Blumenbrücke.


Die Blumenbrücke.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den angenehmsten Promenaden an heißen Sommerabenden, gehört die neue Brücke über die Seine, die von dem Collége des quatre Nations nach dem Louvre führt, und so die Faubourg S. Germain mit dem lebhaften Quartier der Tuillerien und des Palais royal näher verbindet, als es zeither durch den Pont royal und Pont neuf der Fall war. Da diese Brücke bloß für Fußgänger bestimmt ist, so wählte man für sie eine leichte gefällige Form, und setzte auf die aus Quadersteinen ausgeführten Pfeiler neun Bogen aus gegossenem Eisen, welches der erste Versuch ist, die Englischen eisernen Brücken auch in Frankreich einzuführen. Die Länge der Brücke beträgt 516 Fuß, die Breite 30 Fuß; sie ist mit einem zierlichen eisernen Geländer eingefaßt, und mit starken eichenen Bretern gebohlt. Am Republikanischen zwölften Neujahr (den 24. September 1803) wurde die Brücke dem Publikum geöffnet, und gleich am ersten Tage gewannen die Unternehmer, da jede Person einen Sous *) für die Passage entrichten muß, 3200 Franken, welches eine Menschenzahl von 64,000 Personen ausmachte. Die Annehmlichkeit gegen den Staub geschützt zu seyn, und zugleich die erfrischende Kühlung des Flusses zu genießen, lockte damals schon viele Spaziergänger dahin; doch fehlte es noch an etwas neuem und ungewöhnlichem, um auch die schöne elegante sinn- und genußreiche Pariser Welt dahin zu fesseln. Doch der erfindungsreiche Geist der Unternehmer wußte auch dafür bald zu sorgen. An den ersten schönen Frühlingstagen dieses Jahres verwandelten sie die bis jetzt noch leere Brücke bald in einen schwebenden Feengarten. Der berühmte Blumengärtner Audebert unternahm die Metamorphose. Längs der Brücke wurden zu beiden Seiten die schönsten Orangenbäumen in voller Blüte gestellt. In der Mitte der Brücke erhoben sich zwei zierliche Glashäuser, wo in bunter Töpfen die seltensten blühenden Gewächse fremder Länder die Vorübergehenden zum Kaufe einluden. Hier sah man auf einem einzigen Stängel 6, 8 bis 10 Blüten der prangenden Chinesischen Hortensia *) die oft mit 3 und 4 Louisd'or bezahlt wurde. Daneben erregte die schöne baumartige Datura **) durch den angenehmen Geruch, den sie Morgens und Abends verbreitet, den Wunsch so mancher Dame, den der begleitende Herr für einen einzigen Strauch nicht selten mit einigen Louisd'ors befriedigen mußte. Um das Glashaus herum standen in großer Anzahl minder kostbare blühende Gesträuche und Pflanzen. Die am Tage verkauften Blumen ergänzte Audebert jeden Abend aus seinen reichen Gewächshäusern an der Barriere d'Enfer, so daß den ganzen Sommer hindurch die reichste Blumenflor nie fehlte. -- Diese neue Erscheinung des Blumengartens über der Seine machte den Pont du Louvre bald zur Lieblingspromenade der Pariser schönen Welt. Zur Bequemlichkeit derer, die ruhen wollten, hatte man kleine geflochtene Strohstühle in großer Zahl an den Seiten hingestellt. Hier saßen zwischen blühenden Orangenbäumen, deren aromatischen Geruch der gelinde Abendwind über die ganze Gegend verbreitete, in malerischen Gruppen die schönsten weiblichen Gestalten, und empfiengen von der aus und ab wogenden dicht gedrängten Menge Bewunderung und Huldigung. -- Für Erfrischung sorgte ein Glacier, dessen Garçons mit emsiger Geschäftigkeit vortreffliches Eis in zierlichen Kristallgläsern auf Verlangen schnell brachten. -- Herrlich ist bei Sonnenuntergang der Blick von dieser Brücke. Den Strom hinunter sieht man den Pont royal stets von Wagen, Reutern und Fußgängern bedeckt. In der Ferne verliert sich der Blick in der Gegend von St. Cloud und Meudon. Rechts röthet der letzte Strahl der Sonne dann noch die zahllosen Fenster der Tuilerien und der langen Gallerie des Louvre, und schafft so einen wirklich überraschenden Anblick. -- Für den Winter werden anstatt der Orangenbäume verschiedene Nadelhölzer in Kübeln längst der Brücke gestellt, die kleinen Glashäuser geheizt, um die schönsten Winterfloren darinne aufzustellen, und so wird man auch in der rauhen Jahrszeit in den wärmern Mittagsstunden gern nach dieser immergrünen Zauberbrücke wallfahrten.

C. Bertuch.
*) Ein lustiger Kopf sagte: He bien! il y a autant de personnes dessus que dessous (de sous).
*) Commerson fand dieses schöne strauchartige Gewächs zuerst in Ostindien und nannte es der Frau seines Freundes, des berühmten Uhrmachers Lepaute zu Ehren, Lepautia. Da er aber den Familiennamen für seine Dedication nicht bezeichnend genug fand, so wählte er den Vornamen der Madame Hortensia Lepaute, und nannte nun sein neuentdecktes Pflanzengeschlecht Hortensia.
**) Peru ist das Vaterland der Baumartigen Datura (Datura arborea). Sie wird zehn bis zwölf Fuß hoch, und bekommt im Mai beinahe weiße Trompetenförmige Blüten, woher sie auch den Französischen Namen Trompette du jugement erhalten hat.

Pont des Arts.

Wandeling op Pont des Arts.

Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • London und Paris. Jahrgang 1804. Halle, im Verlage der N. Societäts- Buch- und Kunsthandlung. 1800.
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