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Lüttich.Bearbeiten


Lüttich [1] bildet jetzt (nachdem jedoch einige Theile des vormaligen Hochstifts Lüttich zu den Provinzen Hennegau, Limburg und Namur gekommen, und dafür von Limburg, Luxemburg und Namur einige andere dazu geschlagen worden sind) eine Provinz des Königreich der Niederlande, welche an Limburg, die preußische Provinz Niederrhein, Luxemburg, Frankreich, Namur und Südbrabant gränzt, und 102 Quadratmeilen mit 354,000 Einwohnern enthält. Außer der Maas, an denen beiden Seiten sie liegt, wird sie vorzüglich von der Ourthe durchflossen. Der Boden dieser Provinz ist im südlichen und östlichen Theile, wohin sich eine Fortsetzung der Ardennen zieht, waldig, felsig und hügelig, im westlichen Theile eine fruchtbare Ebene mit gutem Getraide. Getraide wird nicht hinreichend für den Bedarf des Landes gezogen, und muß durch den Kartoffelbau ersetzt werden. Die Rindvieh- und Schaafzucht ist sehr ausgebreitet. Bekannt sind die Limburger Käse, welche diese Provinz liefert. Das Steinreich gibt sehr viele Steinkohlen, Galmei, Alaun, Eisen, Kalk. Bau- Wetz- und Flintensteine, und guten Marmor, und zu Spaa ist ein berühmtes Mineralwasser. In einem großen Theile ist die Industrie sehr wichtig, besonders die Tuch- und Eisenfabriken; die Lütticher Gewehre und Vervierstücher werden weit und breit ausgeführt.

Lüttich, die Hauptstadt, liegt in einem Thale an der Maas, welche hier die Ourthe aufnimmt, zwischen zwei Bergen, und war sonst fest und mit einer Citadelle versehen. Die Stadt ist groß aber nicht hübsch, und die Straßen sind meistens enge und finster, nur die Gestade längs des Flusses sind schön. Die Maas theilt die Stadt in die alte oder obere, und in die neue oder untere; auch gehören zehn Vorstädte zu Lüttich. Ueber die Maas führten siebenzehn Brücken, unter welchen sich die Brücke des Arches durch ihre eisernen Geländer auszeichnet. Die Stadt enthält 245 Gassen, 40 Kirchen, 8000 Häuser und nur 47,000 Einwohner, größtentheils Wallonen, die ein verdorbenes Französisch reden. Außer den Tuch- und Wollenzeugfabriken, sind vorzüglich die hiesigen Gewehrfabriken bemerkenswerth, welche Stücke von einer Krone bis zu 500 Louisd'or verfertigen. Auch gibt es hier eine große Stückgießerei und Bohrerei, Gerbereien, Leimsiedereien, Cichorienfabriken, eine Feilen- und Ambosfabrik, und man verfertigt viele Nägel. Zwölf Schwarzblechmühlen in der umliegenden Gegend bereiten jährlich 90 bis 100,000 Centner Blech. In der Nähe sind große Steinkohlbrüche, die sich mehrere tausend Fuß unter der Erde forterstrecken, und jährlich gegen 4 Millionen (nach Villefosse fast 9 Millionen) Centner Steinkohlen liefern. Auch der Handel Lüttichs mit diesen Fabriken und Producten, so wie der Speditionshandel ist ansehnlich; daher ist auch hier eine Börse und ein Handelsgericht.


Quellen.Bearbeiten

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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