Proklamation des Generalgouverneurs von Moskau vom 11ten September, den Tag vor der Ankunft des Kaisers bekannt gemacht.

Brüder! Unsere brave, unermeßliche Armee wird das Vaterland mit Gefahr ihres Lebens vertheidigen.

Laßt uns den treulosen Feind hindern, Moskau zu betreten. Die Unsrigen nicht mit aller unserer Kraft zu unterstützen, würde ein Verbrechen seyn; Moskau ist unsere Mutter, es hat Euch ernährt, von ihr erhieltet ihr Eure Reichthümer. Ich rufe Euch im Namen der Mutter des Heilandes zur Vertheidigung der Tempel des Herrn in der Stadt Moskau und in ganz Rußland auf.

Bewaffnet Euch, so wie es Euch möglich seyn wird, als Reiter und als Fußknechte. Nehmet Brot auf 3 Tage mit Euch; versammelt Euch unter den Fahnen des Kreuzes und zieht sobald als möglich nach den drey Bergen. Ich werde mit Euch seyn, und wir werden den Treulosen vertilgen. Ehre sey denen, die beym Kampfe erscheinen; das dankbare Vaterland wird das Andenken derer, dir für dasselbe fallen, erhalten. Die, die schlechten Willen zeigen, werden am jüngsten Gerichtstage ihren Lohn empfangen.


Proklamation des Generalgouverneurs Rastopschin.

Es geht hier das Gerücht, daß ich den Ausgang aus der Stadt verboten habe. Wäre dies in der That also, so würde man Soldaten an den Barrieren sehn und tausende von Wagen aller Art würden nicht von allen Seiten abgehen. Ich bin es wohl zufrieden, daß die Damen und die Kaufmannsfrauen ihrer Ruhe wegen fortreisen. Je weniger Furcht, je weniger Gefahr. Aber ich tadle die Ehemänner, die Brüder und Verwandte, die mit den Frauen gereist sind, in der Absicht nicht wieder zu kommen. Das heißt sich schlecht nehmen, wenn sie glauben, daß Gefahr vorhanden sey, und sie überhäufen sich mit Schande, wenn keine vorhanden ist. Ich hafte mit meinem Leben dafür, daß der Feind nicht nach Moskau kommen wird, und zwar aus diesem Grunde: die Armee zählt noch 130,000 Mann auserlesener Truppen und 1800 Kanonen, und Se. Hoheit, der Prinz Kutusow, ist vom Kaiser zum Kommandeur des ganzen Heeres erwählt. Hinter dem Feinde zeigen sich die Korps der Generale Tormassow und Tschitschagoff, 85,000 Mann auserlesener Infanterie und Kavallerie.

Der General Miloradowitsch ist mit 30,000 Mann Infanterie, 3800 Mann Kavallerie, und 84 Kanonen, von Kaluga nach Moshaisk gekommen. Der General Graf Markoff wird binnen 3 Tagen mit 24,000 Mann, dem noch 7000 Mann folgen, nach Moshaisk kommen. Zu Moskau, Klin, Zawidow und Podolsk befinden sich 14,000 Mann Infanterie. Wenn diese Macht nicht hinreicht, um den treulosen Feind zu schlagen, so werde ich Euch zurufen: Kommt, meine Freunde, Ihr Moskauer, wir wollen auch marschiren! wir werden 100,000 Mann versammeln, werden das Bild der heiligen Jungfrau und 150 Kanonen mit uns nehmen und Allem ein Ende machen.

Der Feind hat 150,000 Mann, theils eigene Leute, theils Alles, was er hat zusammenraffen können; sie nähren sich von Pferdefleisch.

Dies ist es, was ich Euch hiermit bekannt mache, damit die Einen sich erfreuen, die Andern sich beruhigen, besonders wegen der nahen Ankunft des Kaisers in seiner getreuen Hauptstadt.

Leset, Alles ist leicht zu begreifen, aber ziehet keine Folge aus dem, was ich Euch mitgetheilt habe.


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 246. Sonnabend, den 12/24. Oktober 1812.
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