Scheveling.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Scheveling, Schevening, Dorf mit 2833 Einwohn., in Holland, am Ufer des Meeres, eine halbe Meile von dem Haag. Die Natur hat hier durch die Dünen der Ueberschwemmung selbst ein Bollwerk gesezt, obgleich das Land tiefer als die See liegt. Doch ist nach und nach viel von den Dünen durch das Meer weggenommen worden.


*Collectie Haags Gemeentearchief


Von Reisende..[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dr. Johann Friedrich Droysen.

[2]

[1801]

Antwerpen, den 6ten July 1801.

Eine zweyte, sehr interessante Promenade ist die nach Schevelingen, das eine gute Stunde vom Haag, hart am Strande der Nordsee liegt. Schevelingen ist ein bloßes Dorf, aber freylich ein Holländisches Dorf, das unsere kleinen Städte weit an Reinlichkeit und guter Bauart übertrifft, und größtentheils von Fischern bewohnt ist. Auf dem ganzen Wege dahin, der eine schöne Allee ist, begegneten uns eine Menge von Wagen mit Hunden bespannt, ein hier, so wie in den Niederlanden häufig gebrauchtes Fuhrwerk. Die Hunde scheinen eine Spielart von Jagdhunden und großen Schäferhunden zu seyn, werden zu drey, vier, ja achten angespannt, ziehen ordentlich in Seilen bedeutende Lasten von Fischen, Gemüse u. d. gl., und gewöhnlich sitzt der Führer noch mit auf dem kleinen Wagen. Auf diesen ebenen, gepflasterten Wegen geht es recht rasch, fast immer einen kleinen Trott, oder sehr starken Schritt. Die Schevelinger, die kein Futter für Vieh bauen können, musten freylich auf eine Weise dem Mangel an Zugvieh abhelfen, und dieß ging durch Thiere, die sie mit Fischen futtern können am besten. Wir waren kaum durch das Dorf und hatten eine mäßige Düne erstiegen, so lag die unermeßliche See zu unsern Füssen, am fernen Horizonte eine Menge von Schiffen, die man uns für Englische, hier kreuzende Kriegsschiffe ausgab. Der Strand selbst war hier bloßer Sand mit unzähligen Muscheln und Seeschalthieren bedeckt. Rechts und links hatte die Natur selbst auf dem Lande einen hohen Sanddamm durch und gegen ihre eigene Gewalt gebildet, um das zum Theil niedriger, als die See liegende Land zu schützen. Wir machten eine kleine Fahrt auf der Nordsee mit einem Fischerbothe, kehrten aber bald wieder ans Land zurück, weil die See zu hoch ging. Die Fischer waren jetzt, da die Engländer sie fischen ließen, und ihnen ihre Fische sehr theuer bezahlten, wohl zufrieden und versicherten, noch vor wenig Tagen bey Engländern an Bord gewesen zu seyn. -- Hart am Ufer liegt ein schönes Kaffehhaus, von dessen Balkon wir noch ein Mahl beym Frühstücke einer schönen Aussicht über die unermeßliche Ebene genossen.

HGA Den Haag

Am Ufer standen die Telegraphen, die aber bey weiten den Französischen nicht gleich kommen. Sie sind hier nur einzelne, hohe, aufgerichtete Mastbäume, an denen oben ein Querbalken befestigt ist, der eine Menge Rollen trägt, durch welche Stricke laufen. Zwey große, hölzerne Rahmen, beynahe wie Mühlenflügel gestaltet, mit Leinewand überzogen, mit großen Löchern versehen, und schwarz gefärbt, sind um eine in der Mitte des Mastbaums befindliche Achse beweglich und können gehoben und gesenkt werden, so daß sie mit einander nach oben und unten Winkel von verschiedenen Graden geben können; doch werden sie nur von 45°, 90°, 135° gebraucht. Damit der Wächter nicht irren könne, und genau den Winkel angebe, ist für jeden Winkel ein eigenes Strick, welches durch seine Bestimmte Länge den grössern Winkel verhindert. Da man hierdurch aber nicht genug Zeichen haben könnte, so sind noch zwey große Bälle von Leinewand an die Querstange angehängt, deren Heben oder Senken die Anzahl der Zeichen bis zu 32 vermehrt. Neben diesem Telegraphen, der in freyer Luft bewegt wird, ist eine kleine Hütte für den Wächter, der mit einem guten Fernrohre versehen ist; er sieht zuerst nach dem ihm vorgehenden Telegraphen, macht dessen Zeichen nach und läßt es so lange stehen, bis er an dem ihm folgenden, dasselbe Zeichen wahrgenommen hat. Die Entfernung der correspondirenden Telegraphen richtet sich nach dem Terrain und Locale. Diese Art von Telegraphen ist viel wohlfeiler als die Französischen, aber auch weit unbequemer und unsicherer.


Von Reisende..[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Caspar Heinrich Freiherr von Sierstorpff. [3]

[1803]

Ein schöner mit mehren Reihen alter Ulmen besetzter Weg von ungefähr einer halben Stunde lang, führt nach dem an Strande der See liegenden Dorf Schevelingen; an beyden Seiten desselben sind einige schöne Gärten und Landhäuser, auch mehre Wirths- und Kaffeehäuser, letztere vorzüglich im Dorfe selbst, das Sommers über sehr stark besucht wird. Es war gerade, als ich da war, ein so starker Sturm, dass man an der See kaum das Stehen behalten konnte. Man sah die über einander gethürmten Wellen aus der weiten Ferne herkommen, und brausend schäumend auf mehre hundert Schritte weit sich auf den abgeschrägten glatten Sandufer herauf rollen. Herzlich froh war ich, dies majestätische Schauspiel auf festem Boden anzusehen, und hatte dabey den Trost, auf der ganzen weiten See mit meinem kleinen Dollund kein Schiff zu entdecken. Einige wenige Fischerpinken waren hier absichtlich auf den Strand gelassen, um da die Gefahr sicherer abzuwarten; das war alles, was man von Schiffen erblickte. Der Wind von der Englischen Küste her ist hier die gefährlichste, und es müssen die Schiffe beym eintretenden Sturm gleich die offene See suchen, wenn sie nicht an der Holländischen Küste stranden wollen. Noch im vergangenen Jahre sollen bey Schevelingen ein reich beladenes Schiff aus Indien nebst zwey andren aus England, alle drey nach Amsterdam bestimmt, auf den Strand gelaufen, und nach zwey Stunden von den Wellen zerschlagen worden seyn, ohne dass davon auch nur ein Man hätte gerettet werden können. An der See herunter, auf ein Paar hundert Schritte von derselben, zieh sich eine Reihe, für die Gegend beträchtlich hoher nackter Sandhügel fast an der ganzen Holländischen Küste her, die wahrscheinlich dort Wellen und Wind zusammengehäuft haben. Sehr merklich setzt hier das feste Land von Zeit zu Zeit an, und, wie man behauptet, hat der von der See jetzt weit entfernte Kirchthurm des Dorfs vor nicht sehr langen Jahren, nahe am Gestade gestanden, und als Leuchtthurm gedient. Obgleich im Ganzen die See an diesen flachen Küsten zunimmt, wovon die bey ungewöhnlich niedriger Ebbe sich zeigenden Ruinen einer alten Römischen Festung bey Catwich, ungefähr eine Meile von Leiden zum Beweise dient. Uebrigens ist hier der Anblick der See, aber bei weiten nicht so interessant, als von den Italienischen Küsten; denn alles ist hier zu flach und kalt, die nackten sandigen Ufer sind einförmig, und es fehlt ganz das Malerische und Romantische, welches man an den, theils felsichten, theils reich mit Bäumen und Weinreben bewachsenen Seeufern jenes himmlischen Landes sieht, wo man beym ersten Anblick der majestätischen See wie von einem heiligen Schauer betroffen wird, den man hier in dem Grade nicht empfindet.

Nachdem ich die Tage in Haag vergnügt, und den letzten noch auf einem nahen Landhause sehr angenehm zugebracht hatte, fuhr ich Abends nach Leyden.


HGA Den Haag



Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
  2. Dr. Johann Friedrich Droysen's Bemerkungen gesammelt auf einer Reise durch Holland und einen Theil Frankreichs im Sommer 1801. Göttingen bey Heinrich Dieterich. 1802.
  3. Bemerkungen auf einer Reise durch die Niederlande nach Paris im eilften Jahre der grossen Republik. 1804.
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