Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Treffen bey Polozk.[]


[1] Nach verschiedenen Gefechten, von welchen manche Schlachten könnten genannt werden, war am 16. Aug. von dem Herzoge von Reggio das 2 und 6te Armeecorps, welches letztere aus Baiern bestand, bey Polozk auf dem rechten Ufer der Düna versammelt. Reggio wußte, daß der verstärkte Wittgenstein ihn zu einem Treffen diesseits des Engpasses unter Polozk vermögen wollte. General Wrede [xx], dem die französische leichte Kavallerie-Brigade Corbineau schon früher zugetheilt war, erhielt den Auftrag, auf der Strasse nach Newel und Sebez eine Vorpostenkette zu bilden; links schloß sich die Division Verdier an, und rückwärts um Polozk befanden sich das 1ste baierische Armeecorps unter Deroy, und noch einige französische Divisionen. Um 12 Uhr Mittags begann die Avantgarde des unter Wittgenstein stehenden Armeecorps, die Vorposten auf der Strasse nach Newel anzugreifen; wurde aber von dem General Beckers zurückgewiesen. Das nehmliche Loos theilten alle später, und an andern Punkten gewagten, Angriffe von den Russen. Weil man aus diesen Bewegungen des Feindes vermuthete, daß er ernstlich vorhabe, die vor Polozk aufgestellten diesseitigen Armeecorps anzugreifen: so wurde für gut gehalten, das französische 2te Armeecorps und jenes des Generals Deroy in und um Polozk, auf beyden Ufern des Polotaflusses, zu conzentriren; das in der Nähe liegende Dorf Spas aber, hinter welchem zwey Brücken über die Polota geschlagen waren, besetzt zu halten, und standhaft zu behaupten. Dem Generale von Wrede [xx] wurde seine Stellung längs der Polota angewiesen. Er besetzte Spas mit dem 1. Bataillon des 2ten Infanterieregiments Kronprinz, und der 1 Schützencompagnie des 6ten Infanterie-Regiments, Herzog Wilhelm; dem Generale v. Vinzenti ward die Vertheidigung dieses Dorfes anvertraut.

Papillon pour la Bataille de Polotsk du 5/17 et 6/18 Août 1812.

Am 17. Aug. Morgens 8 Uhr rückte der Feind in starken Kolonnen, auf der Strasse von Newel gegen den rechten Flügel des Generals v. Wrede [xx] vor, welcher zu dessen Empfange sogleich die erforderlichen Dispositionen machte. Der Feind begann den Angriff mit Kanonen und Kleingewehrfeuer, hauptsächlich auf das ihm wichtige Dorf Spas gerichtet. Mit äusserster Standhaftigkeit wieß Vinzenti den Angriff zurück. Ein mit verstärkter Macht versuchter Sturm drängte zwar die Baiern etwas zurük, allein nun stürzt sich das 2 Bataillon des Regiments, Herzog Wilhelm, theils in, theils über die Polota, und eröffnet ein lebhaftes Gewehrfeuer. Vinzenti dringt zu gleicher Zeit mit gefälltem Bajonette vorwärts, und so wird der Feind mit großem Verluste aus dem Dorfe geworfen. Nicht minder unglücklich war ein zweyter Sturm des Feindes auf Spas, wobey aber General Vinzenti verwundet wurde. Graf Spauer, durch 2 Kompagnien des 5ten leichten Infanteriebataillons Buttler verstärkt, übernahm jetzt das Kommando, und schlug auch den dritten Sturm mit großer Standhaftigkeit ab. Die Vertheidigung dieses Dorfes übernahm nun, da die vorigen, geschwächten Truppen abgelöst wurden, Graf Buttler mit seinen übrigen Kompagnien, und 2 Kompagnien des 11ten Infanterieregimens, Kinkel. Indeß setzte der Feind auf der rechten Linie seine Attaque mit Beharrlichkeit fort, ungeachtet die gut und schnell bedienten Batterien, Gotthard und Gravenreuth, durch ihr Kartätschenfeuer ganze Reihen feindlicher Truppen niederlegten. Endlich gerieth die vordere Seite des Dorfes Spas, durch das Granatenfeuer, in Brand, wodurch der Feind verhindert wurde, nach 6 Uhr Abends seine Hauptangriffe auf dasselbe fortzusetzen. Nach schwerer Verwundung des Herzogs von Reggio, übernahm Graf St. Cyr das Oberkommando über das 2 und 6te Armeecorps. Mit der Nacht stellte der Feind das Feuern ein.

Am 18 früh löste das Corps von Deroy jenes des Generals von Wrede, welches durch die Gefechte an den vorhergegangenen Tagen sehr ermüdet war, ab. Graf St. Cyr beschloß in der Ueberzeugung, daß der Feind, obschon den Vormittag ruhig, dennoch seinen Angriff wiederholen werde, eine Schlacht, und traf hierzu die nöthigen Dispositionen.

Um 4 Uhr Nachmittags sollte die Schlacht beginnen. Zwischen 3 u. 4 Uhr wurden baierische Kanonen auf eine Anhöhe unweit Polota, rechts von Spas, gebracht. Als das Signal über die Schlachtlinie erscholl; warf die große Batterie ganze Lagen Kartätschen und Haubitzgranaten in die feindlichen Reihen, wie in das Schloß Przesiemienca, das Hauptquartier des Generals Wittgenstein. Zugleich eilten sämmtliche Kolonnen, mit äußerster Anstrengung, auf den Feind los, und warfen dessen Vorposten zurück. Jetzt ließ auch dieser seine, auf den Höhen von Przesiemienca aufgestellte, zahlreiche Batterie wirken. Rasch drang Graf Beckers, unter dem Schutze der Kanonen, mit gefälltem Bajonette auf den Feind ein, während das Bataillon Laroche, mit einer Abtheilung Kavallerie und 1 Kanone, das nahe liegende Dorf Hamernia wegnahm, um den äußersten linken Flügel des Feindes zu bedrohen. Die 1 und 3te Brigade folgte diesen Bewegungen des Armeecorps des Generals von Deroy, und debouchirte links abmarschirt aus dem Dorfe Spas. Kaum waren die vordersten Bataillons debouchirt, als sie der Feind mit einem Hagel von Kugeln, Kartätschen und Granaten empfieng, und zugleich mehrere russische Bataillone entgegenrückten, um durch ein lebhaftes Gewehrfeuer den Anmarsch zu verhindern. Deroy benützte, zur gedeckten Formirung seiner Bataillons, eine kleine Vertiefung, und ließ auf die ganz nahem Russen mehrere Bataillons Dechargen geben. Die ersten Bataillons rückten darauf im Sturmmarsche auf den Feind los, und warfen ihn mit dem Bajonette in Unordnung. In diesem Augenblicke ward Deroy tödtlich verwundet. Am 23. Aug. starb dieser heldenmüthige Greis, nach 62 Dienstjahren, einen rühmlichen, beneidenswerthen Tod!

Das Kommando über sämmtliche baierische Truppen übernahm jetzt Reichsgraf von Wrede, zugleich Alles zu einem lebhaften Angriffe anordnend. Das Feuer hatte sich inzwischen über die ganze Linie mit der größten Heftigkeit verbreitet -- von beyden Seiten äusserst mörderisch. Das 1 Infanterieregiment König, unter dem Obersten Ströhl, zwang die feindliche Kavallerie in zwey Carrees im Sturmschritte zur Flucht; verfolgte sie, und rettete mehrere Kanonen. Das 9 Infanterieregiment griff, unter dem Grafen von Ysenburg, das Schloß Przesimienca mit Heftigkeit an; warf den Feind aus demselben, und setzte ihm in der Flucht nach. Die Russen zogen sich gegen Newel zurück. Um 8 Uhr Abends war der vollständigste Sieg über den Feind erfochten: 21 Kanonen, eine Menge Munition- und Bagagewägen, und 1500 Gefangene wurden ihnen abgenommen; 4000 Todte und Verwundete ließ er auf dem Schlachtfelde liegen; mehrere Gefangene und Verwundete wurden, in den folgenden Tagen, aus den nahen Wäldern eingebracht, so, daß sein Verlust vom 17 und 18 Aug. auf 9000 Mann sich erhöht.

Der Feind hatte sich zwischen Kenehelewo und dem, nach Biloe ziehenden, Defilée festgesetzt. Graf St. Cyr befahl, ihn anzugreifen. Dem Befehl zufolge setzte der General von Wrede einen großen Theil des baierischen Armeecorps, unter dem General Siebein, am 22. Aug. in Bewegung. Der Angriff geschah mit dem 1 leichten Infanteriebataillon Gedoni, dem 6 Bataillon Larosche, dem 1 und 9ten Infanterieregimente. Mit einem fürchterlichen Kartätschen-Feuer wurden diese Regimenter, gleich beym Anrücken, empfangen; General Siebein tödtlich verwundet; Obristlieutenant Gedoni todtgeschossen. Mit seltenem Muthe setzte Oberst Ströhl den Angriff noch fort, und warf den weit überlegenen Feind aus dem Defilée hinaus.

Der Verlust der baierischen Armee in den Gefechten am 16, 17, 18 und 22 August besteht in 1994 Todten, Verwundeten und Vermißten. Die tapfern baierischen Chevauxlegers konnten an diesen Gefechten keinen Theil nehmen; indem sie bey dem französischen Armeecorps in der Gegend von Smolensk sich befanden *).

*) Officieller Bericht der k. b. Armee.

Inzwischen waren auch hitzige Treffen bey Riga vorgefallen; das östreichische Auxiliarcorps, unter Fürsten von Schwarzenberg, durch das Warschauische in das russische Gebiet eingedrungen. Am 19. Aug. war ein bedeutendes Treffen bey Voloutina vorgefallen. Den 27. wurde ein Corps von 20 bis 30000 Russen, welches den Uebergang über die Osma hindern wollte, mit großem Verluste aus seiner Position geworfen. Am 30 traf Napoleon zu Wiasma ein.


KarteRussPolotzk700.jpg


Bericht an den Major-General.[]


Monseigneur! [2] Ich glaube, daß der Marschall, Herzog von Reggio, Eurer Hoheit über das Gefecht vom 17ten wenigstens bis zu dem Augenblick, da seine Wunde ihn zwang, das Schlachtfeld zu verlassen, Bericht erstattet haben wird. Den übrigen Theil des Tages hatten unsere Truppen fortdauernd glücklichen Erfolg, und um 9 Uhr des Abends waren die Russen auf allen Punkten zurückgeschlagen, nachdem sie äusserst bedeutenden Verlust erlitten; denn sie hatten während dieses Tages sechs oder sieben Angriffe gethan, die mit einer ihrem Grimm noch überlegenen Bravour abgewiesen wurden. Zu der größten Ehre gereicht die Affäre der Division Legrand, die an dem Vereinigungspunkt der Straßen von Sebej und Nevel, und dem bayerschen Korps, das am linken Ufer der Pelota hinter dem Dorfe Spas stand, welches der Feind wieder zu erobern beeifert war, ungeachtet er fünf bis sechsmal daraus vertrieben worden, und wo die 20ste Division und der General von Wrede, der sie kommandirte, sich mit Ruhm bedeckten.

Der bayersche General Vincenti, der wegen seines Verhaltens Lobsprüche verdient, ist daselbst verwundet worden.

Am Abend dieses Tages fühlte ich die Nothwendigkeit, den Feind anzugreifen; ich traf meine Verfügungen, um den 18ten, Nachmittags 4 Uhr, zu attakiren, und that mein Möglichstes, den Feind über meine Absicht zu täuschen. Um 1 Uhr ließ ich die Equipagen der Armee, die hinter Polotsk am linken Ufer der Düna und auf dem Wege nach Ula standen, abziehen. Ich gab mir die Miene, diese Bewegung durch die Truppen decken zu lassen, welche der Herzog von Reggio auf das linke Ufer zurückgeschickt hatte; in der Nacht zum 17ten vereinigten sie sich in der Gegend hinter Polotsk am Schluß der Equipagen; die Kürassierdivision traf daselbst von Semenets, die leichte Kavalleriebrigade des General Kastex von Rondina ein.

Um 3 Uhr Nachmittags war die Equipagenkolonne im Angesicht des Feindes abgezogen, und die eben erwähnten Truppen kehrten mit dem größten Theil der französischen Artillerie über die Düna nach Polotsk zurück. Etwa gegen 5 Uhr war Alles in der Position auf den Feind loszubrechen, ohne daß er das Geringste von unsern Vorkehrungen gemerkt hatte. Grade um 5 Uhr begann die ganze Artillerie ihr Feuer, und unter ihrem Schutz debouchirten unsere Infanteriekolonnen, um die Linke und das Centrum des Feindes anzufallen.

Die Division Wrede debouchirte rechts vom Dorfe Spas, und attakirte den feindlichen linken Flügel mit vieler Bravour und Einsicht. Die Division Deroi debouchirte durch das Dorf Spas selbst; und zur Linken desselben die Division Legrand, die links mit der Division Verdier in Verbindung stand, deren eine Brigade den rechten Flügel des Feindes, der auf dem Wege nach Gehmzelewa aufgestellt war, beobachtete. Die Division Merle deckte die Fronte und einen Theil der Hinterseite der Stadt Polotsk.

Wiewohl der Feind völlig überrascht war, hatte er dich großes Vertrauen auf seine Stärke und seine Artillerie von 108 Kanonen, und hielt unsern Angriff Anfangs mit ausnehmender Ruhe und Kaltblütigkeit aus. Endlich aber wurde vor Einbruch der Nacht seine Linke ganz forcirt, und sein Centrum in völlige Unordnung gebracht, nachdem er seine Stellung mit vieler Bravour und großer Erbitterung vertheidigt hatte. Wir hätten eine große Menge Gefangene machen können, wäre das Gehölz ihrer Stellung nicht so nahe gewesen. Der feind überließ uns das Schlachtfeld, mit einer unermeßlichen Menge seiner Todten bedeckt, 20 Kanonen und 1000 Gefangene. Auch wir hatten Todte und Verwundete, unter den Letztern befindet sich der Divisionsgeneral Deroi, der General Raclowwitsch, und der Oberst Colonge, Kommandant der bayerschen Artillerie.

Ich kann Eurer Hoheit die Generale Legrand, Wrede, Deroi, Raclowitsch und den Artilleriegeneral Aubry, der die Artillerie des 2ten Korps leitete, nicht genug empfehlen. General Merle trieb mit einem Theile seiner Division und vieler Einsicht einen Angriff ab, den der Feind auf unsre Linke machte, um seinen Rückzug ins Gehölz zu decken. (Nun allgemeine Lobsprüche.)

Gouvion Saint Cyr.


Berichte des Generallieutenants, Graf Wittgenstein.[]


Der General-Lieutenant Graf Wittgenstein berichtet Sr. Kaiserl. Majestät aus dem Flecken Beloje, unweit Polozk, unterm 7. August, Folgendes: [3]

"Ich hatte das Glück, Ew. Kaiserlichen Majestät unterm 31. July aus dem Flecken Oswey zu berichten, daß nach der zweyten von mir am 29. hinter dem Flecken Kochanow dem Marschall Oudinot [xxx] beygebrachten Niederlage, derselbe sich schleunigst retirirt und jeden Tag mit meiner Avantgarde geringe Affairen gehabt, daß er aber darauf neue Verstärkung erhalten und sich ganz nahe vor Polozk gesetzt habe. Ich war daher genöthigt, mich am 5. August mit ihm in eine Affaire einzulassen, um ihn in die Verschanzungen zurück zu treiben. Diese Affaire dauerte 14 Stunden, wobey die Feinde einen sehr großen Verlust erlitten haben, und nach ihren Verschanzungen zurück gegangen sind. Von unserer Seite beträgt der Verlust an Todten und Verwundeten gegen 2000 Mann. -- Während der ganzen Retirade des Feindes und in dieser Schlacht selbst, sind über 2000 Mann gefangen genommen. -- Ich blieb mit meinem Corps vor Polozk und war im Begriff eine Bewegung zu machen, um das Corps des Marschalls Macdonald zu beobachten; als der Marschall Oudinot [xxx] , außer seiner ersten Verstärkung durch Baiern unter dem General Wrede, noch eine zweyte Division gleicher Truppen, unter Commando des Generals De Roy erhielt, und mich am 6., Nachmittags um 4 Uhr, mit 5 Divisionen Infanterie an allen Puncten angriff, indem er zugleich mit seinem sämmtlichen Geschütz das stärkste Kanonenfeuer begann."

"Diese Schlacht war von beyden Seiten die heftigste, blutigste und hartnäckigste. Die tapfern Truppen Ew. Kaiserlichen Majestät schlugen den obgleich drey Mahl stärkern Feind an allen Orten mit ihrer gewöhnlichen Unerschrockenheit und Hartnäckigkeit, warfen mehrere Mahle seine Batterien und Colonnen zurück, vertrieben ihn bis zur Stadt und fochten selbst in deren Gassen. Die tiefste Dunkelheit der Nacht zwang uns diesen heftigen und wüthenden Kampf zu beendigen, nach welchem der Feind sich zu seinen Verschanzungen zurück zog, ich hingegen, meiner früheren Disposition gemäß, unter Zurücklassung meiner Avantgarde, mich mit meinem Corps längst dem Sebeschschen Wege, nach dem Flecken Beloje begab. In dieser Schlacht war der Verlust von beyden Seiten an Todten und Verwundeten bedeutender; gefangen sind 2 feindliche Oberst-Lieutenants, 15 Oberofficiers, gegen 500 Gemeine, und genommen 2 Kanonen, deren das zusammengesetzte Cürassier-Regiment bereits 15 genommen hatte, sie jedoch nicht alle wegführen konnte, weil es dazu an Pferden mangelte, und mehrere Graben unser Terrain coupirten. Der Feind hat sicher an Todten und Verwundeten drey Mahl so viel als wir verloren, indem derselbe sich mit Infanterie-Colonnen auf unsere Batterien warf, und jedes Mahl den größten Theil seiner Leute todt auf dem Platze zurück ließ. An diesem Tage gelang es dem erwähnten zusammengesetzten Cürassier-Regimente, zwey ganze Colonnen zu vernichten; und dieses Regiment hat während der ganzen Affaire aller Orten ausgezeichnete Tapferkeit bewiesen. Unserer Seits ist der Verlust auch nicht gering. Die Generalmajors Berg und Hammer haben Contusionen bekommen. Der Generalmajor Kasatschkowsky ist durch eine Flintenkugel, und der Oberst Frolow durch eine Kartätschenkugel verwundet. Nach dieser Affaire blieb der Feind aufs neue in größter Verwirrung. Am 5. wurde der Marschall Oudinot selbst an der Schulter verwundet, und den 6. commandirte bereits an seiner Stelle der erste Befehlshaber des Baierschen Corps, der Französische General Gouvion St. Cyr; und hoffentlich kann er nichts wichtiges unternehmen. Jetzt werde ich den Pleskauschen Weg von allen Seiten observiren und die Fortschritte der großen Armee abwarten."


Bericht des Generallieutenants, Graf Wittgenstein, von dem Gute Sokolischtscha vom 11ten August. [4]

Vom 7ten August habe ich Ewr. Kaiserl. Majestät allerunterthänigst Bericht erstattet über das äusserst heftige und ausserordentlich blutige Treffen, das am 6ten bey der Stadt Polotzk statt gehabt, und in welchem der Feind ungleich mehr, als in allen seinen vorigen Gefechten, verloren hat, und durch welches er aufs Neue in große Unordnung gebracht wurde, wornach er mich auch wirklich drey Tage in Ruhe ließ. Aber am gestrigen Tage, Nachmittags um 4 Uhr, entschloß er sich, meine Avantgarde, die sich jenseits der Dorfschaft Beloi befand, mit einer ganzen Division Bayern zu attakiren; er marschirte daher, nachdem er die Avantposten geworfen hatte, zum Angriff an. Der die Avantgarde kommandirende Oberst Wlastow zog sich auf Beloi zurück, nahm seine Position, und empfing ihn darauf mit seinem Geschütz und seinen Scharfschützen. Anfangs war der Kampf hartnäckig, aber endlich ward der Feind geworfen, und der Oberst Wlastow besetzte mit unserer Avantgarde die nämlichen Orte, wo er vorher gewesen war, nachdem er 3 Officiere und 155 Gemeine zu Gefangenen gemacht hatte, nach deren Aussage der Befehlshaber ihrer Division, der General Deroy, in dem Treffen am 6ten bey Polotzk in der Seite von einer Kugel, die durch und durch gegangen ist, schwer verwundet worden, und an dessen Stelle am gestrigen Tage der General Cybein, der hier ebenfalls verwundet, so wie ein Oberst getödtet ist, kommandirt hat. Ich verbleibe wieder mit dem Korps und der Avantgarde an dem nämlichen Orte wie zuvor.


Der Generallieutenant, Graf Wittgenstein, hat Sr. Kaiserl. Majestät, vom 30sten August von dem Gute Sokolischtscha, den umständlichen Bericht über den am 5ten und 6ten August bey Polotzk über den Feind erfochtenen Sieg eingesandt. [5]

Nach der Schlacht bey Swolna, am 1sten August, fing der Feind an, sich nach Polotzk zurück zu ziehen, wo die vortheilhafte Lage, die alten Befestigung des erhöhten Theils der Stadt, und besonders der Umstand, daß das ganze 6te Korps, unter dem Kommando des Generals Gouvion St. Cyr, das aus den zwey bayerschen Divisionen der Generale Deroy und Grafen Wrede besteht, zu ihm gestoßen war, es ihm erlaubten, bey dieser so überlegenen Anz hl seiner Truppen, unsere Annäherung zu erwarten. Nachdem ich nach meiner Genesung das Kommando über das mit anvertraute Korps wieder persönlich übernommen hatte, verfolgte ich, vom 1sten August an, den Feind mit zwey Avantgarden, mit der ersten auf der Straße von Wolynzy auf Gamselewo, unter dem Kommando des Generalmajors Helfreich, und mit der zweyten, unter dem Kommando des Obersten Wlastow, über Siwotina und Arteikowitschi auf der Newelschen Straße. Die feindlichen Truppen zogen sich ununterbrochen auf Polotzk zurück, wobey, mit Ausnahme der kleinen Avantgardegefechte unweit dem Kirchdorfe Smoljanowo und unweit Belaja am 3ten, und bey Gamselewo und Ropna am 4ten, nichts vorfiel. In der Nacht vom 4ten auf den 5ten forcirten der Generalmajor Helfreich und der Oberst Wlastow das sich vor dem großen Platze, der die Stadt Polotzk auf beyden Ufern des Polotaflusses umgiebt, befindende Defilée.

Der Generalmajor Helfreich, unterstürzt von der Infanteriebrigade des Generalmajors, Fürsten Sibirskji, nahm von einer vortheilhaften Anhöhe bey dem Ausgange des Defilées und von dem Gute Prismeniza Besitz, der Oberst Wlastow besetzt mit dem ihm anvertrauten Detaschement den Wald am Ufer des Polotaflusses vor dem Kruge Barowka. Da ich die für den Feind vortheilhafte Lage auf den Anhöhen des linken Polotaufers sah, vermittelst welcher er seine ganze Fronte mit daselbst aufgestellten Batterien deckte, und für seine linke Flanke die Stadt Polotzk in einer vortheilhaften Lage zum Stützpunkt hatte, so entschloß ich mich, ihn nicht zu attakiren, sondern bloß eine Demonstration weiter unten über die Düna, und weiter oben über die Polota zu machen. Um unserer linken Flanke eine bessere Stellung zu geben, schrieb ich dem Fürsten Jaschwil vor, das Kommando über die beyden Avantgarden zu übernehmen, und dem Obersten Wlastow zu befehlen, denjenigen Theil von dem Vorwerke Spas zu besetzen, der sich auf unserer Seite unweit einem bey diesem Vorwerke vorbeifließenden Bache befand. Die Scharfschützen des 24sten Jägerregiments und des Permschen Infanterieregiments attakiren mit großer Tapferkeit das Gut Spas, welches von bayerschen Truppen vertheidigt wurde, die, obgleich sie unaufhörlich von dem linken Ufer der Polota mit frischen Truppen verstärkt wurden, dennoch gezwungen waren, den Theil von dem Vorwerke, den sie besetzt hatten, zu verlassen. Die glückliche Wirkung des Geschützes der reitenden Kompagnie No. 3. und der reitenden Kompagnie No. 1., in Gemeinschaft mit der abermaligen tapfern Attake der zusammengezogenen Grenadierbataillons der 5ten Division, des 24sten Jägerregiments und der 2ten Bataillons vom Permschen und Mohilewschen Regiment, zwangen den Feind zum Rückzuge; aber da der Feind bey dem Feuer der bayerschen Batterien von den Anhöhen des linken Polotaufers neue Verstärkung bekam, so hielt er sich mit Hartnäckigkeit in einigen Gebäuden des Vorwerks. Zu eben derselben Zeit stellte der Feind eine Batterie auf seiner linken Flanke unter Polotzk auf, um unserer Kavallerie, und besonders unserer reitenden Artillerie, zu schaden; allein die Batteriekompagnie des Oberstlieutenants Murusi machte ein so mörderisches Feuer auf sie, daß der Feind zweymal genöthigt war, das Geschütz augenblicklich wieder wegzuführen. Eben so glücklich war auch die Wirkung dieser Batterie gegen die Infanteriekolonnen, von denen der Feind unaufhörlich seine Scharfschützen gegen unser Centrum und unsere linke Flanke verstärkte; jeder Schuß that ihnen großen Schaden und brachte die feindlichen Kolonnen in Verwirrung.

Da ich inzwischen sah, daß der Feind, indem er einen Theil des Gutes Spas behauptete, auch sein Centrum verstärkte, so ließ ich den übrigen Theil der ersten und zweyten Linie sich unverzüglich dorthin in Marsch setzen. Das Gefecht zwischen den Scharfschützen dauerte mit der größten Hartnäckigkeit fort; allein der ausserordentliche Verlust des Feindes, der, nach der eigenen Aussage der Gefangenen, den unsrigen mehr als zweyfach übertrifft, beweiset, daß die russischen Scharfschützen auch sogar in einer unvortheilhaften Lage des Orts einen an Zahl überlegenen Feind besiegen können. Der Kommandeur der feindlichen Korps, Marschall Oudinot, ist in diesem heftigen Flintenfeuer selbst mit einer Kugel in der Schulter verwundet worden.

Als der Feind die Unmöglichkeit sah, das Gut Spas gegen die verstärkte linke Flanke zu behaupten, so steckte er, obgleich unsere tapfern Scharfschützen, unterstützt von der ganzen 5ten Division, unter dem Kommando des Generalmajors Berg, von den Scharfschützen des Obersten Wlastow, und von unserer Artillerie, unter der Anführung des Generalmajors, Fürsten Jaschwil, mit der größten Tapferkeit gegen die rechte feindliche Flanke vordrangen, und ihn zum schleunigen Rückzug über den Polotafluß zwangen, dasselbe in Brand. Unsere Scharfschützen, hiermit noch nicht zufrieden, warfen sich sogar auf die andere Seite des kleinen Baches, der bey dem Vorwerk Spas vorbey fließt. Der Feind schickte, um seine rechte Flanke zu behaupten, neue Infanteriekolonnen aus der Stadt zu ihrer Verstärkung. Die Batteriekompagnie des Oberstlieutenants Murusi und die reitende Kompagnie No. 1. brachten diesen Kolonnen durch ihr heftiges und gut dirigirtes Feuer eine große Niederlage bey; aber die feindlichen Scharfschützen kamen unter dem Schutz der Gebäude auf unser Centrum näher heran. Ich befahl daher dem Generalmajor Helfreich, zu noch mehrerer Deckung des reitenden Geschützes, ein Bataillon zu detaschiren, und der Generalmajor Sasonow befahl dem Generalmajor Hamen, mit dem Tulaschen und Esthländischen Infanterieregiment, und mit den Depotbataillons des 11ten, 18ten und 36sten Jägerregiments, die 6 Stück Geschütz der Batteriekompagnie No. 27., die sich im Centro befanden, um dasselbe damit zu verstärken, zu decken. Die feindlichen Scharfschützen drangen, ungeachtet dieser Verstärkung unsers Centrums, und ungeachtet des großen Verlustes, der ihnen von den Kartätschenschüssen der reitenden Kompagnie No. 1. und der Batteriekompagnie No. 27. zugefügt wurde, unterstützt von frischen Truppen von den aus der Stadt herankommenden Infanteriekolonnen, mit der grossten Schnelligkeit auf unsere Linie ein; allein unsere Scharfschützen warfen sich auf sie mit dem Bajonnet, jagten sie zurück, und verfolgten sie bis zur Vorstadt. -- Das Treffen dauerte an dieser Stelle mit der größten Hartnäckigkeit fort, und der Feind, indem er neue Verstärkungen erhielt, näherte sich einigemal unsern Scharfschützen bis dich zu unsern Batterien, wurde aber jedesmal von unsern Truppen, unter dem Kommando des tapfern Generalmajors Hamen, den ich noch mit dem Tenginskischen Infanterieregiment verstärkte, geworfen. Endlich verdrängten unsere Scharfschützen den Feind gänzlich aus den Gebüschen, welche sich auf der äussersten Spitze unserer Linie befanden, und die Nacht machte dem Treffen ein Ende. Wir verblieben auf dem von mir bestimmten Platze, nachdem wir von dem am rechten Ufer des Teiches und des Baches liegenden Theil des Vorwerks Spas Besitz genommen hatten. Unsere rechte Flanke, bestehend aus dem 23sten Jägerregiment und 6 Stück G~schütz der Batteriekompagnie No. 28., verblieb während der ganzen Dauer des Treffens fast ganz unthätig; denn da der Feind auf dem rechten Ufer der Düna bey dem Gute Ekinamia 15 Stück Geschütz unter der Bedeckung einer großen Anzahl von Infanterie und Kavallerie aufgestellt hatte, und ich glaubte, daß auch eine geringe Anzahl unserer Truppen die feindliche Macht hinlänglich abziehen könnte, so befahl ich, an dieser Stelle unthätig zu bleiben, um aber dem Feinde eine sehr starke Diversion zu machen, befahl ich dem Befehlshaber der Ingenieurs, Obersten Grafen Sievers, mit 2 Bataillons Infanterie und mit den Pionierkompagnien, 4 Werst unterhalb Polotzk eine Brücke über die Düna zu schlagen, um dadurch den Feind mit einem Uebergang über dieselbe zu bedrohen, und die erwähnten Bataillons zur Deckung der bereits am Abend fertig gewordenen Brücke gegen die sich derselben nähernde feindliche Infanterie nachzulassen. In der Nacht vom 5ten auf den 6ten befahl ich dem Grafen Sievers, noch eine andere Brücke über den Polotafluß 4 Werst oberhalb Polotzk zu schlagen, um dadurch zu gleicher Zeit den Feind mit einem Angriff auf seine rechte Flanke zu bedrohen; übrigens entschloß ich mich, in der vorigen Stellung zu verbleiben.

Der Morgen am 6ten verstrich ohne alle feindliche Operationen, ausser dem Geplänkel bey der neu erbauten Brücke, welches aber bald ohne beträchtlichen Verlust von beyden Seiten aufhörte. -- Der Feind hatte in der Nacht und auch am Morgen den größten Theil seiner Truppen nach dem Ufer der Düna und in die Stadt entfernt. Inzwischen entschloß sich der französische General Gouvion St. Cyr, Kommandeur des 6ten, aus bayerschen Truppen zusammengesetzten Korps, nachdem er das Kommando von dem verwundeten Marschall Oudinot übernommen hatte, aus Polotzk auszurücken und uns zu attakiren. Indem er nach Möglichkeit eine beträchtliche Anzahl Geschütz hinter den Anhöhen gegenüber unserm Centro aufführte, ließ er in Geschwindigkeit noch eine Batterieverstärkung von reitendem Geschütz, das er ganz auf seiner rechten Flanke auf dem linken Polotaufer zurück gelassen hatte, herbey führen, und eröffnete um 5 Uhr Nachmittags eine heftige Kanonade gegen mein Centrum, und besonders gegen das Korpsquartier, das sich auf dem Gute Prismeniza befand. Ungeachtet des feindlichen Artilleriefeuers und es unerwarteten Anmarsch der Scharfschützen und Infanteriekolonnen des Feindes, zogen sich unsere 5te Division und die Depotbataillons der Regimenter in Kolonnen zusammen, und gingen, unter dem Schutz eines heftigen Kanonenfeuers der leichten Kompagnie No. 9., und der Batteriekompagnien No. 5. und No. 28., dem anrückenden Feinde entgegen, und zwangen ihn aufs Neue zum Rückzuge; hierbey ward der Generalmajor Kosatschkowskji mit einer Kugel in das Bein verwundet. Inzwischen eröffnete der Feind ebenfalls das Feuer seiner Batterien gegen unsere rechte Flanke, welche aber bald die 6 Stück Geschütz des Oberstlieutenants Murusi und die reitende Kompagnie No. 1. zum Schweigen brachte; mit eben solchem Erfolg wirkte auch der Oberstlieutenant Möwes mit 6 Stück Geschütz der ihm anvertrauten Kompagnie gegen die Artillerie und die Kolonnen des zwischen dem Centro und der rechten Flanke anrückenden Feindes, und hielt ihn, da er baldigst mit der Batteriekompagnie No. 14. verstärkt wurde, in seinem Andringen auf. Zu gleicher Zeit dauerte auch auf der linken Flanke das Feuer ununterbrochen fort. Die Infanterie der 5ten Division und ein Theil der Infanterie des Obersten Wlastow, tapfer unterstützt von drey Eskadronen des Grodnoschen Husarenregiments, warfen den Feind und trieben ihn über den Polotafluß zurück, worauf derselbe wieder neue Verstärkungen erhielt. Die Infanterie des Detaschements des Obersten Wlastow, verstärkt mit dem zusammen gezogenen Grenadierbataillon der 14ten Division, besetzte das Ende des Waldes, und die 5te Division nahm Position bey dem Gute Prismeniza. In dieser Stellung ward das Treffen sehr heiß; das ganze Feld zwischen Prismeniza und Spas war von feindlichen Leichnamen bedeckt. Dreymal versuchte der Feind, das Gut Prismeniza zu nehmen und dadurch unser Centrum zu durchbrechen, ward aber bey diesem Gute aufs Neue von unsrer Infanterie attakirt. Der Generalmajor Hamen warf sich nun mit dem Tulaschen und dem Esthländischen Regiment, mit einem Bataillon vom Nawaginskischen und vom 11ten Jägerregiment, unterstützt von einem Bataillon vom Tenginskischen Regiment, auf die gegen das Centrum anrückenden feindlichen Kolonnen; er trieb sie zurück und rieb sie mit dem Bajonnet auf. Zu gleicher Zeit sprengte der Oberst vom Leibgarderegiment zu Pferde, Protaßow, mit den Gardeeskadronen des zusammen gezogenen Kürassierregiment auf drey feindliche Kolonnen an, die sich bemühten, die linke Flanke des Generalmajors Hamen zu umgehen; eine Eskadron der Garde zu Pferde warf zwey Kolonnen und rieb sie vollkommen auf, und die dritte Kolonne erfuhr das nämliche Schicksal von einer Eskadron des Chevalier-Garderegiments. Der Generalmajor Hamen, welcher die von ihm besetzte Stelle mit Hartnäckigkeit vertheidigte, bekam zwey Kontusionen, und der Feind, welcher sich mit seinen letzten Kolonnen verstärkte, rückte nun wieder gegen ihn an, worauf der Generalmajor Sasonow den Obersten Harpe mit einem Bataillon vom Nawaginskischen Infanterieregiment zur Unterstützung abschickte. Dieser tapfere Stabsofficier griff die feindlichen Kolonnen sogleich mit dem Bajonnet an, und trieb sie in die Flucht; zu gleicher Zeit zeigte sich auch die feindliche Kavallerie, welche die Artillerie gegen unsere rechte Flanke deckte. Der Generalmajor Balk, welcher in diesem Treffen die Kavallerie kommandirte, befahl daher dem zusammen gezogenen Kürassierregiment, rechts zu nehmen und den Feind zu attakiren; eine Eskadron vom Chevalier-Garderegiment sprengte auf eine Kolonne reitender Jäger, warf sie, und verfolgte sie bis zur Stadt; zwey Eskadronen Leibkürassiers von dem Regimente Ewr. Kaiserl. Majestät und Ihrer Kaiserl. Majestät, und die Eskadron des Rittmeisters Dätkow vom Grodnoschen Husarenregiment, warfen sich auf die übrigen feindliche Kavallerie und auf dessen Batterie, und nachdem sie die erste geworfen, nahmen die Kürassiere 15 Stück französisches Batteriegeschütz. Hiermit noch nicht zufrieden, verfolgte diese tapfere Kavallerie den Feind bis zu den Vorstädten, wo unser Major Sameiko auch die feindlichen Kürassiere warf, die zur Unterstützung ihrer kommenden Truppen aus der Stadt ansprengten. Die Verwirrung bey denselben war ausserordentlich; die Truppen, die Artillerie und der Troß warfen sich in Unordnung auf die Brücken, woselbst ein Theil des letztern ertrank; allein die herbey geeilte bayersche Infanterie, und besonders die vortheilhafte Lage von Polotzk, erlaubten es unsrer tapfern Kavallerie nicht, weitere Vortheile davon zu ziehen.

Auf unsrer linken Flanke versuchte zu Anfange des Treffens der Feind, 4 und 7 Werst oberhalb Polotzk über den Polotafluß zu setzen und diese unsere Flanke zu umgehen. Der die Reserve kommandirende Generalmajor Kachowskoi, welchem noch vor dem Treffen befohlen war, Position bey Ropna vor der Ankunft der übrigen Truppen zu nehmen, beorderte, sobald er diese Nachricht erhielt, das Depotbataillon vom Pawlowschen Grenadierregiment, die Eskadron Grodnoscher Husaren zu unterstützen, welche 7 Werst oberhalb Polotzk die Stelle, die durchwatet werden konnte, deckte. Der Feind, welcher unsere 4 Werst oberhalb Polotzk zur Deckung der Brücke über die Polota postirte Grenadierkompagnie mit 4 Bataillons Infanterie und mit einer Kolonne Kürassiere attakirte, und inzwischen die erwähnte Husareneskadron mit einer Kavallerieattake beschäftigte, bemühte sich, dieselbe abzuschneiden; aber die tapfern Grenadiere des Pawlowschen Regiments drangen auf die in ihrem Rücken sich befindenden Kolonnen ein, warfen sie, und nahmen, nachdem sie den größten Theil derselben auf dem Platze niedergemacht hatten, 6 Officiere und ungefähr 100 Gemeine gefangen, mit denen sie zu dem Detaschement des Obersten Wlastow zurück kehrten, welcher fortfuhr, den Feind in seinem Vordringen am Ende des Waldes aufzuhalten; mit eben solcher Unerschrockenheit verfuhr auch die Eskadron vom Grodnoschen Husarenregiment, welche, nachdem sie die überlegene feindliche Kavallerie, von welcher sie in der Fronte angegriffen wurde, geworfen hatte, die feindliche Infanterie, die ihr in Rücken gekommen war, angriff, sich durch dieselbe durchhieb, und sich mit dem Detaschement des Obersten Wlastow vereinigte. Eben so mißlang auch dem Feinde sein Versuch gegen das 23ste Jägerregiment, welches die Spitze von meiner rechten Flanke ausmachte und die Straße nach Disna deckte. Anfangs erhielt der Feind, da er mit Infanterie und einem reitenden Jägerregiment auf dasselbe vordrang, einige Vortheile; aber das Feuer der herbey gekommenen reitenden Artilleriekompagnie No. 1. that seinen Fortschritten Einhalt. Der Oberstlieutenant Silin vom Grodnoschen Husarenregiment sprengte mit 3 Eskadronen auf die französische Kavallerie an, warf sie, und rieb den größten Theil derselben auf.

Nachdem auf solche Art der Feind von unsrer rechten Flanke bis ganz zu den Mauern von Polotzk vertrieben war, und unsere linke Flanke mit dem verstärkten Detaschement des Obersten Wlastow eine vortheilhafte Position am Ende des Waldes genommen hatte, nahm ich inzwischen mit den Truppen der Reserve und mit Abtheilungen von der 1sten und 2ten Linie Position bey dem Dorfe Ropna, um, nach Zurücklassung der Avantgarde daselbst in den Defileen vor Polotzk, mit den übrigen Truppen eine vortheilhafte Position auf der Straße von Sebesh nach Polotzk zu nehmen. Der Avantgarde des Obersten Wlastow befahl ich, die Straße von Polotzk über Porowka gerade nach Belaja zu decken, und die Avantgarde des Generalmajors Helfreich verblieb in den Defiléen von Polotzk nach Ropna, zwey Werst von dieser Stadt.

Hiermit endigte sich diese heiße und hartnäckige Schlacht, in welcher der Feind, der aus 130 Stück Geschütz fast auf einem Punkt sein Feuer unterhielt, hoffte, unsere Truppen zu schlagen und sich an dem ersten Korps für die über ihn erfochtenen vielfältigen Siege zu rächen; allein die muthige Thätigkeit und die exemplarische Tapferkeit aller unserer Befehlshaber, so auch der Untergebenen, vereitelten diese seine Absicht, so auch der Untergebenen, vereitelten diese seine Absicht und bedeckten die siegreichen Truppen Ewr. Kaiserl. Majestät mit neuem Ruhm.

Der Verlust in diesem zweytägigen Treffen ist von unserer Seite nicht gering. Die Generalmajors Berg, Kosatschkowskji und Hamen sind verwundet; ersterer, welcher eine leichte Kontusion erhalten hat, befindet sich bereits wieder beym Korps; die Stabs- und Oberofficiere sind 22 getödtet und 98 verwundet, und von den Gemeinen sind 1492 Mann getödtet und 2743 verwundet. Allein der Verlust des Feindes übertrifft den unsrigen bey weitem. Der größte Theil der Generale ist, nach der einstimmigen Aussage der gefangnen Officiere, verwundet, und unter denselben ist auch der Marschall Oudinot, welcher am ersten Tage kommandirte, in der Schulter, und der gegenwärtiger Befehlshaber der feindlichen Armee, Gouvion Saint Cyr, in der Hand verwundet worden; der Befehlshaber der ersten bayerschen Division, Deroy, hat eine tödtliche Schußwunde in dem Leib erhalten, ein Brigadegeneral ist mit seiner Konvoy von einer Eskadron vom Garderegiment zu Pferde niedergehauen, und eine bayersche Division hat an Getödteten und Verwundeten an den beyden Tagen 117 Stabs- und Oberofficiere, und über 5000 Gemeine verloren. Der Verlust der Ueberreste von der 1sten und 2ten französischen Division, besonders der zahlreichen französischen Kavallerie, muß, nach der glücklichen Wirkung unsrer Artillerie und nach den mörderischen Attaken der Kavallerie zu urtheilen, nicht nur dem Verluste der Bayern gleich kommen, sondern denselben noch übertreffen.

Auf dem Schlachtfelde haben wir 15 Stück Batteriegeschütz genommen, von welchen wir aber, wegen Mangel an Pferden, und aus Ursache der zerschossenen Lafetten und des schweren Kalibers dieses Geschützes, nur zwey mitgenommen haben, welche nach Pskow abgefertigt sind. Während der Verfolgung des Feindes von Swolna, und in diesen beyden Schlachten, sind 15 Oberofficiere und 3201 Gemeine gefangen genommen. Feindliche Fahnen sind deswegen nicht erobert worden, weil sich dieselben während eines Treffens bey den feindlichen Truppen nicht mehr befinden.

Ueber die Generale, Stabs- und Oferofficiere, die sich in diesem Treffen ausgezeichnet und zu dem erfochtenen Siege mit beygetragen haben, habe ich das Glück, Ewr. Kaiserl. Majestät das namentliche Verzeichniß, mit Beschreibung ihrer Thaten, vorzulegen.

Zeitungsnachrichten.[]

[1812]

Mitau, den 18/30ten August. [6]

Hier hat man die Bestimmte Nachricht erhalten, daß das zehnte Armeekorps am 16ten, 17ten und 18ten d. M. mehreremal mit dem Korps des Generals, Grafen Witgenstein, engagirt gewesen ist. Der Herzog von Reggio (Marschall Oudinot) wurde von einer matten Kugel leicht getroffen, und mußte deshalb das Kommando dem General Gouvion St. Cyr abgeben; auch soll der General, Graf Witgenstein, verwundet seyn, und an dessen Stelle der Fürst Repnin das Kommando übernommen haben. Der Feind ist übrigens vollständig geschlagen.


Quellen.[]

  1. Kriegsgeschichte der Baiern von den ältesten bis auf die gegenwärtigen Zeiten. Von Jos. Ant. Eisenmann, Professor der Geschichte und Geographie am königl. baier. Kadeten-Corps. München 1813, in Commission bey Josph Lindauer.
  2. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 222. Sonnabend, den 14/26. September 1812.
  3. Actenstücke und Materialien zu der Geschichte des großen Kampfes um die Freyheit Europa's in den Jahren 1812 und 1813. Germanien, bey Peter Hammer. 1813.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 302. Dienstag, den 17. December 1812.
  5. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 306. Sonnabend, den 21. December 1812.
  6. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 200. Dienstag, den 20. August /1. September 1812.
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