Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Savigliano.[]

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Savigliano, Savillian, Stadt und demolirte Festung in Piemont, am Fluß Maira, südlich von Turin. Sie hatte mit ihrer Vorstadt im J. 1802. 18,752 Einwohn., und ist nun der Hauptort eines Bezirks im Französ. Depart. der Stura. Sie hat guten Getreid-, Wein- und Seidenbau, auch Manufakturen von Seidenstoffen.

Zu dem Bezirk gehören die Cantons: Savillian, Bene, Cavaller-Maggiore, Cherasco, Costigliole, Fossano, und Racconigi.


Von Reisende.[]

[2]
Aubin-Louis Millin

[1811]

. . . . . Die Straße von Racconigi nach Savigliano hat das Ansehen einer schönen Garten-Allee. Sie ist mit Silber-Pappeln voll Kraft und Schönheit bepflanzt. Die Stadt Savigliano steht in Hinsicht ihrer Annehmlichkeiten gegen Racconigi nicht zurück; ihre Lage ist ohngefähr die nemliche. Viele Personen von Stande, deren Glücksumstände nicht erlauben in einer Residenz-Stadt zu wohnen, ziehen sich hieher zurück. Die kleinen Flüsse Macra und Grana bespülen ebenfalls die Mauern dieser Stadt. Die Hauptkirche ist ein altes Benediktiner-Kloster. man zeigt daselbst den Leichnam des heil. Justus, heil. Benedict und des heil. Thaddäus; auch findet man hier einige Gemälde von Gio. Antonio Mulinari, gewöhnlich Mollineri genannt, der im Jahr 1580 in dieser Stadt gebohren und auch im Jahr 1640 daselbst gestorben ist. Er hat an die Seitenwände des Hauptaltars die Märtyrer S. Petrus und S. Paulus gemalt; und obgleich diese Arbeit sich nicht besonders auszeichnet, so bemerkt man doch darinn die Nachamhmung der Schule von Bologna und besonders die Manier der Carrache; was, ohne allen Grund, zu der Vermuthung Anlaß gegeben haben mag, er habe in ihrer Schule studirt; und ihm den Uebernamen Carracino zugezogen hat. Er scheint sich nur nach den Gemälden dieser Meister oder nach Kupferstichen ihrer Werke gebildet zu haben. Bey den Kapuzinern, wo er den Tod von S. François gemalt hat, auch zu Sainte-Claire und zu Saint-Jean, findet man Arbeiten von ihm, Mulinari hat mit Johann Claret, einem Flammänder Künstler, der aus Freundschaft für ihn, sich in Savigliano niedergelassen hatte, vieles gemeinschaftlich gearbeitet, und man findet ihre Arbeiten an mehreren Orten einander entgegen gesetzt oder als Pendants aufgestellt *). In Savigliano selbst, bemerkt man über dem Altar der Kirche von Sanct-André, die Niederschwebung des heiligen Geistes von Mulinari, und das Abendmal von Claret. Diese beyden Gemälde haben große Kraft in Pinselstrich. In der Kirche Sainte-Marie du Peuple wird ein Crucifix von Stein vorgezeigt, welches unter dem Schwerdt eines Gottlosen Blut vergossen hat *).

Die Straßen von Savigliano sind breit, mehrere haben bedeckte Gänge. Am Ende der Hauptstraße steht der Triumphbogen, welchen die Einwohner bey Gelegenheit der Vermählung des Prinzen Victor Amadeus von Piemont mit Christine von Frankreich errichten ließen. Die Stadtmauern haben Thürme und Bastionen. Carl Emanuel kam im Jahr 1630 nach Savigliano, um die dortigen Festungswerke zu vergrößern, und starb daselbst an der Pest.

Vor der Kirche der Dominikaner ist das Grabmal Peters von Benjami, Ritters vom heiligen Grab, der im Jahr 1436 starb, nachdem er dem König von Castilien und Arragonien und den Herzogen von Savoyen wesentliche Dienste geleistet hatte. In der Kirche findet man die Grabschrift eines berühmten Professors der Rechte, Aymon Cravetta, der von den Cis- und Trans-Alpinischen Völker seiner Zeit bewundert wurde und im Jahr 1569 starb *).


Quellen.[]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Reise durch Savoyen und Piemont nach Nizza und Genua. Von A. L. Millin, Ritter des königlichen Ordens der Ehrenlegion, Mitglied des königlichen Instituts der Akademie der Innschriften und der schönen Wissenschaften, Aufseher des Medaillenkabinets, der Antiken und der geschnittenen Steine der Bibliothek des Königs xc. xc. Aus dem Französischen überstetzt und mit Anmerkungen begleitet von C. L. Ring, großherzoglich Badischem geheimen Referendär.
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