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Saluzzo.Bearbeiten

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Saluzzo, ehemal. Markgrafthum in Italien, gegen Frankreich zu, zwischen der Grafschaft Nizza, dem eigentlich sogenannten Piemont, der Grafschaft Lucerne, und der Provinz Dauphiné. Sie gehört dem Herzoge von Savoyen, und die Hauptstadt

Saluzzo, liegt am Po, hat 10,150 Einwohn. (im J. 1802), ein Schloß, einen Bischoff, eine sehr große Kathedralkirche, 9 andere Kirchen und Klöster. Jezt gehört die Landschaft zum französ. Departem. der Stura, und die Stadt ist der Hauptort eines Bezirks in demselben. Die Gegend ist sehr bergicht, aber mit vielen Kastanienwäldern besezt; die Einwohner treiben auch Handel mit Eis nach den w rmern Landschaften der Lombardie.

Zu dem Bezirke gehören die Cantons: Saluzzo, Barga, Moretta, Parsona, Revello, Peira, Venasca, und Verzuolo.


Von Reisende.Bearbeiten

[2]
Aubin-Louis Millin

[1811]

Auf dem Rückweg nach Carignan, kann man auf einem kleinen Umweg rechts, Saluzzo besuchen *); eine Stadt, deren Name an ritterliche Abentheuer, an die Reize romantischer Fabeln und an glänzende Ideen der Dichtkunst erinnert. Sie war ehemals die Domaine einer der edelsten und ältesten Familien Piemonts. Ihre Thürme wurden mehr als einmal durch ihre edlen Marquis mit glänzender Tapferkeit vertheidiget; und ihr Schloß war Zeuge der ausdauernden Geduld der tugendhaften Griselda, deren rührende Geschichte zuerst von unsern Troubadours *) besungen und von Boccaz mit so viel Interesse und Grazie beschrieben wurde. In Versen und in Prosa wurde sie in alle Sprachen und auf die Schaubühnen beynahe aller Nationen übertragen *). Als in der Folge das Marquisat von Saluzzo an die Familie von Foix gekommen und von dieser an Frankreich abgetreten worden war, wurde es der Gegenstand langer und schrecklicher Kriege zwischen Frankreich und Savoyen; bis es endlich durch förmlichen Vertrag an Herzog Carl Emanuel kam. Seine Ringmauern tragen noch heutzutag die Spuren der Verwüstungen, denen die Stadt in vorigen Zeiten ausgesetzt war.

Saluzzo hat eine seht glückliche Lage, auf einem angenehmen Hügel, in einer reich angebauten Landschaft *). Die Häuser haben ein ziemlich gutes Ansehen. Der Ursprung der Stadt geht nicht über das 10ten Jahrhundert hinaus. Heutzutag steht die Hauptkirche isolirt in der Ebene, weil die Wohnungen, die altershalber baufällig oder durch den Krieg zerstört worden waren, immer am Hügel weiter hinauf gebaut wurden, um mehr vor feindlichen Einfällen geschützt zu seyn. Diese Kirche ist groß und sehr reich ausgeschmückt. Nahe bey einem alten Eingangsthor der Stadt liegt die Piazzetta, und nicht weit von diesem kleinen Platz, die große Straße, die man Carrera nennt, weil hier vormals die Wagen der Arbeitsleute aufgestellt wurden. Die Straße Maguelona die mit ihr parallel läuft, hat ihren Namen von der schönen Geliebten Peters von Provence, der an der Mauer abgemalt ist. Von der Höhe des Hügels verbreitet sich die Aussicht über einen großen Theil von Piemont. Der Fuß benachbarter Gebirge ist mit Kastanienbäumen überdeckt. Die Landleute nähern sich zum Theil von ihren Früchten, und wissen sie selbst dadurch länger aufzubewahren, daß sie die Kastanien halb getrocknet durch einen Backofen ziehen; auch bereiten sie davon ein schweres aber schmackhaften Zwieback.

Mehrere Kirchen befinden sich innerhalb der Mauren von Saluzzo; die merkwürdigste ist die Dominikaner-Kirche. Man verehrt daselbst den Leichnam des heil. Stephan Bandello, der nicht nur einen großen Eifer auf der apostolischen Kanzel gezeigt hat, sondern von dem man auch mehrere Thatsachen erzählt, die ihn zum Rang eines der größten Wunderthäter erheben. Man behauptet nemlich, er habe, um Saluzzo zu befreien, das in Gefahr stand vom Feind eingenommen zu werden, sich mit einem jungen und heiligen Mädchen in die Luft gehoben; welcher Anblick die Feinde dermasen erschreckt habe, daß sie die Belagerung aufzugeben für gut gefunden hätten. Man sieht in dieser Kirche das marmorne Grabmal Ludwig II Marquis von Saluzzo. Beym Lesen der zahlreichen Grabschriften, womit die Wände dieser Kirche angefüllt sind, studirt man zugleich die Geschichte der hohen Thaten der Helden dieses Hauses.


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Reise durch Savoyen und Piemont nach Nizza und Genua. Von A. L. Millin, Ritter des königlichen Ordens der Ehrenlegion, Mitglied des königlichen Instituts der Akademie der Innschriften und der schönen Wissenschaften, Aufseher des Medaillenkabinets, der Antiken und der geschnittenen Steine der Bibliothek des Königs xc. xc. Aus dem Französischen überstetzt und mit Anmerkungen begleitet von C. L. Ring, großherzoglich Badischem geheimen Referendär.
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