Ausbruch des Kriegs gegen Schweden, von Seiten Rußlands, Dännemarks und dessen Alliirten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Nachdem auf die Russische Kaiserl. Declaration (S. oben) vom 10ten Febr. von dem Könige von Schweden keine, oder keine befriedigende Antwort ertheilt war, rückte eine Russische Armee unter dem General, Grafen von Buxhöfden bei Nyslott, Abborforts xc. am 20sten Febr. über den Kymmene-Fluß in Schwedisch-Finnland ein. Die kleinen Schwedischen Posten und Besatzungen, zogen sich vor der andringenden Uebermacht einer Armee von 50000 Mann theils zurück, oder wurden nach einer tapfern aber fruchtlosen Gegenwehr zu Gefangenen gemacht. Nach Bestürmung der Verschanzungen bei Abborfors besetzten die Russen, in den ersten 6 Tagen, die Städte Lovisa, Borgo und St. Helsingfors, und marschirten in der heftigsten Winterjahrszeit gegen die Hauptstadt Abo, wo die Schweden den dasigen Theil der Scheeren Flotte in Brand steckten, damit sie den Russen nicht in die Hände fiele. Der Chef der Schwedischen Truppen in Finnland, General Klingsporr, hatte einstweilen sein Hauptquartier zu Tawastehuus genommen. Bei dem Vordringen des Generals Buxhöfden war eine Proclamation erschienen, worin den Finnländern angezeigt wurde, daß die Russen nicht als Feinde, sondern als Freunde kamen. Auf die Nachricht von dem Ausbruch der Feindseligkeiten hatte inzwischen der König von Schweden den Russischen Gesandten zu Stockholm, Hrn. von Alopeus arretiren lassen.

In Verbindung mit Rußland wurden zugleich von einer andern Seite alle Anstalten zum Kriege gegen Schweden getroffen. Am 8ten März brach der Prinz von Ponte-Corvo, Oberbefehlshaber der in Verbindung mit Dänischen Truppen gegen Schweden bestimmten Französisch-Spanisch-Holländischen Armee, die einstweilen aus 32000 Mann bestand, nach Seeland auf, wo er am 16ten auf einige Tage zu Friedrichsberg eintraf. Auf Schwedisches Eigenthum ward im Dänischen Beschlag gelegt, und außer andern Verfügungen wurden auch Kaperbriefe gegen Schwedische Schiffe ertheilt. Im Belte und im Sunde hatten sich einige Englische Kriegsschiffe gezeigt. Die weitre Entwickelung steht bevor.


Russisch-Kaiserl. Hofberichte über die Operationen der Armee in Finnland.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Die Eroberung des Schwedischen Finnlands, welches über eine halbe Million Einwohner enthält, ist, was die südlichen Haupttheile dieser weitläuftigen Provinz betrift, bis auf das Finnländische Gibraltar, die wichtige Seefestung Sweaborg, (auch dieses hat nach den neuesten Berichten schon capitulirt) von den Russen diesmal schneller als je vorher, nemlich: binnen einem Monat vollendet worden. Die Schweden waren unvorbereitet und zu schwach zum nachdrücklichen Widerstande.

Eine Beilage zu der St. Petersburger Hofzeitung vom 17ten März a. St. enthält nachstehende erste Relation über den Feldzug in Finnland: ---Vom Kriegsminister sind folgende Nachrichten über die Operationen der Finnländischen Armee unter dem Oberbefehle des Generals von der Infanterie, Grafen Buxhövden eingesandt worden.

In der am 10ten Februar dieses Jahrs erlassenen Declaration, waren die Grundlagen unserer lezten Relation mit dem Stockholmer Hofe, und die Unumgänglichkeit der in Folge dessen zu nehmenden Maaßregeln dargestellt. Kraft der Definitiv-Tractate, die zwischen Rußland und Schweden bestanden, wurde Se. Majestät, der König von Schweden, eingeladen, sich mit Rußland und Dännemark zu vereinigen, um England, bis zur Erreichung des Seefriedens, das Baltische Meer zu verschließen Die Antwort des Stockholmer Hofes entsprach weder den festgesetzten Verpflichtungen desselben, noch den Bewegungsgründen, welche diese Einladung veranlaßt hatten. Die lezte Verneinung desselben wurde endlich in der am 9ten Januar erhaltenen Note bestätigt. Nachdem alle Ueberzeugungsmittel erschöpft waren, blieb von dieser Zeit an nichts weiter übrig, als zu kriegerischen Maaßregeln die Zuflucht zu nehmen; es wurde beschlossen, ein besonderes Truppencorps anzustellen, und der Oberbefehl über dasselbe wurde dem General von der Infanterie, Grafen Buxhövden übertragen.

Schon war dieses Corps bereit, auf den ersten Befehl zu operiren, als Se. Kaiserliche Majestät noch immer erwarteten, daß Se. Majestät, der König von Schweden, nach genauer Prüfung aller Umstände dieser gemessenen, Grundsätzen zurückkehren und dem System beitreten werde, zu dem Er eingeladen wurde. Allein diese Erwartung war umsonst. Das Schweigen und die Zögerung des Stockholmer Hofes entschieden endlich für den Bruch Rußlands mit Schweden, und das Truppencorps unter dem Oberbefehle des Generals, Grafen Buxhövden, erhielt Ordre, gegen den Feind zu operiren. Bei Ergreifung der Waffen aus gerechten, und auf das wahre Interesse des Reichs gegründeten Rücksichten, wünschten jedoch Se. Kaiserliche Majestät nicht, die Ruhe der friedlichen Bewohner Finnlands zu stören, deren Wohlfahrt Ihnen eben so theuer, als die Ihrer eignen Unterthanen ist. In dieser Hinsicht wurde dem General, Grafen Buxhövden, der Befehl ertheilt, dieselben vor jeder Bedrückung zu schützen, und im Falle etwaniger Beleidigungen beim Durchmarsche unsrer Truppen, die Schuldigen ausfündig zu machen und sie hart zu bestrafen, den Beleidigten aber Genugthuung zu geben.

In Folge dieser Befehle rückte der General, Graf Buxhövden, nachdem er den Marsch der Truppen geordnet und die Verfolgung derselben so eingerichtet hatte, daß die Regimenter auf 10 Tage Proviant mit sich führten, auch dieselben, da gleich darauf noch eine gleiche Quantität Proviant ankam, bei ihrer ersten Bewegung versorgt waren, am 9ten Februar a St. auf folgende Art über die Gränze in Schwedisch-Finnland ein:

Den 9ten Februar. Unter dem Commando des Generallieutenants Fürsten Gortschakow rückte die 2te Abtheilung der 17ten Division gegen Aberfors vor. Es wurde ein Trompeter mit dem Antrage abgeschickt, unsere Truppen frei, und nicht als im Kriege begriffen, hinüber marschiren zu lassen. Da man keine befriedigende Antwort hierauf erhielt, so machte diese Abtheilung gegen über Aberfors Halt, und im Rücken der dort befindlichen Batterie wurde auf einem verdeckten Wege von dem Finnländischen Dragoner-Regiment der Staabscapitän Rjäsanow mit einer Escadron detaschirt. Dieser rückte muthig gegen die Batterie an und zwang den Feind, nachdem er mehrere Salven standhaft ausgehalten hatte, zu retiriren und 4 Kanonen zu hinterlassen. Bei dieser Gelegenheit ist der Staabs-Capitän Rjäsamow verwundet, zwei Dragoner sind getödtet und zwei blessirt worden. Auch auf der feindlichen Seite war der Verlust nicht grösser.

Hiernach marschirte sogleich unsere ganze Colonne, nach der erhaltenen Marschordre, über die Gränze.

Wegen des engen Weges und des tiefen Schnees konnte der General, Graf Buxhövden, die Stadt Lovisa nur erst gegen 6 Ihr Abends erreichen. Hier hatte der Feind an vortheilhaften Orten Piquets aufgestellt. Der Generalmajor Berg wurde mit einem Trompeter in die Stadt gesandt, um dem Stadtmagistrat und den Einwohnern zu erklären, daß unsere Truppen bei ihnen einrückten, ohne die geringsten feindlichen Absichten gegen die friedlichen Einwohner derselben zu haben, und daß, wenn die feindlichen Truppen die Stadt nicht räumten, sie sich die unglücklichen Folgen, welche entstehen könnten, wenn man von der Stadt mit gewaffneter Hand Besitz nehme, einzig selbst zuschreiben müßten. Wäre dieser Antrag nicht angenommen, so war der Plan, auf die zwei vor der Stadt befindlichen, von Stein erbauten Batterien eine falsche Attake zu machen, zugleich aber von der Seeseite diese Befestigungen zu umgehen und von der Stadt Besitz zu nehmen. Allein die Einwohner und der Magistrat drangen in den Befehlshaber des Schwedischen Detaschements, Obristlieutenant Munck, und baten ihn, daß er die Stadt räumen mögte, welcher er auch that Der General, Graf Buxhövden, rückte nun mit der Avantgarde in die Stadt ein, und wurde von dem Magistrat und den Einwohnern mit aller möglichen Freudensbezeugungen empfangen.

Das feindliche Detaschement machte, nach seinem Ausmarsch aus der Stadt, auf dem Felsen, auf dem Wege nach Borgö hin, Halt, worauf sogleich ein Detaschement Kosaken, Dragoner und Jäger beordert wurde, den Feind bis in die dunkle Nacht nach der Dorfschaft Pernau zu verfolgen. Hierbei wurden zwei unserer Kosaken verwundet; auf Schwedischer Seite wurde 1 Offizier getödtet und mehrere Gemeine verwundet, auch wurden 3 Mann zu Gefangnen gemacht. Der Generalmajor Tuschkow ging mit der unter seinem Befehl stehenden ersten Abtheilung der 17ten Division bei Strömfors, ohne die geringste Gegenwehr, über die Gränze. Denselben Abend gegen 8 Uhr kam die ganze Division auf den für sie bestimmten Plätzen an. In der Stadt Lovisa ist eine geringe Quantität von Fourage und Lebensmitteln, und im Hafen sind 8 Kauffahrteischiffe, und auf dem Werft ein noch im Bau begriffenes Schiff vorgefunden worden.

Den 10ten Februar. Die 1ste Abrheilung der 21sten Division, welche bei Rotzolo die Gränze zu passiren hatte, war beordert, den Feind aus Nuby zu verdrängen, und bloß ein Detaschement zur Beobachtung der Straße nach Tawasthus nachzulassen; die 17te Division hingegen hatte, weil an dem vorigen Tage der größte Theil der Regimenter über 50 Werst marschirt war, Rasttag. An diesem Tage wurde auch die Festung Schwartholm, die 8 Werst von der Küste liegt, recognoscirt.

Am 12ten Febr. kam es, (wie es in der umständlichen Relation im wesentlichen weiter heißt,) bei dem Dorfe Forsby mit dem Feinde zu einem Gefecht, der sich sehr tapfer und hartnäckig wehrte. Er ward indeß aus seiner Position vertrieben, und der Generalmajor Graf Orlow-Denissow besezte Forsby. Der Verlust von beiden Seiten war nicht bedeutend. Der ausgezeichnete Schwedische Oberst Stjernwall geriet in Russische Gefangenschaft.

Am 13ten Febr. ward das Hauptquartier nach Borgo verlegt.

Durch die Besitznahme dieser Stadt ist fast das ganze Kümenogradsche Gouvernement in unserm Besitz. Der Feind hatte, nach den zu dem General, Grafen Buxhövden, gelangten Nachrichten, seine ganze Macht in den befestigten Plätzen bei Helsingen zusammengezogen, und erwartete unsere Ankunft. Der General, Graf Buxhövden, berichtet, daß die heftigsten Fröste und der tiefe Schnee, durch den unsere Truppen haben marschiren und und sich einen Weg bahnen müssen, ihnen auf jedem Schritte neue Schwierigkeiten entgegen gestellt haben, daß sie aber, durch Eifer geleitet, alle Hindernisse überwunden, und den Feind überall geworfen und vertrieben haben, wo er sich nur ihrem raschen Vordringen entgegen setzen wollte, und dies an solchen Orten, die bei der jetzigen Jahrszeit für ganz unwegsam gehalten worden sind.

Am 14ten griff der Generalmajor Müller 2, 4 feindliche Bataillons und eine Escadron in dem Dorfe Orimatilo an. Ungeachtet des heftigen Angriffs, (heißt es in einem 2ten Hofbericht) hielt sich der Feind hartnäckig und unterhielt aus den Fenstern der von ihm besetzten Häuser und andrer Gebäude ein starkes Gewehrfeuer bis zum Anbruch des Tages. Dieser Widerstand nebst der damals anhaltenden strengen Kälte erbitterten unsere Soldaten so sehr, daß sie mit Wuth in das Dorf und selbst in die Bauerhäuser eindrangen, und sich mit dem Bajonnet auf den Feind warfen, der sich noch vertheidigte und sich hernach zurückzog. Am 17ten kam es bei dem Dorfe Okerais zu einem scharfen Gefecht, welches von 4 Uhr Nachmittags bis 12 Uhr des Nachts dauerte. Die Schweden hatten 58 Getödtete und 40 Verwundete, die sie alle mit fortnahmen. Gefangen genommen wurden, der schwer verwundete Major Essen, 4 Oberofficiers und 10 Gemeine. Unsrer Seits sind 4 Mann geblieben, und verwundet sind der Oberst Erickson, 5 andere Officiers und 52 Gemeine; vermißt sind 3 Jäger. In Helsingfors haben wir vorgefunden 18 Kanonen, 20000 Kanonenkugeln, 4000 Bomben und Granaten, 4550 Flinten xc. Jeder Gemeine, welcher den Feind mit aus Forsby vertrieben, hat ein Rubel Silber bekommen. Es sind 3 Linien von Russischen Hospitälern in Finnland für 1300, 2000 und 2500 Mann angelegt. -- In der Festung Schwartholm ergaben sich 800 Schweden mit einer zahlreichen Artillerie. General Klingspor sah sich genöthigt, Tawastehuus zu verlassen und sich nach Wasa zu ziehen, nachdem die Schwedischen Truppen nach einem Verlust von einigen hundert Mann, vergebens gesucht hatten, die Stadt Biörneborg zu vertheidigen.

Am 11ten März a. St. hielt der General, Graf von Buxhövden seinen feierlichen Einzug in die Hauptstadt des bisherigen Schwedischen Finnlands, in Abo, wo am folgenden Tage das Thronbesteigungs-Fest, des Russischen Monarchen gefeiert wurde. Diese Stadt, die zugleich der nördlichste Musensitz in Europa ist, enthält gegen 9000, Helsingfors gegen 3000, Louisa, Biorneborg xc. jedes gegen 2000 Einwohner.


Russische-Schwedischer Krieg.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[3]
Die am 3ten Mai erfolgte Uebergabe der Insel-Festung Sweaborg an die Russen würde ein Pendant zu der letzten Uebergabe von Magdeburg seyn, wenn nicht Mangel an Lebensmitteln den Vice-Admiral Cronstedt dazu genöthigt hat. Er und die übrigen Offiziers sind auch nach den bisherigen Nachrichten, sogar mit ihren Familien! von dem König von Schweden für infam erklärt So wenig wie Sweaborg hat auch die Insel Gothland von der Schwed. Marine Succurs oder Beistand erhalten. Diese ward von einer unter dem Contre-Admiral Budisko von Liebau abgesegelten Russ. Expedition gegen Ende Aprils in Besitz genommen. Schon am Ende März unterwarfen sich die Alands-Inseln im Botnischen Meerbusen den Russischen Scepter. Die im Kriege mit Rußland so wichtige Schwedische Scheeren-Flotte ist jezt um die Hälfte verringert. Zu Abo verbrannten die Schweden 65 Kanonenböte und eine Fregatte, und zu Sweaborg fielen dem Russen, außer verschiedenen Fregatten, über 100 Scheeren-Fahrzeuge in die Hände. Die Einnahme von Sweaborg, welches noch nie eingenommen gewesen, und dessen Anlagen und Befestigungen der Krone Schweden Millionen gekostet haben, krönt die Russische Eroberung von Finnland, und Schweden hat mit jenem Nordischen Gibraltar auch den Stütz-Punct zu Operationen im Finnländischen Meerbusen verloren.

In der Mitte des vorigen Monats erfolgte der Ausbruch des Kriegs der Schweden gegen Norwegen, der mit Tapferkeit auf beiden Seiten geführt wurde und dessen Merkwürdigkeiten wir einer künftigen Darstellung vorbehalten.


Historische Uebersicht des Russisch-Schwedischen Kriegs in Finnland.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[4]
In keinem Jahre ist in Finnland so viel Blut geflossen, als in dem gegenwärtigen Schnell war die Eroberung desselben durch die Russen; die Invasion der Uebermacht beugte anfangs manchem Blutvergießen vor; Klugheit zog den Rückzug dem gefährlichen, fruchtlosen Widerstande vor; desto mühsamer und blutiger ist aber in der Folge die Behauptung, die Wiedereroberung des Landes geworden.

Der Krieg in Finnland bildet einen besondern Contrast in der neuern Kriegsgeschichte. Seitdem das Genie Napoleons der Kriegskunst eine so neue Richtung und Organisation gegeben hat, entschieden bisher einzelne große Schlachten an einem Tage, in einigen Stunden, das Loos des Kriegs, das Schicksal von Reichen.

Nicht so in Finnland. Hier gabs einen Krieg nach alter Manier. Heldenmuth gegen Heldenmuth, angefeuert von National-Ruhm und altem Volkshaß -- täglich Gefechte -- Oerter, Positionen besezt, erobert und wieder erobert, -- Seen und Engpässe, Scheeren und Gestade Finnlands mit Blut gefärbt, -- und dabei keine, oder wenigstens keine große, keine auf immer in der Militär Geschichte glänzende Resultate.

In keinem Land von Europa sind freilich große Schlachten weniger denkbar als in Finnland, diesem Europäischen Canada. Die unzähligen Schwierigkeiten des Terrains, die Menge von Seen, Morästen, Defileen und Hölzungen, verbunden mit den Schwierigkeiten der Verproviantirung machen das Aufstellen oder vielmehr das Concentriren großer Heere in einer Gegend unmöglich; daher nur Gefechte zwischen einzelnen Truppen-Abtheilungen, höchstens Corps d'Armee, die aber um so leichter in Finnland vervielfältigt und um so hartnäckiger gemacht werden können, da die Natur des Landes so viele Positionen darbietet, die fester sind als alle Anlagen der Kunst.

Der Krieg in Finnland hat jezt etwas über 7 Monate gedauert. Mit Einschluß der Besatzungen und der Seeleute auf den Linien- und Ruderflotten sind wenigstens Hunderttausend Menschen gegen einander in Waffen gewesen. Keine Schlacht von Marengo oder eine dergleichen, geht aus dem Finnländischen Kriege zur Unsterblichkeit über; allein die unzähligen Gefechte in Finnland zu Wasser und zu Lande, haben reichlich so viel Menschen gekostet, als eine der entscheidendsten Schlachten der neuern Zeit, -- und es hat in Finnland Actionen gegeben, die in Ansehung der Hartnäckigkeit und des heldenmüthigen Wettkampfs um den Sieg, von der Stunde der Morgenröthe an bis zum Dunkel der Nacht, diese oder jene der berühmtesten Bataillen unsers Jahrhunderts noch übertroffen haben.

Nach den Beilagen der St. Petersburger Hofzeitung würde die Finnländische Kriegsgeschichte einen ansehnlich dicken Band ausmachen; die Schwedischen Bulletins und Hofberichte in der Stockholmer Zeitung sind kürzer gewesen, aber freilich nur fragmentarisch, und meistens durch Umwege nach dem festen Lande gekommen. Einige originelle gut abgefaßte Artikel vom Finnländischen Kriege hat der Publiciste zu Paris unter der Rubrik von Lübeck geliefert.

Außer den beiden westlichen Ländern des Continents, wo sich die Hydra der Insurrection erhoben, wo der Greuel des Fanatismus und der Revolutionswuth bisher schon so viele gewesen, hat in diesem Jahre kein Land in Europa so sehr gelitten, als Finnland. Da man Schwedischer Seits die Einwohner mehrerer Gegenden -- und zwar größtentheils nicht ohne Erfolg -- zur Insurrection und zur Bewaffnung aufforderte, so hatte dies natürlich bei aller Milde, welche die Russische Regierung gegen diejenigen proclamirte, die sie für ihre neuen Unterthanen erklärt hatte, für manche Theilnehmer und deren Wohnörter verderbliche Folgen.

Die Hauptbegebenheiten des Finnländischen Kriegs, sein Entstehen, die Uebergabe von Sweaborg, das partielle Treffen bei Baltisch-Port u. s. w. sind bereits actenmäßig in unserm diesjährigen Journale verzeichnet. Hier folgt noch eine allgemeine Uebersicht des Gangs des Kriegs und derjenigen Vorfälle, die eine historische Merkwürdigkeit behalten.

Am 20sten Febr. war die Russische Armee unter dem Obercommando des Generals, Grafen von Buxhöfden in Schwedisch-Finnland eingerückt. Bei der geringen Anzahl der daselbst befindlichen Schwedischen Truppen, bei ihrem unvorbereiteten Zustande und bei der Schnelligkeit und trefflichen Direction der Russischen Operationen, mitten im härtesten Winter, reichte ein Monat hin, jenes bisherige Großfürstenthum, außer den nördlichern Gegenden, fast ganz zu besetzen und durch die am 23sten März, neuen Styls, (nach diesem sind alle Angaben in der gegenwärtiger Uebersicht) erfolgte Occupation der Hauptstadt Abo, die Eroberung des Landes zu krönen.

General Klingspor, welche die Schwedischen Truppen en Chef commandirte, -- und der seitdem Feldmarschall geworden ist, der einzige, der nach dem Ableben des Fürsten von Hessenstein, jezt diese militärische Würde in Schweden besizt -- macht bei dem Heranströmen der Uebermacht, einen Rückzug, der seiner Thätigkeit und seinem militärischen Talenten zur Ehre gereichte. Immerhin ein Contrast gegen den Finnländischen Krieg im Jahre 1741 - 1743, wo der Russische Feldherr, Graf Lascy den Grafen von Löwenhaupt zu der außerordentlichen Capitulation zwang, von Helsingfors mit der ganzen Armee nach heimzukehren, -- und gegen den Krieg unter Gustav III, wo General Kaulbars den nachtheiligen Rückzug machte, die seine gefängliche Einziehung und Bestrafung zur Folge hatte.

Klingspor zog die Garnisonen aller Oerter, die sich nicht vertheidigen konnte, möglichst an sich, und trat so unter einzelnen Gefechten über Tawastehus seinen Rückmarsch nach Ostbothnien ab, um auf jeden Fall mit Schweden zu Lande in Verbindung zu bleiben. Am 20sten April war sein Hauptquartier bis nach Uleäborg verlegt. Alle Versuche der Russen, ihn oder einzelne Theile seines Corps abzuschneiden und zu Gefangnen zu machen blieben fruchtlos.

Bei dem Rückzuge vernichteten die Schweden alle Kriegs-Effecten und Magazine, die nicht fortgeschaft werden konnten, so viel als es die Eile und die Umstände erlaubten. So ward im Anfange vom März zu Abo auf Veranstalten des Contre-Admirals Hjelmstjerna die dasige gesammte Scheerenflotte, aus 65 Kanonierböten und Ruderfahrzeigen und aus einer Fregatte bestehend, die wegen des Eises nicht fortgeführt werden konnten, in Brand gesteckt, und die Matrosen wurden landeinwärts transportirt. Ein gleiches geschah in Carelien zu Christina mit der dasigen kleinen Scheeren-Flotte auf dem Saimen-See. Natürlich fielen indeß den Russen bei der Schnelligkeit ihres Vordringens noch mache Kriegs- und andre Vorräthe in die Hände. Dies war namentlich der Fall zu Tawastehuus, zu Warkhaus, wo die Schweden 87 Kanonen zurück ließen, und in der Festung Swartholm bei Lovisa, die sich im Anfange vom März, nach einer kurzen Blockade ergab. Man fand darin über 200 Artillerie-Stücke und eine Menge Munition. Der Schwedische Commandant der Feste, Oberst Griepenberg, der mit seiner Besatzung von 800 Mann vom Jägerhornschen Regimente zum Kriegsgefangnen gemacht wurde, zeichnete sich durch seine Vertheidigung wenig aus, und trat hernach in Russische Dienste. Swartholm, für die Schweden, im Rücken der vorgedrungenen Russen so wichtig, fiel, mit allem wohl versehen, ohne Blutvergießen.

Eben so wenig glorreich und ausgezeichnet war die Vertheidigung des Finnländischen Gibraltars, der Insel-Festung Sweaborg, durch den Vice-Admiral Cronstedt. Nachdem am 6ten April die bedingte Convention wegen der Uebergabe derselben geschlossen war, ward sie am 3ten Mai von den Russen besezt, um, noch nie erobert, von nun an eine der ersten Festungen des Russischen Reichs zu bilden. Die Besatzung, die zu Sweaborg das Gewehr streckte und die aus den Regimentern Adlercreuz, der verwittweten König, aus einem Bataillon von Jägerhorn und aus Abtheilungen der Nyländischen und Tawastehusischen Brigade bestand, betrug, außer 182 Officiers, zusammen 5653 Land- und See-Soldaten. An Artillerie fanden die Russen 1989 Stücke von verschiedenem Caliber vor und die Scheeren-Flotte, die ihnen daselbst unversehrt in die Hände fiel, bestand aus 94 Fahrzeugen, worunter 2 Fregatten von 32, 6 Schebecken von 24 und eine Brigg von 16 Kanonen. Von den in der Festung vorgefundenen Munitions-Vorräthen gieng in der Folge ein beträchtlicher Theil wieder verloren, indem am 3ten Junius durch Unvorsichtigkeit ein Magazin mit 100000 Pfund Pulver in die Luft flog, wodurch einige 50 Menschen ihr Leben verloren oder verwundet wurden. Jener Pulver-Verlust ward indeß bald durch neue Zufuhr von Cronstadt ersezt, und die Schweden sahen sich im Laufe des ganzen Kriegs nicht im Stande, auch nur einen Versuch zur Wiedereroberung der verlornen Felsen Festung zu machen.

Durch die Einnahme von Sweaborg, der wichtigsten im Kriege von Finnland, ward der Russische Besitz dieses Landes für die Zukunft begründet, von welchem der Russische Feldherr, Graf von Buxhöfden in seinen officiellen Berichten folgende Schilderung mittheilte:

"Die vorzüglichen Häfen, welche alle Küsten des Finnischen und Bothnischen Meerbusens im Ueberfluß haben, machen Finnland sehr bequem, eine zahlreiche Flotte zu halten, und da ganz Schwedisch-Finnland besonders an Waldungen reich ist, und das Bauholz vermittelst der vielen Flüsse und Seen selbst in die Häfen geflößt werden kann, so können daselbst mit dem größten Vortheil Fahrzeuge erbauet werden; auch wird jezt an mehrern Orten der Schiffsbau von Privatpersonen betrieben, und die Fahrzeuge werden von diesen an Engländer, Portugiesen und andere Nationen verkauft. So macht auch der Handel mit Bau- und Brennholz und mit andern Waaren und Producten einen wichtigen Zweig des Reichthums von Finnland aus, und dieser Handel kann mit der Zeit durch die Verbindung desselben mit dem Commerz von St. Petersburg zu einer ansehnlichen Höhe emporsteigen. Obgleich Finnland nicht so reich an Erdfrüchten ist, wie die fruchtbaren südlichen Provinzen Rußlands, so ist doch hier, zwei Jahre zurück, Korn ins Ausland verführt worden, und sogar jezt wird, ungeachtet des seit zwei Jahren statt gefundenen Miswachses, kein außerordentlicher Mangel bemerkt. Bei den hiesigen Landleuten findet man außerordentliche Reinlichkeit, Ordnung, gute und sanfte Sitten und einen merklichen Grad von Aufklärung. Die ansehnliche Zahl von Eisenwerken, der Ueberfluß an Kupfer und Eisenbergwerken, die Möglichkeit, die Manufakturen und andre Industrie-Anstalten zu erweitern, alles dieses zeichnet diese Provinz aus und giebt derselben achtungswerthe Vortheile."

So urtheilte Graf Buxhöfden, dieser ehrwürdige Veteran im Militär- und Administrations-Fache, über eine Provinz, deren Behauptung bald nachher schwerer wurde, als deren Eroberung. Der Uleä-Fluß in Ostbothnien ward die Gränze des Russischen Vordringens, sey es, weil es nicht in dem Plane der Rußischen Regierung lag, durch Lappland oder über Torneä nach Schweden selbst vorzudringen, oder weil sich der Schwierigkeiten dabey zu viele darboten.

Die Invasion in Finnland hatte inzwischen ganz den Eifer der Regierung zu Stockholm geweckt und alle Kraft-Anstrengungen nach diesem Punkt gerichtet. Es ward in Schweden die Mannschaft von 18 bis 36 Jahren ausgehoben und zu Stockholm und in andern Städten der Bau von Kanonier-Schaluppen verordnet. Sobald man in der Folge die Unmöglichkeit sah, Lorbeern in Norwegen einzuerndten und sobald durch Englische Kriegsschiffe die Küsten von Schonen gegen eine fremde Expedition gedeckt waren, wurden selbst von der westlichen Armee gegen Norwegen, die anfangs der General, Baron Armfelt unter so wenig günstigen Auspicien und hernach der Generallieutenant Bror Cederström (Präsident des Kriegs-Collegiums und General Inspector der Artillerie und Cavallerie) commandirte, Truppen zu der Armee nach Finnland gesandt. Auch nahm die famöse Brittische Expedition, die unter dem General Moore mit der Hannöverschen Legion zu Gothenburg ankam, an den Schwedischen Kriegs-Operationen keinen Theil und kehrte ganz unverrichteter Sache nach England zurück, weil sie nicht zum Agiren in Finnland gebraucht werden sollte, wie es der Wille des Königs von Schweden war.

Mit Ende Aprils lächelte das erste Glück den Schwedischen Waffen. Am 18ten April erhielten sie bei Sikajocki und am 27sten April bei Rawolax in Ostbothnien Vortheile über einzelne Abtheilungen Russischer Truppen. An letzterm Ort betrug der Verlust derselben, nach dem Hofbericht gegen 500 Mann, worunter über 300 Gefangne; auch fielen den Schweden 4 Kanonen und 2 Fahnen in die Hände. Der Russische Generalmajor Bularow, der zu Rawolax commandirt hatte, war in dem Gefecht verwundet worden und der Generallieutenant Tutschkow I., unter dem er stand, ward wegen seiner getroffenen schlechten Dispositionen vom Commando der Division entfernt und dasselbe dem Generallieutenant Rajewskji übertragen.

Bei der Schwedischen Armee, die in 5 Brigaden vertheilt, um jene Zeit gegen 12000 Mann betragen mochte, wurden gedachte Vortheile durch ein Te Deum gefeyert, welche religiöse Ceremonie in der Folge bei jeder sich nur darbietenden, geringsten Gelegenheit wiederholt wurde. Französische Blätter machten dabey die Bemerkung: daß der König von Schweden wenigstens verstehe, sein Finnland recht gottesfürchtig (trés pieusement) zu verlieren.

Zu St. Petersburg ward dagegen am 11ten Mai ein Dankfest wegen der Eroberung Finnlands gehalten, welches sich durch eine erhabne Simplicität auszeichnete. Die Garden und andere Truppen defilirten vor der Statue Peters des Großen und feyerten durch Bezeugung der Militär-Honneurs das Andenken des Unsterblichen, der auch zur Eroberung Finnlands die ersten Schritte gethan hatte.

Die Waffen-Triumphe der Schweden im nördlichen Ostbothnien waren an sich von keiner großen Bedeutung; sie wurden aber merkwürdig durch ihre Folgen. Die Rußischen Truppen-Detaschements, die zum Theil außer Verbindung gesetzt waren, und denen mehrere beträchtliche Transporte von Lebensmitteln genommen wurden, sahen sich zum Rückzuge genöthigt; der Muth der Schweden ward belebt und der Vaterlandssinn der Landleute angefeuert, die in Ostbothnien und andern Gegenden durch Proclamationen zur Insurrection und zum Bewaffnen aufgefordert waren, zu einer Zeit, wo die von den Russen besetzten Gegenden am 21sten Mai dem neuen Landesherrn den Eid der Treue schworen.

Zu den Continental Successen der Schweden im Mai, gesellten sich auch glückliche Erfolge zur See. Schon im März hatten die Russen von Finnland aus übers Eis die Alands-Inseln im Bothnischen Meerbusen besetzt. Sobald es die Jahrszeit erlaubte, ging unter dem Oberstlieutenant Kapselman von Stockholm eine Expedition ab, um diese für die Schwedische Hauptstadt und für das südliche Finnland gleich wichtige Inseln Gruppe wieder zu besetzen. Und die Expedition glückte. Der Russische Oberst Witsch, dem bei dem Eisgange und bei dem Mangel an Fahrzeugen die Communication mit Abe benommen war, sah sich am 9ten Mai genöthigt, sich mit seinem Commando von 500 Mann zum Kriegsgefangnen zu ergeben. Seitdem sind auch im Laufe des Kriegs die Alands-Inseln, die durch die Bewaffnung der Einwohner und durch die Begünstigung der Operationen gegen das südliche Finnland sehr wichtig wurden, im Besitz der Schweden verblieben.

So gieng auch eine andre insularische Acquisition, deren Wichtigkeit das Russische Ministerium selbst öffentlich dargestellt hatte, unerwartet wieder verlohren. Dieß war die Insel Gothland, die der Russische Contre-Admiral Bodisco von Liebau aus besetzt hatte, die er aber nur einen Monat behauptete. Am 16ten Mai ward er durch den Schwedischen Contre-Admiral Rudolph Cederström veranlaßt, sich mit der unter ihm stehenden Mannschaft zum Kriegsgefangnen zu ergeben. Diese bestand aus 999 Gemeinen, 62 Offiziers, 78 Unteroffiziers und 64 Artilleristen. Sie wurden nach Liebau zurück transportirt und Bodisco zu St. Petersburg vor ein Kriegsgericht gestellt, dessen Aussprüche aber bis jezt nicht bekannt geworden. Bei dem nachmaligen Erscheinen der Englischen Kriegsschiffe in der Ostsee haben seitdem die Russen keinen Versuch gemacht, diese Insel wieder zu erobern -- die für die Englischen Kauffahrtey-Flotten, welche hernach die Ostsee bedeckten, ein wichtiger Platz zum Betrieb des in diesem Jahre so besondern, eigenthümlichen Ostsee-Handels geworden ist.

Sobald der Bothnische Meerbusen und die Küsten Finnlands vom Eise frei waren, begann von Schwedischer Seite der Krieg zu Land und zu Wasser mit der größten Thätigkeit. Während General Klingspor im May und Junius mit einer durch Miliz bis auf 17000 Mann verstärkten Armee seine Offensiv-Operationen vom Norden her fortsetzte und beträchtlich Terrain gewann, gieng die Haupt-Absicht der Schweden auf die Wiedereroberung des südlichen Finnlands, als des wichtigsten Theils des Großfürstenthums. Die Truppen, die hierzu bestimmt und längs den Schwedisch-Bothnischen Küsten und auf den Alands-Inseln gesammlet waren, erhielten späterhin, am 1sten August, den Namen der südlichen Finnländischen Armee, während die Truppen unter Klingspor die Nord-Armee bildeten.

Die Operationen der Truppen des ersten Armee-Corps begannen am 3ten Jun. mit einem Angriff auf Nystadt von der Seeseite her, dessen Einwohner sich bei der Eidesleistung sehr Russisch gesinnt gezeigt hatten. Der Landungs Versuch ward abgeschlagen, die Stadt aber litt durch das Feuer der Schweden beträchtlich.

Die Expedition gegen Nystadt war aber nur eine Maske, die den Hauptplan verdecken sollte. Dieser war auf die Wiedereroberung der Hauptstadt Abo gerichtet. Am 19ten Jun. landete unerwartet der General Vegesack des Abends um 6 Uhr mit einem Corps von 7000 Mann, 12 Werst südlich von Abo. Diese bestanden außer 70 Mann Garde-Cavallerie, aus 1000 Mann Garde Infanterie, 3000 Mann Stockholmer Miliz und aus 3000 Alandschen Scharfschützen. Die Landung geschah so schnell, daß die auf den Posten stehenden Cosacken sich kaum retten konnten, um die Nachricht davon nach Abo zu bringen. Der Oberbefehlshaber in dasiger Gegend, Generallieutenant Baggehufwudt, der sich bei manchen Gelegenheiten auch in dem Französisch-Russischen Kriege ausgezeichnet hatte, nebst dem Obersten Wadkowskji, der unter ihm commandirte, verlohren aber die Geistesgegenwart nicht. Ueberfallen und dem Feinde an Zahl nicht gewachsen, ließ Baggehufwudt diesem, der aufs ungestümste vordrang, so viel als möglich, Hindernisse in den Weg legen, bis die zur Nachtzeit herbeigerufenen Vrrstärkungen aus der Nachbarschaft ankamen. Nun ward der Kampf mit der wüthendsten National-Erbitterung und Hartnäckigkeit fortgesetzt. Die Schweden boten alles auf, das vorgesetzte Ziel zu erreichen; aber vergebens. Schon auf ihre Schiffe zurückgetrieben, erneuerten sie zweimal den Angriff, sahen sich aber, nach einer achtzehnstündigen Schlacht zur Rückfahrt genöthigt. Die Schweden, deren Verlust die Russen in allem auf die runde Summe von 1000 Mann angaben, worunter nur 27 Gefangne, hatten zum Angriff den Tag gewählt, an welchem in Abo Jahrmarkt gehalten werden sollte, wobei sie auf Verwirrung und den Beistand des Volkes rechneten; allein der Jahrmarkt war Russischer Seits aus Vorsicht weiter ausgesetzt worden. Der Russische Verlust betrug nach dem Hofbericht, außer 2 getödteten und 12 verwundeten Offiziers, 300 Gemeine.

Noch unglücklicher nach Verhältniß als das Unternehmen gegen Abo fiel eine Schwedische Expedition gegen Wasa aus. Am 22sten Jun. landete daselbst mit einem an der entgegengesetzten Schwedischen Küste zu Umea eingeschifften Corps von 1500 Mann der General-Adjutant Bergensträle. Es glückte ihm, die Stadt Wasa zu besetzen; allein die Russen, die unter dem Generalmajor Demidow nach einer andern Küsten-Gegend gezogen waren, kamen bald zurück, und es entstand nun in den Straßen von Wasa ein gräßlicher Kampf, der die Lübecker Scene im kleinen darstellte. Schwedische Scharfschützen und Einwohner unterhielten aus Fenstern und Thüren ein heftiges Feuer, worauf die Russen in die Häuser drangen. Nach einem 6stündigen Gemetzel blieben die Russen Meister des blutigen Wahlplatzes. 17 Schwedische Officiers wurden getödtet und 13, worunter der Anführer, General-Adjutant Bergenstraie, nebst 255 Gemeinen gefangen. Den übrigen Schwedischen Verlust gaben die Russen auf 300 und den ihrigen auf 100 Mann und 7 verwundeten Offiziers an. Die Einwohner von Wasa mußten die militärische Theilnahme, die sie für den Monarchen aus dem Wasa-Stamme und für dessen Krieger bewiesen hatten, durch harte, harte Folgen büssen.

Die Russen blieben aber nicht lange im Besitz von Wasa. Am 24sten Junius griffen die Schweden, nach erhaltnen ansehnlichen Verstärkungen und da sich viele Landleute mit ihnen vereinigten, unter den Generalmajors Adlercreuz und Grafen Cronstedt die Russen unter dem Generalmajor Jankowitsch bei Ny-Carleby an, und nöthigten sie zum Rückzuge. Diese Affaire, verbunden mit den einzelnen Landungen der Schweden, im Rücken der Russen, hatte sehr bedeutende Folgen. Die Russen mußten sich im Julius und August aus Ostbothnien, einem Theil von Sawolax, Carelien xc. zurückziehen. Lappo, Lapferd, Alawo, Peilax und Lindulax wurden wiederholt Schauplätze sehr blutiger Auftritte, und die Fahne der Empörung ward bei den Vortheilen der Schweden immer ausgebreiteter, namentlich auch besonders im Rücken der Russen, in Carelien erhoben. Der König von Schweden erklärte in seinem bekannten Briefe an den Russischen Kaiser, daß halb Finnland wieder erobert sey.

Das Kriegsglück der Schweden war aber bei den Truppen-Verstärkungen, die aus Rußland nach Finnland gesandt wurden, indem namentlich Fürst Golizyn 5 mit einer neuen starken Division eintraf, von keinem Bestande. Am 1sten Sept. griff der Generallieutenant Kamenskji 2. ein Schwedisches Corps von 8000 Mann an, welches bei dem Kirchdorfe Kartauna unter dem Generalmajors Adlercreuz und Cronstedt in einer sehr festen Stellung stand. Ohnerachtet einer verzweifelten Gegenwehr wurden die Schweden, deren beide Anführer schwere Wunden erhalten hatten, aus derselben vertrieben und zum Rückzuge über Salmy genöthigt. Ihr Verlust ward auf 900 und der der Russen auf 500 Mann angegeben.

Diese glückliche Action bei Kartauna führte die Russen wieder auf die Siegesbahn, auf der sie neuerdings die schnellsten Fortschritte machten. Die Schweden sahen sich genöthigt, das meiste eroberte Terrain wieder aufzugeben, die festen Stellungen bei Lapferd, Lappo xc. zu verlassen, und Christinastadt, Wasa, Ny-Carleby und Jacobstad zu räumen, so daß die Russen am 24sten September ihr Hauptquartier wieder nach Gamla-Carleby verlegten.

Zwar hatten die Schweden alles aufgeboten, den Unfall von Kartauna wieder gut zu machen und die Russen auf der Siegesbahn aufzuhalten. Sie hatten deshalb ihr Hauptquartier in einer äußerst festen Stellung bei Oriwais concentrirt, wo es am 14ten Sept. zu der größten und blutigsten Schlacht im ganzen Finnländischen Kriege kam. Die Russen unter dem Generallieutenant Kamenskji 2, dem heldenmüthigen Anführer bei Kartauna, griffen an, lange wankte der Sieg, man kämpfte von 7 Uhr des Morgens bis 11 Uhr Abends, wo sich die Schweden zum Rückzuge und zur nachmahligen Räumung der oben angegebenen Städte genöthigt sahen. Die Russen haben ihren eignen Verlust auf 1100 und den der Schweden auf 2000 Mann an, worunter 36 getödtete und verwundete Officiers. Unter leztern befand sich auch der durch seine persönliche Tapferkeit ausgezeichnete Generalmajor von Vegesack. Lieutenant Klingspor, Adjutant des Feldmarschalls, war unter den Gefangnen. Ein andrer bekannte Schwedischer Militär, der Generaladjutant, Graf von Löwenhjelm, ein Sohn des vormahligen Gesandten zu Hamburg, im Haag xc. hatte schon im April das Schicksal gehabt, bei Uleäborg in Russische Gefangenschaft zu gerathen.

"Auf solche Art ward (heißt es in dem Russischen Hofbericht) von dem Treffen bei Kartauna an, nämlich in 20 Tagen, fast das ganze Gouvernement Wasa wieder dem Scepter Sr. Russisch-Kaiserlichen Majestät unterworfen, und die Armee des Feldmarschalls Klingspor, die, außer den bewaffneten Bauern, 16000 Mann unter dem Gewehr zählte, ist bis auf 9000 zusammen geschmolzen. Vor der ganzen Welt ist hierdurch dargethan, daß Muth und Tapferkeit alle Hindernisse überwinden, und daß die natürlich festen Positionen Finnlands, welche die Schweden überall mit überlegner Macht gegen uns vertheidigt haben, durch geschickte und rasche Bewegungen, nicht unüberwindlich geblieben sind."

Während die Schwedische Armee im nördlichen Finnland jene Unfälle erlitt, suchte die südliche Finnländische Armee die feindliche Macht von ihr abzuziehen und ihr wieder neuen Spielraum zu verschaffen. Der General-Major Lantingshausen, Chef der 2ten südlichen Division, machte bei Lokolax eine Landung, die aber fehlschlug und die ihm sein Commando kostete. Mit eben so wenigem Glücke, aber mit ausgezeichneterer Bravour und Entschlossenheit ward am 26sten Sept. eine Landung mit 6000 Mann, größtentheils Garde bei Helsing, von dem bekannten General-Adjutanten, Baron von Boye unternommen. Drei Tage lang kämpfte er gegen die Truppen unter dem Fürsten Bagration und dem General Baggehufwud, den er gleich anfangs zurückschlug, wiederhohlt führte gedachter Heldenmüthige Chef seine Truppen selbst ins Feuer, ward aber jedesmal geworfen und fand überall Tod und Unüberwindlichkeit. Die Russen -- deren Hauptquartier unter General Buxhöfden wegen dieser Landungen von Gamle-Carleby nach Wasa zurück verlegt wurde -- gaben ihren Verlust auf 320 Mann an, worunter 20 getödtete oder verwundete Officiers und den Verlust der Schweden, außer den Getödteten und Verwundeten, auf 300 Mann an Gefangnen.

Dies war -- da durch den Fürsten Dolgoruckow auch die Unruhen in Carelien gedämpft und die bewaffneten Volkshaufen von den Russen zerstreut worden -- die lezte bedeutende Scene in dem bisherigen Finnländischen Kriege. Der König von Schweden hatte, wenn nicht die unmittelbaren Gefahren desselben getheilt, sich bisher seit 4 Monaten in der Nähe des Kriegsschauplatzes aufgehalten, um alles desto schneller zu dirigiren. Am 30sten Junius war er auf der Fregatte Amadis von Stockholm, wo eine Regentschaft errichtet war, nach den Alands-Inseln abgesegelt und hatte lange sein Hauptquartier zu Gralsby.

In seiner Begleitung fand sich unter andern der zu St. Petersburg gewesene Schwedische Ambassadeur, General, Baron von Stedingk. Weit entfernt, bei der am 3ten März zu Stockholm erfolgten häuslichen Verhaftung des Russischen Gesandten, Herr von Alopeus, des Jüngern, das Vergeltungsrecht zu gebrauchen, bewies der Hof zu St. Petersburg, um den schönsten Contrast zu bilden, dem Schwedischen Bothschafter die größte Attention, und verschaffte ihm alle Bequemlichkeit und Erleichterung zur Abreise. Nachdem er in Schweden angekommen war, erfolgt dann auch, nach einer länger als vierteljährigen diplomatischen Arrestation, die Freilassung des Herrn von Alopeus. Er traf am Ende von Junius über Preußen wieder zu Sr. Petersburg ein. Das Unglück, das ihm seine unbegränzte patriotische Thätigkeit zugezogen, ward sein Glück. Vom Kammerjunker ward er zum würklichen Kammerherrn erhoben, erhielt den St. Annen-Orden der ersten Classe, mit einer Arrhende von 5000 Rubeln jährlicher Einkünfte.

Werfen wir jezt noch einen Blick auf die See-Operationen, die den Krieg in Finnland begleiteten. Zwar trifft dieser Blick in unserm Zeitalter des Außerordentlichen und Wundervollen, hier nicht auf Gegenstände von hervorragender, von auf immer bleibender Merkwürdigkeit. Es gab auch im Kleinen -- keine Schlachten à l'Aboukir oder à la Trafalgar, die sich mit Eroberung oder Zerstörung der Gegen-Macht endigten. Indessen focht man beiderseits mit einem Heroismus, mit einer so unerschütterlichen Standhaftigkeit, wie sie in den größten See-Bataillen nicht ausgezeichneter seyn konnten. Wie viele Zuge des außerordentlichsten Heldenmuths und andrer seltnen Eigenschaften, mag überhaupt der Finnländische Krieg geliefert haben, die aber von keinen Davids aufgenommen und durch den Strom der grössern Begebenheiten in den Abgrund der Vergessenheit fortgerissen sind.

Der Seekrieg begann für Schweden unter ungünstigen Verhältnissen und Ausspicien. Die sehr bedeutende Finnländische Scheeren-Flotte von beinahe 200 Fahrzeugen, war theils verbrannt, theils den Russen in die Hände gefallen. Diese bedienten sich nun der eignen Schwedischen Schiffe gegen die Schweden. Die zu Sweaborg vorgefundnen Scheeren-Fahrzeuge wurden so schleunig als möglich ausgerüstet, mit Landtruppen besezt und in Verbindung mit kleinen, von Cronstadt gekommnen Escadern, in 5 Abtheilungen nach den südwestlichen Küsten von Finnland gesandt. Gegen diese, besonders gegen Abo war die Absicht der Schweden gerichtet, die gegen 130 Scheeren Fahrzeuge zusammen brachten und den sogenannten Jungfern-Sund zu ihrer Hauptstation wählten. Um die Russische Ruder-Flottille zu besiegen, ehe sie in ihrer Hauptstärke vereinigt wäre, griff der Schwedische Contre-Admiral Hjelmstierna, Chef der Stockholmischen Abtheilung der Scheeren-Flotte, am 30sten Junius und 4ten Julius bei den Inseln Stor-Lander und Rundjala die zwei ersten Abtheilungen der Russischen Flottille, mit 48 Fahrzeugen aufs heftigste an; ober ohne Erfolg.

Das hartnäckigste und blutigste Treffen zwischen den beiderseitigen Flottillen, war am 1sten Aug. bei den Inseln Sando und Komito. Die Russen machten den Angriff und blieben Sieger. Die Action hatte von Morgens 3 bis Abends 8 Uhr gedauert und sich auch auf die Landtruppen auf den Inseln und an den Küsten erstreckt. Die Russen welche Sando besezten, gaben ihren Verlust auf 328 Mann und den der Schweden, auf 1200 an.

In der Folge fielen am 30sten August unweit Helsing, am 18ten September bei der Insel Palwa u. s. w. noch manche partielle Gefechte vor: aber alle ohne entscheidende denkwürdige Folgen und Resultate. Schon in der Nacht auf den 19ten August hatte die Russische Ruderflottille versucht, die Schwedische Linien-Flotte im Jungfern-Sunde in Brand zu stecken, welches ihr aber nicht glückte.

In Ganzen blieb sich zur See die Wagschaale des Kriegsglücks zwischen den Schweden und Russen ziemlich gleich. Der Trophäen waren wenige. Am 15ten Aug. nahm Admiral Chanykow beim Jungfern-Sunde 5 Transportschiffe und eine Schwedische Brigg von 20 Kanonen, nebst 368 Mann. Dagegen nahmen die Engländer am 24sten Junius einen Russis. Cutter in der Ostsee (Apith von 14 Kanonen und 64 Mann) und eroberten und vernichteten das Linienschiff Wsewolod. Die Schweden blieben Meister des Bothnischen Meerbusens. Die Russen unternahmen zur See nichts gegen Schweden; und eben so wenig waren die Schweden im Stande, See-Expeditionen gegen die Russischen Küsten zu unternehmen.

Der Russische Marine-Minister, Admiral Tschitschagow, der im vorlezten Schwedisch-Russischen Kriege gegen den Herzog von Südermannland commandirt hatte, (welcher diesmal an der Spitze der Regentschaft zu Stockholm stand) erhielt von seinem Monarchen zur Belohnung seiner Thätigkeit, das Großkreuz des Wladimir-Ordens, der General, Graf von Buxhöfden, außer andern Belohnungen, den St. Andreas-Orden und der Russische Minister der Landmacht, Graf Araktschejew, der zu Anfange des Feldzugs selbst eine Reise nach Finnland gemacht hatte, empfing die besondre Auszeichnung, daß das Rustowsche Musketier-Regiment nach seinem Namen benannt wurde.

Die Russische Generalität, die unter der Direction des Grafen Araktschejew und unter dem unmittelbaren Oberbefehl des Generals Buxhöfden, bei dem Feldzuge in Finnland commandirte und deren Namen in den Kriegsberichten vorgekommen, bestand aus folgenden Personen: 9 Generallieutenants: Die Fürsten Bagration, Gortschakow und Golizyn 5, ferner Graf Witgenstein, Kamenskji 2, Konownizyn, Rajewskoi, Baggehufwudt, Barclay de Tolly, der Ingenieur-General van Suchtelen, Ingenieur-Generalmajor Briskorn, ferner die 20 Generalmajors, Berg, Müller, Aderkas, Bulatow, Jankowitsch, Sasonow, Borosdin, Labonow, Rachmanow, Muchanow, Demidow, Knieper, Schepelew, Erickson, Uschakow, Arsseniew, Graf Orlow-Denissow, Tutschkow 1 u. 3.

Dieses Namens-Verzeichniß läßt auf die Stärke der Russischen Truppen in Finnland schließen. Von Schwedischer Seite ist dieser Nomenclatur nichts als die Namen entgegen zu stellen, die in obiger Uebersicht vorgekommen sind.

Und welches war der Erfolg des so hartnäckigen, blutigen Kampfs in Finnland? -- Daß die Sachen am Ende des Feldzugs, oder im Herbst beinahe wieder auf denselben Punct gekommen waren, wie zu der Zeit, als die Schweden im Frühling Finnland wieder zu erobern, vergebens unternahmen. Schon damals hatte man Schwedischer Seits, um Zeit zu gewinnen, und da man noch nicht voraussehen konnte, ob man wegen einer fremden Expedition gegen das südliche Schweden, völlig sicher seyn könnte, hingeworfene Anträge, zur Einstellung der Feindseligkeiten und zur Herstellung des Friedens gemacht, die aber, bei der Unzulässigkeit der Bedingungen und bei der illusorischen Tendenz, von Russischer Seite bald verworfen wurden.

Der Kampf zwischen den Durchl. Schwägern auf dem Kaiser- und Königsthrone endigte sich in Finnland einstweilen, durch (nachstehende) Waffenstillstands-Convention, für das nördliche Finnland, deren Ratification zu erwarten steht.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1808.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1808.
  3. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1808.
  4. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1808.
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