Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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S. Croix.[]

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S. Croix, S. Cruz, Insel des heil. Kreuzes, ist eine von den antillischen Virg. Inseln. Sie enthält nur 8 ge. QM. Die Franzosen kauften sie 1733 den Franzosen für 130,000 Thlr. ab, und legten die 2 Städte, Christiansstadt und Friedrichsstadt an. Seit dieser Zeit hat die Bevölkerung und der Wohlstand der Insel sehr zugenommen. Man zählte daselbst im J. 1789. 1932 Weisse, 953 freye Neger und 22,472 Negersklaven. Es werden Caffe, Zucker, Indigo, Baumwolle, Citronen, Tabak ausgeführt; und wenn die Hauptseemächte Krieg führen, wird hier und zu St. Thomas als neutralen Inseln der Handel ist sehr wichtig. Der Gouverneur über die 3 Dänischen Inseln hat seinen Siz zu Christiansstadt im Fort Christianswehr. Die Landmacht besteht aus 3 Compagnien Europäer und 1 Comp. Freynegern. 1807. 27 December nahmen die Engländer diese Insel ohne Widerstand in Besiz.


Nachrichten von dem Zustande der Neger, und den Zuckerplantagen auf der Dänisch-Westindischen Insel St. Croix, vom General Oxholm.[]

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Vermöge einer Königl. Verordnung ward im Jahre 1792 die Aufhebung des Negerhandels auf St. Croix beschlossen, jedoch ein Termin von zehn Jahren zur Ausführung dieses Plans festgesetzt. Diese Aufhebung ist aber jetzt, nach einer umständlichen Auseinandersetzung des Generals Oxholm mit sehr vielen in der Natur der Sache gegründeten Hindernissen verbunden gewesen; besonders machte die Besitznahme der Engländer von der Insel im Jahre 1801 eine große Störung. Der General Oxholm schlägt vor, daß wenn die Zuckerplantagen nicht gänzlich in Verfall gerathen sollen, vorläufig noch einige Jahre mehr zugestanden werden müssen, damit der gegenwärtige Stamm der Neger von 22,000 auf 30,000 Menschen gebracht werde.

Die Insel St. Croix kam bekanntlich im Jahre 1733 an Dännemark. Im Jahre 1755 übernahm der König von der westindischen Compagnie die Colonien. Nun kamen von den benachbarten Inseln eine beträchtliche Menge Pflanzer, die einen Negerstamm mit sich brachten, der sich schon im Jahre 1756 auf 9956 Menschen belief. Im Jahre 1758 war die Zahl schon bis zu 11087 und im Jahre 1769 bis zu 18332 gewachsen. Die zunehmende Bekanntschaft mit dem Europäischen Luxus, und die zunehmende gemächliche Lebensart setzte die Pflanzer bald in tiefe Schulden. Im Jahre 1792 war die Anzahl der auf dem Lande lebenden Neger 18121; im Jahre 1799, wo man schon zum Behuf der Aufhebung des Negerhandels den Stamm beträchtlich zu vermehren suchte, belief sich ihre Anzahl auf 22,465. Jeder arbe tsfähige Neger wird zu 400 bis 450 Rthlr. geschätzt. -- Nach der lezten Zählung war die Anzahl der Neger im Jahre 1804 noch 22,076. Von dieser Anzahl waren 11,601 männlichen, und 10,475 weiblichen Geschlechts; 11,530 waren Kreolen, und 10,546 Afrikaner; ferner getauft waren 14,603, Heiden 7473; arbeitsfähige (von 20 bis 50 Jahren) 12,100, und darunter wiederum 4400 Weiber. Diese gebahren 553 Kinder, unter welchen 84 todtgeborne. Von sämmtlichen Neger starben in demselben Jahre 815. Darunter waren unter 1 Jahre 113; von 1 bis 5 Jahren 73; von 5 bis 10 Jahren 26.

Der schlechten Geburtshülfe ist die große Zahl der Todtgebornen zuzuschreiben. Die schädlichen Vorurtheile und Gebräuche der Mütter sind zum Theil Schuld an dem frühen Sterben der Kinder. Nach der Geburt des Kindes werden Thüre und Fenster dicht zugemacht, und die Mutter sucht das angste Gemach zu ihrem Wochenbette im Hause aus, um sich so warm als möglich zu halten. Unsittlichkeit und Liederlichkeit ist die Ursache, daß so wenige Kinder geboren werden; auch trägt die Gewohnheit der Mütter, ihren Kindern 2 bis 3 Jahren die Brust zu geben, hierzu vieles bei. Nur mit Gewalt vermögen die Pflanzer sie davon abzuhalten, denn die Negerinnen werden erst wieder schwanger nach der Entwöhnung der Kinder. Wenige Negerinnen lassen sich trauen mit ihren Männern, so lange sie jung sind; erst in den spätern Jahren geschieht dies. Die angegebene Anzahl der auf dem Lande wohnenden Neger (die in den Städten lebenden sind nicht mitgerechnet) bewohnt 8227 Häuser. Einige haben 2 oder 3 Zimmer; nicht einmal 3 Menschen kommen also auf ein Haus. Ein einzelnes Haus ist 16 Fuß lang, 10 Fuß tief. Diese Wohnungen liegen auf einem eingehegten und mit Bäumen bepflanzten Areal von 1245 Ackern. Der ganze Flächen-Inhalt des bebauten Landes beläuft sich auf 31,553 Acker; davon werden 24,283 zu Zuckerplantagen benutzt; 5013 liegen abwechselnd brach d. h. sie werden in der Zeit größtentheils mit Jams bepflanzt, die nachher Rationweise als Nahrungsmittel unter die Neger vertheilt werden. Außerdem sind 2257 Acker Landes den Negern zum eigenen Gebrauch, und zur Benutzung überlassen. Die Keller mit Mais-Mehl und Heringen stehen ihnen zu ihrer Nahrung beständig offen. Auch erhalten sie jährlich wollenes und leinenes Zeug zur Kleidung. Die Staatseinkünfte beliefen sich im Jahre 1804 auf dieser Insel auf die beträchtliche Summe von 600,000 Rthlr.


Zeitungsnachrichten.[]

[1806]

[3]

Koppenhaagen, 22. April.

Ein Brief aus St. Croix, von 15. Febr. meldet folgendes: Am 23sten Januar empfieng unser General-Gouverneur von dem Admiral Duckworth ein Schreiben, worin er demselben zu erinnern gab, daß er zuverlässig unterrichtet sey, daß die ausgelaufene franz. Flotte gegen die dänischen Colonien etwas feindseliges im Schilde führe, und daß er es daher für seine Pflicht halte, den Unterthanen Sr. dän. Maj. als den Freunden seines Königs, alle in seiner Gewalt stehende Hülfe anzubieten. Der Gen. Gouverneur Mühlenfels lehnte natürlich die anbothene Hülfe ab, da ihm von unserm Hofe nichts offizielles darüber zugekommen war, allein diese unerwartete Nachricht hemmte doch auf einmal den Gang der Handlung. Man traf alle wesentlichen Anstalten zur Vertheidigung der Inseln. Die verschiedenen Corps verdoppelten ihre Waffenübungen. Alle dänische Seeleute wurden zur Vertheidigung des Forts in Requisition gesetzt. Am 3. Febr. stieg unsere Erwartung aufs höchste, als wir im Osten eine Flotte von 7 Linienschiffen gewahr wurden. Die Allarmschüsse fielen, die Truppen eilten zu ihren Versammlungs-Oertern und alles war zum Empfange der Feinde bereit. Allein nach Verlauf einiger Stunden verlohren wir die Flotte wieder aus dem Gesichte und Tags darauf erfuhren wir, daß es eine englische Flotte gewesen sey, welche die französische suche."


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Jahrgang 1806.
  3. Bamberger Zeitung. Nro. 123. Samstag, 3. Mai 1806.
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