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Auerstädt.Bearbeiten

SectieAuerstaedt

Plan von der Schlacht von Auerstädt.

Auerstädt,[1] ein sächsisches Dorf unweit Naumburg, auf der Straße von da nach Erfurt. Es hat durch die am 14ten October 1806 zwischen der Armee des Königs von Preußen und der französischen vorgefallene Schlacht einen Namen in der Geschichte erhalten, von welcher wir hier eine Skizze geben wollen. Nachdem das große preußische Heer durch ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände und falscher Maßregeln so zertheilt worden war, daß ein Theil desselben zwischen Vierzehnheiligen und Jena unter dem Fürsten Hohenlohe, und der andere unter des Herzogs von Braunschweig Oberbefehl bei Auerstädt stand, ohne mit einander in directer Verbindung zu seyn, wurde diese Abtheilung vom Corps des Marschalls Davoust geschlagen, während sie auf dem Wege war, über Naumburg abzumarschiren, um die nun doppelt wichtigen Operationslinien an der Elbe und Oder zu gewinnen, da man die an der Saale bereits verloren hatte. Diese Armee bestand aus drei Divisionen unter Oranien [XX], Wartensleben [XX] und Schmettau [XX] , und zwei Divisionen Reserve unter Kalkreuth [XX] [XX]. Am 13ten Nachmittags traf die Division Schmettau bei Auerstädt und Gernstädt ein. Sie hatte die Bestimmung, die unangreifbaren Defileen von Kösen zu besetzen; doch man nahm, wie zu Allem, auch hierzu sich zu viel Zeit; denn als am 14ten früh die Vorposten bei Hassenhausen ankamen, stießen sie auf die dort bivouacquirende Division Gudin, welche durch einen forcirten Nachtmarsch (vor welchem die preußischen Offiziere sich so fürchteten) den kösener Berg bereits erreicht und besetzt hatte. Der Marsch nach Naumburg sollte nun forcirt werden, oder mit andern Worten, man wollte sich durch die im Wege stehende französische Armee durchschlagen. General Blücher machte daher, indeß die Teten der Infanterie sich entwickelten, mit 25 Escadron Cavallerie und einer reitenden Batterie einen heftigen Angriff, und warf die Franzosen bis hinter Hassenhausen zurück; doch mit einem Male gerieth man in dem undurchdringlichen Nebel, der die ganze weite Landschaft bedeckte, in das französische Artilleriefeuer; die Batterie wurde fast gänzlich demontirt, und man mußte mit dem Verluste der meisten Kanonen wieder retiriren. Jetzt wollte der Herzog von Braunschweig die Armee zur förmlichen Schlacht formiren, um diese, wenn der Nebel gefallen sey, erst zu beginnen. Er wurde aber von Möllendorf und selbst dem Könige überstimmt, die Armee rückte fast im Laufen mitten durch den dicken Nebel gegen das feindliche Kartätschen- und Musketenfeuer vor. Allein in der Dämmerung, die Alles umhüllte, verlor man bald die Concentration; auf sechs verschiedenen Punkten, bei Rehhausen, Hassenhausen, bei Auerstädt, Poppelt, Truchwitz und Gernstädt schlug man sich, bald siegend, bald nicht; man sah weder die Batterien, noch die herangeschlichenen Tirailleurs, welche den unsichtbaren Tod in die Reihen der Preußen jagten. Früh um 9 Uhr ward General Schmettau durch einige Flintenschüsse tödlich verwundet und außer Stand gesetzt, weiter zu commandiren; jetzt stellte sich der Herzog selbst an die Spitze des Grenadierbataillons Hanstein, um Hassenhausen mit Sturm wegzunehmen, da traf ihn eine Musketenkugel, die über dem rechten Auge eindrang; er stürzte vom Pferde; es war der letzte Augenblick, wo er eine preußische Armee sah. Mit seinem Falle war das Heer ohne Anführer; niemand selbst der König nicht, kannte genau seinen entworfenen Operationsplan. Die Unordnung ward so allgemein, daß jeder Regiment- und Bataillonschef nach eigenem Gutdünken vorrückte oder retirirte; selbst ein entschlossener Cavallerieangriff, den Prinz Wilhelm wagen wollte, ward vom Feinde abgeschlagen, und es war eben Mittag, als die Cavallerie durch Auerstädt retirirte. Indeß war dem Marschall Davoust sein Hauptmanöver gelungen, der preußische linke Fügel war durch den Marsch eines französischen Corps um Eckartshausen herum völlig umgangen, und die bis dort vorgedrungene preußische Reserve mußte nun auch um und durch das brennende Auerstädt retiriren. Mitten im Gewühle der Schlacht schlug Blücher dem Könige vor, mit den beiden Reservedivisionen und der ganzen Cavallerie einen entscheidenden Generalangriff zu machen; der König gab seine Genehmigung, nahm sie aber schnell zurück, weil er zuvor durch die Corps von Hohenlohe und Rüchel sich verstärken und dann die Schlacht erneuern wollte. Er wußte nicht, daß beide in jenem Augenblicke ebenfalls verloren waren. Er beschloß daher, nach Weimar zu marschiren, doch schon auf der wickerstädter Höhe sah seine Avantgarde das bei Apolda stehende, über Dornburg hergekommene Corps des Marschalls Bernadotte. Von Weimar also bereits abgeschnitten, mußte der gänzliche Rückzug rechts ab nach dem Harz zu genommen werden. Der König selbst bahnte sich mitten durch die Feinde (er verlor unter sich ein Pferd) einen Weg nach Sömmerda; hier empfing er einen Brief des Kaisers Napoleon, datirt aus Gera vom 12ten October, zugleich aber auch die erschütternde Nachricht von der gänzlichen Niederlage des Fürsten Hohenlohe, welchen an demselben Tage Napoleon selbst bei Jena geschlagen hatte (m. s. Jena). "Es ist also Krieg zwischen uns;" (sagte unter andern Napoleon in jenem Schreiben) "das Bündniß ist gebrochen für immer. Aber warum unsere Unterthanen worden? Ich fürchte die Schlachten nicht. Aber Sire ! Ew. Majestät werden besiegt, die Ruhe Ihrer Tage, die Existenz Ihrer Unterthanen werden Sie Preis geben, ohne den Schatten eines Vorwandes. Noch ist Alles unangetastet; noch können Sie auf eine Ihrem Range angemessene Art mir mir unterhandeln, nach einem Monate werden Sie es in einer andern Lage. Endigen Sie den kaum begonnenen Krieg, oder Sie werden über Ihr Volk ein Unglück bringen, das Ihr ganzes übriges Leben nicht wird heilen können"u. s. w. Warum das Schicksal wollte, daß dieser Brief, dessen Ueberbringer am 13ten Oct. Nachmittags beim Fürsten Hohenlohe eintraf, so spät in der Königs Händen kommen mußte? und ob er die Lage der Dinge geändert haben würde? dies sind Fragen, die sich nicht beantworten lassen. In der Predigerwohnung zu Sömmerda beantwortete Friedrich Wilhelm III. Napoleons Brief und schlug einen Waffenstillstand vor; doch der Sieger war nicht dazu zu bewegen, und nun ging der König eiligst mit Kalkreuth und etwa 12,000 Mann über die Oder, um dort eine neue Armee aufzustellen, und mit den langsam heranwogenden russischen Massen zur Fortsetzung des furchtbaren Kampfes sich zu vereinigen.


Charakteristische Scenen aus der Schlacht bei Auerstädt.Bearbeiten


[2] Am 13ten Okt. wurde im Hauptquartier zu Weimar folgende Disposition entworfen und den Generalen bekannt gemacht: "der Rest der im Lager bei Weimar stehende Armee, folgt der Division Schmettau auf dem Wege nach Auerstädt, und setzt am 14ten den Marsch über Freiburg fort, um sich dann hinter der Saale entweder mit der Reservearmee, die unter dem Befehle des Prinzen Eugen von Würtemberg bei Halle steht, zu vereinigen, oder selbige nach Umständen an sich zu ziehen. -- Der Fürst von Hohenlohe bleibt stehen, um den Marsch der Hauptarmee zu decken und zu maskiren, schickt aber ein Detaschement gegen Dornburg und Camburg, damit dort nichts übergehen und den Marsch der Hauptarmee beunruhigen kann. -- Der General Rüchel rückt in die von der Hauptarmee verlassene Stellung, und der Herzog von Weimar schließt sich an die Armee bei Weimar an." --

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Da der Herzog von Braunschweig wußte, wie begierig der Fürst von Hohenlohe eine Gelegenheit suchte, um den üblen Eindruck der Gefechte bei Schlaiz und Saalfeld, durch eine große entscheidende That zu vertilgen, und daß er diesen Zweck durch einen kühnen Angriff zu erreichen hofft; da der Herzog ferner befürchtete, der Fürst würde zu diesem Behuf über die Saale gehen, und dies durchaus nicht in seinen Plan paßte: so trug er dem General-Quartiermeister des Fürsten, dem Obrist von Massenbach auf, demselben zu sagen, daß er durchaus nicht angreifen solle, und auf das strengste zur Verantwortung gezogen werden würde, wenn er diesen Befehl überschritte.

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Den 13ten früh um 10 Uhr marschirte die Division Schmettau ab; um 11 Uhr folgte die Division Wartensleben, um 12 Uhr die von Oranien-Fulda. Die letzte Reservedivision unter dem General Grafen von Kuhnheim setzte sich um 3 Uhr in Bewegung. Alles marschirte in einer Kolonne auf der Chaussee von Weimar nach Auerstädt.

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Da der Marsch der Division in Intervallen von einer Stunde geschah: so wurde diese Zeit bei den Reserven benutzt, um die Proklamation an die Armee vorzulesen. *) Dies geschah theils durch die Kommandeure der Regimenter, theils durch die Feldprediger, welche diese Proklamation noch durch eine kleine Rede begleiten mußten. Ueberall wurde sie von dem gemeinen Mann mit großem Enthusiasmus aufgenommen. **)

*) Da diese Proklamation in so vielfacher Rücksicht merkwürdig, und doch so wenig bekannt geworden ist; da sie so ganz das Gepräge des edlen, biedern und rechtlichen Charakters des Königs trägt; so werden wir sie unsern Lesern im nächsten Hefte mittheilen.
**) Die übrigen Regimenter, die sowohl bei der Hauptarmee, als bei der linken Flügelarmee, haben kein Wort, weder von dieser Proklamation, noch von dem Kriegsmanifest gehört. Es sollte ihnen am 14ten oder 15ten vorgelesen werden.

Ueberhaupt war die Stimmung der Armee vortreflich und hatte durch die unglücklichen Gefechte bei Schlaiz und Saalfeld nicht im geringsten gelitten. Einen Beweis dafür gab die verächtliche Art, mit der die Infanterie behandelt wurde -- so wohl preußische als sächsische, -- welche in einiger Unordnung, oder wohl gar unbewaffnet zurückkam. Referent sahe davon einen Auftritt auf dem Marsche nach Auerstädt. Ein sächsischer Grenadier begegnete einem Regimente aus der Division Wartensleben, ohne Gewehr, mit einem Wanderstabe in der Hand. "Dies ist auch einer von den verdammten Ausreißern, die ihren braven Prinzen treulos verlassen haben" -- rief einer aus dem Regimente. "Ja! -- erwiederte jener -- kommt nur hin, sie werdens euch schon lehren." Erbittert sprang der Preuße aus Reih und Glied und gab dem Sachsen einen derben Stoß mit der Kolbe seines Gewehrs. "So Recht!" -- riefen alle mit lautem Gelächter -- "todtschlagen müßte man solche Hunde!" --

Mit Sang und Klang marschirten die Regimenter aus dem Lager bei Weimar. Besonders hörte man das Reuterlied von Schiller häufig singen. Es war unter diesen Umständen herzergreifend, mutherweckend und bedeutungsvoll.

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Der gemeine Mann hatte in den beiden Tagen, da man im Lager bei Weimar stand, nichts zu essen bekommen. Er erhielt weder Stroh, um es in seinem Zelte auf der feuchten Erde auszustreuen, noch holz, um seine verklomten Glieder zu erwärmen, noch Fleisch oder Brot, um seinen hungrigen Magen zu sättigen. Auf dem Holzplatze vor Weimar stand eine Menge Holz, von dem sich die Soldaten en passant einige Kloben mitnahmen. Sogleich wurden aber Schildwachen dabei gestellt, und das Wegnehmen des Holzes schwer bestraft. Erst am Abend vom 12ten Oktober wurde Holz, und an jedes Bataillon ein polnischer Ochse vertheilt. Am 13ten Vormittag erhielten die Soldaten auch Stroh und jedes Zelt ein Maaß Brantewein. *) Wie froh wurden da die braven Leute! Sie hatten sich vom Felde und aus den Dörfern Kohlköpfe, Kartoffeln, Rübenwerk u. dergl. zusammengeholt. Nun sollte auch das Fleisch vertheilt werden; Holz zum Feuer- Anmachen hatten sie auch: nun so wollten sie sich einmal ein recht nahrhaftes Mittagsbrot kochen und sich -- was sie seit mehreren Tagen nicht gekonnt hatten -- recht satt essen. Aber ehe sie noch dazu Anstalt gemacht hatten, kam der Befehl; "brecht das Lager ab und macht euch marschfertig!" -- Da mußten sie alle das mühsam Zusammengetragene in Stich lassen und hingehen in die blutige Feldschlacht. Und doch waren sie froh und wohlgemuthet, doch hörte man keine Klage, keinen Ausbruch des Mißmuths. O wie viel hätte sich mit einer solchen Armee anfangen lassen! --

*)In jedem Zelte liegen 6 Mann.
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Die Königinn wollte ihrem Gemahl von Weimar nach Auerstädt folgen, allein sie kehrte nach Weimar zurück, sobald sie erfuhr, daß der Feind schon so nahe und die Gefahr so groß sey. Während sie an den Truppen vorbeifuhr, jauchzten sie ihr ein lautes Vivat zu. Auch den König begrüßte man, wohin er auch kam mit einem jauchzenden Freudengeschrei.

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Die Division Schmettau kam Nachmittags bei guter Zeit nach Auerstädt und hatte von ihrem Lagerplatz bis an das Defilee von Kösen nur eine Meile. Sie konnte diesen fast unangreifbaren Posten sehr leicht erreichen, allein die Ungewohnheit des Krieges machte, daß man den zurückgelegten Marsch für sehr stark hielt und die Truppen zu ermüdet glaubte. Deshalb wurden selbst die Vorposten nicht weiter, als bis Gernstädt vorgeschoben. Nach den Ansichten des Herzogs von Braunschweig war es auch gar nicht nöthig, den Paß von Kösen durch einen forcirten Marsch zu erreichen.

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Eine am Morgen des 13ten abgeschickte Patrouille, welche bis Naumburg zu kommen versuchen sollte, hatte an dem Mattstedter Kohlenhaus *) eine feindliche Patrouille von 6 Mann gefunden und hatte einen davon gefangen genommen. Eine zweite feindliche Patrouille von 30 Mann war bei Hassenhausen von einer Preußischen gejagt worden und mußte ebenfalls einen Gefangenen hergeben. Von beiden erfuhr man bestimmt, daß die Brücke von Kösen weder abgebrannt noch besetzt sey. Der eine von den gefangenen Husaren, der zu einer Abtheilung vom dritten Kavallerie-Regiments gehörte, sagte aus, daß Marschall Davoust 30,000 Mann stark bei Naumburg stehe. -- Die zweite französische Patrouille warf sich schnell auf das ganze Kommando von 100 Pferden, und alle eilten nun im vollen Gallop nach Kösen zu, als eben der Marschall Davoust, um eine Rekognoscirung zu machen, den Kösener Berg herauf kam und das Kommando Front machen ließ. Von dieser Höhe aus übersah nun der Marschall den Marsch der Avantgarde von der Division Schmettau nach Gernstädt, und auch zum Theil den Marsch der Division selbst auf den Höhen von Eckartsberge. Nachdem er sich von allem genau unterrichtet hatte, befahl er das Dorf Kösen mit zwei Bataillons aus dem Bivouac von Neu-Flämingen zu besetzen.

*) Es liegt da, wo die Chaussee von Weimar nach Auerstädt über die Ilm führt.
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Als der Marschall Davoust nach Naumburg zurückkam, fand er den Befehl seines Kaisers: "den 14ten Oktober die Preußische Armee anzugreifen, wobei er vom Marschall Prinz von Ponto Corvo unterstützt werden würde." Der Großherzog von Berg und der Marschall Prinz von Ponto Corvo waren gegenwärtig, als der Marschall Davoust das Schreiben des Kaisers erbrach. Ihre Korps versammelten sich zwar ebenfalls bei Flämingen, allein sie beschlossen, sich der großen Armee des Kaisers bei Jena zu nähern, und der Großherzog von Berg nahm 6 Dragoner-Regimenter, die er dem Korps des Marschall Davoust beigegeben hatte, gegen die Wünsche und Vorstellungen des Marschalls zurück.

Hieraus scheint zu erhellen, daß man bei der französischen Armee nichts von dem Marsche der Hauptarmee nach Auerstädt wußte. Wahrscheinlich aber erfuhr der Marschall Davoust noch an demselben Abende, die Stärke der Preußischen Armee, die sich ganz in seiner Nähe befand. Ein junger Mensch nähmlich, der sich zu Pferde von Weimar nach Naumburg begeben wollte, ward am 13ten Abends um 6 Uhr bei der Division Schmettau angehalten, ins Hauptquartier geschickt, vom Herzog von Braunschweig selbst examinirt und erhielt dann die Erlaubniß ungestört weiter zu reiten. Wie der Herzog so etwas zugeben konnte, ist in der That unbegreiflich. Und gesetzt, der Mensch war ganz unschuldig und verdachtlos: so durfte man ihn doch nicht dem Feinde gerade in die Hände laufen lassen.

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Der Marschall Davoust machte nun Befehle seines Souverains gemäß seine Dispositionen zur morgenden Schlacht. Vor allen Dingen bemächtigte er sich der Defilees von Kösen, das die Preußen unbegreiflicher Weise unbesetzt gelassen hatten. Er gab die Ordre, daß beim Anbruch des folgenden Tages der größte Theil seines Korps das Defilee passirt haben sollte. Allerdings war die Rolle, die er am 14ten Oktober spielen sollte, sehr bedenklich und gefährlich; allein wenn es dem Prinz von Ponto Corvo nur gelang dem feindlichen Korps in der Rükken zu kommen, und sich der Marschall Davoust so lange auf den Höhen zwischen Hassenhausen und dem Defilee von Kösen halten konnte: so hatte er doch die Wahrscheinlichkeit eines glücklichen Ausgangs des Ganzen. Er soll mit manchen Besorgnissen den entscheidenden Tag erwartet und einen so glänzenden und glorreichen Ausgang der Schlacht auch nicht im mindesten geahndet haben.

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Von der Preußischen Armee kam die Division Wartensleben mit einbrechendem Abend in das Bivouac vor Auerstädt an, um 10 Uhr folgte die Division Oranien-Fulda und um Mitternacht kamen die Reserven an. Dieser Bivouac war von der Armee nicht erwartet worden, Offiziere und Gemeine hatten sich nicht mit Lebensmitteln versehen können und das Kommissariat war noch damit beschäftigt, in den umliegenden Dörfern etwas zusammenzubringen. Der Soldat wurde also auf Kommisbrodt und Wasser eingeschränkt. Einige hatten sich in ihrem Tornister etwas Fleisch und Kartoffeln oder Kohlköpfe mitgenommen und bereiteten sich daraus, so gut wie es gieng, ein Gemüse. Doch nur wenige genossen die Frucht einer solchen Vorsicht. Der größte Theil der Reserven, der nicht im Lager gestanden, sondern in der Nähe von Weimar kantonirt und sich erst am Nachmittage in Marsch gesetzt hatte, konnte am 13ten noch ein warmes Mittagsbrodt einnehmen.

In der Nähe des Bivouacs befand sich gar kein Gehölz; es fehlte also gänzlich an Brennholz. Den Soldat, welcher in der kalten Herbstnacht nicht gern, ohne Zelt und warme Bekleidung, frieren wollte, schlich sich in die nahe liegenden Dörfer Ranstädt, Eberstädt, Sulza und Auerstädt und brachte allerhand brennbare Sachen, als Bänke, Schemmel, Leitern, Gänsekofen, Ackergeräth. Selbst aus den Häusern, wo der König und der Herzog von Braunschweig ihr Quartier hatten, waren dergleichen Sachen fortgeschleppt worden.

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Den 14ten Oktober gegen Morgen erhielten die Divisionen aus dem Hauptquartier Auerstädt durch die Adjutanten folgenden Befehl: "die Armee marschirt links ab. Die Division Schmettau marschirt auf der Straße von Kösen fort und okkuppirt die dortigen Höhen. Die zweite und erste Division (Wartensleben und Oranien-Fulda geht hinter der dritten (Schmettau) weg auf Freiburg zu, passirt daselbst die Unstrut und marschiren dort in der Art auf, wie der Obrist von Scharnhorst sie anweisen wird, der rechte Flügel gegen Freiburg, der linke gegen Marckrölitz, Front gegen die Saale. Die Reserve geht über Ekkartsberge und Laucha, wo sie die Unstrut passirt, dreht sich dann rechts in den Weg gegen Freiburg und erhält eine Stelle in der Gegend des auf der Petrischen Charte angegebenen Orts Nussenberg."

"Alle Packpferde folgen der letzten Division. Sämmtliches Fuhrwerk folgte der Reserve und marschirt auf Laucha, so wie auch die zur Hohenlohischen rmee gehörigen, in Buttstädt befindlichen Pontons. General Kalkreuth schickt, wenn er die Unstrut passirt hat, ein Detaschement von 50 Pferden der Königlichen Equipage entgegen, welche in Carsdorf ankommen wird."

Alle diese Maaßregeln zeigen zur Genüge, daß man durchaus nicht erwartete, diesseits Kösen auf etwas Bedeutendes vom Feinde zu stoßen. Ob man gleich wußte, daß der Marschall Davoust, mindestens 30,000 Mann stark, am 13ten bei Naumburg gestanden hatte, so glaubte man doch nicht, daß er würde über die Saale gegangen seyn, und sich des herrlichen Passes bei Kösen und der dortigen Höhen bemächtigt haben. Zwar kamen in der Nacht mancherlei sich kreuzende Nachrichten; allein da nichts zuverlässig und ganz sicher war, so blieb alles bei den gegebenen Befehlen, und die Armee trat mit Tages Anbruch den Marsch auf die vorbeschriebene Art an.

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Gegen Anbruch des Tages war ein so starker Herbstnebel eingetreten, daß man kaum 50 Schritt vor sich sehen konnte -- ein Umstand, der sehr viel zu dem Unglück des Tages beigetragen hat. -- Gegen 6 Uhr, als man bei der Division Schmettau beschäftigt war, die Seitenpatrouillen zu vertheilen und zu instruiren, kam der Befehl aus der Hauptarmee abzumarschiren. In demselben Augenblick sah man linker Hand gegen Eckartsberga zu sich etwas bewegen, was einer Abtheilung von Truppen ähnlich sah; 2 Eskadrons von Bünting wurden dorthin geschickt, um diesen Gegenstand zu untersuchen. Es fand sich aber nachmals, daß es eine durch den Nebel entstandene Täuschung gewesen seyn müsse. Zu gleicher Zeit hörte man die ersten Kanonenschüsse von der Schlacht bei Jena, anfangs einzeln, bald aber rascher hinter einander. Der Soldat meinte, die Hauptarmee wollte dem Feind in die Flanke oder in den Rücken fallen, unterdeß ihn der Fürst von Hohenlohe von vorne angriff. Diese Meinung machte sie noch wohlgemutheter. Alle waren frisch und munter und giengen dem Tage vertrauungsvoll entgegen. Man sahe es ihnen nicht an, daß sie seit mehreren Tagen nichts ordentliches zu essen gehabt hatten, den Tag vorher marschirt waren und die Nacht über nicht geschlafen hatten.

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Die Avantgarde der Division Schmettau sollte nach der Disposition einen Vorsprung von einer Viertelstunde erhalten; allein der Feldmarschall Möllendorf, der eben bei dieser Division angekommen war, hielt dies für unnöthig und befahl, der Avantgarde sogleich zu folgen. Man war kaum eine Viertelstunde marschirt, als man auf den Feind stieß, den man hier gar nicht vermuthete. Die Division Wartensleben hatte sich eben in Marsch gesetzt, als die ersten Schüsse fielen. Während diese Division Auerstädt passirte, ließ sich schon Kanonenfeuer hören.

Der König begab sich sogleich zur Division Schmettau, ließ den General Blücher rufen und trug ihm auf, mit einer Avantgarde von Kavallerie den Feind anzugreifen. Er würde drei Kavallerie-Regimenter finden, und da sein zur Avantgarde bestimmtes Regiment noch nicht heran sey, so solle er 25 Eskadron Kavallerie nebst einer reitenden Batterie von der Division Schmettau und von der Reserve dazu erhalten. Der General Blücher, der erst von der Rüchelschen Armee angekommen war, um das Kommando der neu zu formirenden Avantgarde zu übernehmen, setzte sich mit diesen Truppen sogleich in Bewegung und verfolgte die Chaussee nach Kösen.

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Die neue Avantgarde unter dem General Blücher, deren Formation am 11ten Okt. befohlen wurde, und welche aus den Regimentern Blücher und Würtemberg Husaren, Irwing Dragoner, der zweiten Warschauer Füsilierbrigade und aus dem Weimarschen Jägerkorps, nebst der reitenden Batterie Schorlemer bestehen sollte, war noch nicht versammelt. Als daher das Schießen heftiger wurde, wollten die zur Avantgarde gehörigen Truppen auf ihren wahren Platz, und suchten sich zwischen der Division Wartensleben durch Auerstädt zu drängen; allein die Passage durch dieses Dorf war sehr schwierig. Der Emsbach fließt durch den Ort; die Brücke, die darüber führt, wird nicht befahren, Reiter und Fuhrwerk und Artillerie mußten deshalb darneben durch ein tiefes Sumpfloch. Im Dorfe ist ein ungründlicher Schmuz, und nur für einzelne Fußgänger ein betretener Weg.

Dazu befanden sich von der Bagage des Hauptquartiers Wagen und Handpferde im Orte, welche unaufhörlich versuchten, sich durch und in die Kolonne zu drängen. Als endlich die Division Wartensleben Auerstädt passirt hatte, drängten sich die zur Avantgarde bestimmten Truppen zwischen die Division Wartensleben und Oranien. Jenseits des Dorfs waren die Bataillons immer (wie ganz natürlich) sehr weit aus einander. Jeder Kommandeur der Bataillons mußte suchen sie heran zu bringen; denn vorne wurde nicht gehalten, bis man sich gesammelt und zusammengezogen hatte, weil fortwährend Befehle kamen, den Marsch der Infanterie zu beschleunigen. Die Infanterie-Bataillons mußten also den steilen Berg hinter Auerstädt hinauf fast fortwährend Trapp laufen, um nicht abzukommen.

Als die Mitte der Division Wartensleben sich gerade bei Gernstädt befand, erhielt sie Ordre, rechts von der Chaussee auszubiegen, aufzumarschiren und auf den Feind zu avanciren. Die Brigade Wedel, (die aus dem Regiment Renouard und Kleist, und dem Grenadierbataillon Hanstein bestand), führte dies aus; die Brigade von Renouard aber (aus dem Regimentern Prinz Louis und Herzog von Braunschweig, und dem Grenadierbataillon Braun bestehend) ließ Gernstädt links liegen. Zu gleicher Zeit kamen mehrere Feldjäger angesprengt um dringende Beschleunigung des Marsches zu empfehlen. Man avancirte also so rasch als möglich und stieß auch nach einer kleinen Stunde auf den Feind.

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Unterdeß war die Division Schmettau im härtesten Gefecht und hatte sich schon beinahe eine Stunde geschlagen, ehe die Division Wartensleben herankam. Jetzt erst hatte die Division Oranien Auerstädt passirt. Die 30 bis 40 Eskadrons mit ihren reitenden Batterien nebst 4 Bataillons leichter Infanterie, waren auch aus der Kolonne gefallen und so war zwischen den Divisionen Wartensleben und Oranien eine Lücke von mindestens einer Stunde. Um die Infanterie geschlossen zu erhalten, ließ sie der Prinz von Oranien mitten durch den Schmuz von Auerstädt waden. Dies gelang nun zwar auch so viel als möglich, aber diese Anstrengung hatte auch die Leute sehr ermüdet. Jenseits Auerstädt wurde der Division Oranien der Befehl gebracht: sich Brigadenweis in 2 Treffen zu formiren, aber ja nicht zu spät, damit es nicht, wie bei der Division Schmettau im Kartätschenfeuer geschehe.

Die Brigade von Lützow (welche aus den Regimentern Möllendorf und Wartensleben und aus dem Grenadierbataillon Knebel bestand) mußte sich rechts schwenken und auf Rehhausen losmarschiren. Der König kam dieser Brigade entgegengeritten und wurde mit dem einstimmigen Jubelgeschrei: "Es lebe der König!" begrüßt. Die Brigade Prinz Heinrich (welche aus den Regimentern Puttkammer und Alt-Ferdinand und dem Grenadierbataillon Reinhaben zusammengesetzt war) war bestimmt, den linken Flügel der Kämpfenden zu verstärken und zu verlängern. Sie marschirte also auf das Dorf Poppel los und fand gleich bei ihrer Ankunft den Feind.

Die Artillerie, welche nur mit großer Mühe und Anstrengung durch den schmutzigen und ungünstigen Boden fortgebracht werden konnte, war nur auf 2 Passagen zwischen Rehhausen und Tauchwitz vorzuführen. Sie blieb aber bei den Versuchen, durch den Bach zu gehen, stecken und der Theil, der mit großer Anstrengung herausgebracht wurde, kam erst gegen die Mitte der Schlacht an.

Alle diese verschiedenen Märsche und Bewegungen der Divisionen vor und während der Schlacht mußten wir nothwendig erst anführen, wenn wir unsern Lesern ein möglichst treues Gemälde von der Schlacht geben und ihnen die Ursachen zu dem unglücklichen Ausgang derselben einleuchtend machen wollten. Wir bitten nun unsere Leser, sich nach dem Anfang der Schlacht zurückzusetzen und uns in der Erzählung des Verfolgs aufmerksam, und wo möglich nach einem guten Plan von der Schlacht, oder nach einer treuen Specialcharte zu folgen.

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Zwischen Poppel und Tauchwitz war die Division Schmettau zuerst auf feindliche Kavallerie gestoßen. Sie ward aber sogleich bis unter Hassenhausen gejagt und von einigen Eskadrons Dragonern vom Regiment der Königin nebst der reitenden Batterie Graumann im Trapp verfolgt. Jenseits Hassenhausen bekam diese Batterie, nebst ihrer Bedeckung im dicksten Nebel gehüllt, eine völlige Ladung von einer feindlichen Batterie. Der Kapitän Graumann blieb auf einen der ersten Schüsse. Die Batterie suchte aus der Direktion des feindliche Geschützes zu kommen, aber die Chausseegräben hatten gegen das Feld eine so starke Büschung und waren so hoch, daß man nicht einmal zu Pferde hinauf kommen konnte. In der Batterie entstand daher eine Verwirrung; nur die 3 letzten Kanonen konnten umwenden, die übrigen wurden im Stich gelassen und die Bedeckung nebst den Resten der Batterie kam in Unordnung zurück.

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Der König befand sich an der Spitze des Regiments v. Alvensleben bei der Division Schmettau, als die Spitze der Avantgarde auf den Feind stieß. Die Kolonne hielt eine kurze Zeit, trat aber wieder an, da der Feind von den leichten Truppen vertrieben und Gefangene eingebracht wurden, welche übereinstimmend aussagten, daß bei Hassenhausen 8000 Mann vom Feinde stünden. Die Kavallerie der Division Schmettau und Wartensleben erhielten ordre, neben der Infanterie vorbeizutraben. Der General Blücher setzte sich an ihre Spitze und machte einen Angriff auf die feindliche Kavallerie. Diese hielt den Angriff nicht aus, sondern zog sich um den rechten Flügel seiner Infanterie herum, hinter dieselbe. Der Nebel hielt noch immer an und was man vor sich hatte, konnte man nicht deutlich erkennen. Doch stieß der General Blücher beim Verfolgen der Infanterie und Artillerie; er zog sich also zurück und setzte sich linker Hand zwischen Hassenhausen und Tauchwitz, um erst die Ankunft der Infanterie abzuwarten. Der Feind benutzte diese Zeit und rückte bis in und neben Hassenhausen vor. Es war die Division Güdin.

Der Herzog von Braunschweig wollte jetzt die ganze Armee vorrücken lassen, dieselbe formiren und das Treffen nicht eher fortsetzen lassen, als bis sich der Nebel gänzlich gelegt hätte. Allein der Feldmarschall von Möllendorf war der Meinung, man müsse ohne Zeitverlust fortmarschiren und den Feind angreifen. Der König, der auch nicht glaubte, auf eine bedeutende Macht zu stoßen, trat dieser Meinung bei, und befahl die Fortsetzung des Marsches. Dies Faktum ist durch glaubhafte Zeugen bestätigt und kann nicht geläugnet werden. Es wälzt einen großen Theil der Schuld des unglücklichen Ausgangs der Schlacht von dem Herzoge ab; denn hätte man seinen Rath befolgt, so konnte die preußische Armee mit gleichen, wo nicht mit überlegenen Kräften aus die feindlichen würken, anstatt das der Feind vom Anfang bis zum Ende der Schlacht stets mehr Menschen ins Gefecht brachte als die Preußen und eine Division nach der andern, ja zuletzt eine Brigade und ein Bataillon nach dem andern schlug. Wenn die preußische Armee vor dem Dorfe Tauchwitz eine gute Position nahm, der Division Oranien und den Reserven Ordre zum schleunigen Vorrücken gab und dann den heitern nebelfreien Himmel abwartete: das Resultat der Schlacht würde ganz anders ausgefallen seyn. Genug der Herzog von Braunschweig kann in diesem Stücke nicht angeklagt werden.

Der König befahl den Aufmarsch der Infanterie, indeß das Regiment von Alvensleben während desselben Kanonen und später auch Kartätschenfeuer bekam, so formirte sich die übrige Infanterie etwas rückwärts. Der Herzog schickte Offiziere und Feldjäger zurück und ließ der Infanterie Beschleunigung des Marsches befehlen. Er selbst ritt gegen Hassenhausen vor, das Dorf rechts lassend; allein man konnte wegen des Nebels nichts Bestimmtes erkennen. Einzelne Leute brachten die Nachricht zurück, daß auf dem Punkte, wo die Kanonen von Graumann stehen geblieben, viel feindliches Infanterie sey. Bald erschienen auch feindliche Tirailleurs zwischen Hassenhausen und Tauchwitz.

Der König trug einem Schützenoffizier auf, die feindlichen Tirailleurs in den Weiden anzugreifen. Dies geschah zwar, aber ohne Erfolg. Ein Grenadierbataillon, das zunächst bei der Hand war, konnte seinen Angriff eben so wenig durchsetzen. Die Tirailleurs schossen von allen Seiten und verfehlten nie ihren Mann. Unterdeß hatte sich endlich von der Division Schmettau eine Infanterielinie gebildet und sogleich avancirte sie gegen den Grund vor Hassenhausen. Sie gab ein regelmäßiges und lebhaftes Feuer, so schnell und bestimmt, als würde auf dem Exercierplatze gefeuert. Der Feind antwortete zwar einigemal mit einem Pelotonfeuer, hörte jedoch bald auf. Da sich in diesem Augenblick der Nebel etwas verzog, so sahe man einen großen Haufen feindlicher Infanterie, die man, so viel es sich übersehen ließ, auf 2000 Mann schätzte, sich in der größten Unordnung in das Dorf Hassenhausen werfen. Dies geschah gegen 8 Uhr.

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Die Kavallerie der Division Wartensleben gieng auf den rechten Flügel über den von Hassenhausen nach Rehausen sich ziehenden Grund, den die feindliche Infanterie durch das wirksame Gewehrfeuer der Division Schmettau zu verlassen genöthigt wurde. Das Regiment Irwing, unter stützt von 3 Eskadrons von Quitzow, hieb hier in die feindliche Infanterie ein. Zwar zeigte diese eine außerordentliche Besonnenheit und Furchtlosigkeit und gab auf das Regiment Irwing erst alsdann Feuer, als es ganz in der Nähe war, eine so furchtbare Salve, daß 9 Offiziere, und die Gemeinen im Verhältnisse, blessirt und getödtet wurden. Demungeachtet stürzte dieses brave Regiment unter die Infanterie und vernichtete ein ganzes Bataillon. Der Adler dieses Bataillon wurde (wie man nachmals erfahren hat0 von einem feindlichen Offizier gerettet, indem er ihn von der Stange brach und unter seinen Mantel versteckte. -- Das Regiment Irwing brachte auch viele Gefangene zurück. Die feindliche Infanterie war von der Division Friant.

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General Blücher wollte die Zeit nicht unnütz verlieren und hoffte die feindliche Kavallerie zu finden. Er rückte also noch einmal mit seiner wohlgemutheten Kavallerie vor. Als er beim Verziehen des Nebels die Infanterie entdeckte, griff er sie schnell an. Allein obgleich diese Attake auf dem Flügel der Linie Statt hatte, so war die Infanterie doch sehr gut vorbereitet und durch Quarrees mit gut placirter Artillerie für einen bloßen Kavallerie-Angriff sicher gestellt. Der General Blücher formirte neue Attaken, um die feindliche Infanterie zu ermüden, oder in Bewegung zu bringen -- wo es denn leicht gewesen seyn würde sie zu trennen, in sie einzudringen, und sie zu vernichten: -- aber alles mißlang. Am Ende wurde ihm ein Pferd todtgeschossen und seine Kavallerie zog sich gegen Eckartsberge zurück.

Man kann bei dieser Gelegenheit den Wunsch nicht unterdrücken, daß doch der General Blücher die feindliche Infanterie nicht angegriffen, sondern seinen Weg rasch fortgesetzt haben möchte! Er war dem Feinde wirklich schon im Rücken, und da er weit mehr Kavallerie hatte, als die Franzosen, so konnte er sie angreifen und schlagen, wenn sie ihm auf seinem Marsch begegnete. Unsere Meinung ist nämlich: General Blücher hätte sollen auf Kösen losmarschiren; dann würde er wahrscheinlich noch unterwegs eine Kolonne feindlicher Infanterie auf dem Marsche gefunden haben. *) Diese konnte sich gegen herzhafte Kavallerie nicht wehren, weil sie im Marsch begriffen, ohne Artillerie, in einer langen Reihe und in Bewegung, also auf einen Kavallerie-Angriff durchaus nicht vorbereitet war. Sie mußte sich also gefangen geben oder zusammenhauen lassen. Nun schickte er ein Kommando von 3 bis 300 Mann nach Kösen, oder wenn noch feindliche Truppen unterwegs zu erwarten waren, gieng er selbst mit seine ganzen Kavallerie nach Kösen, brannte dort die Brücke ab, kehrte um und fiel dem Feind in den Rücken. Das hätte der Schlacht eine ganz andere Wendung und vielleicht einen glorreichen und glänzenden Ausgang geben können. Auf jedem Fall war der Erfolg weniger unglücklich; denn so wie die französische Infanterielinie bemerkte, daß die preußische Kavallerie an ihrer Seite vorbeizog um ihnen in den Rücken zu kommen; mußten sie Hassenhausen verlassen, den Rückzug antreten, oder mindestens eine ganz andere Stellung nehmen.

*) Es war aber auch möglich, daß Blücher gar keine Truppen unterwegens fand, und dann war sein Plan noch leichter und schneller auszuführen.
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Die Infanterie der Division Wartensleben war unterdeß angekommen und avancirte nun mit der von Schmettau gemeinschaftlich. Es wurde Marsch geschlagen; von beiden Theilen kam man sich sehr nahe und beschoß sich mit Kartätschen. Nach einem lebhaften kleinen Gewehrfeuer aber wurde der Feind von beiden Divisionen nach Hassenhausen in die nahe davon gelegenen Holzwege geworfen. Nun sollte Hassenhausen genommen werden. Allein theils hielt man sich zu lange mit den auf dem Exerzierplatze gewöhnlichen Formen *) auf, theils traten die verunglückten Kavallerieattaken auf den linken Flügel gerade in diesem Augenblicke ein, welche dadurch um so wichtiger wurden, daß die feindliche Division Morand auf dem rechten Flügel der Division Güdin ankam, und der französische rechte dem preußischen linken überlegenen Flügel mit Vortheil zum Angriff übergehen konnte.

*) Besonders verlor man durch das Richten viel Zeit, worauf besonders hier so viel nicht ankam, da man keine Kavallerie gegen sich hatte.
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Auf einer Höhe zwischen Tauchwitz und Zeckwar, von welcher die Infanterielinie enfilirt werden konnte, hatte man 2 Bataillone gestellt. Diese wurden jetzt von der französischen Kavallerie angegriffen und zogen sich im Viereck zurück. Nun attakirte sich auch die Division Schmettau, die gänzlich geworfen wurde und sich erst auf der Chaussee hinter Tauchwitz wieder sammelte und setzte. Zu gleicher Zeit waren auch die Tirailleurs um die linke Flanke herum gekommen, hatten sich des Dorfs Poppel bemächtigt und schossen auch nach Tauchwitz. Auch die Tirailleurs, die in den Hohlwegen von Hassenhausen versteckt lagen, thaten unglaublichen Schaden. Die preußischen Schützen reichten bei weitem nicht hin, um die feindlichen Tirailleurs zum Schweigen zu bringen. Doch hieb der Obrist von Heiligenstädt vom Regiment Quitzow einmal mit 2 Eskadrons auf einen großen Haufen Tirailleurs ein, machte viele nieder und brachte einige 30 Gefangene zurück.

Nun wurde gegen Hassenhausen en ligne marschirt; verschiedene Bataillons wurden aber durch das gewaltige Feuer des Feindes zum Weichen gebracht. Die Offiziere sammelten die Leute jedoch wieder und brachten sie in die Linie zurück. Von den schweren Batterien der Division Wartensleben hatte nur eine den Grund von Rehausen passiren können. Mit ihr wurde das Dorf Hassenhausen beschossen und beworfen, jedoch ohne Erfolg. -- Allerdings hieng vom Besitz dieses Dorfes der Gewinn der Schlacht ab, denn es zeigte sich immer mehr, daß der Feind wenig Kavallerie hatte. Auf seinem linken Flügel sah man gar keine, und ohne diese konnte er sich schwerlich zwischen Hassenhausen und dem Kösener Berge halten.

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Der Feind brachte auf 2 verschiedene Punkte seines linken Flügels mehrere Feldstücke, und beschoß damit den preußischen rechten Flügel. Der Prinz Wilhelm von Preußen kam jetzt mit einer bedeutenden Kavallerie (zwischen 10 und 11 Uhr) auf dem rechten Flügel der Infanterie, über Sulza und Stendorf an. Er fand keine Kavallerie vor sich, wohl aber 3 Bataillone feindlicher Infanterie, welche hinter 4 bis 6 Kanonen stand, womit der rechte Flügel enfilirt werden sollte. Er formirte die Kavallerie und machte nach 11 Uhr einen Angriff, der aber gänzlich mißlang. *) Der Prinz für seine Person hat seine Schuldigkeit vollkommen gethan und erhielt auch selbst bei der Gelegenheit eine Schußwunde: aber die Pferde (so sagt man) waren kugelscheu und machten nach einer erhaltenen Salve von selbst rechts umkehrt. Die Kavallerie zog sich zum Theil über Neu-Sulza längs der Ilm und Emsenmühle, zum Theil über den Sonnenberg durch Auerstädt zurück. -- Es ist recht sehr zu beklagen, daß beide Kavallerieangriffe, der vom General Blücher und vom Prinz Wilhelm, einen so ungünstigen Erfolg hatten und das große Vertrauen, das man allgemein in die Vortrefflichkeit der preußischen Kavallerie setzte, so wenig rechtfertigten! --

*) Die feindlichen Bataillone schlossen Quarrees und feuerten mit Besonnenheit und Ruhe. In einem dieser, von dem Prinzen angegriffenen Quarrees befand sich der Marschall Davoust.
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Eine über Buchscherau vorgedrungene feindliche Linie überflügelte den rechten Flügel der preußischen Infanterielinie, bemächtigte sich des Dorfes Spillberg und pflanzte eine Batterie von 12 Kanonen auf dem Spillberger Kirchhofe auf, die den Preußen sehr großen Schaden zufügte.

(Der Beschluß im nächsten Hefte.)
Charakteristische Scenen aus der Schlacht bei Auerstädt.
(Beschluß des im vorigen Hefte abgebrochenen Aufsatzes.)

Der Generallieutenant Graf v. Schmettau war eben damit beschäftigt, ein Regiment aufs Neue gegen den Feind zu führen, als er verwundet wurde. Er verbarg seinen Untergebenen seinen Zustand, um sie nicht muthlos zu machen, erhielt aber bald darauf eine zweite tödtliche Wunde. Der Herzog von Braunschweig hatte eben alle Offiziere seiner Suite verschickt, als er hinter dem Grenadierbataillon Hanstein eine tödtliche Wunde erhielt. *) Er ermahnte eben die Grenadiere tapfer auszuharren und das Dorf Hassenhausen mit gefälltem Bajonet zu nehmen. Nach dem Verlust dieser beiden Anführer, der im Gedränge nicht sogleich bemerkt wurde, *) hörte die Ordnung im Allgemeinen auf. Die Bataillons rückten in und aus der Linie, jeder Chef that, was ihm das Beste dünkte. Viele gaben Beweise von großer Tapferkeit. Die feindliche, ganz nahe am Dorfe Hassenhausen aufgestellte Infanterie wurde einmal in das Dorf geworfen; sie flüchtete einzeln in die Häuser und eine Abtheilung von Scharfschützen verfolgte diesen Vortheil und kam auf der Chaussee bis jenseits des Dorfs. Aber die wußten nicht, daß sich noch eine beträchtliche Anzahl vom Feinde in die Häuser geworfen hatte. Diese sammelten sich wieder, als sie bemerkten, daß keine anderen Truppen folgten, fielen die Schützen an und nöthigten sie, sich zurückzuziehen.

*) Der Herzog von Weimar hat die Stelle, auf welcher der Herzog von Braunschweig fiel, durch einen Obelisk bezeichnen lassen. Er steht rechter Hand von der Chaussee, eine kleine Viertelstunde von Hassenhausen.
*) Der Herzog von Braunschweig, der einen Schuß in den Kopf durch das rechte Auge erhalten hatte, ward nothdürftig verbunden, und von zwei neben ihm Reutenden zu Pferde zurückgebracht. Nachher ward er in einer Kutsche nach Reisdorf gebracht, dort ordentlich verbunden und weiter fortgeführt. Sein General-Adjutant, der Obrist v. Kleist, der nicht im Geringsten verwundet war, befand sich bei ihm, unter dem Vorwande: seinen Herzog nicht zu verlassen. Wie aber konnte ein Offizier von Ehre, ohne Blessur das Schlachtfeld verlassen und sein Heil mit einem andern, tödtlich Blessirten in der Flucht suchen? Es war das Geschäft der Kammerdiener, Reitknecht, Chirurgen und dergl. bei dem verwundeten Herzoge zu bleiben; aber nicht eines Obristen, der eine Brigade sammeln und gegen den Feind führen kann. Im siebenjährigen Kriege stand schimpfliche Kassation auf eine solche Entweichung vom Schlachtfelde. Selbst wenn die Gemeinen eines Regiments oder Bataillons ausrissen, durften ihnen die Offiziere nicht folgen: sondern mußsten sich an das, was noch stand, anschließen und bei dem Kommandeur des Regiments, an das sie sich anschlossen, melden, um sich nachher legitimiren zu können.
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Außer den beiden vorher angeführten Feldherrn waren auf der General Wedell und der General von Greifenberg schwer blessirt. Dem Generallieutenant von Wartensleben war das Pferd erschossen, er hatte nicht sogleich ein anderes, und war dadurch eine geraume Zeit lang unsichtbar und außer Thätigkeit. *)

*) Als er beim Sturz des Pferdes auf die Erde fiel, trat ein doppelter Bruch mit einem so gewaltigen Schmerze hervor, daß er bewußtlos liegen blieb. Die momentane Hülfe des General-Chirurgus Mursinna und des Regiments-Chirurgus Schilling beugten zwar dem Hinsinken des Körpers vor; dennoch aber befand sich der General in einer so hinfälligen Disposition, daß bei den äußersten Bestrebungen, seine letzten Kräfte zur gewissenhaften Erfüllung seiner großen Pflichten zusammenzuraffen, die letzte Lebenskraft fast ganz verschwand. Dennoch vollführte er den Rückzug mit Ordnung und Ruhe, sammelte die zerstreuten Reste der Armee und brachte 16000 Mann und 80 Kanonen nach Magdeburg. Von der über alle Begriffe schändlichen Uebergabe dieser Festung soll er kein Wort gewußt haben, weil er Krankheitshalber das Bett hüten mußte. Er ist in der Minerva sehr hart angegriffen und sein ganzes Betragen in ein übles Licht gesetzt. Doch hat er auch daselbst (September 1807. S. 454 u. f.) seinen Vertheidiger gefunden. Er selbst wird sich vom Könige die Gnade eines Kriegsgerichts ausbitten.

Von der Division Schmettau waren die meisten Staabsoffiziere todt oder blessirt. Außer den auf der Stelle todt gebliebenen, befanden sich 65 Offiziere bei dieser Division. Die Gemeinen waren bis unter die Hälfte zusammengeschmolzen, denn das Zurückbringen der Blessirten entzog den Gliedern so viel Menschen. Auch waren einige Regimenter mit dem Feinde handgemein geworden und hatten einige hundert Gefangene gemacht, welche ebenfalls durch Mißbrauch einzeln zurückgebracht wurden. -- Von der Division Schmettau war unter diesen Umständen nicht viel mehr zu erwarten. Die Division Wartensleben hatte um diese Zeit auch schon bedeutend verloren; allein sie wurde nicht angegriffen und erhielt sich daher in ihrer Stellung. Der Feind hatte nun alle 3 Divisionen seines Armeekorps ins Gefecht gebracht.

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In diesem Augenblick (gegen 12 Uhr) kam die Division Oranien an und zwar die Brigade von Lützow über Rehausen und die Brigade Prinz Heinrich über Poppel. Prinz Heinrich warf die Tirailleurs zurück, gieng auf die Höhe neben Tauchwitz vor, konnte aber nicht eher dazu kommen, seine Brigade zu entwickeln, bis die Ueberlegenheit seines Feuers den Feind nöthigte zurückzugehen, und er sich an die Division Wartensleben anschloß, formirte, und mit klingendem Spiel gegen Hassenhausen avancirte. Auch der rechte Flügel drang nach der Verstärkung durch die Brigade von Lützow vor. Der Feind konnte dem heftigen Feuer nicht widerstehn und warf sich mit seiner ganzen Kavallerie nach Hassenhausen. Die Reste der Division Schmettau wurde zum Theil bei Tauchwitz, zum Theil hinter der Division Wartensleben wieder formirt, um der Brigade Prinz Heinrich als Reserve zu dienen.

Unterdeß war die Division Morand, die gar nichts vor sich hatte -- wie schon vorhin erzählt worden ist -- um den linken preußischen Flügel herum marschirt, hatte an dem Kirchhof von Spillberg eine Batterie von 12 Kanonen etablirt und bis Poppel und Tauchwitz einen Schwarm von Tirailleurs vorgeschickt. Diese kamen nun der Brigade Prinz Heinrich in den Rücken, und sie wurden um so gefährlicher, da die von der Division Schmettau bei Tauchwitz wieder formirten Regimenter Prinz Heinrich und Schimonsky schon zur Unterstützung der Brigade Prinz Heinrich nach Hassenhausen geholt worden waren. Der Rest der Division befand sich näher gegen Rehausen.

Die französischen Tirailleurs wurden durch ihnen nachfolgende geschlossene Truppen unterstützt, die nun ebenfalls von Tauchwitz gegen Hassenhausen in den Rücken der Brigade Prinz Heinrich folgten. Die von Spillberg her sie bestreichende Batterie, nebst den Tirailleurs und Linientruppen in ihren Rücken, vermochten sie zum Rückzuge gegen Rehausen.

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Die Bataillons der fechtenden 3 Divisionen wurden immer kleiner. Auf dem linken Flügel mußte eine Flanke gemacht werden, die der Feind stets wieder zu überflügeln suchte, und es entstand daselbst ein nicht befohlner Rückzug, dem der rechte Flügel durch Artilleriefeuer enfilirt, auch allmählig folgte. -- Der General Blücher suchte den König auf, der sich immer im Gewühl der Schlacht im Centrum und auf dem linken Flügel aufgehalten hatte, und fragte an: "ob Sr. Majestät den Kampf mit den beiden Reserve-Divisionen, die bis jetzt nur ganz müßige Zuschauer gewesen, erneuern wollte? er verspräche sich in diesem Falle einen vollkommen guten Ausgang, und wollte die ganze Kavallerie zu einer General-Attaque sammeln." -- Der König genehmigte die- en Vorschlag und der General Blücher sprengte zur Kavallerie. Allein da man bis jetzt noch nichts von einer übel ausgehenden Schlacht bei dem Fürsten von Hohenlohe wußte, so schien es dem Könige nach einiger Ueberlegung zweckmäßiger, sich durch die Armee des Fürsten von Hohenlohe und General Rüchel zu verstärken und am andern Tage die Schlacht wieder anzufangen. Es wurde dem General Blücher deshalb der Befehl zugeschickt, daß sich Alles zurückziehen sollte. Die Reserven würden den Rückzug decken.

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Das von der Division Oranien hinter den Packpferden zurückgebliebene Grenadier-Bataillon Knebel konnte während des Gefechts nicht wieder an seine Division sich anschließen. Es stieß zu den Bataillons Prinz August und Reinhaben, woraus eine Grenadier-Brigade unter dem Prinzen August sich formirte. Diese rückte auf die Höhe von Tauchwitz vor und nahm die Truppen des linken Flügels auf, welche hinter seinem rechten Flügel und zum Theil durch Rehausen über den Bach giengen. Die Division von Wartensleben und die Brigade von Lützow giengen zum Theil durch Rehausen, zum Theil über Sonnendorf zurück, und zogen sich durch die Reserven, die hinter Lisdorf und Gernstädt standen.

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Der Feind verfolgte seinen Vortheil auf dem preußischen linken Flügel. Er marschirte hinter Spillberg weg, dem Gehölz entlang bis gegen Eckartsberga, und warf aus dieser Kolonne immer Infanterie in die preußische linke Flanke. Doch als er zwischen Zeckwar und der vorstoßenden Holzspitze ankam, fieng eine schwere Batterie der Reserve an zu spielen. Der Feind fuhr Artillerie dagegen auf und es engagirte sich eine ziemlich lebhafte Kanonade, während welcher die Tirailleurs gegen Lisdorf vorrückten.

Die zweite Reserve-Division schob sich nun links vor Eckartsberga, und gab in dieser Stellung den im Gefecht gewesenen Divisionen Zeit, sich hinter sie zurückzuziehen. Der rechte Flügel wurde beim Abziehn vom Schlachtfelde ganz unbedeutend verfolgt. Der Feind hatte wenig Kavallerie, auf seinem linken Flügel gar keine. Er warf sich deshalb mit aller Macht auf den preußischen linken Flügel, wo die waldigen Höhen der beträchtlichen preußischen Kavallerie die Gelegenheit benahmen, ihm vielleicht durch einen glücklichen Angriff die Vortheile des Tages wieder zu entreißen. Indeß war doch die feindliche Infanterie des linken Flügels mit ihrer Artillerie, auf welche der Prinz Wilhelm von Preußen einen Angriff gemacht hatte, vorgerückt und etablirte auf dem Sonnenberge, den Garden grade gegenüber ihre Artillerie. Nach einer Kanonade von einer Viertelstunde kam er vom Berge herunter und griff das Füsilierbataillon von Oswald und die Weimarschen Jäger an. Die Garden wurden endlich auch ins Gewehrfeuer verwickelt und zogen sich, als Auerstädt verlassen wurde, im von zwei Seiten offenen Quarree auf den Höhen am linken Ufer der Ilm fort gegen Wickerstädt. Der Feind verfolgte sie nicht weit.

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Als die Divisionen Schmettau, Wartensleben und Oranien sich durch die Reserven gezogen hatten, und der Feind immer mehr gegen Eckardtsberga vordrang, marschirte die |Division Arnim links ab und setzte sich vor Eckardtberga. Als alles in Sicherheit war, setzte sie ihren Rückzug über jenen Berg fort, ohne weiter verfolgt zu werden.

Die Brigaden Prinz August und Pletz zogen sich durch Auerstädt und schlossen sich an die Brigade von Hirschfeld, welche beim Abzuge durch eine feindliche Batterie von 8 Kanonen beschossen wurde. In dieser Zeit hielt die Kavallerie unter dem General Blücher linker Hand neben Auerstädt, zogen sich dann durch dieses Dorf und setzte sich dann wieder rechter Hand zwischen Reisdorf und Auerstädt. -- Nachdem in dieser Stellung einige Zeit gehalten war, hörte das Feuern beinahe auf und der Rückzug wurde mit klingendem Spiel angetreten. (Nachmittag gegen 2 Uhr.)

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Der Feind kam über den Grund und Bach an der Emsenmühle und beschoß die zurückmarschirenden Garden. Von einer reitenden Kanone jagten die Knechte mit der Protze davon und die nachfolgenden Tirailleurs nahmen die Kanone. Sobald dies von der Linie bemerkt wurde, machte das erste Bataillon Garde Front, gieng auf den Feind los, nahm die Kanone wieder und setzte seinen Rückzug fort, nachdem die Knechte zurückgeholt waren und dieselben folgen konnten.

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Von dem Generalmajor von Zastrow wurde folgende Befehl zum Rückzuge in Auerstädt diktirt, und so viel es thunlich war, den Kommandeuren der Regimenter mitgetheilt: "Die Direktion des Marsches geht nach Weimar. Die Reserve-Divisionen machen die Arriergarde unter dem General der Kavallerie, Grafen von Kalkreuth. Die übrigen Regimenter und was nicht dazu gehört, werden sich auf der Chaussee nach Weimar so viel als möglich zusammenhängen, ohne daß sie gerade ihre Ordre de Bataille genau befolgen. Jenseits Weimar setzen sich die Truppen längs der Chaussee gegen den Ettersberg. Alles links abmarschirt."

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Als Auerstädt noch von den Preußen besetzt war, führte der Feind auf der Höhe zwischen Gernstädt und Auerstädt Wurfgeschütz auf und steckte damit das Dorf in Brand. Alles war gesund war und sich retten konnte verließ das Dorf. Viele schwer blessirte aber, die hierher gebracht worden waren und nicht sogleich fortgeführt werden konnten, wurden dem schrecklichsten Tode zur Beute. -- Die Weimarschen Jäger, die sich überall sehr brav gezeigt haben, machten hier die Arriergarde. Bis hierher gieng alles in ziemlich guter Ordnung und wäre der Rückzug auf diese Art fortgesetzt worden, so konnte der unglückliche Ausgang dieser Schlacht für Preußen nicht so verderblich werden, als er in der Folge bei der fast gänzlichen und allgemeinen Auflösung und Zerstreuung des Heeres ward. Doch von dieser Retirade nach dem blutigen 14ten Oktb. wollen wir in einem der nächsten Heften sprechen.

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Der König, der in der Schlacht immer Unerschrockenheit und ruhige Besonnenheit des Geistes bewiesen und die Seinigen mit Wort und Beispiel zur Tapferkeit ermuntert hatte, befand sich beim Rückzuge an der Spitze der Kavallerie. Er wollte sich schnell nach Weimar begeben, um dort alle Anstalten für den folgenden Tag zu treffen. Als er in die Gegend des Mattstädter Kohlenhauses kam, sah man Truppen auf den Höhen von Apolda. Man fand nach näherer Untersuchung, daß es feindliche waren. Der König wendete sich nun rechts über Zettelstädt und kam nach mehreren Umwegen nach Sömmerda. Auf diesem Wege hatte er erst den Verlust der Schlacht des Fürsten von Hohenlohe erfahren. Man denke sich den Schmerz, der die Brust des Königs bei dieser Nachricht durchdringen mußte. Wer mag ihm denselben nachfühlen? Aber diese traurigen Unfälle machten ihn nicht muthlos. Er sandte seinen Flügeladjutanten Grafen Dänhof zum französischen Kaiser, und eröffnete ihm den Wunsch nach Frieden. Indeß machte er sich doch auf jeden Fall gefaßt, und reisete am 15ten nach Mittag von Sömmerda über Nordhausen ab, um die nöthigen Anstalten im Innern zu treffen, und sich an die Spitze der Ostpreußischen Truppen zu setzen.

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Man sieht, daß ohne den unordentlichen Rückzug in der nächsten Nacht, und ohne den Verlust der Bataille bei Jena, die Schlacht bei Auerstädt von wenig erheblichen Folgen gewesen seyn würde. Die Franzosen hatten nur einige hundert Gefangene gemacht; die Preußen besaßen deren noch mehr. Die feindliche Kavallerie hatte nie eingehauen und also gar keinen Schaden gethan. Das kleine Gewehrfeuer hat von preußischer Seite unweit mehr Schaden angerichtet als das von französischen Seite. Nur am Tirailleur- und Artillerie-Feuer waren die Franzosen überlegen. Rechnet man die schwer Blessirten, die dem Feinde in die Hände fielen mit zu den Gefangenen, so mag er an sieben bis achthundert gehabt haben; die Preußen hatten deren aber während der Bataille an sechshundert, von denen nur etwa 200 nach Magdeburg gebracht wurden. An Todten und Blessirten hatte der Feind mehr verloren.

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Wäre nicht der Fürst von Hohenlohe an demselben Tage total geschlagen worden, hätte der General Rüchel noch mit seinem Korps bei Weimar gestanden und wäre der Herzog von Weimar mit der Avantgarde der Hauptarmee zu ihm gestoßen: so hätte sich der König mit seiner Armee sicher und ungefährdet an sie anschließen, die abgeirrten Truppen sammeln und in Verbindung mit dem Fürsten Hohenlohe dem Feinde eine große entscheidende Schlacht liefern oder einen sichern Rückzug antreten können. Die beiden Reserve-Divisionen hatten so viel als gar nichts gelitten und die Kavallerie befand sich nach der Schlacht noch im guten Stande. Nur die Division Schmettau hatte bedeutend gelitten und die Divisionen Wartensleben und Oranien hatten theilweise viel eingebüßt.

Ob es nicht besser gewesen seyn würde, wenn der König auf den Rath des Herzogs von Braunschweig, die Fortsetzung der Schlacht so lange ausgesetzt hätte, bis sich der Nebel gänzlich gelegt hatte, und er mit seiner ganzen Armee den Angriff unternehmen konnte; ob sich nicht ein schöneres Resultat ergeben haben würde, wenn der General Blücher und der Prinz Wilhelm nicht die wohlverwahrten und herzhaft vertheidigten Flanken der französischen Linie angegriffen, sondern dieselben umgangen und den Feind im Rücken beunruhigt hätten; *) ob der General Kalkreuth nicht besser gethan hätte, statt daß er 3 Stunden lang mit seiner großen und vortreflichen Reserve, *) einen müßigen Zuschauer abgab, den Feind entweder auf seinem rechten Flügel hinter Bendorf, Zeckwar und Spillberg, **) oder auf seinem linken über Sonnendorf und Sulza zu umgehen; ob eine mit der Reserve und mit der sämmtlichen Kavallerie von Neuem begonnene Schlacht den vom General Blücher verheissenen Ausgang gehabt haben würde: wer mag darüber entscheidenden Ausspruch wagen wollen? Im Rath der Vorsehung war Preußens Untergang beschlossen. Ein schwarzes, finsteres Verhängniß waltete über alles, was seit dem Beginn des Krieges unternommen wurde. Ein feindseliger Geist zog am Norden entlang.

*) Bei einem günstigen Terrain ist auch die beste Infanterie gegen eine zahlreiche und herzhafte, von einem ernsthaften Willen belebte Kavallerie jedesmal verloren -- dies zu beweisen ist hier der Ort nicht -- : aber es gehört eine tapfere, kriegserfahrne und kugelgewohnte Kavallerie dazu, in Infanterie-Quarrees, die mit Artillerie gehörig gedeckt sind, und wo erst in der Nähe von 10 bis 15 Schritt ruhig und furchtlos geschossen wird, mit glücklichem Erfolg einzuhauen. Die Probe, worauf also der General Blücher und der Prinz Wilhelm ihre, des Kriegs ganz ungewohnte Kavallerie bei der ersten Gelegenheit setzte, war zu bedenklich und zu gefährlich.
*) Die Reserve bestand in der That aus den schönsten, geübtesten und kraftvollsten Truppen der Armee. Zu der Division Kuhnheim gehörten: das erste Bataillon Garde, die Grenadiergarde und das Regiment Garde, das Regiment des Königs, und die beiden Grenadierbataillone v. Rabiel und Prinz August v. Preußen. Dazu kamen die Gensd'Armes und die Garde du Korps; ferner eine reitende Batterie, 2 Batterien Zwölfpfünder und eine Haubitzen-Batterie. Die Division des Generallieutenant von Arnim bestand aus den Infanterieregimentern von Arnim, Pirch und Zenge und aus den treflichen Grenadierbataillonen von Gaudi, Schliefen, Hülsen und Osten. Ferner gehörten dazu die Kürassiere von Beeren, 10 Eskadrons vom Regiment der Königin, eine reitende Batterie und 2 Batterien Zwölfpfünder. Man kann sich keinen herrlicheren Anblick denken, als diese beiden Divisionen am Morgen des vierzehnten Oktobers gewährten. -- -- --
**) Das was die Preußen zu thun unterlassen hatten, führten nachher die Franzosen aus. Die Division Dürand kam von Bunscherau nach Spillberg, hinter Zeckwar der preußischen Infanterielinie im Rücken und entschied dadurch den unglücklichen Ausgang der Schlacht.
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Es ist ganz unmöglich den Verlust anzugeben, den Preußen in dieser Schlacht erlitten hat, da die Armee nicht wieder gehörig formirt werden konnte. Am Tage nach der Schlacht war die Zahl der Deserteurs, Marodeurs und zerstreuten Flüchtlinge, die einzeln umherirrten und in den Dörfern gefangen wurden, sehr beträchtlich. Man hat also keine andern Mittel, die Anzahl der Gebliebenen und schwer Verwundeten zu erfahren, als durch eine ungefähre Schätzung nach der Dauer des Kanonen- und kleinen Gewehr-Feuers, *) wobei andere Bataillen den Maßstab abgeben. So nur läßt sich der wahrscheinliche Verlust bestimmen.

*) Denn die feindliche Kavallerie hat den Preußen gar keinen Abbruch gethan. Sie mag kaum 20 Mann getödtet haben.

Hiernach würde er nicht über 5000 Mann an Todten und Blessirten betragen können, wenn es auch bald nach der Bataille schien, als ob er gegen 10000 Mann ausmachen müßte. Allerdings fehlten so viel, wo nicht noch mehr Leute, der größte Theil davon irrte aber umher und konnte seine Fahne nicht finden. An Offizieren war der Verlust beträchtlicher, theils weil ihre ausgezeichnete Kleidung den Feind veranlaßte, stets auf sie zu zielen, aber mehr noch, weil sie die Hoffnung, die man in ihre Ehre und Tapferkeit setzte, rechtfertigen wollten. Sie bemühten sich, die eingerissene Unordnung wieder herzustellen, giengen ihren Leuten mit gutem Beispiel voran und schlossen sich an den noch stehenden Haufen. Viele Offiziere waren zwei- oder dreimal blessirt und verließen ihre Bataillons nicht. Der 81jährige Feldmarschall Möllendorf gieng ihnen darin mit seinem Beispiel voran. Dem König war ein Pferd erschossen, die königlichen Prinzen die Offiziere vom höchsten Range waren blessirt.

Die Division Oranien zählte 107 todte und blessirte Offiziere, die Division Wartensleben 98, die Division Schmettau 93 und die Reserve etwa 25. Am meisten hatten die Regimenter Puttkammer, Wartensleben, Prinz Ferdinand und Prinz Louis gelitten. Von dem Verluste an Offizieren hat man auf den an Gemeinen geschlossen und daher kommt es, daß er gewöhnlich auf 10000 Mann angenommen wird, welches offenbar zu hoch ist.

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Es ist schon sehr viel über diese Schlacht geschrieben worden, und es wird noch mehr darüber geschrieben werden. Das Befriedigendste und Zuverlässigste findet man in der vortrefflichen Schrift: Operationsplan der preußisch-sächsischen Armee im Jahre 1806, Schlacht von Auerstädt und Rückzug bis Lübeck. Nebst Beilagen, einer Operationscharte und Plan der Schlacht bei Auerstädt v. C. v. W. (Weimar, in Kommission des Industrie-Comptoirs 1807.) Mit dem Motto: La critique est aisée, mais l'art est difficile. Wir sind diesem Werke als fachkundigen Führer am liebsten gefolgt, weil es von einem Manne herrührt, der bei der preußischen Armee schon längst als ein einsichtsvoller und denkender Militair bekannt ist, der um alle Plane und strategische Entwürfe wußte, der selbst von den meisten Ereignissen, die er erzählt, Augenzeuge war, und namentlich in der Schlacht bei Auerstädt in der Nähe der kommandirenden Generäle war. Seinen Namen sind wir nicht zu nennen berechtigt, zumal da er ihn selbst unter der falschen Chiffre E. v. W. zu verbergen sucht und in dem Werke selbst öfters von sich sprechen muß. Was er aber erzählt, hat volle Glaubwürdigkeit.

Vor einer andern Schrift aber: Bemerkungen und Beschreibung der Schlacht bei Auerstädt, von einem unpartheiischen Augenzeugen, (Altona bei Bechtold. 8 gr.) müssen wir unsere Leser warnen. Der Verfasser, der uns übrigens ganz unbekannt ist, ist von Vielem ganz falsch unterrichtet und nichts weniger als unpartheiisch. Manche einzelne Anekdoten und Ereignisse, wenn sie anders wahr sind, sind interessant, das Ganze aber giebt einen sehr falschen Begriff von der Schlacht -- Weit lehrreicher und interessanter aber sind die Fragmente aus dem Tagebuche eines preußischen Regimentsschreibers über die Begebenheiten des 14ten Oktobers 1806 und der folgenden Tage. (Ohne Druckort 1807.) Was er gesehen und bemerkt hat, erzählt er in einem treuherzigen und aufrichtigen Tode, der an der Wahrheit seiner Erzählung gar nicht zweifeln läßt.

Was in einigen Flugschriften *) und Journalen *) über die Schlacht von Auerstädt gesagt ist, verdient einer großen Berichtigung. Wie viel Falsches, Halbwahres, durch gehässige Leidenschaften Entstelltes, mit absichtlicher oder wirklicher Unkunde des Gegenstandes Geschriebenes enthalten jene Schriften! Es ist überall noch viel zu früh ein treues Gemälde von den Schlachten der vergangenen Jahre aufzustellen: darum haben wir auch nur einige charakteristische Züge, als Umrisse zu einem solchen Gemälde herausgehoben. -- Was uns in vielen jener Schriften am meisten empört hat, das ist die schnöde Schadenfreude, die höhnische Herabwürdigung mit der man über die preußische Armee und ihre Offizier herfällt. O hätten jene schadenfrohe Menschen doch gesehen, mit welcher Entschlossenheit und Beharrlichkeit am 14ten Oktober, bei Jena und Auerstädt gefochten wurde! mit welcher Bereitwilligkeit und Herzhaftigkeit die Bataillone, die schon zwei- dreimal im Feuer gewesen waren und die fast alle ihre Munition verschossen hatten, immer wieder gegen den Feind losgiengen! Hätten sie doch die einzeln rührenden Beweise von Tapferkeit, Aufopferung, Hingebung und Heldensinn gesehen, mit der an jedem Ort des Kampfplatzes gefochten wurde. Und ließ der Feind nicht Hunderte und Tausende von Todten und Verwundeten auf dem Schlachtfelde? Rühmt er nicht selbst die große Tapferkeit, mit der man ihm Widerstand leistete? Würde er die geschlagenen Preußen nicht länger und wirksamer verfolgt haben, wenn er nicht selbst zu sehr geschwächt war?

*) Z. B. die Feldzüge von 1806 und 1807 in einer historisch-politisch-militärischen Darstellung (1ter Theil 1 Thlr. gr. 8.); die mit unverdientem Beifall aufgenommenen vertrauten Briefe u. s. w.; Geschichte des Krieges zwischen Frankreich und dessen Bundesgenossen gegen Preußen und dessen Verbündete. (Amsterdam); Kurze Uebersicht des durch seine Folgen höchst merkwürdigen Feldzugs v. J. 1806. Mit Bemerkungen von einem Br...schen (Braunschweigischen) Offizier. Und andere dergleichen.
*) Z. B. in Archenholz Minerva; in dem politischen Journal; in den europäischen Annalen; in Vogts Staatsanzeigen; in Voß Zeiten und Anderen. Manches davon ist der strengsten Wahrheit gemäß; vieles aber aus unlauteren Quellen geflossen.

Warum will man also das ganze durch Unglück und Schmach gebeugte Heer noch tiefer niederbeugen? warum ihm allein alle Schuld beimessen? warum die vielen tapfern Männer, die für Ehre, Pflicht, Vaterland und König bluteten, und deren Seele über ihre eigenes Schicksal weniger als über das des Staats trauert, warum auch diese in den Staub treten und mit Schande bedecken wollen? Gerechte Indignation treffe den, der aus Feigheit und verabscheuungswürdigem Egoismus zum Verräther wurde -- Verachtung treffe die, welchen Zufall, Geburt oder Verbindung zu bedeutenden Posten verhalf, denen sie vorzustehen unwürdig waren. Aber kein vorschnelles, auf einseitige Data, auf leidenschaftliche Angaben gegründetes Urtheil, verdamme Männer, deren Betragen zwar Tadel, Rüge, Bestrafung zu verdienen scheint, deren Vergehen jedoch noch nicht völlig erwiesen ist: und die zum Theil selbst auf Untersuchung ihrer Handlungen vor kompetenten Richtern angetragen haben. *)

*) Diese Stelle ist aus einer periodischen Schrift, die sich mit Recht an unsre besten Journale anschließen darf, Sie führt den Umschlagstitel: Feuerschirme, um ihre Tendenz gegen die Feuerbrände anzuzeigen; der eigentliche Titel aber ist: das Vaterland. Beiträge zu einer Geschichte der Zeit, Versuche zur Veredlung des Nationalgeistes und zur Erhebung der Kunst und Industrie. (Berlin 1807.) Der Herausgeber ist ein Mann von anerkannten Verdiensten, von reinem edlem Patriotismus, von treuer und fester Anhänglichkeit an seinen König, der lange in einem bedeutenden Posten gearbeitet hat und von Allem mit Sachkenntniß Auskunft zu geben vermag. Möchte diese Schrift im Preußischen doch recht viele Leser und treue Beherzigung finden!
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Quellen.Bearbeiten

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Sammlung von Anekdoten und Charakterzügen aus den beiden merkwürdigen Kriegen in Süd- und Nord-Deutschland in den Jahren 1805, 6 und 7. Leipzig, in der Baumgärtnerschen Buchhandlung.
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