldenmuth, ein gebückter Greis schon; unter ihm befehligte Revulle, von Geburt ein Franzosen. Die Besatzung bestand aus zusammengerafter, aber beherzter Mannschaft. Die bei dem Geschütz waren trefflich geübt; Invaliden, die unter Friedrichs Fahnen gefochten: graue Krieger, aber muthig, siegesstolz; vier Kompagnien, kurz vorher erst errichtet aus Bürgern und Bauern der Stadt und Gegend, kriegslustig, wie noch, stolz auf ihre Burg, blaugekleidet; vor allen glänzten unter ihnen die Schützen, der Kern der Mannschaft, immer lauernd auf den Wällen; dazu noch einige Kompagnien des Regiments von Zweifel, zusammen 700 Mann. Lebensmittel und Kriegsvorräthe auf viele Monathe. Jenes Bataillon leichten Fußvolkes wurde schon den folgenden Tag (11. Oct.) von dem dreizehnten baierischen Linienregiment, unter des Obrist-Lieutenants von Schloßberg Befehlen abgelöst. Schloßberg stand unter dem Grafen von Ysenburg zu Bamberg, dem Provinz-Kommandant. Auch Hieronymus Bonoparte verweilte einen Tag in Steinenhausen. Napoleon selbst legte auf die Eroberung der Plassenburg die höchste Wichtigkeit. Den größten Theil der Truppen mußten die Bürger Wohnung und Nahrung reichen. Das Gelager auf dem Marktplatz wurde ganz von den Kugeln der Vestung beherrscht; aller Orten loderten Wachtfeuer, die Stadt glich bei Nacht einer glühenden Feueresse; durch diese nahe Gefahr, beunruhigende Gerüchte von Plünderung und die Veste selbst, eine donnerschwangre Wolke ihren Häuptern drohend, schwebten Kulmbachs Bürger in einer immerwährenden Todesangst. Ihre Schätze, ihre Habseeligkeiten hatten sie verscharrt, ihre Kinder die Vornehmen weggeschickt, Kirchen und Schulen waren Anfangs geschlossen.

Die bairischen Truppen indessen, da bei der Pörbitsch sich aufstellen, allzugefährlich schien, bemeisterten sich des Rehberges und warfen, dem Rehthurme nahe, einige Schanzen auf; unter den Mauern des verfallnen Thurmes fand ein Hauptmann seinen Tod und sein Grab. Desgleichen im Schutz des Gehölzes verschanzten sie sich im Buchwald und gruben das süße Wasser ab, das von da in langen Röhren in die Burg geleitet wird: ungehindert thaten sie dies Alles. Noch war das Geschütz nicht angekommen; auch fehlte es an hinlänglichem Pulver und Blei.

Unentschlossen handelte Uttenhofen; er verbot alles Feuern; die Kanoniere, ungeduldig, wollten losbrennen, da hielt Revulle auf das Zündloch seine Hand. So wird verachtet bei seinen Untergebnen, wer seine Pflicht nicht erfüllt. Mit Hohn und Geschrei zeigten die Belagerer denen auf der Burg ihre Verachtung. Dessen verdroß die Schützen, einer, Namens Hartmann, rächte sie. Wasser gab ihnen der große Radbrunnen genug.

Unterdessen durchsuchten die Belagerer alle Keller der Stadt und selbst die Sakristei der Peterskirche nach einem unterirdischen Gang, durch den man eine geheime Verbindung des Besatzung aufheben oder die Veste selbst überraschen könnte. Der Tod war dem gedroht, der einen solchen wissen und nicht anzeigen würde; vergebens; der Gang wurde nicht gefunden.

Bei Saalfeld war Ludwig Ferdinand den Heldentod, seiner Ahnen, würdig, gestorben; in der Niederlage bei Jena schien das preußische Heer vernichtet; der Hauptwall der Monarchie, Magdeburg, war gefallen: da entsank Uttenhofen, in dem kein Tropfen von dem Heldenmuth Joachims von Zedtwitz oder Muffels floß, der Muth, ehe noch eine einzige feindliche Kugel die Mauer nur gestreift hatte. Er besaß nicht die heldenmüthige Ausdauer großer Seelen, die Unglück nur zu stählen vermag, nicht den Muth eines Courbiere in Graudenz. Er kapitulirte, um, wie er sich ausdrückte, die Stadt zu schonen. Noch erwartete man die Bestättigung der Uebergabsbedingungen von Ysenburg zurück, als Schloßberg zu Ende der sechsten Woche abgerufen wurde und der Obrist, Graf von Beckers mit dem sechsten Regiment, 2000 Mann stark, erschien mit der unumschränktesten Vollmacht, sich der Vestung, was es auch koste, vorzüglich aber des Archivs zu bemächtigen. Jetzt kamen, bestättigt, die Bedingungen zurück: Plassenburg wird den baierischen Truppen übergeben; die Werke nur werden geschleift; (nur von seinen Truppen bewachte Vestungen in Teutschland macht Bonaparte, wie Rom, unüberwindlich, die andern als Stützen der Freiheit zertrümmerte er); mit klingendem Spiel zieht die Besatzung aus, dann ist sie kriegsgefangen; alle unermeßlichen Vorräthe bleiben den Siegern. Zu Ende der siebenten Woche geschah dies. Noch am 25. Novbr. rückte eine Grenadierkompagnie in das Stacket ein. Schmerzvoll und zugleich froh des Ziels aller Drangsale, blickten die Städter zur Burg hinauf.

Von Neben verschleiert, traurig gieng die Morgenröthe des Konraditages auf, an dem vor dritthalbhundert Jahren Kulmbachs Bürger ihre rauchenden Wohnungen der Wuth des Feindes preißgegeben und des Plassenbergs steile Höhe hinangeklimmt. In langen Reihen, im Triumphe stehen die Sieger die Straße herab. Jetzt rasselt die Zugbrücke. Mit lautem Grimme ziehen die Belagerten durch die Reihen. Das Kommandowort erschallt: da schleudern mit Wuth alle ihre Gewehre, zersplitternd, den Berg hinab. Die Gefangnen werden durch die Stadt geführt, aber aus den Gliedern reissen die Weiber ihre Männer; wenige bleiben in der Feinde Gewalt.

Nun wurden Bergleute vom Gebirg zum Sprengen der Werke und Landleute zum Zerstören aufgeboten. Aber hier offenbarte sich die Vestigkeit der altteutschen Bauart. Die Felsenmasse der hohen Bastei trotzte der Gewalt des Pulvers und spottete der Menschenmacht; nur einzelne Gewölbe und Mauern konnte zerstört werden. Das Läuten der Burgglocke gebot den Thalbewohnern zu flüchten; da wurde nur in häuserhohe Stücke die lange Batterie zersprengt, da rollten stürmend, zermalmend die Trümmer den steilen Bergrücken in die Schlucht hinab. Zertrümmert wurde Alles, was nur zur Bevestigung diente und viele schöne Gebäude. Die alten Rüstungen und Waffen im Zeughause, alles Geschütz, 65 Stücke, -- der Werth belief sich auf eine Million -- wurde theils nach Kronach, theils nach Rothenberg, theils auf andere bairische Vestungen gebracht. So sank Plassenburg.

Die Veste mit dem Fürstenthum durch den Tilsiter Frieden an Frankreich abgetreten, wurde im Jahr 1810 der Krone Baiern einverleibt. So wurde des Landes altes Schicksal wiederhohlt; denn schon vor tausend Jahren herrschten Baierns für Freiheit kämpfende Herzoge über den Nordgau, den die fränkischen Könige aus Achtung ihnen unterworfen hatten; so wechselte Plassenburg seine Beherrscher viermal inner vierzig Jahren. Es bleibe der Nachwelt aufgezeichnet, daß die baierische Regierung diese ehrwürdigen Ueberreste teutscher Vorzeit vor der gänzlichen Zerstörung bewahrt. Französische und verbündete Truppen bewohnten theils seit dieser Zeit die Veste, theils diente sie ihnen zu Krankenlagern. Die Umgebungen und Gärten sind im Jahr 1813 an den Rentamtmann Weltrich in Kulmbach verkauft worden.


Capitulation der Berg_Festung Plassenburg.[]

[2]
Die am 25. November abgeschlossene Capitulation der Bayreuthischen Bergfestung Plassenbu~g laut~te also: Art. 1. Die Garnison marschirt mit allen kriegerischen Ehrenzeichen, nach Auswechselung dieser Capitulation, den 6. Tag ab; sie steckt das Gewehr, und liefert ihre Waffe an der Stelle ab, die man bestimmen wird. Bewilligt, m~t der Ausnahme, daß heute nach Schlag 1 Uhr Nachmittags ein Thor d~n Königl. Bayerischen Truppen überliefert werde, ingleichen von selben das Zeughaus, Pulver- und andere Magazine zugleich besetzt werden; ferner daß dem Königl. Bayerischen Artilleriemajor von Lamaj um die nehmliche Stunde, die in dem Platz befindliche Königl. Preussische Artillerie, Munition und sonstige Kriegsvorräthe von dem Königl. Preussischen Artillerie-Commandanten überliefert werden. Ingleichen werden dem Königl. Bayerischen Ingenieur-Hauptmann v. Busch alle Plane, und sonstige auf die Fortification Bezug habenden Papiere eingehändigt werden. Die Garnison wird mit allen Kriegsehren morgen den 26. d. früh 10 Uhr ausmarschiren, und auf einer Canonenschuß-Weite von der Festung die Waffen strecken; die Königl. Bayerischen Truppen werden en Bataille auf dem Platz aufgestellt seyn. Art. 2. Nach abgelegten Waffen wird die Garnison zu Kriegsgefangenen. -- Die Soldaten werden dahin geführt, wo es Se. Majestät der König von Bayern befehlen. Bewilligt.

(Die Fortsetzung folgt.)


Beschluß der Capitulation der Bergfestung Plassenburg: Art. 3. Die Herren Officiers sind Gefangene auf ihr Ehrenwort, vor der Auswechslung nicht gegen Sr. Majestät den Kaiser der Franzosen und König von Italien, wie auch gegen Se. Majestät den König von Bayern, noch gegen ihre Bundesgenossen, zu dienen, und wird ihnen frey gelassen, sich dahin zu begeben, wo sie wollen; jedoch wenn sie in der Provinz bleiben wollen, muß ihnen das Tractament am Orte ihrer Bestimmung den 1. jedes Monaths bis zu ihrer Auswechslung baar und etatsmässig ausbezahlt werden. Antwort. Die für die Herren Officiers, so in der Provinz Bayreuth zu verbleiben gedenken, anverlangte Gag n werden nur für einen Monath von Sr. Königl. Maj. von Bayern vorgeschossen, und ist als ein Sr. Königl. Maj von Preussen gemachtes Darlehen anzusehen, welches nicht die Summe der von 1400 fl. übersteigen kann. Uebrigens wird den Preussischen Hrn. Officiers das Versprechen gegeben, daß man Se. Maj. den Kaiser von Frankreich und König von Italien bitten wird, denen in der Provinz Bayreuth verbleibenden Königl. Preussischen kriegsgefangenen Herren Officiers durch die Stände dieser Provinz das nehmliche Tractament verabreichen zu lassen, welches die übrigen gefangenen Officiers und die Französ. Depots beziehen. Art. 4. Die Herren Officiers behalten ihre Bagage und Pferde, die Soldaten behalten ihre Tornister und übriges Eigenthum. Art. 5. Die Invaliden behalten ihr ganzes Mobilar-Vermögen, und werden zu diesem Behufe Wägen geliefert, um ihre Sachen an den Ort ihrer zukünftigen Bestimmung unentgeldlich zu bringen. Bewilligt. Art. 6. Das Festungs-Personale, welches theils seine Stelle als Invaliden-Versorgung erhalten, theils ansässige Bürger sind, wird das Eigenthum gesichert, und man hofft, daß ihnen das Gehalt fortbezahlt wird. Bewilligt. Art. 7. Den verheiratheten Officiers wird es frey stehen, so lang auf der Festung in ihren Quartieren zu bleiben, bis man ihnen Wägen genug geliefert hat, um ihre Sachen wegzubringen. Bewilligt. Art. 8. Die verheiratheten, oder in dem Bezirke der Inspection etablirten Soldaten, bleiben bey ihren Familien, mit der Bedingung, vor der Auswechslung nicht zu dienen. Bewilligt. Art. 9. Alle Gemählde, so wie die beyden Stammbäume, die auf das Königl. Preussische Haus Bezug haben, werden aufbewahrt für das Königl. Haus. Bewilligt. Art. 10. Die Kranken Soldaten bleiben bis zu ihrer Genesung auf der Festung. Bewilligt, und werden selbe gleich den Bayerischen Soldaten versorgt und verpflegt werden. Art. 11. Die Invaliden behalten ihren etatsmässigen Gehalt, und werden in Betracht ihrer langjährigen treugeleisteten Dienste bestens empfohlen. Antw. Die Invaliden werden nach Bayreuth gebracht, um allda zu verbleiben, und so wie jene von Magdeburg verpflegt werden. Art. 12. Die Schulden, die noch für Arbeit und um die Festung in Vertheidigungsstand zu setzen, gemacht wurden, können dem bisherigen Gouvernements nicht zur Last gelegt werden, sondern man hofft, daß, da sich die Sachen alle in der Festung befinden, man die Leute, die gerechte Forderungen haben, nach der Uebergabe befriedigen werde. Antwort. Dieses ist nicht von unserer Competenz, wir werden uns aber dahin verwenden, daß diese Schulden gleich den Requisitionen von der Provinz getilgt werden. Also unterzeichnet, und sogleich beyderseits gegen einander ausgewechselt. Plassenburg den 25. November 1806. Graf v. Beckers, Oberst. v. Uitenhoven. de Comeau. Major. v. Rüville. Graf v. Monts.


Quellen.[]

  1. Schicksale und Beschreibung der zerstörten Veste Plassenburg von T. Dorfmüller. Baireuth, 1816. Zu haben bei dem Verfasser.
  2. Wiener Zeitung Nro. 100 Sonnabend, den 13. December 1806.
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