Von Bastille bis Waterloo. Wiki
Advertisement

Portugiesisches Heer.[]

[1]
Als die brittischen Schaaren in Portugal landeten, waren die Franzosen einige Monate in Besitz des Landes; der bessere Theil des portugiesischen Heeres war nach dem Innern Frankreichs gesendet, die übrigen entwaffnet und aufgelöst worden. Man kann also unmöglich eine richtige Vorstellung von dem haben, was dieß Heer vor diesem Vorfall gewesen, wenn man nach der Truppen urtheilt, welche vor der Räumung des Landes durch den Feind, zufolge des Cintraer Vertrags, gesammelt wurden, um es zu besetzen.

Erst nach Beresford's Ankunft geschah viel, um es auf einen bessern Fuß zu setzen, oder in Kriegszucht zu verbessern. Ohne einen thätigen Anführer, Stab, oder Kommissariat war leicht vorauszusehen, was das Schicksal des Landes sowol, als der zu seiner Vertheidigung aus England gesendeten Schaaren gewesen seyn würde, wenn die Franzosen die Schlafsucht der in ihrer Einbildung sichern Regierung benützt hätten, und unmittelbar nach der Einschiffung des brittischen Heers in Corunna vorgedrungen wären.

Im portugiesischen Heer waren wenig Adliche, oder Männer von Gewicht; diese, auf die Anstrengung ihres langbewährten und treuen Bundesgenossen vertrauend, und in eine Fühllosigkeit versunken, aus welcher sie schwer zu wecken waren, fühlten gar nicht die Vaterlandsgluth, die in der Brust des kräftigen Handwerkers und Landmanns brannte. Die Officiere bestanden meistentheils aus bejahrten Subalternen, oder Knaben, die, ohne ein Heer gesehen zu haben, zu den höchsten Stellen befördert worden waren. Die Zeughäuser waren leer, ohne Arbeiter und Aufseher. Das Geschütz für die Besatzungen, oder für das Feld war ohne taugliche Laffetten, und ohne Pferde und Maulesel, die es hätten fortschaffen können, die ausgenommen, welche einen Tag vorher mit ihren Treibern zum Dienste gezwungen wurden. Ein anderer nachtheiliger Umstand war, daß die Regimenter in den Landschaften und Städten, wo sie errichtet worden waren, und wovon sie ihren Namen führten, stehen blieben; mithin waren die Officiere so unkundig ihres Landes, als der Bewegungen des Heers, zumal da keine gute Karten zu haben waren.

So stand es um das portugiesische Heer, als Marschall Beresford den Befehl übernahm; seitdem erhob es sich wieder alle Erwartungen schnell in seiner Kriegszucht: wohl bewehrt, gekleidet, bezahlt und genäht, was zuvor nicht der Fall war, wetteifert es jetzt in Haltung mit den besten Truppen auf dem festen Lande, und nach einer Brigade, die ich im Sept. 1809 sah, zu urtheilen, fehlt wenig, sie dem größern Theile an Kriegszucht gleich zu setzen.

Die vormalige Eintracht zwischen der brittischen und portugiesischen Regierung, durch Großbritanniens mächtige Hülfe nun noch befestigt und gestärkt, bahnte sicherlich den Weg zu den Eröffnungen, welche die portugiesische Regentschaft vermochte, einen brittischen Officier an ihres Heeres Spitze zu stellen und in Stand zu setzen, daß er seine Kriegsverbesserungen vollkommen ausführen konnte. Diese Maaßregel wurde mit Villiers, der als specieller Minister des Londoner an den Hof von Lissabon gesendet ward, verabredet, und dieses Ministers Geschick, im Verein mit den Behörden des Prinzregenten, hat man größtentheils zuzuschreiben, daß die Portugiesen sich würdig zeigten, mit Britten in Reih und Glied zu fechten.

*S. Eliot's Abhandlung über die Vertheidigung Portugals S. 109.


Von Reisende.[]

Heinrich Friedrich Link

[2]

[1798]

Dieser Zustand der portugiesischen Armee ist ganz das Werk des Grafen von der Lippe, dieses außerordentlichen Mannes, dessen Andenken in diesem Lande noch bey einem jeden lebt. Wer kennt dort nicht o Conde de Lippe oder kurz o gran Conde, den großen Grafen! Die ganze Nation zollte ihm noch immer eine unbegrenzte Hochachtung; sie erkennt in ihm den Schöpfer ihrer Armee; sie fühlte es mehr, als man es diesseits der Pyrenäen fühlen konnte, daß er ein wahrhafter Ritter im Sinne der Vorzeit war. Nachdem ich viel über diesen Mann in Portugal gehört hatte, las ich mit außerordentlichen Vergnügen, was Zimmermann in seinem Buche von der Einsamkeit über ihn sagt; ich fand darin ein treffendes Urtheil in Zimmermann's schöner Sprache. Der Graf von der Lippe hat es seinen Nachfolgern schwer gemacht, in Portugal ohne Verdruß zu leben. Der Graf Oeynhausen ließ sich verleiten, die Religion zu verändern, und gerade dieses empfahl ihn dem größten Theile der Nation, die nicht fanatisch ist, auf keine Weise. Der Prinz von Waldeck, der liebenswürdigste Mann, den Deutschland Portugal schenken konnte, stand in dem Rufe; seiner Finanzen wegen nach Portugal gekommen zu seyn; und so etwas können die Portugiesen nicht leiden. Er hatte die Unvorsichtigkeit, unter dem Herzoge von Lafoês zu dienen, der freylich vom königlichen Geblüte ist; aber er hat diese Unvorsichtigkeit durch manchen Verdruß bezahlt. Er kannte Portugal nicht; er hoffte durch seinen liebenswürdigen Character zu erhalten, was sich dort unter den höhern Ständen nur erzwingen und ertrotzen läßt. Er starb zu Cintra an den Folgen seiner Tapferkeit vor Thionville, wo er einen Arm verlohr, welches, wahrscheinlich durch den Rückfluß der lymphatischen Feuchtigkeiten, eine Lungenwassersucht erzeugte.

Die portugiesischen Truppen sind nicht schlecht. Ich kenne Regimenter, die gut exerciren und vortrefflich feuern, selbst wenn ich sie mit den vielen und verschiedenen Heeren verglich, deren Manoeuvres ich gesehen habe. Mir schien das Regiment von Gamez Freire zu Lissabon besser zu exerciren, als das ursprünglich Emigranten, nachher englische Regiment Dillon. Die sechs Regimenter, welche im letzten Kriege gegen die Franzosen in Roussillon standen, haben ihre Pflicht ohne Tadel gethan; und, als sie einmahl ohne ihre Schuld überfallen wurden, sich brav geschlagen. Die Emigranten unter dem Marquis St. Simon und die Spanier geben ihnen dieses Lob einmüthig. Kurz, es fehlen den Soldaten nur Offiziere und Generale, wie einst Albuquerque, Pacheco, da Cunha, waren; ich bin überzeugt, sie würden solchen Führern folgen. Man sieht brave vortreffliche Offiziere unter ihnen; denn die Zeiten, wo die Offiziere am Tische aufwarteten, sind vorbey und in Portugal mehr vergessen, als anderwärts: aber es ist nicht zu läugnen, daß die Offiziere noch nicht in der Achtung stehen, als sie er in einem Lande verdienen, welches sich so lange Zeit durch seine militärische Energie erhielt. Freylich Commandanten von Festungen, die in Lissabon wohnen, und höchstens einmahl in ihrem Leben ihre Festung gesehen haben; Generale, die sich nicht bey ihren Regimentern aufhalten, werden zu dieser Verbesserung nichts beytragen; auch wohl sehr wenig die jungen französischen Emigranten, welche man überall einschiebt, und die nur Haß erregen, ohne zu nutzen. Soll eine Nation gebildet werden, so muß es durch sie selbst geschehen; Ausländer können nur als Muster dienen, so lange sie die Eingebornen nicht zurücksetzen.

Die Uniform der portugiesischen Infanterie und Cavallerie ist dunkelblau; die Husaren tragen hellblau; die Seesoldaten grün; die Marine ist wie die englische gekleidet. Die blauen oder rothen tuchenen Beinkleider mancher Regimenter und die schwarzen manchesternen Beinkleider der Offiziere machen einen widrigen Eindruck. Die Generale und die Offiziere von der Suite tragen roth Scharlach mit Gold reich besetzt. Die Cavallerie hat, wie die spanische, blos Hengste; doch sind die Pferde plumper gebauet, als die spanischen Cavalleriepferde. Sie reiten nicht übel, aber ihre Montur sitzt ihnen schlecht. Die Soldaten werden ärmlich gehalten; ein Gemeiner bekommt täglich zwey vinteins oder 40 Reis (600 machen einen Thaler), wovon noch etwas für Montur abgeht; ein höchst erbärmlicher Sold in einem so theuren Lande, als Portugal, vorzüglich in Lissabon. Brot, eine Sardinin, schlechter Wein, sind die beständige und tägliche Nahrung dieser Menschen, die wohl selten oder nie Fleisch und Gemüse zu essen haben. Im Jahre 1798 wurde eine Menge junger Leute mit Gewalt ausgehoben, und manche Regimenter wurden um 500 Mann vermehrt. Man riß die Leute von ihrer Feldarbeit; man fing sie überall auf; die Regierung versprach den Juizes de fora, welche viel Rekruten anschaffen konnten, Belohnungen; und die Folge davon war, daß oft ganze Schaaren antraf, die in einer langen Reihe wie Verbrecher mit gebundenen Händen einherzogen. Es war ein Jammer, diese Leute zu sehen, die vielleicht zu Hause von den Früchten ihrer Arbeit bequem leben konnten, und nun in die Städte geschleppt wurden, um dort Hunger zu leiden. Oft bin ich des Abends zu Lissabon von der Wache vor den Casernen des Regiments Gomes Freire angebettelt worden, von Menschen, welche die größten Ansprüche auf mein mitleiden hatten. Kann man es der portugiesischen Nation verdenken, wenn sie unter solchen Umständen den Kriegsdienst verabscheuet?

Die Zahl und Nahmen der Regimenter in Portugal sind folgende:

Infanterie: Zwey Regimenter von Elvas, zwey von Olivença, zwey von Braganza, zwey von OPorto, Regim. v. Peniche, Reg. v. Setuval, Reg. v. Cascaes, Reg. v. Campo mayor, Reg. v. Estremoz, Reg. v. Penamacor, Reg. v. Serpa, Reg. v. Lagos, Reg. v. Faro, Reg. v. Moura, Reg. v. Castello de Vide, Reg. v. Alminda, Reg. v. Chaves, Reg. v. Vianna, Reg. v. Valença. Alle diese haben ihren Nahmen von der Oertern; folgende aber von den jetzigen oder vormahligen Chefs: Reg. von Lippe, Reg. v. Freire, Reg. v. Lancastre. Das erste Regiment von Braganza, das Reg. v. Moura und das Reg. v. Estremoz standen damahls in Amerika.
Cavallerie: Reg. vom Kay, in Lissabon (do Caes), Reg. v. Alcantare, Reg. v. Evora, Reg. v. Elvas, Reg. v. Tavira, Reg. v. Moura, Reg. v. Castello branco, Reg. v. Alminda, Reg. v. Miranda, Reg. v. Olivença, Reg. v. Chaves, Reg. v. Bragança. Das einzige Regiment Meklenburg hat seinen Nahmen nicht von einem Orte, sondern von dem jetzt regierenden Herrn Herzog von Meklenburg Strelitz. Hiezu kommt noch eine Legion leichter Truppen (Husaren).
Artillerie: Reg. v. Lissabon (da Corte), Reg. v. Algarvien, Reg. v. Estremoz, Reg. v. OPorto. Hiezu kommt noch ein Ingenieur-Corps.

Den Dienst um die königliche Familie thun die Regimenter in Lissabon, das Reg. Lippe und vom Kay.

In den ausländischen Besitzungen sind folgende Regimenter:

Infanterie: Zwey Regimenter von Bahia, Reg. v. Rio de Janeiro, Reg. v. Maranhão (sprich Maranjaung, so wie Schanero), Reg. v. Rio negro, Reg. v. Para, Reg. v. Santos, Reg. von der Insel Catharina, Reg. v. Olinda, Reg. v. Recife, Reg. v. Macapa', Reg. v. Angola, Reg. Mosambique, wovon aber die Offiziere zum Theil in Portugal leben, vielleicht auch die Gemeinen; zwey Reg. v. Goa, zwey Legionen Sipoys.
Cavallerie: reg. v. Minas geraes, Volontäre der Capitania von St. Paul, Dragoner von Rio grande, leichte Cavallerie von Rio grande.
Artillerie: Reg. v. Rio de Janeiro, Reg. v. Bahia, Reg. v. Goa.

Zu diesen kommen noch die drey Regimenter, welche sich, wie oben angezeigt ist, in Amerika befinden.

Der Marechal general junto à real pessoa de S. M. oder der General en Chef neben der Person Sr. königl. Majestät ist der Herzog von Lafoês (Lafons). Der Prinz von Waldeck hatte den besondern Titel, Marechal dos exercitos de S. M. Marschall der Armeen Sr. Majestät.

Es ist unmöglich, die damahlige Zahl der Truppen genau anzugeben, da man manche Regimenter ganz unbestimmt verstärkte. Die Ursache lag wohl in der Eskadre, welche die Franzosen zu Toulon ausrüsteten, und welche man nach Algarvien bestimmt hielt. Sobald man ihre Ankunft in Egypten wußte, war man nicht mehr so eifrig; indessen hörte man doch nicht ganz auf, die Armeen zu vermehren. Doch kann man das Regiment Infanterie nicht über 1200 Mann rechnen. Hiezu kommt noch die Landmiliz, nach den Districten abgetheilt, wovon jeder seinen Obersten hat.


Zeitungsnachrichten.[]

[1806]

[3]

Portugall.

Ein an das Kriegscollegium erlassenes Königl. Decret enthält im Wesentlichen folgende Verfügungen: Die Portugiesische Armee wird in Divisionen und Brigaden eingetheilt; die einzelnen Corps müssen in Friedens- wie in Kriegszeiten vollzählig erhalten werden; jedes derselben nimmt auf der Rangliste stäts die nähmliche Stelle ein, ohne Rücksicht auf den Grad oder die Dienstjahre seines Befehlshabers. Es werden drey Divisionen seyn, die Division des Südens die Centraldivision und die Norddivision; jede wird aus 8 Infanterieregimentern, die 4 Brigaden bilden, aus 4 Regimentern Cavallerie und einem Regiment Artillerie bestehen, die Division des Südens ausgenommen, bey welcher 2 Artillerieregimenter seyn werden. Die Infanterieregimenter erhalten Nummern von 1 bis 24, die Cavallerieregimenter von 1 bis 12, und die Artillerieregimenter von 1 bis 4. Die Legion der leichten Truppen ist in dieser Organisation nicht mitbegriffen, da sie keinen bestimmten Rang in der Linie hat xc. Nach Gerüchten, die zu Lissabon verbreitete waren, erwartet man bey Cadix in diesem Sommer eine Armee von 60,000 Mann. Ein Französischer Agent soll jetzt beschäftigt seyn, von der Barbarischen Küste Vieh und Pferde für dieselbe einzukaufen. Der Kaiser von Marokko soll den Ankauf des Viehes, aber nicht der Pferde bewilliget habe.


Quellen.[]

  1. Arthur, Herzog von Wellington. Sein Leben als Feldherr und Staatsmann. Nach englischen Quellen, vorzüglich nach Elliot und Clarke, bearbeitet und bis zum Sept. 1816 fortgesetzt. Leipzig und Altenburg: F. A. Brockhaus. 1817.
  2. Bemerkungen auf einer Reise durch Frankreich, Spanien, und vorzüglich Portugal, von D. Heinrich Friedrich Link, Professor zu Rostock, und verschiedener Gelehrten-Gesellschaften Mitgliede. Kiel, in der neuen Academischen Buchhandlung, in Commission Helmstädt und Braunschweig, bey C. G. Fleckeisen. 1801.
  3. Wiener Zeitung. Nro. 64. Sonnabend, den 9. August 1806.
Advertisement