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Reise des Kaisers Napoleon nach Belgien, Walcheren, und den nordwestlichen Küsten von Frankreich.Bearbeiten

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Ein jeder, der Cäsars Schriften gelesen, der sich mit der alten Geschichte beschäftigt hat, wird von Erstaunen über die rastlose Thätigkeit ergriffen worden seyn, womit Julius Cäsar sich gleichsam im Fluge von einem Lande ins andre, von einer Weltgegend in eine ganz entgegenliegende versetzte. Auch die vielen Reisen Carls des Großen nöthigen uns Verwunderung ab. Beide aber, Cäsar und Carl, sind zusammen nicht so viel gereist als der Kaiser Napoleon seit dem Zeitpunkt, da er auf die große Weltbühne trat. Auf dem Boden aller drei Erdtheile der alten Welt hat er geweilt, und wenn Bellona ihn nicht auf den schnellen Rädern ihres Wagens der Ruhe seiner glänzenden Hauptstadt entführt, so rufen ihn friedliche Zwecke in entfernte Gegenden seines ausgedehnten Reichs. Diese tief im Karakter des großen Mannes auf dem Kaiserthrone gegründete Thätigkeit hemmt auch nichts, selbst nicht Hymens Glück und das schöne am 1sten und 2ten April mit Luisen von Oesterreich gefeierte Bündniß. Noch in demselben Monate, da es geknüpft ward, führte der Kaiser Napoleon seine junge Gemahlinn nach den Departements von Frankreich, die einst unter dem Namen der Niederlande dem Scepter ihres Vaters und ihrer Ahnherren huldigten. Freudig sahen diese in der Tochter ihres ehemaligen Regenten die Gemahlin ihres jetzigen großen Monarchen. Diese Gegenden und die benachbarten nunmehr an Frankreich gekommenen Zeeländischen Inseln und Küstenländer waren im vorigen Sommer und Herbst der Richtpunkt großer Anstrengungen Englands gewesen. Zwar hatten die Britten die schlecht berechneten Unternehmungen aufgegeben, und ihren ausgedehnten Planen mit großen Geld- und Menschenverlust entsagen müssen: allein Napoleon wollte diesen Länderstrich, der England in merkantilischer Hinsicht so wichtig war, auch gegen Beunruhigungen und neue fruchtlose Landungen sichern. Daher begab er sich nach diesem Provinzen, die jetzt einen Bestandtheil des großen Französischen Reichs unter den Nahmen des Departements der Mündungen des Rheins und der Schelde mit den Hauptörtern Herzogenbusch u. Middelburg ausmachen, u. welche er als Regent und als Feldherr kennen lernen wollte.

Am 27sten April traten der Kaiser Napoleon und die Kaiserin Luise diese Reise an, Drei Minister begleiteten sie von Compiegne, der der auswartigen Verhältnisse, der des Innern und der Minister Staatssecretair, Herzog von Bassano; früher war der Minister der Seemacht vorausgegangen. Schon um Mittag erreichte das Kaiserliche Paar Saint Quentin, wo prächtige Gondeln zur Fortsetzung der Reise in Bereitschaft waren. In diesen fuhr der Französische Hof am andern Tage auf dem Canal von St. Quentin nach Cambray. Cambray hat prächtige Fabriken; diese opferten die Producte ihrer Industrie den erhabenen Reisenden, welche am 29sten April Abends ihren feierlichen Einzug in Brüssel hielten. Durch die geschmückten Hauptstraßen dieser schönen und volkreichen Stadt ging der prächtige Zug, den die Begleitung der Königin von Neapel, des Königs und der Königin von Westphalen, und des Vicekönigs von Italien noch länger und glänzender machte, nach dem nahgelegenen Kaiserlichen Lustschlosse Laeken. Von hier ward wieder eine Wasserfahrt angestellt. Eine große Schaluppe brachte den Kaiser und die Kaiserin nebst ihrem Gefolge auf dem Kanal nach Willebroeck, wo sie ein anderes kostbares Schiff erwartete, um sie nach Antwerpen zu führen. So trafen sie am 30sten April Abends in dieser Stadt ein, die einst in der Geschichte so denkwürdig war, und welche durch die letzte verunglückte Englische Unternehmung und Napoleons Plane und neue Anlagen eine neue Wichtigkeit erhält. Die Besichtigung dieser Anlagen und Befestigungen, so wie des Forts Lillo beschäftigten vorzüglich den Kaiser der Franzosen, der unter andern ein neues großes Werk, nämlich die durch Kanäle zu Stande zu bringende Verbindung der Schelde mit der Scarpe und mit der Mosel beschloß. Die hier, wie überall veranstalteten Feste übergeht die Zeitgeschichte, indem sie nur eines eigenthümlichen Schauspiels erwähnt, welches Antwerpen am 2ten Mai darbot. Wahrscheinlich zum erstenmal sah die Kaiserin Louise hier ein Linienschiff vom Stapel laufen; es war der Friedland, der mit großer Pracht auf diese Weise der Französischen Flotte inkorporirt wurde.

Von Antwerpen ging am 6ten Mai die Reise nach den Küsten den neuen Provinzen, die seit der Abtretung von Holland unter dem Schutz des Französischen Adler stehen; nämlich über Breda, Herzogenbusch, Gertruydenburg, Moordyk nach Bergen op Zoom, und von da über Tholen und Vliessingen nach Middelburg. Diese Hauptstadt der denkwürdigen Insel Walcheren, die 18000 Einwohner zählt, besaß den Kaiser und die Kaiserin vier Tage vom 9ten bis 13ten Mai. Middelburg und ganz Zeeland empfanden wohlthätige Folgen von diesem längern Aufenthalt ihres neuen Oberherrn. Er sezte eine Commission nieder, welche ihm die durch Berathschlagungen ausfindig zu machenden Mittel zur Beförderung des Wohls dieser Inseln vorlegen sollte. Auch soll Zeeland künftig ein besondres Departement ausmachen, dessen Hauptstadt Middelburg seyn wird. Rammekens und Zuid-Beveland wurden ebenfalls auf der Rückreise von dem Kaiserlichen Paare berührt, welches am 14ten Mai nach dem eleganten Pallast von Laeken zurückkam. Jezt gönnten Napoleon und seine Gemahlin den Einwohnern Brüssels mehr Zeit, ihnen ihre Huldigungen darzubringen. Die Feste währten bis zum 17ten Mai, da der Kaiser und die Kaiserin Laeken verliessen, um sich nach Gent, und von da über die Insel Cadsand und Brügge nach den wichtigsten Punkten dieser Küstengegend von Frankreich zu begeben. So brachte sie den 20sten Mai in Ostende, den 21sten in Dünkirchen zu; zwei Tage verweilten sie in Lille, dann wendeten sie sich wieder zur Küste, indem sie Calais, Boulogne, Havre und Rouen besuchten. Weiter erstreckte sich indeß diese Reise nicht. Noch in den letzten Tagen des Maimonats kehrte Napoleon nach einer Reise von vier Wochen, worin sehr viele Meilen zurückgelegt, sehr viele merkwürdige Oerter besucht worden waren, mit seiner jungen Gemahlin nach dem Schlosse zu St. Cloud zurück, wo er am 1sten Jun. eintraf. Die Folgen dieser Reise, besonders in Hinsicht auf die Französische Seemacht und die Befestigung der Küsten, werden sich erst später entwickeln.

Eine der ersten sehr merkwürdigen Verfügungen des Kaisers nach seiner Rückkunft war, daß der berühmte Polizey-Minister Fouché, Herzog von Otrante, zum Gouverneur von Rom und dagegen der General Savary, Herzog von Rovigo, wieder zu der wichtigen Stelle eines Polizey-Ministers des Französischen Reichs ernannt wurde.

Bey der Küsten-Armee ereignete sich ein Vorfall, den bey der bisherigen Beyspiellosigkeit, selbst die beste Militair-Polizey nicht hindern, nicht ahnen konnte, indem am 10ten Junii der Brigade-General Sarrazin, der ehemals die Expedition nach Irland unter General Humbert mitmachte, auf einem Fischerfahrzeuge - zu den Engländern übergieng.


Reise des Kaisers Napoleon nach Holland und Einzug desselben in Amsterdam.Bearbeiten

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Die Reise, die der Kaiser Napoleon jetzt an der Seite seiner Gemahlin unternimmt, ist die zweite, auf der ihn die Kaiserin Luise begleitet. Noch in demselben Monate, da Napoleon das Band mit Luisen von Oesterreich knüpfte, führte er sie nach den Departements von Frankreich, die einst unter dem Namen der Niederlande dem Scepter ihres Vaters und ihrer Ahnherren huldigten. Die Reise, welche der Kaiser Napoleon und die Kaiserin Luise am 27sten April 1810 von Compiegne antraten, gieng nach Cambray, Brüssel, Antwerpen, Breda, Herzogenbusch, Bergenopzoom, Vliessingen und Middelburg, von da über Zuid-Beverland wieder nach dem bei Brüssel liegenden Schloß Laeken, Gent, Brügge, Ostende, Dünkirchen, Lille, Calais, Boulogne, Havre und Rouen, von wo das Kaiserliche Paar am 1sten Junius wieder zu St. Cloud eintraf. Zum Theil führte die diesen Herbst von Napoleon unternommene Reise nach denselben Oertern. Er verließ am 19ten September Compiegne, um die Küsten und Holland zu besuchen, und die Kaiserin vertauschte indessen die Wohnung daselbst mit dem Aufenthalt in dem prächtigen Pallast zu Laeken, wohin sie sich begab. Am 19ten September Abends kam er Kaiser zu Boulogne an, wo er bis zum 22sten Mittags verweilte. Dort beschäftigten ihn die Revüe über das vom Marschall Herzog von Elchingen befehligte Armeekorps, die Besichtigung der Befestigungswerke und die Flottille, die er besuchte, worauf er, begleitet von dem Fürsten von Neufchatel und dem Marineminister zur See nach den Häfen Viewreux und Ambleteuse fuhr. Von Boulogne ging Napoleon nach Calais und von da nach Ostende; dann reiste er zu Pferd längs dem Strande auf dem Wege nach Blankenburg, setzte über die Swye, und traf am 23sten September Abends zu Breskens ein. Am andern Tage begab sich der Kaiser der Franzosen, nachdem er das Kaiser-Fort, das Fort Napoleon und das Fort des Centrums der Insel Cadsand besichtigt hatte, am Bord der Escadre, von welcher er Exkursionen nach den beiden Ufern der Schelde und den Seeländischen Inseln machte. Von den dreißig Kriegsschiffen der hier in wenigen Jahren erbaueten Flotte ward der Charlemagne mit der Kaiserlichen Flagge geziert. Napoleon brachte drei Nächte auf diesem Linienschiffe zu, welches er am 27sten September früh Morgens verließ, um auf einer Yacht nach Vliessingen zu segeln, wo er schon um 8 Uhr ans Land ging. Hier befriedigten ihn sehr die unermeßlichen Arbeiten, welche das Ingenieurkorps und die Marine zu Stande gebracht haben, und wodurch Vliessingen zu einer Festung vom ersten Range und einem furchtbaren Kriegshafen erhoben worden ist; von den Zerstörungen der Engländer war keine Spur mehr sichtbar. Am 28sten wendete der Kaiser sich nach Middelburg und Tervere, wo neue Anlagen verordnet wurden, und am 29sten nach Terneuse, von wo er in einem Boot die Schelde hinauf bis nach Batz segelte. Dann kehrte er in seine Yacht zurück und erreichte in der Nacht noch Antwerpen, welches jetzt eines der Vollwerke von Frankreich und den Festungen Metz und Straßburg an die Seite zu stellen ist. Wo vor zwei Jahren keine Verschanzung existirte, erhebt sich jetzt eine Stadt die 2000 Toisen im Umkreise hat und acht Fronten mit Bastionen bildet, wo es bloß einige Kanäle gab, sieht man nun ein tiefes Bassin, welches 50 Linienschiffe fassen kann, und der Bau einer Flotte von 21 Linienschiffen bietet auf den Marinewerften ein einziges Schauspiel dar. Die Schelde, die von ihrer Mündung an bis nach Antwerpen von Dreideckern überall befahren werden kann, ist jetzt mit ihren Häfen, Anlagen und Flotten einer der wichtigsten Punkte des Französischen Kaiserreichs.

An diesem interessanten Orte vereinigte sich das Kaiserliche Paar wieder. Die Kaiserin der Franzosen, die am 22sten September unter dem Jubel der Einwohner ihren Einzug in Brüssel gehalten, den daselbst für sie veranstalteten Festen beigewohnt und überall Freude verbreitet hatte, traf am 30sten September Nachmittags in Antwerpen ein, wo ihr Gemahl schon in der vorhergehenden Nacht angekommen war. Am 4ten Oktober trennten sie sich wieder auf kurze Zeit; der Kaiser ging nach Willemstadt und der Insel Goree, um diese Gegend in Augenschein zu nehmen, die Kaiserin nach Breda. Unerwartet erschien Napoleon am 4ten Oktober Nachmittags zu Helvoetsluys und am 5ten Oktober Morgens zu Dordrecht, von wo er sich nach Goreum begab. Am 7ten Oktober verließen der Kaiser und die Kaiserin diese Stadt, gingen in einer Yacht über die Waal, und langten am Nachmittage zu Utrecht an, wo am folgenden Tag des Korps des Marschalls Oudinot, Herzog von Reggio die Revüe passirte.

Amsterdam ist der Volkszahl und der Wichtigkeit nach die Dritte Stadt des Französischen Reichs, und dafür auch von dem Kaiser Napoleon erklärt. Man kann sich denken, wie diese volkreiche Stadt ihren Souverän und seine liebenswürdige Gemahlin empfing, die beide zum erstenmal Amsterdam erblickten. Ihr Einzug geschah am 9ten Oktober um 2½ Uhr durch das Thor von Gorcum unter dem Donner des Geschützes, den Lauten unter der Glocken und der glänzendsten Begleitung von Ehrengarden, mehreren Korps der aus Paris nach Holland aufgebrochenen Kaiserlichen Garde und mehreren Kavallerie-Regimentern. Die hier wie überall veranstalteten Feste, die Dekorationen der Straßen, die Erleuchtungen u. s. w. sind aus den öffentlichen Blättern bekannt. Der Herzog von Piacenza, Prinz Erzschatzmeister, welcher Generalgouverneur der Holländischen Departements ist, stellte dem Kaiser die höheren Civil- und Militärbeamten und die verschiedenen Behörden vor. Am 10ten und 11ten Oktober beschäftigten der große Werft, der Hafen, das Marine-Arsenal und die Kanäle der Stadt die Aufmerksamkeit Napoleons, dem von Paris der Fürst von Neufchatel, der Marschall Moncey, Herzog von Conegliano, die Minister der auswärtigen Verhältnisse, des Innern, der Marine, der Finanzen und der Minister Staatssekretär nach Holland gefolgt sind. Den 15ten reisete der Kaiser nach dem Helder, wo die Flotte, Forts und Batterien ihn ebenfalls beschäftigten und erst am 17ten Abends traf Napoleon wieder in Amsterdam ein.


SceneNapoleonAmsterdam1811 RIJKS



Quellen.Bearbeiten

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1810.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1811.
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