Von Berlin nach Hamburg.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Reiserouten durch Deutschland. 23)

Meil. Stat. Meil. Stat.
Boetzow. Lentzen.
Fehrbellin. 5 Lübthen.
Wusterhagen. Boitzenburg.
1 Kyritz. 4 Escheburg.
Kleetzke. 3 Hamburg.
Perleberg. 37½ Meil.

Kurze Notizen.

Gasthöfe. Lentzen: guter Gasthf. Boitzenburg: desgleichen. Hamburg: s. No. 45., wo auch die umständliche Beschreibung stehet.

Lokalmiszellen. Rheinfels, in dessen Nähe man vorbeykommt, wo ein Schloß und Garten, jeder Baum, jeder Stein beynahe ein Heiligthum der preußischen Geschichte durch Friedrichs des Großen und seines Bruders Heinrichs Aufenthalt, ist, soll, nach den gedruckten Berichten eines Reisenden, jetzt mache nachtheilige Vernachlässigung und Umwandlung erfahren. -- Fehrbellin. Berühmt in der preußischen Geschichte durch den glänzenden Sieg des großen Kurfürsten am 18. Junius 1675 über die Schweden. An der Stelle, wo er an der Spitze von 4 Regimentern den entscheidenden Angriff that, hat der Domherr von Rochow 1802 ein Denkmal setzen lassen, das man von der Heerstraße gewahr wird. -- Lentzen: hat eine angenehme Lage, man setzt in eine Fähre über die Elbe. -- Boitzenburg. Niedliche, Meklenburgische Stadt, welche an die holländische Nettheit und Reinlichkeit erinnert. -- Von Eschenburg auf Hamburg hat man den Blick auf Lauenburg und auf die, in der Ferne strömende Elbe. Große Menge von Landhäusern. --  


Von Reisende.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christian Ulrich Detlev von Eggers

[2]

Berlin, den 14. Dec. 1805.

Meine Lage ward durch die späteren Nachrichten weit schwieriger, als sie es bei meiner Abreise aus Kopenhagen war.

Wir wissen jetzt die Franzosen nicht allein in Wien; wir haben auch schon Nachricht, daß Napoleon einen großen Sieg in Mähren erfochten hat. In dieser trüben Zeit darf ich nicht erwarten, etwas für mein Geschäft ausrichten zu können. Nach Wien zu kommen ist unmöglich; wo die Collegien sind, mit denen ich doch wohl zu thun haben werde, kann ich nicht erfahren. Auf der andern Seite bin ich ohne Nachricht. Man würde mir ja früher geschrieben haben, wenn ich nicht kommen sollte. Ganz vergessen kann ich die Sache auch nicht glauben, weil die Diplomatischen Agenten meiner öfterer erwähnen. Ich muß also annehmen, man setze voraus, ich werde mich mit meiner Reise nach den Umständen richten.

In diesem Sinne habe ich meine Reise vorerst nach Berlin fortgesetzt, um hier nähere Nachrichten abzuwarten.

Ich wählte die gewöhnliche Poststraße über Lenzen und Perleberg. Dieser Weg betrug sonst nur 33½ Meilen; allein nach einer neuen Vermessung ist er 37¾ Meilen. Sonst waren von Boitzenburg bis Berlin 26½ Meile, jetzt sind es 30¾ Meilen, die ¾ Meilen einbegriffen, um welche auch die Mecklenburgische Station zwischen Boitzenburg und Lobtheen verlängert ist. Man hat nach Escheburg 3 Meilen, nach Boitzenburg 4, Lübtheen 3¾, Lenzen 5, Perleberg 3¾, Kleetzke 2½, Kyriz 3½, Fehrbellin 4½, Bützow 4½, Berlin 3¼ Meilen. Diese neue Vermessung der Poststraßen ist im ganzen Reiche unter der Direction des Ministers Grafen Schulenburg-Kehnert vorgenommen. Die Berliner, die das Bon-motisiren, wie die Franzosen lieben, sagen daher, dieser Finanzminister habe die Kunst gefunden, dem König mehrere hundert Meilen Landes zu gewinnen. Wenigstens sind die Post-Einkünfte beträchtlich dadurch erhöhet.

Auf dem Wege nach Escheburg kömmt man durch Hamm und Horn, durch das Holsteinische Dorf Schifbeck, dann durch Boberg, Steinbeck und den wohlgebaueten Flecken Bergedorf, zwei Meilen von Hamburg. Er gehört Hamburg und Lübeck gemeinschaftlich. Nachher kommen, im Hannöverischen, Holzernklinken und das rothe Haus. In Escheburg ist die Post Preusssch.

Das Hannöverische, oder vielmehr das Sachsen-Lauenburgische, geht bis auf eine halbe Meile vor Boitzenburg. es ist ein schönes Land, verhältnißmäßig der bewohnteste Theil des Hannöverischen. Nach dem Absterben seiner eigenen herzoglichen Familie fiel es an Hannover. Holstein hatte auch gegründete Ansprüche, die, nach der deutschen Verfassung, im Fall einer abermaligen Erledigung, wieder aufleben. In Ansehung des Amtes Steinhorst sind sie durch einen ausdrücklichen Vertrag vorbehalten.

Zwischen Eschenburg und Boitzenburg kommt man nach Neu-Krug, Geisthoft, Heidekrug, Grünjäger, Grünhoff, Schnackenbeck, Horst, Vierkrug und Vierhof. Gleich hinter Schnackenbeck, zwei Meilen von Escheburg, kommt man dicht vor Lauenburg vorbei. Es bleibt rechts an der Elbe liegen. Hier sahen wir auf der Höhe unerwartet -- Schwedische Vorposten. Wir freueten uns unsere Sprache mit ihnen zu reden -- Schwedisch und Dänisch sind eigentlich blos verschiedene Mundarten. Die Schweden haben nicht nur das Lauenburgische besetzt, sie wollen auch in Verbindung mit den Russen und der aus England gelandeten Hannöverischen Legion weiter vordringen. Der König von Schweden allein hat Frankreich förmlich den Krieg erklärt, als er am 2ten Novbr. mit einem Theil seiner Armee nach Stralsund gieng. Nachher machte er den deutschen Mitständen auf dem Reichstage am 17ten Novbr. ernstliche Angriffe von dieser Seite, besonders auf das ganz entblößte Holland, große Wirkung thun können. Jetzt werden sie schwerlich zu etwas führen; der Sieg hat sich schon zu bestimmt für die Franzosen erklärt. Auch wagen die Einwohner kaum mehr, ihre Gesinnungen verlauten zu lassen.

Bei Horst, eine kleine halbe Meile von Boitzenburg, fängt das Mecklenburgische an. Es geht 8¾ Meile weit, bis eine halbe Meile vor Lenzen. Der Boden ist größtentheils schwer, das Land flach, der weg mäßig. Häuser und Lebensart der Bauern gleichen sehr denen in Holstein. Doch sah ich auf dem Wege nirgends solche Bauerhöfe, wie in unseren Marschen. Ich glaube auch noch immer, daß sie einzig sind. Auf den Domänen und den ritterschaftlichen Gütern scheint mir der Landmann ganz zu leben, wie bei uns, wo die Leibeigenschaft erst kürzlich aufgehoben ist. Der Tagelöhner hat ungefähr allenthalben ein gleiches Loos, wo er an den Boden gebunden ist. In der Folge-Zeit muß die persönliche Freiheit seine Lage nothwendig verbessern. Aber freilich kann das nur Stufenweise geschehen. Sehr viel wird auf die Schulanstalten ankommen. Die gegenwärtige Generation genießt auf jeden Fall nur halb die Wohlthat. wer noch nicht ansäßig ist, mag die Veränderung vollkommen benutzen, wenn die Regierung über die Befolgung der Anordnungen mit Ernst hält. Die alten hängen so an den Vorstellung, die sie mit der Muttermilch einsogen, daß sie nur dem Namen nach frei sind; Sinn und Sitte bleiben unverändert. Doch beweiset das nicht gegen die Sache. Wer sich dadurch von einer Verbesserung abhalten läßt, daß die volle Wirkung, der Natur der Sache nach, nicht gleich eintreten kann, der muß auf alles Besserwerden überhaupt verzichten.

Boitzenburg ist eine kleine nahrhafte Stadt an der Elbe, welche hier den kleinen Fluß Britze aufnimmt, der aus dem Schaller-See kommt. Die Stadt hat etwa 2000 Menschen und 270 Häuser. Sie ward von den Grafen von Schwerin schon vor 1250 angelegt.

Von Boitzenburg und Lübtheen kommt man durch Hühnerbusch, Dersenow, Bruhlstief, Düssin, Langenheide, Quaßel. In Quaßel ist ein Brück- und Wehrzoll. Hier schlägt auch von der Linken her der Weg nach Schwerin ein. welches 6¼ Meilen von Lübtheen liegt. In Hagenow, 3¾ Meilen von Schwerin, werden Pferde gewechselt.

Lübtheen ist ein herzoglicher Domänial-Flecken von etwa 70 Häuser mit einer Pfarrkirche und zwei Schulen.

Hinter Lübtheen kommen das Dorf Vielank, die Worsmermühle mit einem Wehr-Zoll, die Oerter Kaließ, Verklas, Eldenburg. Nicht weit vor Kaließ geht es über die neue Elde, einem Fluß, der bei Neustadt von der Lowitz herauskömmt, und bei Domitz, um die Stadt herum, in die Elbe fließt. Dömitz eine Stadt und Festung von 151 Häusern und etwa 1500 Menschen bleibt etwas seitwärts liegen, rechts an der Elbe, 2¾ Meilen von Lübtheen. Hier ist auch das Zucht und Stockhaus. Der Umweg über diesen Ort beträgt nur eine halbe Meile. Bei Eldenburg, jenseits eines Armes der Elde, ist noch ein herzoglicher Wehr-Zoll. Hier geht das Preussische an. Bis Lenzen ist tiefer Sand.

Von Lenzen haben Sie noch 22 Meilen bis Berlin. Hier scheiden sich die beyden Hauptstraßen; rechts geht es über die Elbe nach Magdeburg, links oder vielmehr gerade aus nach Berlin. Die ganze Gegend nach Berlin ist eben; der Boden im ganzen mäßig, bei weitem nicht so gut, wie der Mecklenburgische. Um Lenzen ist die Gegend an der Elbe und Elde ungemein fruchtbar. Der Weg ist Sand, fest, jetzt, wie es scheint besser unterhalten.

Lenzen, eine Immediatstadt von etwa 240 Häusern und 2000 Einwohnern, hat eine angenehme Lage an zwei Seen, dem Lenzener oder Rubowschen See und einem See nach der Elbe zu, der einigen Ausfluß in die Elbe hat. Sie wird durch einen Wassergraben in die Altstadt und Neustadt abgetheilt. Ueber die Elbe ist hier eine Fähre; auch wird hier ein Elbzoll entrichtet.

Von Lenzen aus ist der Boden noch sehr gut; der Weg ziemlich bis Birkholz, 2 kleine Meilen. Dann wird er schlechter. Nebelin und Redangel bleiben links liegen. Man kömmt noch durch Sykow ½ Meile vor Perleberg.

Bei Perleberg wird der Boden noch besser. Dieser Ort ist die Hauptstadt der Prignitz, von 400 Häusern und 2300 Einwohnern. Die Stadt liegt sehr angenehm, von Dörfern umgeben, an der Repenitz. Sie theilt sich vor der Stadt in zwei Arme. Der eine geht bei der Stadt weg; der andere fließt in zwei Arme, welche durch die Stadt fließen. Alle viere vereinigen sich darauf an dem andern Ende der Stadt; so fließt der Strom nach dem Flecken Witttenberge. Ehedem war die Repenitz schiffbar. Dies verschaffte der Stadt einen guten Handel, der nun abgenommen hat.

Bis Kleetzke sind eigentlich nur zwei Meilen. Der Weg ist sandig und steinig. Man kömmt durch einige Striche Holz. Der Boden wird schlechter. Werzien bleibt rechts liegen, etwa eine halbe Meile von Perleberg. Dann kömmt das Dorf Uenze, auf der Hälfte des Weges. alle diese Dörfer gleichen noch den Holsteinischen. Sie haben aber meistens einen Weidenplatz in der Mitte, den sie selten in den Holsteinischen finden. Die plattdeutsche Sprache geht noch weiter, fast bis in die Nähe von Berlin, wiewohl mit etwas verändertem Dialect. Vor Kleetzke kommt ein kleiner Wald.

Bei Kleetzke, einem Dorf mit einem adlichen Gut, ist der Boden besser bearbeitet. Hier wird Weizen gebauet.

Von Kleetzke hätte ich durch einen kleinen Umweg Rheinsberg und Oranienburg sehen können. Bis Rheinsberg sind 5 Meilen, von dort bis Ruppin, das seiner Schule wegen so berühmt ward, 2 Meilen, dann bis Oranienburg 4 Meilen. Oranienburg ist noch 4 Meilen von Berlin. Seitwärts liegen hier, wiewohl etwas weiter zur Rechten die interessanten Städte Eberswalde, auf dem Wege nach Stettin, und Freienwalde am Kanale auf dem Wege nach Stargard. Hat man auch nicht Zeit, diese beiden Städte zu sehen, die wenigstens zwei Tagereisen wegnehmen, so lohnt doch in jeder Rücksicht der Umweg von etwa 2 Meilen über Rheinsberg und Oranienburg sehr die Mühe.

Ein anderer Weg, ebenfalls sehr interessant und auch nur 2 Meilen weiter führt von Kleetzke rechts auf Havelberg, und durch den merkwürdigen Havelländischen Bruch, wenn man will vorher über Neustadt an der Dosse, wo die Spiegelfabrik ist, die das ganze Land versieht, nach Spandau und Berlin.

Anstatt dessen folgten wir der gerade Poststraße, weil man uns in dieser Jahreszeit vor den minder befahrenen Wegen bange machte. Nach Kyriz hin ist der Boden mäßig; der Weg wie vorhin, sandig und steinig. Hie und da sind Bäume am Wege, Man kömmt durch Kunau, Dölln, Gantkow 2½ Meile, Mechow 3 Meilen.

Kyriz, eine unmittelbare Stadt von beinahe 400 Häuser und 2400 Einwohner, gut gebauet, liegt an dem kleinen Fluß Jägelitz. Er kommt von dem Dorfe Schönebeck her, erhält hier erst seinen Nahmen, wird nachher bei Neuendorf Schwarzwasser genannt, und fällt unter diesen bei Stubehorst in die Doße. Die Einwohner treiben starken Ackerbau und Viehzucht. Ehedem waren einige hundert Tuchmacher hier, im Jahre 1780 waren ihrer nur noch vier.

Bei Kyriz kommt man über die Jägelitz. Dann geht es noch eine Meile in der vorigen Gegend fort, bis zu einem kleinen Gehölz, wo die Priegnitz aufhört, die bei Eldenburg an das Mecklenburgische gränzt. Dann kommt eine Sandstrecke bis zu der kleinen Stadt Wustenhausen jenseits der Dosse, 1½ Meile. Die Dosse kommt von Wittstock her und fällt, mit dem Rhin zusammenhängend, bei Vehlgaß in die Havel.

Hier wird das Land sehr gut. Man kömmt durch die Dörfer Mezelthien, mit einem schönen Schloß, wobei ein hübscher englischer Garten am Wege ist, Ganzow, Wildbergen 2½ Meilen, dann über die Temnitz nach Protzen 3¾ Meilen, einem Dorfe mit einem adlichen Gute, Walchow 4 M. Auch der Weg ist besser, als vorhin, und oft mit Bäumen bepflanzt. Bei Mezelthien sahen wir wieder die ersten Pappeln.

Fehrbellin, eine offene Stadt mit drei Ausgängen, hat 123 Häuser und etwa 1000 Einwohner. Sie liegt an dem Zusammenfluß der beyden Armen des Rhins, welcher aus dem Ruppinschen See kömmt, und nachher in die Havel fällt, nachdem er die Temnitz und Doße aufgenommen. Ueber den Hauptarm des Flusses führt die Brücke auf dem Fehrdam 8250 rhl. Fuß lang, an dem er herunter läuft. Etwas weiter bei Feldberge ist noch eine Nebenbrücke über den Hauptarm. Dieser Paß ist von großer militärischer Wichtigkeit. Vor der Stadt, zum Theil noch in der Stadt nach der Seite von Kyriz, war 1758 ein Treffen gegen die Schweden. Sie wurden von den Preußen herausgeschlagen, und plünderten beim Abzug. Bei Feldberge, rechts von der Stadt nach Berlin hin, ist das Schlachtfeld, wo der große Churfürst 1675 den merkwürdigen Sieg über die Schweden erfocht, der seine Existenz sicherte.

Drittehalb Meilen lang bis Flatow ist der Boden noch fruchtbar. Man kömmt durch Tarnow, Hakenburg und Cinum. Hinter Flatow wird der Boden sandig und der Weg schlecht. Er geht durch ein ziemlich großes Holz, das erst bei Ziegenkrug, 3¾ Meilen aufhört.

Bützow ist ein großes Kirchdorf in einer unfruchtbaren Gegend, die nur der Nähe der Hauptstadt ihre Kultur dankt. Wir kamen erst gegen Abend an. Man rieth und zu übernachten, weil der Weg sehr schlecht wäre. Wirklich fanden wir am andern Morgen, daß wir sehr wohl gethan hatten.

Hinter Bützow kömmt wieder ein böser Damm. Sand und Tannenholz dauern fast bis Berlin. Bei Henningsdorf ¾ M. geht es über die Havel. Nahe dabei ist ein Land- und Brückenzoll. Schulzendorf, 2 Meilen von Berlin, bleibt etwas seitwärts liegen. eine halbe Meile weiter kommt man zu dem neuen Krug oder Tegel-Krug. Das Dorf Tegel oder Tengel liegt am Tegelschen See, mit welchem die Havel in Verbindung steht. Hier ist das Vorwerk, Schlößchen zum Tengel genannt, ein Forsthaus, Wasser- und Schneidemühle. In diesem Forstrevier hat der Ober-Forstmeister und Forstrath von Burgsdorf seit 1779 die berühmten Anlagen zum Anbau einheimischer und fremder, besonders nordamerikanischer, Holzarten gemacht, die er uns so lehrreich nachher beschrieb. Die Anstalt ist in dem treflichsten Gedeihen. Sie zählt schon über 600 verschiedene Arten. Viele fremde, sonst seltene Holzarten, vorzüglich brauchbar zu künstlichen Verarbeitung, sind schon in bedeutender Menge verpflanzt. Sie werden immer noch vorzüglich zum Holzbau der Forsten und zur Verschönerung des Königlichen Thiergartens angewandt.

Eine Meile von Berlin kömmt man zu dem Chausseehause; nun rollt man schnell in die Stadt hinein, und findet es, nach dem zurückgelegten bösen Wege ganz billig, daß die letzte Meile, unter der Rubrik poste royale doppelt bezahlt wird. Eine halbe Stunde vor der Stadt liegt an der Panke, ein Vorwerk und Schäferei Wedding genannt. Dieser kleine Fluß entspringt bei Bernau, einer alten Stadt 3 Meilen von Berlin an der Poststraße nach Stettin, und fällt in Berlin auf dem Schiffbauerdamm in die Spree. Längs dem Flusse sind noch einige Kolonisten-Wohnungen, beim Wedding genannt.

Bei der Visitation am Thor machte man uns nicht die geringste Schwierigkeit. Der Visiteur sagte mir sehr höflich, er könne mich nicht davon dispensiren, alle verschlossenen Behältnisse zu öffnen; aber dabei ließ er es auch bewenden. "Wir wissen schon, sagte er, wo wir die Contrebande suchen sollen, wenn es darauf ankömmt. Andere verschonen wir gerne mit dem beschwerlichen unnützen Durchsuchen." Also brauchen die Preussschen Zollbedienten Conduite, wie die Oesterreichischen Mauthbeamten.


Quelle.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Passagier auf der Reise in Deutschland und einigen angränzenden Ländern, vorzüglich in Hinsicht auf seine Belehrung, Bequemlichkeit und Sicherheit. Ein Reisehandbuch für Jedermann von Kriegsrath Reichard, aus Verfasser des Guide des voyageurs en Europe. Berlin, 1806. Bey den Gebrüdern Gädicke.
  2. Reise durch Franken, Baiern, Oesterreich, Preußen und Sachsen von E. U. D. Freyherrn von Eggers Oberprocureur der Herzogthümer Schleßwig und Holstein. Ritter von Dannebrog. Leipzig, bei Gerhard Fleischer dem Jüngern. 1810.
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