Aufruf an die Einwohner Preussens. [1]

Rußlands Krieger haben den schändlichen Einbruch in ihr Land gerächt. Sie haben den Feind, der es überschwemmt hatte, vernichtet, und sind jetzt im Verfolgen der kleinen Ueberbleibsel einer ungeheuren Armee, die aufs Neue dem Blutdurst des Tyrannen und seiner tollen Eroberungssucht geopfert worden ist. Wir betreten jetzt Eure Gränze, gute Nachbarn, doch geschieht es bloß in Folge der von uns fortzusetzenden Operationen gegen den fliehenden Feind, gegen den Feind des menschlichen Geschlechts, und folglich auch den Eurigen, bis wir das Ziel erreicht haben, das wir uns gesteckt, und den Frieden errungen, der unserer würdig ist. Verkennt also nicht unser Einrücken in Euer Land. Wir kommen nicht als Feinde, nicht als Eroberungssüchtige. Euer Eigenthum soll uns heilig seyn, Euer Land nach Beendigung des Krieges wieder geräumt werden. Excesse keiner Art sollen geduldet seyn; und damit die nöthige Verpflegung der Armee mit Ordnung geschehe und nicht Einzelnen zu sehr zur Last falle, so ernennt Eure eigenen Kommissärs, mit denen wir über das herbeyzuschaffen Nöthige übereinkommen werden, und die von uns die Quittungen über das Gelieferte zu erhalten haben.

Damit Ihr aber überzeugt seyn möget, wie sehr die Schonung Eures Landes und Eures Eigenthums uns am Herzen liegt, so legen wir eine Abschrift des Befehls an die Armee hier bey, so wie ihn der kommandirende General erlassen hat, woraus Ihr ersehen werdet, daß die strengste Mannszucht und Gerechtigkeit einem Jeden versichert ist.

Preussen! Wir haben unsere Unabhängigkeit verfochten; es wäre uns süß, gemeinschaftlich mit Euch, auch die Eurige wieder herzustellen.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 313. Montag, den 30. December 1812.
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