Saragossa.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Saragossa, Zaragoza,[1] von einer römischen Colonie des Augustus, Caesar Augusta oder Caesarea genannt, die Hauptstadt vom Königreich Aragon, mit 42,600 Einwohnern (im J. 1807), liegt in einer fruchtreichen Ebene, am rechten Ufer des Ebro, der sie von einer Vorstadt trennt; 56 Leguas von Madrid, 56 ½ L. von Valencia, 18 L. von Tudela in Navarra. Die Straßen sind, mit Ausnahme des Cosso und einiger andern, eng, winklicht und schlecht gepflastert, die Häuser alt, aber stattlich bebaut. Unter den Kirchen ist die Nuestra Señora del Pilar, U. L. F. zum Pfeiler, in ganz Spanien berühmt. Man wallfahrtet zu dem wunderthätigen Bilde der h. Jungfrau, das hoch auf einer Säule von feinem Jaspis steht. Die Stadt hat wenig Fabriken in Leder, Wolle, Seide. Sie handelt mit Bayonne, Bilbao, Madrid und Barcelona. Unter den öffentlichen Anstalten nennt man eine Universität, und die von der verdienten ökonomischen Gesellschaft gestiftete Ackerbau- und Handelsschule. In der reich angebauten Gegend liegen einige Klöster, das alte königliche Schloß Aliuferia und Sastago, wo der berühmte aragonische Canal, das treffliche Werk des D. Ramon Pignatelli, unterhalb Saragossa in den Ebro geht. Er führt eine halbe Stunde von Saragossa vorbei, ist 26 ½ Leguas lang, hat 3,250,000 Livres gekostet, und verbindet Navarra und Aragon mit dem Mittelmeer. Wäre er bis nach Biscaya verlängert, so würde er vom Mittelmeere bis in das Weltmeer eine gerade Wasserstraße bilden. Saragossa ist aus der Geschichte des spanischen Erbfolgekrieges bekannt, wo sich diese Stadt im J. 1706 dem Erzherzog Carl unterwarf. Im J. 1707 wurde sie von dem französisch-spanischen Heere Philipps V. erobert. Den 20sten Aug. 1710 erfocht der Erzherzog fast vor den Thoren dieser Stadt einen wichtigen Sieg über Philipps Heer. Größere Berühmtheit hat sie durch den begeisterten Muth erlangt, mit welchem ihre Einwohner unter Palafox den erfahrensten Feldherren Napoleons in zwei Belagerungen in den Jahren 1808 und 1809 den entschlossensten Widerstand leisteten; ein Muth, der an die Zeiten der alten Numantia und Sagunts erinnert.


Saragossa..[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Saragossa.[2] Sie liegt im Ebrothale, am rechten Ufer, mit einer Vorstadt auf dem linken, durch eine Steinbrücke verbunden.

Von der Stadt aus ist das Land, so wie die hohen Berge zu beiden Seiten, mit Oelbäumen bedeckt, und die umliegenden Bezirke bringen, bei fleißig betriebener Wässerung, Korn und Früchte in Menge. Die Stadt wird von einer Höhe, Torrero, etwa eine Meile südwestlich, worauf ein Kloster und andere kleinere Gebäude liegen, beherrscht. Der Kanal von Arragon, über welchen eine Brücke geht, scheidet den Torrero von einer andern Höhe, wo die Arragonier vor der Belagerung eine Batterie errichteten.

Die Mauern von Saragossa scheinen bloß der Accise wegen aufgeführt zu seyn. Die 9 Thore sind von höchst einfacher Bauart, und für ihr schnurgerades Verhältniß ist an manchen Stellen durch Gartenlehmwände, an andern durch Gebäude, oder die Ueberbleibsel eines alten maurischen Walls mit einer Brustwehr, aber ohne Stand für Schützen, gesorgt.

Die Gebäude der Stadt sind von Ziegeln, und die beiden Hauptkirchen, die vielen Klöster und andern Kirchen sind, wiewol aus demselben Material, doch nicht ganz ohne Schmuck. Die Häuser sind drei Stock hoch, die Straßen sehr eng und winkelig, zwei Marktplätze etwa ausgenommen, und die im Mittelpunkte der Stadt gelegnen Straßen, die Cozo heißen.

Die Bevölkerung von Saragossa kann auf 60,000 Seelen angeschlagen werden, obwol die Schätzung von 1787 nur 42,600 angiebt.


Zaragoza ۞[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Zaragoza [ßaragoßa],[3] von den Deutschen gewöhnlich Saragossa genannt, die große bevestigte Hauptstadt des Königreichs Aragonien, liegt am R. U. des mittlern Ebro, und hat eine Vorstadt am L. U., mit welcher sie durch eine steinerne Brücke über den hier beträchtlich breiten Strom verbunden ist. An der untern Seite der Stadt fließt die Huerva im tiefen Bette, gegenüber an der Vorstadt Gallego im breiten Bette in den Ebro. Die Umgegend ist eben, sehr fruchtbar und schön bebaut, besonders voller Oelbaumpflanzungen. Die Stadt ist ein wichtiger strategischer Punkt, ein großer Stapelplatz von Waaren, die auf dem Kaiser-Kanal verschifft werden, welcher an der Südwestseite vorübergeht, und ein sehr gutes Verbindungs- und Zufuhr-Mittel für ein Heer ist. auch ist hier ein Hauptübergang über den Ebro, und der Vereinigungspunkt mehrerer Straßen. Die alte starke Ringmauer ist mit Schießscharten und Zinnen versehen, und an derselben liegt südlich das Augustinerkloster, westlich das Kloster Santa Ingracia, beide bevestigt. An der West- und Süd-Seite fließt die Huerva mit steilen Ufern, und von dem Kloster Santa Ingracia um die Nordseite der Stadt bis an den Ebro ist ein hoher Wall mit Graben, Flanken und zwei Kapuziner-Klöstern als Bollwerken. An der Westseite der Stadt ist auch ein Brückenkopf an der Huerva, und 2000 Schritt weiter westlich der bevestigte Monte Torrero. An der Südseite der Stadt unweit der Md. der Huerva liegt das stark bevestigte Kloster San Joseph, und an der Nordseite das Schloß der Inquisition mit vier bombenvesten Bollwerken und einem wohlverkleideten Graben, und mit der Stadt durch einen doppelt verdeckten Graben verbunden. Die Vorstadt am L. U. des Ebro ist durch vorgelegte Redouten und Fleschen bevestigt.

In der Stadt sind eine Menge Klöster, Kirchen, Armen- und Kranken-Häuser, Gebäude, deren Mauern durch ihre Höhe der Erstürmung, durch ihre Vestigkeit der Wirkung des Geschützes trotzen.

Schon im Sommer 1808 (Juny bis August) widerstand die Stadt von Palafox vertheidigt den wüthendsten Angriffen der Franzosen, welche schon die Hälfte derselben genommen hatte, und mit großem Verluste wieder abziehen mussten. Vom 21. December 1808 bis zum 21. Februar 1809 wurde Saragossa von 30'000 spanischen Soldaten, außerdem allen waffenfähigen Einwohnern, selbst Weibern, und mit 168 Geschützen, unter Palafox gegen die Franzosen unter Lannes vertheidigt. Als diese die Werke genommen, vertheidigten sich die Spanier wüthend von Haus zu Haus, von Stockwerk zu Stockwerk, von Stube zu Stube. Es wurde zuletzt ein furchtbarer unterirdischer Minenkrieg, und die ganze Stadt wurde ein offnes Grab. die Spanier hatten 45'000 T. 9000 V., die Franzosen 4000 T. 10'000 V.

Nachher haben die Franzosen die Werke wieder hergestellt und verstärkt. Jetzt hat die Stadt 8 Thore, 4700 H. 40'000 E.


Von Soldaten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carl Schwartze. [4]


Endlich sahen wir das berühmte Saragossa mit seinem von einer Anhöhe aus die Stadt beherrschenden Castell vor uns liegen. Die ganze schreckliche Belagerung malte meine Phantasie sich nach eigener Idee. Ueber den Gallego, der bei Saragossa in den Ebro sich ergießt, gingen wir auf einer Brücke, und vor uns breiteten sich die Ruinen der äußeren Häuser dieser Stadt aus. Im Innern Saragossa's bemerkte ich wenig Spuren der Zerstörung, aber desto mehr Mangel an Inwohnern. Die uns hin und wieder Begegnenden sahen sehr ernst aus, bedauerten die Gefangenen, wofür sie uns Schweizer auch hielten, und theilten Geld unter uns aus. Es war mir wirklich etwas wehmüthig im Herzen, als ich, in Betrachtungen über das Schicksal dieser Stadt und ihrer Bewohner, durch die engen, von hohen schwarzen Häusern begrenzten, finsteren und Grabgewölben ähnelnden Straßen schritt. Wir übernachteten hier zum ersten Mal in einer Kirche, deren Inneres nur noch wenige Spuren seiner heiligen Bestimmung offenbarte: eine Art Nachtherberge, wie wir sie vor unserer Ankunft in Frankreich noch öfter bekamen. Die Bürger versahen uns in dieser Stadt reichlich mit Speisen und Wein.

Am nächsten Morgen verließen wir diese in einem Olivenwald und an zwei sich hier verbindenden Flüssen herrlich gelegene und dennoch dazumal traurige Stadt, und setzten unsern Marsch nach Huesca fort.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Arthur, Herzog von Wellington. Sein Leben als Feldherr und Staatsmann. Nach englischen Quellen, vorzüglich nach Elliot und Clarke, bearbeitet und bis zum Sept. 1816 fortgesetzt. Leipzig und Altenburg: F. A. Brockhaus. 1817
  3. Lehrbuch der Militär-Geographie von Europa, eine Grundlage bei dem Unterricht in deutschen Kriegsschulen, von A. G. Hahnzog, Divisionsprediger und Lehrer an der Kriegsschule in Magdeburg. Magdeburg, bei Ferdinand Rubach 1823.
  4. Wahre und abentheuerliche Lebensgeschichte eines Berliners, der in den Kriegsjahren von 1807 bis 1815 in Spanien, Frankreich und Italien sich befand. Von Carl Schwartze. Berlin 1829. Im Verlage des Verfassers. Markgrafen-Straße Nr. 74.
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