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Das Ende der bisherigen deutschen Reichsverfassung.Bearbeiten

Der sechste August 1806.

Unter die merkwürdigsten politischen Ereignisse der neuesten Zeit, gehört das Ende der bisherigen deutschen Reichsverfassung, das den heutigen Tag auszeichnet. An diesem machte Franz II. seine Entschliessung bekannt, daß er auf die Würde, und den Titel eines römisch-deutschen Kaisers Verzicht leiste, und mit dieser Erklärung wurde die beynahe tausend Jahre gedauerte deutsche Verfassung aufgehoben. Der französische Revolutionskrieg äusserte auf diese den größten Einfluß. Das ganze linke Rheinufer kam in die Gewalt der Franzosen. Durch den Lüneviller Frieden (1801) und die zu Regensburg niedergesetzte Reichsdeputation, erhielt Deutschland eine ganz andere Gestalt. Es ward nicht nur um 1300 Quadratmeilen kleiner, sondern auch die Zahl der Reichsstände verminderte sich. Die Churstimmen von Trier und Cöln erloschen, die Churwürde von Maynz ward auf Aschaffenburg übertragen, das Herzogthum Wirtemberg, die Markgrafschaft Baaden und die Landgrafschaft Hessen Kassel wurden zu Churstaaten erhoben. Von den vielen Reichsstädten blieben nur noch sechse übrig. Durch den Presburger Frieden näherte sich die deutsche Verfassung immer mehr ihrer Auflösung. Es entstanden zween neue Könige, Baiern und Wirtemberg. Der Chur-Erzkanzler und einige andere Fürsten entsagten der Churwürde. Alle diese Umstände bewogen endlich Franz II., der sich schon im August 1804 zum erblichen Kaiser von Oesterreich erklärt hatte, auf die römisch-deutsche Kaiserkrone Versicht zu leisten, wornach der Rheinbund unter den Auspicien des Kaisers Napoleon immer mehr Zuwachs erhielt, bis im Jahr 1814 auch dieser ein Ende nahm.

Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
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