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Pommern, Herzogthum im Obersächsischen Kreise, welches gegen Westen an Mecklenburg, gegen Süden an die Mark Brandenburg, gegen Osten an Preussen, und gegen Norden an die Ostsee gränzt. Es wird eingetheilt in Vor- und Hinterpommern, welche beyde die Oder von einander scheidet. Jenes liegt west- und dieses ostwärts.

Sonst war Pommern ein großer Theil des alten Wendischen Königreichs; darnach hatte es von 1025 eigene Herzoge, die 1637 ausstarben. Nun hätte das Kurhaus Brandenburg, kraft einer Erbverbrüderung, succediren sollen: allein, es war der lezte Herzog mitten im 30jährigen Kriege gestorben, da die Schweden Pommern in Besitz hatten. Wie nun 1648 der Westphälische Friede geschlossen ward, so mußte Kurbrandenburg mit der Hälfte zufrieden seyn, und den Schweden sie andere Hälfte, nämlich ganz Vorpommern, nebst der Insel Rügen, überlassen. Im vorigen Jahrhundert, war Schweden durch den nordischen Krieg unter Carl XII auch in Deutschland unglücklich: denn im Stockholmer Frieden 1720 behielt es von Vorpommern weiter nichts, als das Stück zwischen Mecklenburg, der Ostsee und dem Fluß Peene, nebst der Insel Rügen: das übrige Vorpommern von der Peene bis an die Oder, sammt den Inseln Wollin und Usedom, bekam dagegen Preussen oder Kurbrandenburg. Obschon in dem 1756 entstandenen Kriege, Schweden wider Preussen Pa thie nahm, so ist doch im Hamburger Frieden von 1762 alles bey dem geblieben, wie es seit 1720 gewesen.

Von ganz Pommern besizt also Preussen ohngefähr fünf Sechstel, Schweden aber nur noch eines.

Zu Schweden gehört in Vorpommern das feste Land, oder das eigentliche Pommern von 50 Quadratmeilen, und die Insel und das Fürstenthum Rügen, von 16 Quadratmeilen Flächeninhalt. Die Zahl der Einwohner im Schwedischen Pommern betrug nach der Zählung im J. 1793 107,166, im J. 1800 113,001, und im J. 1802 115,305, mit der Insel Rügen, welche 27,624 Seelen enthält, ohne das Militär, und die Bevölkerung ist immer noch im Zunehmen. Das Land ist fruchtbarer als Preussisch-Pommern, bringt viel Flachs, Tabak und vorzüglich viel Getreid, welches größt ntheils, nach Schweden verführt wird. Auch die Schafs- Schwein- u. Gänsezucht nebst der Fischerey sind ansehnlich. Manufakturen giebt es wenige; die wichtigsten sind die Tabakfabriken, Malzereyen und Brantweinbrennereyen. Die Einwohner sind Lutheraner. Die Landstände bestehen aus der Ritterschaft und den Städten. Der Landmann lebt zum Theil noch unter einer aber sehr leichten Leibeigenschaft. Im J. 1785 betrugen die reinen Einkünfte der ganzen Schwedischen Antheils an Pommern 230,762 Thl. Auf dem Reichstage führt Schweden die Stimme von Vorpommern und Brandenburg von Hinter-Pommern.

Dem König von Preussen gehört, der Vorpommerische Theil des Fürstenthums Stettin, die Inseln Usedom und Wollin, und das ganze Hinterpommern, welches aus dem übrigen Theil des Fürstenthums Stettin zwischen der Oder und Ihne, dem Herzogthum Pommern, dem Fürstenthum Camin, dem Herzogthum Cassuben und Wenden, den Herrschaften Lauenburg und Bütow besteht. Der Flächeninhalt beträgt 442 ge. Quadratmeilen, und die Zahl der Einwohner 489,274, nach der Zählung im J. 1797 meistens Lutheraner und Deutsche, doch giebt es auf den Dörfern auch viele Abkömmlinge der Wenden. Das Land hat 56 Städte und 2,133 Dörfer. Der Adel ist sehr zahlreich, aber nicht wohlhabend; man zählt 1303 adeliche Güter, und 603 angesessene adeliche Familien. Der Bauer lebt unter drückender Leibeigenschaft; im gewöhnlichen Falle muß er die sechs Tage der Woche mit seinen Pferden Frohndienste leisten. Es giebt auch noch Landstände, Prälaten, Adel und Städte. Der Boden ist dem größern Theile nach sandig, bringt aber doch hinlängliches Getreid, nicht blos zum Bedürfniß der Einwohner, sondern auch zur Ausfuhr. Auch die Viehzucht ist beträchtlich, nebst dem Obstbaue und der Bienenzucht. Die Wälder geben noch überflüssiges Holz, und die geräucherten Pommerischen Gänse kennt man durch ganz Deutschland; auch grobe Leinwand aus eigenem Flachse wird ausgeführt. Unter den Manufakturen sind vorzüglich der stark betriebene Schiffbau, die Tuchwebereyen, und die Arbeiten von Bernstein, den man vorzüglich bey Stolpe und Rügenwalde findet, bemerkenswerth. Der Seehandel ist wichtig, würde es aber noch mehr seyn, wenn die Küste nicht so versandet wäre, und bessere Häfen hätte. Diese Preussische Provinz soll zu einem Römermonate 128 Mann zu Fuß und 23 zu Pferd stellen und zu einem Kammerziele 351 Thl. 60½ Kr. geben.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1806.
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