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x.Bearbeiten


[1] Der Major Funk vom sächsischen Generalstabe hatte die Nachricht von Napoleons günstigen Gesinnungen gegen Sachsen zuerst nach Dresden gebracht, und wurde nachher beauftragt, sich in das kaiserliche Hauptquartier zu begeben, um, gestützt auf jene huldreichen Aeußerungen, Verhandlungen anzuknüpfen. Unterdeß hatte Gen. Zeschwitz, wieder getrennt von dem Könige, sich am 17ten bei Mansfeld mit der Brigade Cerrini vereinigt, welche auf ihrem Marsche von Frankenhausen her genöthigt gewesen war, die Arrieregarde einer preußischen Colonne zu machen, obgleich eben diese Brigade in sämmtlichen Gefechten von Saalfeld an bis an die Weibicht bei Weimar am meisten ausgesetzt gewesen war. Den 18ten setzten die Sachsen ihren Marsch nach der Gegend von Magdeburg fort, zeigten jedoch Widerwillen sich der Festung zu nähern, aus Besorgniß, zum Garnisondienste genöthigt zu werden, so wie schon früher ein Bataillon Clemens Infanterie in Erfurt zu gleichem Behufe zurückbehalten wurde. Gen, Zeschwitz erfuhr, der König solle in Magdeburg seyn. Dessen Befehle einzuholen, sendete er den Gen. Dyherrn ab, welcher aber den König nicht mehr fand. Gen. Kleist erklärte ihm, er habe keinen Auftrag sich mit den Angelegenheiten der Sachsen zu befassen, und könne sich deshalb auch nicht darauf einlassen.

Sich selbst überlassen beschloß nun Gen. Zeschwitz, sich gegen Berlin zu wenden und den kürzesten Weg über Barby zu nehmen. Hier kam er den 19ten gegen Mittag an, und erhielt einige Stunden nachher die officielle Nachricht von der Freilassung der Division Niesemeuschel, und von der Wahrscheinlichkeit eines freundschaftlichen Vergleiches zwischen dem französischen Kaiser und dem Churfürsten unter der Bedingung, daß das sächsische Contingent sich unverzüglich von dem preußischen Heere trenne. Dieß bewog den General, bei Barby Halt zu machen, und einen Rittmeister an den Fürsten von Hohenlohe nach Magdeburg zu senden. Der General meldete, da sich seine Truppen nicht in der Verfassung befänden, für jetzt thätigen Antheil an den Operationen nehmen zu können, habe er sich mit allen gesammelten nach Barby begeben, weil dieser Ort ihm am schicklichsten schiene, die nöthigen Anstalten zur Ergänzung und Herstellung seines Corps zu treffen, und weitere Verhaltungsbefehle aus Dresden abzuwarten. Er ließ ferner darauf antragen, daß die noch in der Gegend von Magdeburg befindlichen Sachsen ebenfalls nach Barby abrücken dürften. Der Fürst blieb einige Zeit unschlüssig, diesem Verlangen zu willfahren, da sich jedoch wenig Sachsen in Magdeburg befanden, geschah es unter der Bedingung, daß sich um 5 Uhr des andern Morgens kein Mann oder Wagen mehr blicken lassen solle. Gleichwohl blieb der größere Theil der Cavallerieregimenter Clemens und Albrecht noch länger bei dem Hohenlohischen Corps, weil sie sich, wie der Augenzeuge sagt, gleich der preußischen Cavallerie, nach eigener Anordnung in die Dörfer gelegt hatte, daher in der vom Fürsten festgesetzten Zeit nicht aufgefunden werden konnten.

Bald nach der Zurückkunft des Rittmeisters von Magdeburg wurde Gen. Zeschwitz von Dresden aus förmlich ermächtigt, die Trennung der sächsischen Truppen von den preußischen zu bewerkstelligen. Die Sachsen blieben den 20sten und 21sten bei Barby stehen. Am letztgenannten Tage wurden noch einige ausgesande Patroullen von den Franzosen weggenommen, doch den 22sten wieder zurückgeschickt. Desselben Tages hatte Kaiser Napoleon Sachsen die Neutralität bewilligt. Vermöge derselben kehrten die Truppen in ihre Friedensgarnisonen zurück, nachdem sie zuvor Waffen und Pferde an die Franzosen abgeliefert hatten. Dieß geschah von den meisten bei Bernburg und Dessau. Die in den Garnisonen zurückgebliebenen Depots der im Felde gestandenen Regimenter mußten nachher ihre Pferde nach Potsdam abliefern. Durch diese bedeutende Erwerbung sahen sich die Franzosen im Stande, eine zahlreiche Dragonerdivision, welche zu Fuße gekommen war, beritten zu machen. Ueberhaupt hatten die Franzosen, welchen es bei ihrem Einmarsche an Pferden mangelte, durch Requisitionen, besonders aber durch die von den Preußen und Sachsen erbeuteten, in kurzer Zeit eine solche Menge erlangt, daß nicht nur ihre gesammte Cavallerie damit versehen war, sondern schon am 29sten zu Spandau 4000 überzählige aufgestellt werden konnten.

Verschiedene zu den Preußen gerathene Sachsen kehrten erst später wieder heim. So die Cavallerieregimenter bei dem Hohenlohischen Corps. Der Fürst erhielt den officiellen Bericht von dem zwischen Frankreich und Sachsen abgeschlossenen Vertrage erst den 27sten, daher jene Regimenter, bei Prenzlow nicht befindlich, ihre Pferde bei Rathenau abgaben. Noch länger blieben einzelne Infanterieabtheilungen, die sich bei dem Weimarischen Corps eingefunden hatten, und 2 Husarencommandos, welche im Thüringerwalde auf Vorposten gestanden, und deren Abrufung Prinz Louis wahrscheinlich vergessen hatte. Nach dem in ihrem Rücken vorgefallenen Gefechte bei Saalfeld blieben sie, bis die Ankunft des Weimarischen Corps ihnen Gelegenheit gab, sich diesem anzuschließen. Sie folgten ihm bis ins Mecklenburgische, und befanden sich noch am 2ten November unter dem Befehle des Gen. Blücher.


Zeitungsnachrichten.Bearbeiten

[1807]

Vermischte Nachrichten. [2]

Sachsen. Das vom Königreich Sachsen zu stellende Kontingent ist auf 8,000 Mann gebracht worden, weil die sächsische Kavallerie alle ihre Pferde an die Franzosen abgeben mußte, und nur das Regiment König Küsassier, das nicht mit den Preussen vereinigt wurde, beritten blieb. Dieß ist nun beym Kontingent. Das übrige, was an Kavallerie nicht geleistet werden konnte, wird durch Infanterie ersetzt.


Quellen.Bearbeiten

  1. Beobachtungen und historische Sammlung wichtiger Ereignisse aus dem Kriege zwischen Frankreich, dessen Verbündeten und Oesterreich im Jahr 1809. Weimar im Verlage des Landes-Industrie-Comptoirs. 1809.
  2. National-Zeitung der Deutschen. 8tes Stück, den 19ten Februar 1807.
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