Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Montereau (Gefecht bei), am 18. Febr. 1814 von Napoleon gegen das 4te Corps der alliirten Hauptarmee unter dem Befehl des Kronprinzen von Würtemberg geliefert.

Die verbündeten Heere gingen im Anfange des Februars in einem großen Halbkreise, dessen Mitte ungefähr Troyes war, auf dem linken Ufer der Seine und beiden Ufern der Marne gegen Paris vor; Napoleon bewegte sich auf der Sehne und den Radien diese Halbkreises, und man kann ihm das Lob, diese Stellung geschickt benutzt zu haben, nicht versagen. Nachdem er bei Champaubert das Corps von Olsufiew vernichtet, den Corps von York und Sacken bei l'Epine und Marchais, dem von Kleist bei Joinvillers bedeutende Verluste zugefügt hatte, wendete er sich gegen Wittgenstein und schlug dessen Avantgarde unter Pahlen bei Mormant und Nangis.

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Theils um die Verfolgung der schlesischen Armee zu hemmen, theils um auch den Rückzug des ganzen verbündeten Heeres bei Troyes zu sichern, wurden vom linken Flügel der Kronprinz von Würtemberg und General Wrede vorwärts dirigirt. Was der Letztere für diesen Zweck gethan, liegt außer den Gränzen dieser Darstellung; der Erstere, der am 10. Februar Sens genommen, und von da über Pont sur Yonne nach Bray vorgegangen war, wurde angewiesen, Montereau auf dem linken Ufer der Seine, wo die Yonne in diesen Fluß fällt, aufs äußerste zu halten.

Die Erhaltung dieses Punktes ist von dem Besitz eines eine Stunde jenseits der Seine beim Schlosse Surville befindlichen Höhenzugs abhängig, welcher, zwar zur Vertheidigung geeignet, den Uebelstand hat, daß der Rückzug durch das Defilee der Stadt und Brücke führt.

Der Kronprinz hatte sich am Morgen des 18. hier aufgestellt - ungefähr mit 20,000 Mann, dem Würtembergischen Corps und drei Divisionen Oesterreicher, - Cavallerieposten bis Sivry und Bulains vorgeschoben, als er um 10 Uhr vom General Chateau angegriffen ward. Dieser Angriff wurde nach einem hitzigen Gefechte gegen Mittag gänzlich abgewiesen.

Der Feind verstärkte sich indeß immer mehr (es langten nämlich die übrigen Divisionen des Victorschen Corps an, welches vom General Gerard commandirt ward, da Napoleon unwillig, daß Victor nicht seinem Befehle gemäß schon am 17. angegriffen, ihm das Commando genommen hatte), doch ward ein zweiter Angriff zwischen Surville und Villaron durch eine kräftige Bajonnet-Attake vereitelt.

Die Franzosen begnügten sich jetzt, das Gefecht durch Tirailleur- und Kanonenfeuer zu erhalten, welches ihnen um so eher gelingen mußte, da sie immer mehr Truppen und Artillerie in Thätigkeit brachten (Napoleon langte mit beträchtlichen Abtheilungen Nachmittags 3 Uhr auf dem Wahlplatze an).

Die Würtemberger, die sich mit der rühmlichsten Entschlossenheit geschlagen hatten, litten durch diese Kanonade fast mehr als durch das vorherige Gefecht, besonders weil der größere Theil ihrer Artillerie bald demontirt ward. Als überdieß der linke Flügel durch einen Cavallerieangriff unter Gen. Pajol umgangen und geworfen war, befahl der Kronprinz den Rückzug, der unter der heftigsten Verfolgung und mit großem Verlust, da die Brücke von Montereau im feindlichen Geschützfeuer passirt werden mußte, erfolgte. Durch die Bravour einiger Bataillone, welche sich dem Feind in den Straßen der Stadt entgegen warfen, ward es möglich, die Ordnung der rückgehenden Truppen wieder herzustellen; das Corps bivouacquirte bei Bazoches, die Arrieregarde bei Latombe.

Das Heer der alliirten setzte seinen Rückzug bis zum 22. unverfolgt fort, und dies war das einzige günstige Resultat dieses Gefechts, in welchem sich die würtembergischen und österreichischen Truppen unendlich ausgezeichnet haben.

Bei der Uebermacht der Gegner, welche am besten daraus hervorgeht, daß sie selbst angeben, 60 Kanonen ins Gefecht gebracht zu haben, darf es nicht befremden, wenn sie 4000 Todte, Verwundete und Vermißte zählten, der größte Theil ihrer Artillerie demontirt war, und mehrere Stücke dem Feinde überlassen werden mußten. Dieser hatte indeß auch nicht unbeträchtlich verloren, der General Chateau war geblieben.


Quellen und Literatur.[]

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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