Russische Proclamationen in Finnland.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Noch fügen wir hier die Proclamation bei, welche General Buxhövden bei seinem Einrücken in Finnland, an die Finnländische Nation erließ:

Gute Nachbaren und Einwohner von Schwedisch Finnland!

Mit dem größten Mißvergnügen sieht sich Se. Russisch Kaiserl. Maj., mein allergnädigster Herr und großmächtigster Fürst gezwungen, Seine unter meinem Befehl stehenden Truppen, in euer Land zu senden.

Es ist um so unangenehmer für Se. Kaiserl. Maj. diesen Schritt zu thun, wozu ihn die Begebenheiten, die sich in Schweden ereignen, zwingen, da er noch sehr wohl der edlen nachbarlichen Gesinnung eingedenk ist, so wie des aufrichtigen, freien und ungezwungenen Vertrauens auf Rußlands Beschützung, welches die Finnische Nation im Anfang des letzten Kriegs so unerschrocken zeigte, als der Schwedische König, ohne die mindeste Anleitung, und euerer Grundverfassung entgegen, einen eben so plötzlichen als unbilligen Einbruch über unsere Gränzen verübte.

Allein da Se. Königl. Schwedische Maj. weit entfernt, sich mit Sr. Russisch Kaiserl. Maj. zu den friedlichen Bestrebungen verbinden zu wollen, womit Se. Kaiserl. Maj. gesucht hat, die Ruhe wieder zu begründen, welcher Europa so lange entbehrte, und die es einzig von dem zwischen den beiden mächtigsten Staaten so glücklich geknüpften Bunde zu erlangen hoffen kann, sich nicht nur mehr und mehr davon zurück zieht, sondern sich auch noch immer fester mit dem gemeinschaftlichen Feinde der allgemeinen Ruhe verbindet, dessen drückendes System, und unerhörtes Betragen gegen Se. Maj. und des Königs eigene nächste Bundsverwandte, nicht mit Kaltsinn von Sr. Kaiserl. Maj. angesehen werden kann; so ist es in Rücksicht dieser Gründe, vereint mit dem, was Se. Kaiserl. Maj. Ihres eigenen Landes Sicherheit schuldig ist, daß er sich genöthigt sieht, euer Land in Besitz unter seinem Schutze zu nehmen, sich eine gehörige Bürgschaft zu verschaffen, wenn Se. Königl. Schwedische Maj. in dem Vorsatz beharrt, nicht die billigen Friedensbedingungen anzunehmen, die unter Sr. Russisch Kaiserl. Maj. Friedensvermittlung ihm von Sr. Kaiserl. Französischen Maj. zur Wiederherstellung eines glücklichen Friedens, der stets Sr. Russisch-Kaiserl. Maj. wichtiges Bestreben war und ist, vorgelegt worden sind.

Gute Nachbaren und Finnische Männer! bleibt ruhig und ohne Furcht in euern Wohnungen. Wir kommen nicht als Feinde, sondern als Freunde und Beschützer zu euch, um euern Zustand glücklicher zu machen, indem wir uns dadurch in den Stand setzen, von eurem Land die Plagen zu entfernen, wovon ihr, bei eintretendem Kriege unbezweifelt ein Opfer werden müßtet. Laßt euch nicht verführen, die Waffen zu ergreifen, oder auf die mindeste Art Sr. Kaiserl. Maj. mir gnädigst anvertrauten Truppen zu schaden: er sich dawider versieht, hat sich selbst die Folgen zuzuschreiben.

Dagegen werden sich alle die, die sich durch Ergebenheit die väterliche Vorsorge des Kaisers für das Wohl des Landes zu befördern, auszeichnen, seines hohen Schutzes und seines Wohlwollens verdient machen. Und da es Sr. Kaiserl. Maj. Wunsch ist, daß alles, was im Land vorgenommen wird, seinen gewöhnlichen Gang, euren Gesetzen, Gewohnheiten und Statuten zufolge, gehen möge, die alle in ihrer Kraft verbleiben, so lange Ihre Truppen genöthigt sind, hier im Lande zu bleiben, so wird hierdurch ein jeder Beamter, er sey vom Civil oder Militär, in seinem gesetzlichen Beruf und Amte bestätigt, jedoch mit der Ausnahme der gebornen Schweden, die sich möglicher Weise dessen bedienen möchten, um gegen das Beste des Landes das Volk zu verführen und irre zu leiten.

Was zur Unterhaltung und Erfrischung der Truppen nöthig ist, soll sogleich und mit baarem Gelde bezahlt werden; jede Lieferung soll, in Folge Uebereinkunft unserer und der Landescommissarien vergütet werden, und damit ihr auch hierin Sr. Kaiserl. Maj. Sorge für euer Wohl erfahret, hat er befohlen, daß die vorhandenen Magazine noch vermehrt werden sollen, aus welchen die dürftigen Einwohner des Landes so gut wie seine eigene Truppen mit Lebensmittel versorgt werden können.

Da gleichwohl Umstände eintreten können, zu deren guten, nachbarlichen Erledigung gegenseitige zutrauungsvolle Ueberlegung und Vereinigung in den Beschlüssen erforderlich wären, so werdet ihr hiedurch eingeladen, so schnell als es geschehen kann, eure Deputirten von einer jeden Provinz, in der gesetzlichen Ordnung, die bei euren Reichstagen gebräuchlich ist, nach der Stadt Abo zu senden, um sich über alles zu berathen, was ferner zum Nutzen des Landes geschehen kann.

Das Großfürstenthum Finnland soll also von dieser Stunde an, und bis weiter, gleich den übrigen eroberten Russischen Reichsprovinzen, die unter der milden Regierung Sr. Kaiserl. Maj. Vorfahren, und auch unter Ihrem Scepter einer glücklichen Ruhe genießen, angesehen werden, mit Beibehaltung aller derjenigen Privilegien und ihrer freien Religionsübung, die sie bisher besaßen und noch besitzen, nebst weiteren. Die gewöhnlichen Abgaben an die Krone sollen also hinfort unverändert entrichtet werden, blos nach Angaben der alten Erdbücher, mit Ausnahme des festgesetzten Beamtensoldes, der auf dem gewöhnlichen Fuß verbleibt. Alles dies dient zur Nachricht der Beikommenden, welche in diesem, wie in allen andern denjenigen Folge zu leisten haben, was fernerhin in Sr. Kaiserl. Maj. Ukasen befohlen werden könnte.

Gegeben im Hauptquartier zu Fredericshamn, den 6 18ten Febr. 1808.

(Unterz.) Buxhövden.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1808.
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