Rothweil, Rottweil, ehemals freye Reichsstadt, auf einer Höhe am Neckar, an dem Schwarzwalde, deren Gebiet von dem Herzogthum Würtemberg, der Grafschaft Hohenberg, und der Landgrafschaft Bar umgeben wird. Ihre Einwohner sind der kathol. Religion zugethan. Die Zahl derselben betrug im Jahr 1807. 2,641. Die Stadt hat 4 Thore, 2 Pfarrkirchen, ein ehemaliges Jesuitenkollegium, 3 Klöster, von welchen das Predigerkloster jezt aufgehoben ist, ein Lyceum mit 8 Professoren, einen reichen Spital, ein Johanniterhaus, und das kaiserl. Hofgericht. Manufakturen giebt es in der Stadt ausser einigen Seiden- und Baumwollenspinnereyen nicht; aber der Handel mit Getreid und Vieh nach der Schweiz xc. ist von Bedeutung. Das hiesige Kaufhaus ist ein schönes Gebäude; die übrigen Häuser sind aber größtentheils von Holz.

Diese Stadt steht im Schweizerbunde, freylich nur dem Namen nach; die Meynung aber ist irrig, daß sie 1632 davon ausgeschlossen worden sey, weil sie österreichische Besatzung einnahm. Ihr Reichs- und Kreisanschlag betrug 177 Gulden, und ihr Beytrag zu einem Kammerziel 196 Thlr. 48 ½ kr. Ihr Wappen ist ein schwarzer Adler im goldenen Felde. Die Regierung war eingeschränkte Demokratie; einst war es Aristokratie.

In der Nähe wurden vor kurzem beträchtliche Ruinen einer Röm. Niederlassung entdeckt.

Die Einwohner des Gebiets von Rothweil machen eine Zahl von 10,738 Seelen, in 31 Dörfern und 12 Höfen, von welchen aber viele unter fremder Landeshoheit lebten. Die Größe des eigentlichen Gebiets betrug 4 QM. Die jährliche Einkünfte schäzt man auf 60000 Gulden.

Durch die Ausgleichungen im Jahr 1802 wurde die Reichsstadt Rottweil nebst ihren Besizungen dem Kurfürsten von Würtemberg zugetheilt, der sie im Jahr 1803 zum Hauptorte einer Landvogtey machte, zu welchem ausser dem Stadt- und Land-Oberamte Rottweil, auch die Oberämter Zwyfalten und Heiligenkreuzthal, nebst dem Staabsamte Rottenmünster und Margarethahausen gehörten.

Am 11ten Nov. 1806 wurden bey der Vertheilung des Königreichs Würtemberg in Kreise andere Verfügungen getroffen, und Rothweil ist nun der Hauptort eines Kreises welcher folgende Aemter begreift: Rottweil, Hornberg, Spaichingen, Stockach, Tuttlingen. Im Jahr 1807 zählte er 102,223 Einwohner.


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
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