Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1806]

[1]

Rußland.

Die Petersburger Hofzeitung vom 16. Sept. berichtigt die verschiedenen im Umlauf gewesenen Gerüchte über die Vorfälle in Persien folgendermassen: "Ein vom General von der Infanterie Grafen Gudowitsch eingesandter Bericht vom 14. Aug. enthält folgende wichtige Nachrichten: Der Sohn des Baba Chan, Abbas-Mirsa, war mit 20,000 Mann über den Arais marschirt, und in das Gebieth der Chanschaft Karabay eingerückt. Zwey andere Abtheilungen Persischer Truppen hatten sich, nehmlich die eine unter dem Befehle des Hassein Kuli Chan bey der Höhe des Flusses Dsaham, und die andere unter dem Befehle des Grusischen Zarewitsch Alexander bey Tortschai unweit des Hoktscha-Sces, welcher zwischen Elisabethmol und Erivan liegt, gelagert. Der zur Vertheidigung von Karabay mit 2 Bataillons vom Troizkischen Musketier-Regiment, und einem Commando vom 7 Jägerregiment abbeorderte Generalmajor Nebolßin stieß bey dem Flusse Kirakapet unweit der Festung Askuran auf den Feind, griff ihn an, erfocht einen völligen Sieg, und vertrieb ihn bis zum Arais. Der Verlust des Feindes ist groß; blos an Getödteten hat er über 1000 Mann verlohren. Vier Falkonets und eine Menge Pferde und Kameele haben wir zur Beute gemacht. -- Auch der Zarewitsch Alexander, der es versuchte, in das Gebieh von Grusien einzudringen, ist von einem Detaschement unter dem Oberstl. Fürsten Cristow, mit grossem Verlust zurückgeschlagen worden. Unterdessen hatte der Generalmajor Meyer, der aus Derbent abbeordert worden war, um die Truppen des Surchai Chan Kase Kumyzky aus dem Gebiethe von Tabassaran zu vertreiben, die befestigten Dörfer Artschak, Endahir und Skal mit Sturm eingenommen, und selbige ihrem rechtmässigen Besitzer Mustapha Bek wieder zurückgegeben. -- Gleich darauf hatte er Surchai Chan einen Abgeordneten an den Generallieutenant Glasenap geschickt, um Verzeichnung gefleht, und gebethen, ihn unter den Schutz des Russischen Reichs zu nehmen."


[1812]

London, den 10ten August. [2]

Nachstehendes ist der Auszug eines Schreibens aus Teheran (in Persien) vom 1sten März 1812:

"In diesem Augenblick erhalten wir die Nachricht von einem Siege, den die Perser über die Russen erfochten haben. Die persische Armee wurde von englischen Officiers kommandirt. Der König, sein Vezir und der ganze Hof sind fast ausser sich vor Freude. In Europa würde ein solcher Sieg als eine Bagatelle betrachtet werden. Da aber hier bis jetzt nichts Aehnliches statt gefunden, so sieht man diese Begebenheit als sehr merkwürdig an. Die Russen haben 350 Mann an Todten und 500 Mann an Gefangenen verloren.

Dieser glorreiche Sieg ist von ungefähr 9000 Persern erfochten worden, wovon 100 auf dem Platz geblieben sind.

Unsere Officiers fügen hinzu, daß sie sehr gut behandelt, daß sie mit dem persischen Lieblingsgericht, mit Pilav, mit Konfekt, mit Melonen voll gestopft werden; daß einer von ihnen, Gore Onsely, von dem Könige zum Ritter des Sonnenordens ernannt worden. Die Russen werden etwas erstaunt seyn, daß wir in Persien ihre Feinde gegen sie anführen, während wir sie in Europa auffordern, für unser Interesse zu kämpfen. Die Entfernungen erklären Alles. Weit entfernt, die Veränderungen voraus zu sehen, die in unsern politischen Verhältnissen statt gefunden, richten unsere Officiers mit vieler Ehrlichkeit die Waffen des persischen Reichs gegen unsere Alliirten; fahren sie so fort, so werden sie Napoleon weit besser dienen, als die jetzige Politik Englands.


London, den 10ten Oktober. [3]

Als Rußland mit Frankreich in gutem Vernehmen war, brachten unsere Unterhändler in Persien besonders durch Geld, wie man sagt, durch 5 bis 6 Millionen Pfund Sterling, es dahin, daß den Russen der Krieg angekündigt wurde, und englische Officiere leiteten die Unternehmungen der Perser. Da Rußland jetzt 40 bis 50,000 Mann, welche es zur Beschützung seiner Gränzen am Kaukasus halten muß, nothwendig braucht, so schickte unsere Regierung einen Kourier an den persischen Regenten, um ihn zum Frieden zu bewegen. Allein er verlangte zum Ersatz der Kriegskosten, die wir doch getragen haben, entweder Geld oder Abtretungen von Rußland, besonders Georgien. Die Franzosen waren zwar aus der Hauptstadt Teheran entfernt worden, hatten aber bey dem Thronfolger zu Tauris gute Aufnahme gefunden.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wiener Zeitung. Nro 85. Mittewoche, den 22. October 1806.
  2. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 208. Donnerstag, den 29. August /10. September 1812.
  3. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 259. Montag, den 28. Oktober/9. November 1812.
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