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Schlacht bei Pultusk und Golymin.Bearbeiten

Der 26. December 1806.

Unter mörderischen Kämpfen im Nordost Europa's endete das J. 1806. Von der Nacht des 23. bis zum Morgen des 27. Decembers dauerte das Würgen zwischen Russen, Preussen, Franzosen und den Verbündeten der Letztern. Die heftigste dieser Schlachten, wurde am 26. December bei Pultusk an der Narew, in der Woiwodschaft Czersk in Massowien (an eben dem Orte, wo vor einem Jahrhunderte Karl XII. von Schweden die sächsichen Truppen unter Schulemburg schlug) geliefert. Sie dauerte von 11 Uhr Morgens bis tief in die finstere Winternacht. Beide Heere fochten mit der unbeugsamsten Hartnäckigkeit, welche zwischen Sieg oder Tod keine dritte Wahl kennen will. Beide hielten sich für Sieger. Taktisch waren es die Russen. Dankfeste feyerten ihren Sieg in Petersburg. Vollständiger hätten sie gesiegt, wenn sich Buxhövden, während Bennigsen bei Pultusk focht, bei Machow und Golymin thätiger hätte beweisen können. Augereau hielt ihm im Schach.

Von beiden Seiten fielen viele Streiter, vorzüglich bei Soldau, wo die Preussen wüthend gegen Ney kämpften. Sie und die Russen büssten 15,000 Mann ein. Die Franzosen gewiss nicht viel weniger, obwohl ihre Berichte kaum 5000 Mann eingestehen wollten. Von ihren Generälen waren mehrere der bedeutendsten verwundet, Fenerolle todt.

Bennigsen zog die Narew aufwärts nach Rozan, und vereinigte sich bei Ostrolenka mit Buxhövden. Napoleon begnügte sich mit der Behauptung Warschau's und der Weichselübergänge, und liess seine Truppen in Cantonnirungen eine kurze Zeit theilweise ausruhen.


SectieFeldzug1806Pultusk700x700

Bulletin der großen Armee.Bearbeiten

47stes Bulletin der grossen Armee.

Pultusk den 30. December.

"Den Gefechten von Czarnowo, Nasielsk, Cursomb und Lapaaczyc sind die Gefechte von Golymin und Pultusk gefolgt, durch den völligen und übereilten Abzug der russischen Armeen, welcher das Jahr des Feldzugs beendigt hat. Marschall Lannes hatte erst den 26. früh gegenüber Pultusk ankommen können. Während der Nacht hatte das ganze Corps von Benningsen sich dort vereinigt. Die zu Nasielsk geschlagenen russischen Divisionen kamen um 2 Uhr nach Mitternacht im Lager von Pultusk an und hatten die dritte Division von dem Corps des Marschalls Davoust gegen sich. Um 10 Uhr fieng Marschall Lannes den Angriff an; er hatte zur ersten Linie die Division Suchet, zur zweiten die Division Gazan und auf dem linken Flügel die Division Gudin unter den Befehlen des Generals Daultanne. Das Gefecht wurde heftig. Nach verschiedenen Manöuvres wurde der Feind über den Haufen geworfen. Das 17. und 34. Regiment leichter Infanterie erwarben sich den grössten Ruhm. Die Generals Videl, Clavarede, Treilhard, Bouslard und der Oberst Barthélémi vom 15. Dragoner-Regiment sind verwundet. Die Adjudanten Voisin und Curial, ersterer beim Marschall Lannes, letzterer beim General Suchet sind beide rühmlich gefallen. Marschall Lannes ist durch eine Flintenkugel gestreift. Das fünfte Armee-Corps gab einen glänzenden Beweis von dem, was das Uebergewicht der französischen Infanterie über die der andern Nationen vermag. Marschall Lannes, obgleich seit 10 Tagen krank, wollte seinem Armee-Corps schlechterdings folgen. Das 58. Regiment hielt verschiedene Angriffe der feindlichen Cavalerie mit Kaltblütigkeit und dem besten Erfolg aus. In der Nacht zog der Feind ab und retirirte nach Ostrolenka."


Russischer Bericht.Bearbeiten

Folgendes ist hingegen der russische Hofbericht über die Schlachten bei Pultusk und Mohrungen.

Hauptquartier Lomza, den 27. Dec. 1806.

"Sobald das Truppen-Corps Sr. Majestät (ungefähr 45,000 Mann stark) mit Ausnahme eines Theils von der 3. und 4. Division, nach sehr beschwerlichen Märschen, (indem die Wege ausserordentlich kothig waren), und unter beständiger Beunruhigung vom Feinde, am 13. December in der umliegenden Gegend von Pultusk angekommen war; ward es auf der Stelle so postirt, dass es sich mit dem rechten Flügel an das Dorf Moseczina, und mit dem linken an das Städtchen Pultusk lehnte; um so den über Ostrolenka gehenden Weg, so wie die Brücken bei Pultusk und Zamsk zur Erhaltung der Communication mit dem Corps des Generals von der Infanterie, Grafen Buxhövden , zu decken. Die Avantgarde des Generals Barclay de Tolly [x], welche aus 3 Jäger Regimentern (dem 1, 3. und 20.) bestand, und von dem Tengiuskischen Musketier-Regimente und dem polnischen Cavalerie-Regiment unterstützt wurde, nahm auf unserm rechten Flügel in den Gebüschen ihre Stellung; indess das Detaschement des General-Majors Bagavoust [xx], welches aus dem Staroskolkischen, Wilnaschen, 1. Bataillon vom Revelschen Musketier-Regiment, und aus 2 Escadrons vom Kiewschen Dragoner-Regiment bestund, vor der linken Flanke zur Dekkung des Flusses Narew und des Weges, welcher von Sierock nach Pultusk führt, aufgestellt ward. Allein kaum hatten sich die Regimenter in Bewegung gesetzt, um diese ihre Position einzunehmen, als sie auch schon gegen Mittag von einem französischen Detaschement, unter dem Commando des Generals Suchet, angegriffen wurden. Das Feuer mit unsern Vorposten, welche aus Cavalerie bestanden, begann, und dauerte gegen 3 Stunden, wornach der Feind mit nicht geringem Verlust zurückgeworfen ward. Die Folge zeigte, dass dieser Angriff von Seiten des Feindes bloss in der Absicht war unternommen worden, um uns zu recognosciren."

"Am andern Tage (nämlich den 14. Dec.), da unsere Truppen in Schlacht-Ordnung aufgestellt, bivouacquirten, wurden sie des Morgens um 11 Uhr von einer französischen Armee angegriffen, welche unter der Anführung von Bonaparte selbst aus den Corps der Marschälle Davoust und Lannes, und aus dem Detaschement des Generals Suchet bestand, und 60,000 Mann stark war."

"Der Feind richtete seine ersten Angriffe mit 6 Kolonnen unter dem Befehle des Marschalls Davoust mit alle Heftigkeit auf unsere linke Flanke, welche aus dem Detaschement des General-Majors Bagavoust [xx] bestand, in der Absicht Pultusk zu nehmen, und in den Rücken zu kommen, und uns die Communication mit der Division des General-Lieutenants Anrep abzuschneiden, welche jenseits des Flusses Narew, 2 Meilen von Pultusk, stand."

"Gleich darauf ward durch die Avantgarde des General-Majors Barclay de Tolly [x] auf der rechten Flanke ebenfalls von 6 feindlichen Colonnen angegriffen."

"Wahrend dieser Angriffe des Feindes auf unsere beiden Flanken, hatte er eine Kette reitender Jäger aufgestellt, hinter welcher mehrere Colonnen standen, welche sich auf unser Centrum werfen sollten. Allein durch die heftige und geschickte Wirkung unserer Batterien, die vor der Fronte aufgeführt waren, wurden die Absichten des Feindes auf das Centrum gänzlich vereitelt."

"Der ungestüme Angriff des Marschalls Davoust, mit 15,000 M. in 6 Colonnen auf beide Flanken des Detaschements des General-Majors Bagavoust [xx], nöthigte dasselbe, da es nur 4 bis 5000 Mann stark war, sich etwas zurückzuziehen, wobei es jedoch den Feind mit dem 4. Jäger-Regiment, welches sich vor der Infanterie zerstreute, aufhielt. Unterdessen langte der General-Lieutenant Ostermann [xx] mit dem Tulaschen Regimente und einem Bataillon von dem Pauwlowskischen Grenadier-Regiment zur Unterstützung desselben an, und somit wurde dem weitern Vordringen des Feindes ein Ende gemacht."

"Der General-Major Bagavoust [xx] warf sich nun mit dem Grenadier-Bataillon des Staroskolskischen Musquetier-Regimentes und mit einem Bataillon vom 4. Jäger-Regiment mit gefälltem Bajonet von der einen Seite auf die grosse feindliche mittlere Colonne, von welcher er gedrängt worden war, indessen der General-Major Stoschin, mit dem Leib-Cürassier-Regimente Sr. Kaiserl. Majestät und mit 2 Escadrons vom Kargapolschen Dragoner-Regimente von der andern Seite in die Fronte und Flanke dieser Colonne eindrang, welches zur Folge hatte, dass die ganze Colonne auf der Stelle niedergemacht wurde."

"Unterdessen griffen auch die übrigen Bataillons vom 4. Jäger-Regiment und das reitende Tataren-Regiment, nebst 2 Escadrons vom Kiewschen Dragoner-Regiment die feindlichen Colonnen, die von der linken Seite angerückt waren, an, und zwangen dieselben zurückzuziehen. Allein der Feind, der sogleich wieder Verstärkung erhielt, drang zum zweiten Male mit Heftigkeit vor; wurde aber (als von unsrer Seite eine feste Front aus den Jägern gebildet war, und diese mit dem Bajonet sich auf den Feind warfen, auch die Kavalerie mit dem Säbel in die Colonnen eingedrungen war,) vollkommen geworfen. Zu gleicher Zeit zog sich der General-Major Dorachow mit dem Finnischen Husaren-Regimente vor den andern feindlichen Colonnen (welche sich auf unserer rechten Seite befanden,) absichtlich zurück, bog dann mit dem Regimente plötzlich links, und führte auf solche Art sehr geschickt diese Colonnen auf unsere Batterien, die dem Feinde grossen Schaden zufügten. Unsere ganze übrige Cavalerie, die vor der Fronte stand, und einzelne Angriffe auf den Feind machte, erhielt Befehl durch unsere Infanterie-Fronte (um freies Feld zu bekommen) durchzumarschiren, und sich hinter derselben aufzustellen."

"Jetzt begann das Feuer von allen unsern Batterien auf die feindlichen Colonnen, welche gegen das Centrum vorgerückt waren, aber nun durch die glückliche Wirkung dieser Batterien in ihrem Vordringen nicht nur aufgehalten, sondern auch geworfen wurden. Ungeachtet der dreimaligen Niederlage des feindlichen Corps, erkühnte es sich doch, nach erhaltener neuer Verstärkung, seinen Angriff auf alle Puncte unserer linken Flanke mit erneuerter Wuth zu wiederhohlen, und drang auf dieselben mit mehreren Colonnen vereinigt vor."

"Auch wurde durch die Ueberlegenheit der feindlichen Macht das Detaschement des General-Majors Bagavoust [xx] abermals gezwungen, sich selbst bis in den Graben, der sich hinter ihm befand, zurück zu ziehen. Da er aber inzwischen wieder mit dem Muromschen Regiment, und 2 Bataillons von dem Revelschen Regiment verstärkt worden war, und der General-Lieutenant, Graf Ostermann [xx], die Anhöhe hinter diesem Graben besetzt hatte; auch die auf derselben aufgeführte Batterie heftig zu wirken anfing, so warf sich der General-Major Bagavoust [xx] mit neuem Muthe auf die feindlichen Colonnen und brachte sie in Unordnung. Zu derselben Zeit drang der General-Major Somow mit dem Poulowschen Musketier-Regimente mit gefälltem Bajonette auf den Feind ein, und vollendete die vollkommene Niederlage desselben. Der Feind wurde geworfen, vom Schlachtfelde vertrieben, und bis zum Eintritte der Nacht verfolgt."

"Auf solche Art gereichte der Angriff des Feindes auf unsere linke Flanke durch den Muth und die weise Verfügung des General-Lieutenants, Grafen v. Ostermann [xx], von dieser Seite ihm selbst zu Verderben, und das ganze Corps des Marschalls Davoust war völlig geschlagen und zerstreut. Während dieser hartnäckigen Attake auf unsern linken Flügel, versuchte ein zahlreiches feindliches Infanterie-Corps, welches in 6 Kolonnen eingetheilt war, und bei welchem, nach Aussage der Gefangenen, Kaiser Napoleon sich selbst befand, (unter Anführung des Marschalls Lannes) unsere Avantgarde, unter dem Commando des General-Majors Barclay de Tolly [x], welche zur Deckung unserer rechten Flanke aufgestellt war, durch das Gebüsch zu umgehen. Die Absicht des Feindes auf dieser Seite ging dahin, unsere rechte Flanke entweder zu trennen oder zu werfen, und uns so von der Communication mit einem Theil von dem Corps des Grafen v. Buxhövden, in den beiden Städtchen Makow und Ostrolenka, abzuschneiden."

"Der Angriff der Franzosen auf dieser Seite, war äusserst heftig und ungestüm. Unsere Avantgarde war bei der Tapferkeit und Unerschrockenheit des Anführers und der sämmtlichen Truppen dennoch gezwungen, sich etwas zurückzuziehen, wodurch unsere Batterie, welche die feindlichen Colonnen auf dem Wege von Nowi Miasto aufhielt, beinahe in den Besitz des Feindes gekommen wäre; allein das Tenginskische Musketier-Regiment stürzte sich nebst den zusammengezogenen Jägern mit gefälltem Bajonet auf den Feind, und nahm ihm die schon erbeuteten Kanonen wieder ab. Unterdessen war auf Ordre des Oberbefehlshabers, des Generals Baron von Benningsen [xxx], in den Gebüschen eine verdeckte Batterie aufgeführt worden, deren Geschütz mit Kartätschen geladen war. Einige Salven von dieser Batterie tödteten eine grosse Menge Feinde und hielten denselben in seinem Ungestüm auf; nichts desto weniger ward der General-Major Barclay de Tolly [x] zum zweiten Male gezwungen, der Uebermacht des Feindes zu weichen."

"Der Ober-Befehlshaber General Bennigsen [xxx], sobald er diese Bewegung bemerkte, befahl unverzüglich die Fronte zu verändern, und den ganzen rechten Flügel weiter zurück zu ziehen, damit derselbe auf der Flanke nicht umgangen werden könne, wobei denn auch General-Major Barclay de Tolly [x], (sobald er von der einen Seite einen Theil seiner gehabten Infanterie zusammen gezogen, und dem General-Major Fürsten Dolgorucki befohlen hatte, mit dem Tschernigowschen Musketier-Regiment von der andern Seite zu marschiren) sich muthig mit dem Bajonette auf die feindlichen Colonnen stürzte, sie warf, und endlich auch die andern feindlichen Colonnen aufhielt, die noch zu ihnen eilten. Aber dennoch hörten die Franzosen, welche ein starkes Flinten- und Kanonen-Feuer unterhielten, nicht eher auf, Angriffe auf unsere linke Flanke zu machen, als bis der Oberbefehlshaber sich entschloss, den Feind selbst zu attakiren."

"In dieser Absicht ertheilte der dem General-Lieutenant Grafen Ostermann [xx] Befehl, mit der übrigen Infanterie der linken Flanke vorwärts zu rücken, liess von der linken Flanke zwanzig Escadrons Cavalerie aufmarschiren, und die unter dem Commando des Flügel-Adjudanten Sr. Kaiserl. Majestät, Majors Stawitzky, stehende Batterie ebenfalls anrücken, welche denn die feindliche Infanterie-Fronte in die Flanke nahm, und dieselbe durch ihr starkes und gut dirigirtes Kanonenfeuer vollkommen warf und zerstreuete. Inzwischen war der übrige Theil unserer Cavalerie im Centro aufgestellt, um hierdurch den Feind in Respect zu halten."

"Die Franzosen fochten verzweifelt, mussten aber endlich der ausserordentlichen Tapferkeit des sieggewohnten russischen Kriegesheeres, der Geschicklichkeit und Entschlossenheit der Anführer, und der heftigen und glücklichen Wirkung der Artillerie an allen Orten weichen."

"Die Schlacht dauerte von 11 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends, und endigte sich mit schon eingetretener dunkler Nacht; der Feind war auf allen Puncten geschlagen und geworfen, aber die Nachtzeit, das schlechte Wetter, und die Ermüdung der Truppen verhinderten, den Feind zu verfolgen. In dieser Schlacht haben wir gegen 700 Mann zu Gefangenen gemacht, und nach dem Geständniss der Franzosen, die noch den Tag darauf gefangen wurden, hat der Feind, ausser drei Generalen, die getödtet worden, an Verwundeten und Gebliebenen gegen 10,000 Mann verloren. Unser Verlust beträgt 2 bis 3000 Todte und Verwundete. Der General-Major Benningsen bezeugt, dass die Truppen Sr. Kaiserl. Majestät unbeschreibliche Tapferkeit bewiesen, und alle einen unverwelklichen Ruhm erworben haben. Besonders empfiehlt er auch die Jäger-Regimenter, welche unaussprechlich glücklich gewirkt haben, was auch der Feind selbst eingestehet." u. s. w. --



Tapferkeit.Bearbeiten

Ueber dies berichtet der Oberbefehlshaber, daß sich in dieser Schlacht besonders ausgezeichnet haben: Der Generallieutenant Graf Ostermann, welcher die linke Flanke des Armeekorps kommandirt, und durch weise Verfügungen das Detaschement des Generalmajors Baggowut mit ausgezeichneter Tapferkeit, unterstützt hat. Die Generalmajors: Der General-Quartiermeister Steinhell, welcher während der ganzen Kampagne in seinem Fache unermüdet gewesen, eine besondere Geschicklichkeit in der Wahl der Posizionen gezeigt, und durch die weise Vollziehung der ihm gegebenen Aufträge unter starkem Kanonenfeuer des Feindes, dem Oberbefehlshaber in der Anordnung der Truppen behilflich gewesen ist; Baggowut, welcher ein Detaschement von der linken Flanke mit ausgezeichnetem Muthe und Unerschrockenheit kommandirt, in der ganzen Schlacht beständig die Oberhand über den Feind behauptet, auch denselben geworfen hat; Barclai de Tolly, welcher die Avantgarde vor der rechten Flanke kommandirt, mit ausgezeichnetem Muthe und Klugheit den Feind, welcher während der Schlacht mehrmahls mit weit überlegener Zahl auf ihn angedrungen, aufgehalten und geworfen hat: Somow, welcher sich mit dem Tulaschen Musketierregiment tapfer und unerschrocken mit gefälltem Bajonnet auf eine feindliche Kolonne geworfen, und sie zerstreut hat; Koshin, welcher mit dem Leibkürassierregiment Sr. kais. Majestät, und mit 2 Eskadrons vom Kargapolschen Dragonerregiment eine grosse feindliche Kolonne tapfer und unerschrocken angegriffen, in die Fronte und Flanke derselben eingedrungen, sie geworfen und vernichtet hat; Prinz Eugen von Würtemberg, welcher an die allergefährlichsten Orte mit Aufträgen geschickt worden, und sie unter feindlichem Feuer mit Tapferkeit und Eifer ausgeführt hat; Graf de Lambert, der den Feind tapfer und unerschrocken aufgehalten hat; Bykow, der sich mit gefälltem Bajonnet tapfer auf den Feind geworfen und denselben zurückgeschlagen hat; Fürst Dolgorukoi 5, der mit dem Tschernigowschen Musketierregiment mit gefälltem Bajonnet tapfer in die feindliche Fronte eingedrungen ist, und sie geworfen hat; Dorochow, der durch ein geschicktes Manöver mit dem Isumschen Hussarenregiment eine feindliche Kolonne unter das Feuer unserer grossen Batterie gebracht hat, wodurch derselben grosser Schaden zugefügt worden; Kretow, welcher sich in der Schlacht beym Oberbefehlshaber befunden, und die verschiedenen Befehle, mit denen er nach mehreren Punkten geschickt worden, mit Genauigkeit vollzogen hat; der Chef vom ersten Jägerregiment, Oberst Dawydowskoi, welcher, ohne auf seine bey Sochoczyn erhaltene Wunde zu achten, daselbst tapfer gewirkt, und die Schlacht bey Pultusk auf der rechten Flanke, wo er muthig auf den Feind eingedrungen, und ihn zurückgeschlagen, zuerst eröffnet, auch das Schlachtfeld nur dann erst verlassen hat, als erst er noch 2 schwere Wunden erhielt; der Chef vom Tenginskischen Musketierregiment, Oberst Jerschow, welcher, obgleich in der Hand verwundet, dennoch fortgefahren hat, das Regiment bis zu Ende der Schlacht zu kommandiren, und der durch seine Tapferkeit viel zur Niederlage des Feindes beygetragen hat; im Pohlnischen Kavallerieregiment der Oberstlieutenant Shigulin, welcher mit seinem Bataillon den Feind mehrmahls geworfen, ihn in Unordnung gebracht, und denselben zuletzt verfolgt hat; im 3. Jägerregiment der Major Knieper, welcher, nachdem der Regimentskommandeur Oberst Aschenberg gefallen, dies Regiment kommandirt, mit Tapferkeit und Kaltblütigkeit die zerstreuten Leute wieder gesammelt, und dem Feinde unsere Batterie, die schon genommen war, wieder abgeschlagen hat; die Kapitains Chudinskoi, Kossagowskoi, Fock, Niesenkampf, Freitag, Startschenkow, und der Sekondlieutenant Gewelskoi, welche mit ausgezeichneter Unerschrockenheit gefochten, und ihren Untergebenen dadurch ein vorleuchtendes Beyspiel gegeben haben; Roth 1, die Stabskapitains Fedorow und Kaschkin, welcher, obgleich verwundet, ersterer durch eine Koutusion, zweyter mit einer Kugel ins Bein, und letzterer in den Arm unter der Schulter, das Schlachtfeld dennoch nicht verlassen, und bis zu Ende der Schlacht tapfer gefochten haben; der Brigade-Adjutant, Lieutenant Bartholomei, der mit Tapferkeit und Gewandheit die zerstreuten Leute wieder gesammelt, und sie gegen den Feind geführt hat, auch nach den allergefährlichsten Punkten geschickt worden; der Regiments-Adjutant, Lieutenant Sarshizkoi, und der Bataillons-Adjutant, Lieutenant Shelybanow, die überall im stärksten Feuer gewesen, durch ihr Beyspiel den Untergebenen Muth eingeflößt haben, und von denen der erstere selbst einige Gefangene gemacht hat, und der letztere schwer verwundet worden ist; die Lieutenants Lipinskoi, Reiz, und die Sekondlieutenants Poncet und Waschkewitsch, die im stärksten Feuer sich durch ausserordentliche Tapferkeit ausgezeichnet haben, besonders der Sekondlieutenant Poncet, der, obgleich verwundet, dennoch das Schlachtfeld nicht verlassen hat; im 1. Jägerregiment der Oberst Adamowitsch, welcher, obgleich verwundet, das Schlachtfeld dennoch nicht verlassen, und durch seine ausgezeichnete Tapferkeit den Untergebenen ein aufmunterndes Beyspiel gegeben hat; der Major Maslow, die Kapitains Nikisorow, Dubinowskoi, Andrzikow, Beck, Sibirzow, Malygin, die Lieutenants Achmilow, Lezak, die Sekondlieutenants Kosinzow, Schulga und Dshym, und die Fähnriche Golofejew und Buroi, welche den Untergebenen alle ein tapferes und unerschrockenes Beyspiel gegeben haben; Im Tenginskischen Musketierregiment: der Oberstlieutenant Heidenreich, der ausgezeichnet und unerschrocken mit dem Feinde gefochten, und seinen Untergebenen dadurch ein vorleuchtendes Beyspiel gegeben hat; der Major Weimarn, die Kapitains Wet-schnikow, Dmitrijewskoi, und der Regimentsadjutant, Lieutenant Strenge, welche mit ausgezeichneter Tapferkeit und Unerschrockenheit gefochten haben.


Der Bericht des kommandirenden Generals Benningsen an Se. Majestät den König von Preußen.Bearbeiten

Ew. Königlichen Majestät habe ich das Glück hierdurch allerunterthänigst zu melden, daß mich der Feind gestern Vormittag bei Pultusk angegriffen hat, und daß es mit gelungen ist, denselben auf allen Punkten zurückzuschlagen. Seine erste Hauptattaque mit 15,000 Mann unter dem General Süchet richtete er auf meinen linken Flügel gegen das Vorwerk Gurka, um so Meister der Stadt zu werden. Ich hatte nur 4000 Mann unter dem General Bagovout ihm dort entgegenzusetzen, der sich auch auf das Bravste vertheidigte, bis ich ihm 3 Bataillone aus der Reserve zur Unterstützung schickte, und zuletzt noch selbst den General Tolstoi Ostermann mit 3 Bataillonen dorthin detaschirte, wodurch der Feind dann gänzlich auf seinem rechten Flügel geschlagen wurde. Seinen zweiten Hauptangriff, der eben so heftig war, machte er auf meinen rechten Flügel, wo der General Barklay mit der Avantgarde stand. Dieser Flügel war auf dem Wege, welcher nach Ciechanow führt, an ein kleines Gebüsch gelehnt; in welches ich eine verdeckte Batterie placirt hatte. Demungeachtet machte der Feind Miene, mir diese Flanke zu tourniren. Ich machte daher mit meiner ganzen Linie eine Rückwärts-Schwenkung, die nicht allein so gut gelang, daß ich dessen Absicht gänzlich vereitelte, sondern auch noch so glücklich war, indem ich den General Barklay de Tolly mit 3 Bataillonen 10 Eskadronen und eine Batterie zu delogiren, und gänzlich zu schlagen, worauf er dann seinen Rückzug antrat. Die Attaque fing sich des Morgens um 10 Uhr an, und dauerte bis es ganz finster wurde. Nach der Aussage aller Gefangenen haben gegen mich Murat, Davoust und Lannes kommandirt, so daß ich eine Armee über 50,000 Mann stark gegen mich gehabt habe, und nach ihrem Geständniß haben sie über 6000 Mann verloren. Alle meine Truppen haben sich mit der größten Bravour geschlagen, und vorzüglich haben sich folgende Generale ausgezeichnet: Von der Infanterie, die Generale Ostermann, Barklay, Bagovout, Somow, Titow, der Prinz Dolgoruky der 5te und die Obersten Dawidowsky und Gerschow. Von der Kavallerie der General Koschin, der Oberst Zegelin, der mit dem pohlnischen Tataren-Regiment Kachowsky auf dem linken Flügel des Feindes eingehauen und ihm vielen Abbruch gethan hat. Der Oberst Knorring mit dem Tataren-Regiment hat fast ein ganzes Jäger-Regiment zu Pferde zusammengehauen, und das Kürassier-Regiment des Kaisers hat eine Infanterie-Kolonne attaquirt und in der größten Unordnung zurückgeworfen -- Ew. königlichen Majestät übersende ich diesen Brief durch den Rittmeister Wrangel, der diese ganze Affaire an meiner Seite mitgemacht hat, und der im Stande ist, Allerhöchstdenenselben alle nähere Details über dieselbe allerunterthänigst mitzutheilen.

Rozan den 15/27 Dezember 1806.
Benningsen.

Augenzeugenbericht.Bearbeiten

Jean Rapp.

Unterdessen hatte der alte Kaminsky das Obercommando der russischen Armee übernommen und sein Hauptquartier nach Pultusk verlegt. Er zog seine Corps näher an sich, und alle Bewegungen deuteten auf den Plan, über den Fluß vorzudringen. Napoleon eilte herbei, ihn zu vertreiben; er besuchte das verschanzte Lager bei Okuniew, recognoscirte den Fluß, die Stellung der Russen und die Ebene, durch welche man vordringen mußte, um bis zu ihnen zu gelangen. Letztere war mit Holzungen und Verhauen bedeckt, voller Sümpfe und fast eben so schwer zu nehmen, als die Verschanzungen, hinter welchen die Cosaken Schutz suchten. Der Kaiser besah und untersuchte alles sehr genau, und mehrmals hinter einander: ein Gebüsch hinderte die freie Aussicht, er ließ sich eine Leiter bringen, und stieg auf das Dach eines Bauernhauses, von wo aus er die Lage der verschiedenen Punkte und die feindlichen Bewegungen beobachtete. "Es ist jetzt gut wir werden hinübergehen; rufen Sie mir einen Offizier." Der zweite Chef vom Generalstab der dritten Division kam, dem er folgende Disposition diktirte:
"Die erste Division begibt sich auf die Insel, und formirt sich so weit als möglich von dem Feinde.

"Alles war zur dritten Division gehört, bleibt in dem Brückenkopfe, nimmt keinen Theil an dem Gefechte, sondern bildet die Reserve.

"Aus den acht Voltigeurs-Compagnien werden zwei Bataillons formirt, welche mit einem Bataillon vom 13. leichten Regiment drei Colonnen bilden; diese drei Colonnen marschiren in der größten Stille nach den drei äußersten Punkten des Canals, und werden sich solchergestalt in der Mitte der Insel postiren, daß sie außer dem Bereich des feindliche Gewehrfeuers stehen; jede derselben hat drei Canonen hinter sich.

"Jede Colonne detaschirt ihre Canonen unter Bedeckung einer Compagnie Voltigeurs. Diese Compagnien fangen, durch die Zäune und Hecken gedeckt, das Gewehrfeuer an. Unterdessen bringen die Artillerie-Offiziere ihre Canonen in Batterie, und feuern mit Kartätschen auf die Truppen und Bataillons, mit welchen der Feind den Uebergang zu verhindern suchen wird.

"Die Brücken werden unter dem Schutze dieser Artillerie geschlagen.

"Die drei Colonnen gehen über den Fluß; sobald sie auf der andern Seite aufmarschirt sind, gehen ebenfalls drei Abtheilungen reitender Jäger, jede sechzig Mann stark, hinüber, greifen den Feind an und suchen Gefangene zu machen. Das 17. Regiment geht sogleich darauf über den Fluß, setzt sich in Schlachtordnung, indem es zwischen jedem Bataillon einen Zwischenraum von fünf und zwanzig Toisen läßt, hinter welchen drei Escadrons leichter Cavallerie aufgestellt werden; darauf folgt der Rest der Division und marschirt darhinter auf."

Wir nahmen die Höhen, welche der Feind besetzt hatte, weg, und griffen ihn auf beiden Flügeln an: er konnte dem Angriffe nicht widerstehen und wurde zurückgeschlagen. Die Truppen hatten eine beispiellose Tapferkeit bewiesen; Napoleon lobte ihren Muth. Er ließ die Generale Morand und Petit rufen, und sagte ihnen die schmeichelhaftesten Dinge; er wollte die Corps, welche im Feuer gewesen waren, etwas ausruhen lassen, und beorderte die Division Friant zur Verfolgung der Russen. Unsere Voltigeurs holten sie bei Nasielks ein, warfen sich auf ihren linken Flügel, schnitten sie ab, brachten sie in Unordnung und eroberten drei Canonen. Sie verfolgten sie mitten in den Wäldern, es entspann sich ein Gewehrfeuer sie mitten in den Wäldern, es entspann sich ein Gewehrfeuer und wir fanden lebhaften Widerstand; unsere Artillerie war noch zurück, wir konnten den Feind, welcher durch die Oertlichkeit und das Kartätschenfeuer geschützt wurde, nicht aus seiner Stellung vertreiben. Wegen Mangel an Canonen nahm man zu einem kühnen Wagstück Zuflucht; der Sturmmarsch wird geschlagen; das 48. Regiment unter Anführung des unerschrockenen Barbanegre, stürzt sich auf die feindlichen Haufen und wirft sie. Die einbrechende Nacht entzog sie unsern Bajonetten. Wir bekamen eine große Menge Canonen, die auf dem Wege stecken geblieben waren.

Vor uns sahen wir sehr bedeutende Colonnen, sie wagten es aber nicht, uns zu erwarten; sie flohen, die eine gegen Golymin, die andere gegen Pultusk. Ich folgte der erstern mit der Dragoner-Division, welche der Kaiser mir anvertraut hatte; der Marschall detaschirte Daultane, um den Rücken des 5. Corps zu decken, welches, wie ihm bekannt war, gegen Pultusk vorrückte. Seit zwei Tagen hatten wir völliges Thauwetter, war in dieser Jahreszeit in Polen etwas seltenes ist. Der Boden, über welchen wir zogen, ist thonicht und mit Morästen durchschnitten; die Wege waren schrecklich; Cavallerie, Infanterie und Artillerie blieben in diesen Sumpfflächen stecken, nur mit der größten Anstrengung war es möglich, sich fortzubewegen; zu einem Marsche von einer kleinen Stunde brauchte man zwei Stunden. Offiziers und Soldaten blieben so lange, als die Schlacht bei Pultusk dauerte, im Schlamme stecken, und dienten dem Feinde zum Zielpunkte.

Kaum war die dritte Division aus dem Dorfe vorgerückt, als von ihren Eclaireurs gemeldet wurde, daß sich in einiger Entfernung eine Colonne Artillerie und Wagen befänd, welche von einer bedeutenden Masse Cavallerie gedeckt werde. Der General Friant ließ sie durch kleine Cavallerie-Abtheilungen beobachten, und war vollkommen überzeugt, daß dieses Heer von Cosaken, sobald es die Infanterie werde erscheinen sehen, sich zertheilen würde. Sie flohen auch in der That, und wir erbeuteten die Artillerie, Munition und Pulverwagen, und Fahrwesen jeder Art. Der General begnügte sich mit den errungenen Vortheilen, und wollte eben eine Stellung für die Nacht einnehmen, als wir eine heftige Canonade hörten; es war der Marschall Lannes, welcher die Russen aus Pultusk vertrieb. An uns kam die Reihe den folgenden Tag; sie hatten einen Wald besetzt, wir wollten sie daraus vertreiben: unsere Colonnen rückten vor, die Voltigeurs waren an der Spitze und darhinter die Infanterie in Echelons geordnet. Der Feind that heftigen Widerstand; er näherte sich und griff uns mit dem Bajonet an; aber unsere Bataillons warfen ihn auf seine Massen zurück. Wir behaupteten das Schlachtfeld, es war mit Leichnamen und Tornistern bedeckt, letztere hatten die Russen von sich geworfen, um sich zu erleichtern. Die Infanterie war zurückgeschlagen, jetzt rückte die Cavallerie vor, ich ging ihr entgegen und warf sie über den Haufen; wir waren jedoch dem Feuer der Schützen ausgesetzt, welche an den sumpfigen Stellen vertheilt waren, und mit wurde der linke Arm zerschossen.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Historischer Militair-Almanach des 16. 17. 18. und 19. Jahrhunderts. Mit besonderer Hinsicht auf das letztere, und den oesterreichischen Kaiserstaat. Mit 15 Portraits, für Freunde der neueren und neuesten Kriegsgeschichte von Johann Ritter von Rittersberg. Prag bei C. W. Enders 1825.
  • Historisch-militärisches Handbuch für die Kriegsgeschichte der Jahre 1792 bis 1808. Von A. G. *Tagebuch während des Krieges zwischen Rußland und Preußen einerseits und Frankreich andrerseits, in den Jahren 1806 und 1807. Geschrieben von Carl von Plotho, Berlin, 1811. Bei Friedrich Braunes.Freiherrn von Gross. Amsterdam, im Verlage des Kunst- und Industrie-Comptoire. 1808.
  • Denkwürdigkeiten aus dem Tagebuche des General Grafen von Rapp. Erfurt und Gotha, Hennings'sche Buchhandlung, 1824.
  • Wiener-Zeitung Nro. 18. Mittwoch, den 4. März 1807.
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