Reutlingen, ehemalige freye Reichsstadt im Herzogthum Würtemberg, am Flüßchen Echez. Sie ist der lutherischen Religion zugethan, liegt eine starke Meile von Tübingen, enthält über 1,100 Häuser, und nach der Zählung im J. 1803. 7,986, im J. 1807 aber 7,645 Einwohner, hat 6 Thore, 4 Kirchen, eine lateinische Schule, 5 Buchdruckereyen, deren Besitzer aber viele Nachdrücke liefern, ein schönes und reiches Hospital, ein Waisenhaus, eine gute Schule, ein massives Rathhaus, (darin man noch einen alten römischen Aries mit 74 Ringen zeigt) und an dem in den Neckar gehenden Echezflüßchen viele Papier- Gewürz- und Pulvermühlen, und noch mehrere Manufakturen von Leder, Wollenzeuchen, Seife, Leim. Sie hat das Privilegium, daß diejenigen Todtschläger, so nicht muthwillig einen Mord begangen, sicher daselbst seyn können. Sie ist der Geburtsort des berühmten Buchdruckers, Sebast. Gryphius.

Das kleine, an Obst, Wein, Getreid und Wieswachs fruchtbare, ¾ QM. große Gebiet der Stadt bestund aus 5 Dörfern und einigen im Würtembergischen gelegenen Unterthanen, so daß die Menschenzahl sich auf 2,540 erstreckt.

Die Einkünfte der Stadt schäzte man mit Einschluß des reichen Spitals auf 50,000 Gulden. Die Regierung war demokratisch. Im J. 1802 wurde diese Reichsstadt als Entschädigung an Würtemberg gegeben; sie bildete ein eigenes zur Landvogtey Heilbronn gehöriges Oberamt, welches seit 1807 zum Kreise Urach gehört.

Das Wappen der Stadt ist von Blau, Roth und Silber dreyfach quer getheilt.


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
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