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Plan von der Schlacht von Dennewitz.

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Schlacht bey Dennewitz.

Schlacht bei Dennewitz.Bearbeiten

Dennewitz (Schlacht bei) den 6ten Sept. 1813.

Was dem Marschall Oudinot bei Groß-Beeren (s. d. Art.) nicht gelungen war, sollte Ney vollziehen und Berlin erobern. Der Kronprinz von Schweden schien nämlich die Absicht zu haben, den 4ten Sept. von Rabenstein aus mit dem russisch-schwedischen Heere nach Roßlau zu marschiren, um hier über die Elbe zu gehen. Ney zog daher das französische Heer in den Verschanzungen bei Teuchel und Tragun, vorwärts Wittenberg, zusammen. Entweder wollte er den Kronprinzen im Augenblick des Ueberganges über die Elbe angreifen, oder - was er aber zu verbergen suchte - selbst über Berlin herfallen.

In dieser Absicht rückte am 4ten Nachmittags ein Theil seines Heeres gegen Zahna vor. Hier stand der preußische Gen. Maj. von Dobschütz. Dieser schlug mit Kosaken und Landwehr den wiederholten Angriff des Feindes zurück. Allein am folgenden Tage griff der Feind mit fünfmal stärkerer Macht Zahna und Seyda an. Nach hartnäckiger Gegenwehr mußten, dort Dobschütz, hier das Corps des Generals von Tauenzien, vor der Uebermacht nach Jüterbogk sich zurückziehen.

Das feindliche Heer nahm jetzt seine Richtung gegen Jüterbogk; doch suchte Ney den Kronprinzen zu täuschen; und mehrere Berichte meldeten dem letztern, daß der Feind sich nach Torgau zöge. Der Kronprinz ließ sich aber nicht irre führen, sondern brach den 6ten früh um 3 Uhr von Rabenstein auf, und ließ das Heer, nach einem Marsche von 2 Meilen, die Anhöhen von Lobessen besetzen, wo ihm General von Bülow, der das 3te preußische Armee-Corps befehligte, melden ließ, er werde überflügelt, indem das ganze feindliche Heer in Masse auf Jüterbogk marschire.

Sofort befahl ihm der Kronprinz, dem Feind in die Flanke und in den Rücken zu fallen, und die schwedische Armee marschirte auf das 3 Meilen weiter liegende Jüterbogk. Ihr folgten die Russen, deren Vorhut jedoch, unter Czernitscheff und Woronzow, vor Wittenberg stehen blieb.

Unterdessen hatte die Schlacht bereits ihren Anfang genommen. Das vierte preußische Armeecorps, unter Tauenzien, griff an. Vergebens strengte der Feind sich an, um dasselbe aus seiner gutgewählten Stellung zu vertreiben. Hierauf, als jenes Corps seine Munition schon verschossen, kam Bülow heran. Seine Reiterei schlug das feindliche Fußvolk zurück; aber bei Gölsdorf wankte der Sieg, bis Borstell die Franzosen aus dem Dorfe herauswarf.

So widerstanden heldenmüthig im ungleichen Kampfe 40,000 Preußen, 80,000 Franzosen, Bayern, Würtembergern, Sachsen und Polen, die von Ney geführt, unter Oudinot, Bertrand, Regnier und Arrighi, mit 200 Kanonen auf die Stellung der Preußen wiederholt losstürmten.

Jetzt rückte auch das russisch-schwedische Heer in Eilmärschen heran. Siebenzig russische und schwedische Bataillone bildeten, von 10,000 Mann Reiterei und 150 Kanonen unterstützt, mehrere Angriffssäulen. Ihren voraus eilten im Rennlauf 4000 Reiter unter Pahlen, nebst mehrern Batterien von Adlerkreuz und Cardell geführt, um einige Punkte zu Schützen, gegen die der Feind seinen Hauptangriff richtete. Während sie den Feind aufhielten, rückten die Heersäulen unter Stedingk und Winzingerode vor. Dies entschied die Schlacht. Der Feind wich zurück. Die Reiterei hieb ein, und brachte seine Züge in Unordnung, worauf er in wilder Flucht über Dahme nach Torgau sich rettete.

Alle Wege waren mit Todten und Verwundeten, und mit Waffen aller Art bedeckt. Auf der Wahlstatt fielen gegen 5000 Gefangene, 3 Fahnen, 30 Kanonen, und über 200 Pulverwagen in die Hände der Sieger.

Als am 9ten September die Verfolgung vor Torgau aufhörte, betrug der Gesammtverlust der Franzosen über 20,000 Mann, wovon die Hälfte Gefangene waren, an Geschütz aber hatten sie 80 Kanonen und 400 Munitionswagen verloren. Die Preußen zählten über 5000 Todte und Verwundete, worunter 34 todte und 180 verwundete Offiziere.

Die Ordnung im französischen Heere war völlig aufgelöst.

Die Franzosen hatten vorzüglich die Sachsen, Würtemberger und Bayern ins Feuer getrieben. Den ersteren schrieb Ney fälschlich den Verlust der Schlacht zu. Zum Heerführer der Würtemberger sagte der Chef des französischen Generalstabes: "Ihr müßt voran, denn es liegt uns daran, daß ihr alle todt geschlagen werdet, sonst werdet ihr ohnehin bald gegen uns fechten." Die bayersche Division aber war in der Schlacht so zusammengeschmolzen, daß man aus dem Uberreste nur eine Brigade bilden konnte.

Nach diesem Siege ließ der Kronprinz Wittenberg durch den General Thümen, Torgau durch den General Wobeser, und Magdeburg durch den General Puttlitz beobachten. Er selbst ging mit dem Heere bei Roßlau über die Elbe, und vereinigte sich im Anfange des Octobers bei Halle mit Blücher.


Schlacht bey Dennewitz.Bearbeiten

Der sechste September 1813.

Der Marschall Ney grief am 4ten und 5ten September die Posten vor Zahne und Seyda an und eroberte sie, obwohl die Preussen den hartnäckigsten Widerstand leisteten, durch seine Uebermacht. Dies waren die Vorspiele der Schlacht des heutigen Tages. Der preussische General von Bülow war bereits von den auf Jüterbock marschirenden Franzosen ganz überflügelt, als der Kronprinz von Schweden der schwedischen und russischen Armee befahl, den Feind sogleich in der Flanke und im Rücken anzugreifen, ehe der General Tauenzien, der die Zugänge zu jener Stadt vertheidigte, überwältigt werden könnte. In forcirten Märschen rückte die Schweden und Russen vor, indessen das Kanonen- und Kleingewehrfeuer zwischen den Preussen und Franzosen bereits begonnen hatte. Die erstern hielten den Angriff von 70,000 Feinden, unterstützt von 200 Kanonen, mit großem Muth aus, obwohl sie selbst nur 20,000 Mann stark waren. Der Kampf war mörderisch, und die Preussen thaten Wunder der Tapferkeit. Auf einmal rückten 70 russische und schwedische Bataillons 10,000 Mann Kavallerie und 150 Kanonen in Angriffs-Kolonnen vor. Auf der Stelle war das Schicksal der Schlacht entschieden; die feindliche Armee trat ihren Rückzug an und litt ausserordentlich durch die ihr nachsetzende und immer mit Wuth angreifende Kavallerie. Das Schlachtfeld und die Strassen, auf denen die Franzosen zurückzogen, waren mit Todten, Verwundeten und Waffen bedeckt. Auch der preussische Verlust war groß, denn jeder Soldat wehrte sich fürchterlich, so wie sich auch ihre Generale und Officiere ehrenvoll ausgezeichnet haben. Die Franzosen gaben ihren eigenen Verlust selber auf achttausend Mann und zwölf Kanonen an. Nach schwedischen Berichten wurden ihnen zehntausend Mann Gefangene, achtzig Kanonen, vierhundert Pulverwagen, drey Fahnen und eine Standarte abgenommen. Der Marschall Ney eilte über die Elbe und was noch mehr war als dieses: ein allgemeiner Schrecken hatte sich über die französische Armee verbreitet, denn sie fanden nicht mehr die Preussen von Jena, sondern die gefürchteten des siebenjährigen Krieges und aus den schönsten Zeiten des großen Friedrichs.


Augenzeugenbericht.Bearbeiten

Auszug aus einem Schreiben des Hrn. V. . . an seine Frau.

Torgau den 8. September 1813.

Ich eile, Dir nach der unglücklichen Schlacht von Jüterbock zu schreiben, um Dich über mein leben zu beruhigen. Ein unglücklicher Tag, der die fürchterlichsten Folgen haben kann. Nie hat eine ähnliche Niederlage unter uns statt gefunden. Ich kann Dir nicht sagen, meine theuere Freundin, welches Feuer, welcher Kugelhagel auf uns nieder regnete. In keinem Gefechte, wo ich mich befunden, habe ich etwas Ähnliches gesehen. -- -- -- Das Gefecht fiel am 5ten vor. Das 23. Regiment, das 13. Linienregiment, die italienische Division haben fürchterlich gelitten. Das Schlachtfeld war mit Todten und Verwundeten bedeckt. -- -- -- Ich war zum Prinzen von der Moskwa detaschirt, um die Befehle zur Bewegung an das . . . . Corps zu überbringen. Dem Oberbefehlshaber wurde ein Pferd verwundet, dem General D. . . ein Pferd unterm Leibe todt geschossen; dem Prinzen von der Moskwa wurden binnen 2 Stunden, 3 Pferde verwundet; sehr viele vornehme Offiziere, Obersten u. s. w. vom Generalstabe wurden zu Kriegsgefangenen gemacht. Wir ziehen uns auf Leipzig zurück. -- -- -- -- -- -- -- Es hat sehr den Anschein, daß wir uns, wenn nicht ein unvorhergesehener Glücksfall eintritt, bis an den Rhein werden zurückziehen müssen; der Feind ist stark und sehr gut commandirt, er hat einen erstaunlich superieuren Ton angenommen und benutzt das dumpfe Staunen unserer Armee zu seinem Vortheil. Ich habe nie das Vertrauen gehabt, daß wir einer so großen vereinigten Macht würden Widerstand leisten können, weil ich unglücklicher Weise gesehen habe, wie lau der Eifer derer geworden ist, die sich rühmen am meisten davon zu besitzen und die am besten behandelt werden. Andrerseits sind unsre Soldaten so klein, so schwach, so jung, so unerfahren, daß man von einer großen Anzahl mehr fürchten, als hoffen müßte. -- -- -- -- Ich will sehen, was aus alle dem werden wird, wenn wir uns dem Rheine nähern xc. xc. -- --


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  • Neues historisches Handbuch auf alle Tage im Jahr mit besonderer Rücksicht auf die Ereignisse der neuesten Zeiten von Wagenseil Königl. baier. Kreißrath. Augsburg und Leipzig in der Jenisch und Stageschen Buchhandlung.
  • Sammlung von Briefen die am 12. September zwischen Leipzig und Wurzen aufgefangen wurden. Wien, 1813. Gedruckt bey Anton Strauß.
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