Die Schlacht von Smolensk.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charte des Kriegsschauplatzes in Russland (1812).

(Aus Porters campaign in Russia.) [1]

Napoleon hatte seine Truppen in Witepsk erfrischt, von dem Anrücken neuer Verstärkungen über Tilsit auf Willna hatte er gleichfalls Kunde erhalten, und setzte sich in Bewegung. Den Corps von Beauharnois und Murat befahl er am 13ten August, den Boristhenes hinaufzugehen, dem ersten, Nossaßna gegenüber, dem andern, bei Higomina über den Strom zu setzen: und nachdem er dermaßen seine Kriegsmacht concentrirt hatte, dachte er sofort auf einen Angriff gegen Smolensk.

Barclay de Tolly, der seine Divisionsgenerale zu anderweitigen Zwecken abgeordnet hatte, war besonnen, den Angriff seines Gegners allein zu bestehen; in dieser Absicht stellte er seine Armee am rechten Ufer des Boristhenes auf der Hügelreihe auf, welche Smolensk deckt; 30,000 Mann, mit denen er durch die Brücken in Verbindung war, vertheidigten die Stadt.

Die alte Bauart der Wälle, welche sie umgaben, eignete dieselben schlecht für die Kriegsweise neuerer Zeiten, indem sie einzig durch hohe, ungeschickte Thürme befestigt sind; um jedoch selbst von diesen den möglichsten Vortheil zu ziehen, hatten die Russen sie mit Geschütz von schweren Caliber hinreichend besetzt, alle Wege, welche durch die Vorstädte führen, zu bestreichen.

Mit drohender Heeresmacht rückten indessen die Franzosen, noch neuerlich durch die Division Poniatowsky verstärkt, der bei Mohilow zu ihnen gestoßen war, immer näher heran. Die ganze Kraft ihrer Waffen war seit dieser Vereinigung gegen Smolensk gerichtet, dessen Besitz ihnen mancherlei Vortheile verschaffte. Seine Einnahme warf die Russen aus ihrer gegenwärtigen überlegenen Stellung, der vortheilhaftesten, welche sie wählen konnten auf den Gefilden zwischen Moskau und dem Boristhenes; hatte er sie von dort vertrieben, so stand für Napoleon die Straße nach jener Hauptstadt der Zaare offen; allezeit war Smolensk von den nebenbuhlenden Mächten als ein Punkt von der äußersten Wichtigkeit betrachtet worden. In frühern Zeitaltern war es der Gegenstand manches heißen Kampfes gewesen, alles Ungemach des Krieges hatte es erfahren; doch seit einer langen Reihe von Jahren genoß es in Ruhe seiner Ausgezeichnetheit und seines Friedens.

So war die ehrwürdige Stadt, als der Sturm des Krieges ihre Mauern erreichte, und ihre Bewohner die Hügel, welche sie umringen, mit den Schlachtenreihen der Ihrigen bedeckt sahen. Die Alten, die Siechen, Weiber und Kinder, welche die Folgen scheuten, flohen nach allen Seiten hin aus dem Orte; einige suchten in Moskau, andere in Jarrowsloff, und Tausende bei dem Heere auf den Hügeln Zuflucht. Zum Schauplatze des Kampfes mochte Smolensk werden, daß es nicht zum Schauplatze der Beute werde, dafür sorgten seine Aeltesten; denn sobald das Heranrücken der Franzosen kund wurde, entblößten sie die Stadt von allen ihren Kostbarkeiten, selbst die Kirchenschätze wurden unter Bedeckung nach einem sichern Orte gesandt.

Napoleon hatte Witepsk am 13ten August verlassen, am 16ten stand er an der Spitze seines Heeres vor Smolensk. Er versäumte keine Zeit, die Stadt und die Stellung, welche die Russen auf dem gegenseitigen Ufer des Stromes inne hatten, zu recognosciren. Jene beschloß er sofort einzunehmen, und gab deswegen Befehl zum Sturm, der bei den verschanzten Vorstädten beginnen sollte, während er versuchte, die Brücken zu zerstören, und der Gefährten auf den Hügeln abzuschneiden. Er zweifelte kaum, daß der Fall der Stadt ihm selbst zum Besitze jener Hügel verhelfen würde, und schloß, daß die Russen, da sie das linke Ufer des Dniepr nicht behauptet hätten, nach ihrem Verluste die Hügel verlassen, und eine vortheilhaftere Stellung zu einer allgemeinen Schlacht aufsuchen würden. Dieser Ansicht gemäß erhielt Ney Befehl, seine Division auf dem linken Flügel aufzustellen, und seine Flanke an den Boristhenes zu lehnen. D'avoust [xxx] bildete das Mitteltreffen, Poniatowsky [xxx] den rechten Flügel. Zwei Cavalleriereserven und die Garden standen im Hintertreffen, bei den ersten der König von Neapel und der Vizekönig, bei den letztern Napoleon. Also setzte sich die Armee bis dicht vor die Fronte der Russen in Bewegung.

Plan der Schlacht bei Smolensk und des Gefechts bei Valutina-Gora.

Am Morgen des 17ten August begann die Schlacht. Vom äußersten Punkt des russischen rechten Flügels bis zu dem ihres linken verbreitete das Feuer ihres Geschützes Vernichtung durch die feindlichen Reihen, rasch flog das kleine Gewehrfeuer ihre Fronte entlang, und unterstützte das Geschütz mit grausamer Verheerung. Der Angriff der Franzosen war nicht minder gewaltig oder schreckbar. Ihre zahlreiche Artillerie antwortete blutig jener von der russischen Stellung, ihre Menge, ihre geschlossenen Bewegungen wogten mit einer Gewalt daher, die alles vor sich niederzuwerfen schien. Es gelang Poniatowsky's [xxx] Truppen, unterstützt von einem Corps Cavallerie und leichter Artillerie, ein beträchtliches russisches Corps aus einer vortheilhaften Stellung zu werfen. Dieser Vortheil setzte den Feind in den Stand, eine Batterie auf derselben Stelle zu errichten, die sofort mit Erfolg die südliche Brücke bestrich. Jetzt ras'te die Schlacht mit der verzweifeltsten Wuth. Trotz des furchtbarsten Feuers der russischen Artillerie drang der Feind gegen die verschanzten Vorstädte heran, und griff die russischen Truppen mit dem Bajonet an, vor den Mündungen ihrer Kanonen. Das Gemetzel von beiden Seiten war furchtbar, die Erde mit Todten und Verwundeten bedeckt, doch nichts vermochte die Standhaftigkeit der Russen zu erschüttern; wie Felsen standen sie den immer erneuten Versuchen der Franzosen, durch sie hin zu brechen, entgegen. Fast zwei Stunden hielten sie diesen blutigen Streit aus; da begann die Menge der Gefallenen ihre Bewegungen zu hemmen, das feindliche Feuer wirkte auf ihre verdünnten Reihen; um jeden Fuß breit kämpfend zogen sie sich auf Smolensk zurück, bis das Feuer von dessen alten Thürmen den Andrang des Feindes hemmte.

Als Barclay de Tolly sah, daß die Vorstadt des jenseitigen Viertels der Stadt gewonnen, die Stadt selbst bedroht sey, beschloß er, sie wenigstens einige Stunden zu vertheidigen, damit die Armee Bagrations, welche sich dazumal auf der Straße zu Moskau befand, Zeit gewönne, nach Doroghobuk zu gelangen, wo der Oberbefehlshaber sich mit derselben vereinigen wollte. Die russischen Batterien waren mit vielem Vortheil längs der Höhen hin aufgerichtet. Eine Batterie von funfzehn Stück Geschütz wirkte bedeutend auf des Feindes rechten Flügel, und vertrieb ihn wiederum von der Stelle, von welcher seine Artillerie der obern südlichen Brücke so verderblich gewesen war. Eine zweite von zwanzig Kanonen hielt sein Vordringen durch die Vorstadt auf, welche mit der St. Petersburger Brücke in Verbindung stand. Die Stadt selbst wurde der unmittelbare Gegenstand des Angriffs. Das Feuer von ihren Wällen, von einigen leicht aufgeworfenen Werken an ihrem Fuß, hielt den Feind hin, allein er verlor keinen Augenblick, Breschebatterien auf verschiedenen so wohl ersehenen Punkten aufzustellen, daß in weniger Zeit die Truppen, welche die unbedeutenden Außenwerke besetzt hielten, sich genöthigt sahen, dieselben ihrem Schicksale zu überlassen. Jetzt blieb den Angegriffenen kein Vertheidigungspunkt, als die guten alten Thürme, die ehrwürdige Brustwehr der Stadt. Ein furchtbares Feuer donnerte aus dem französischen Geschütz auf das alterthümliche Gemäuer unablässig, selbst als seine Blitze allein die schreckliche Dunkelheit der Nacht erhellten. Während dem ertheilte der russische General Befehl zu lebhaftem Widerstande, indessen er Anstalten zum Marsche der Truppen nach Doroghobuk traf. Es war 7 Uhr Abends, als die erste Colonne sich in Bewegung setzte; sie wurde von dem General Toutschkoff befehligt, und bestand aus drei Corps Infanterie und der ersten Cavalleriereserve, sie wandte sich auf Bradichino. Um 9 Uhr marschirte die zweite Colonne fast in gleicher Richtung auf der Straße, die nach Jalkoff-Pastiloff führt. General Koroff hatte Befehl, mit einer starken Division, welche die St. Petersburger Stadt und Vorstadt vertheidigte, das Hintertreffen zu bilden, und sich gegen jeden Anfall zu behaupten, bis er Nachricht hätte, daß die übrige Armee über die französische Linie hinaus wäre; darauf sollte er alles vertilgen, was dem Feinde von Nutzen seyn möchte, und die Stadt räumen. Diesem Corps sollte Platow mit seinen Kosaken folgen, und eine Kette einzelner Abtheilungen zwischen Prondichi und Doukossaschina bilden.

Die Stunden der Verwüstung folgten eine der andern. Viele Versuche geschahen, die allmälich nachgebenden Wälle mit Sturm zu nehmen, doch wem der Stein nicht widerstand, dem widerstand Männermuth; die Stürmenden wurden bei jedem Angriffe zurückgeschlagen. Das Innere dieser einst so schönen Hauptstadt bot einen Anblick, der dem Auge des gleichgültigen Beobachters jammervoll, dem des Patrioten herzerhebend dünken mußte. Allmälich ward jedes Magazin zerstört, jedes Gebäude, welches dem Feinde Zuflucht bieten konnte, in Flammen gesetzt. Diejenigen Einwohner, welche von der allgemeinen Flucht zurückgeblieben, waren die ersten, die Bränder anzulegen. Die Flamme verbreitete sich rasch durch alle Theile der Häuser, und theilte sich von den lediglich aus Holz erbauten Häusern schnell den Nachbarhäusern mit, und über den ganzen Umfang der Stadt, der jetzt ein ungeheurer Krater von Rauch und Flammen schien. "In der Mitte einer schönen Augustnacht," so schildert Napoleon selbst diesen Anblick, "bot Smolensk den Augen der Franzosen dasselbe Schauspiel, welches sich den Einwohnern von Neapel beim Ausbruch des Vesuvs darstellt."

Keine Truppe zeichnete sich während dieses denkwürdigen Kampfes so sehr aus, als ein starkes Corps neuausgehobener russischer Miliz. Ihre Unerschrockenheit und Mannszucht hätte die Lorbeeren der ältesten Heldenscheitel geschmückt. Zwei Stunden, nachdem die Feuerbrunst begonnen, zerstörte General Koroff die Communication mit dem rechten Ufer des Boristhenes; darauf folgte er den Schritten der leitenden Colonnen. Der Feind, welcher inne ward, die russische Armee befinde sich im vollen Rückzuge, und das Feuer von den Wällen lasse nach, ging vor, und nahm ohne fernern Widerstand am Morgen des 18ten August Besitz von der Stadt.

Die geräumigen Straßen waren von Ruinen und einstürzenden Häusern gesperrt. Nach allen Richtungen hin standen prachtvolle Gebäude in Flammen und drohten demjenigen, was noch unversehrt geblieben, den Untergang. Der franzosische Heerführer befahl sofort, den Flammen Einhalt zu thun; doch erst am Abend des 19ten August erlosch der Opferbrand der Vaterlandesliebe, und ganz Smolensk war in einen schwarzen Rauchschleier begraben.

Als Napoleon über den Schutt der eingeäscherten Stadt schritt, hörte man ihn rufen: "Nie wurde ein Krieg mit solcher Wüthigkeit geführt. Nimmermehr hat eine Vertheidigung gegen das Gefühl der Selbsterhaltung so feindselig gestrebt. Dies Volk behandelt sein eignes Land, wie dessen Feinde!"

Ungeheuer ist's, wie viel menschliches Leben in diesem Kampfe unterging. Von russischer Seite blieben 4000; mit ihnen mancher brave Officier, doch keiner von ausgezeichnetem Namen; ihr Verlust an Verwundeten betrug 2000 Mann. Die Franzosen geben den ihrigen auf nicht mehr als 700 Todte und 3200 Verwundete an; doch der Besitz der brennenden Trümmer von Smolensk ward nicht so leicht erkauft. Die Art des Angriffs, der Vertheidigung, läßt auf bedeutendern Verlust der Angreifenden als der Vertheidiger schließen; und die Aussage von spanischen Ueberläufern und Gefangenen bestätigt, daß Napoleon an jenem blutigen Tage mehr Menschen verlor, als er für klug hielt kund werden zu lassen.

Smolensk befand sich jetzt in den Händen des Eroberers, doch alle seine Trophäen bestanden in den Kanonen seiner Wälle, und in dem glühenden Schutt seiner einst volkreichen Gassen. Der Kaiser und seine Generäle nahmen ihr Quartier in dem bischöflichen Pallast, welcher von der Flamme unversehrt geblieben, die Truppen suchten Unterkommen, wo irgend ein Gebäude noch übrig war: was an Kirchen unversehrt stand, ward zum Behufe der Cavallerie angewiesen. Hätte der Kaiser Rußland mit Bewilligung seiner Bewohner betreten, so würde diese Maßregel ihre Geneigtheit in Abscheu verwandelt haben. Der Anblick einer frechen Soldateske, welche in ihre geweihten Tempel einbrach, traf ihre Gemüther mit Staunen und Gräuel; als aber Pferde über die geweihten Schwellen gezogen wurden, ward ihr heftiger Abscheu unbeschreiblich. Die Aeußerungen desselben entsprachen seiner Gewalt, und mancher der Wenigen, die Liebe zur Vaterstadt, oder sonst ein Zufall noch zurückgehalten hatte, mußte wegen der unverholnen Thränen vor den Thüren der entheiligten Kirchen sein Blut vergießen.

Karten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Schlacht von Smolensk.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Smolensk (Schlacht von).[2] Am 8ten August 1812 hatten sich beiden Hauptmassen der russischen Streitkräfte unter Barclay de Tolly auf der einen, und unter Bagration [xxxx] auf der andern Seite unter den Mauern von Smolensk, nach beschwerlichen, erschöpfenden Märschen, und nicht ohne bedeutenden Verlust an Menschen, vereinigt und machten Miene, die Franzosen, denen sie bisher ausgewichen waren, selbst anzugreifen. Diese säumten inzwischen nicht, ihnen rasch entgegenzugehn, und so kam es bei Smolensk zu einer zwar nicht entscheidenden, aber äußerst blutigen Schlacht. Smolensk war gleich im Anfange des Jahrs nach Möglichkeit befestigt worden. Dies und der Dnieper mit seinen Höhen gab den Russen viele natürliche Vortheile. Am 16ten August trafen beide Heere auf einander. Allein Barclay de Tolly hatte bereits seinen Plan geändert, und wenn er vorher keine Schlacht liefern wollte, weil Bagrations Heer nicht Antheil nehmen konnte, so hielt ihn jetzt das Uebergewicht von Napoleon davon ab, alles in einer Hauptschlacht aufs Spiel zu setzten, weil es den Franzosen gelungen war, ihn auf dem linken Flügel gänzlich zu umgehen. Anstatt sich vor Smolensk aufzustellen, that er es hinter dieser Stadt, und ließ diese, sie gleichsam als einen festen Punkt ansehend, der seinen Rückzug decken sollte, von zwei Corps besetzen, so daß die Eroberung dieser Stadt am 17ten, besonders da eine große Menge Infanterie an dem Dnieper besetzt hielten, bis zu spät in die Nacht verzögert wurde. Die dicken Mauern, von 4000 Fuß im Umfange, und 15 Fuß dick, 25 Fuß hoch, mit Thürmen in Zwischenräumen, welche schweres Geschütz trugen, die starke Besatzung, machten den Angriff, als die Außenposten vertrieben waren, äußerst mörderisch, und als nun die Russen sich herauszogen, um Barclay's Hauptmasse zu folgen, stand (es war Mitternacht) die ganze Stadt theils durch ihre Brandfackeln, theils durch die Granaten der Franzosen in Flammen, die 36 Stunden fortwütheten, und kaum ein Drittel übrig ließen. Die Russen hatten nach eignen Berichten 4000, die Franzosen mehr als doppelt so viel Menschen verloren; und die Verwüstung in der umliegenden Gegend, der Mangel in der eroberten Stadt waren so groß, daß der größte Theil der Verwundeten zugleich mit allen den zahlreichen Kranken und Maroden, die bei der schrecklichen Hitze, der feuchten Witterung, zurückblieben, in den zahlreichen Lazarethen starben, und die furchtbarste Epidemie entstand. Die Russen selbst konnten es Barclay de Tolly nicht verzeihn, diese heilige Stadt, wie sie sie nennen, diese Vormauer von Moskau, so aufgeopfert, keine Hauptschlacht geliefert zu haben, und Barclay de Tolly legte daher bald darauf unter dem Vorwand seiner geschwächten Gesundheitsumstände, das Commando nieder, um es Kutusow zu übergeben.


Schlacht von Smolensk..[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Röder von Bomsdorff. [3]

Bivouak bei Karpilowka, Anfang August.

Smolensk, eine Stadt von 1500 Häusern und 12,000 Einwohner, liegt 112 Meilen von St. Petersburg, in einer flach terrassirten Ebene am linken Ufer des Dniepers, der hier nicht schiffbar ist. Nach alter Manier ist sie durch 25 Schuh hohe, mit Thürmen versehene Ringmauer befestigt, von welcher mehrere Vorstädte in geringer Entfernung liegen. Diese Thürme sowohl, als mehrere der 16 Kirchen und 3 Klöster waren mit grobem Geschütz besetzt. Barklay de Tolly, der Oberfeldherr, hatte den größten Theil seiner und Bagrations Armee in einer Position am rechten Flußufer aufgestellt; dem General Doktorow aber mit 30,000 Mann die Vertheidigung der Festung übertragen. Von diesen befanden sich 8000 Mann auf dem sogenannten heiligen Felde mit dem rechten Flügel an den Dnieper, dem linken an die Vorstädte gelehnt. Letztere waren leicht verschanzt und mit Truppen und Artillerie hinlänglich versehen.

Drei Brücken, nämlich eine hölzerne auf der Straße nach Petersburg und zwei Schiffbrücken rechts von jener, unterhielten die Kommunikation zwischen beiden Ufern.

Schlacht von Smolensk am 17ten August 1812.

Am Morgen des 17ten hatten alle französische Kolonnen sich entwickelt und, zur Schlacht bereit, folgende Position. *)

*) Man sehe von jetzt den Plan.

Der Herzog von Elchingen nahm, am Fuß der von Smolensk sanft abgedachten Höhen, mit dem 3ten Korps den linken Flügel ein.

Eine schwere Batterie an der Straße von Krasnoi und einen Theil der 10ten und 25sten Division in Reserve. Mit der letztern schloß er sich jenseits der Krasnoier-Straße an das 1ste Korps des Prinzen von Eckmühl, dessen 3te Division unter Güdin und die 4te in Reserve, unter Desaix zwischen der gedachten und der Straße von Chaslonwiczi den linken Flügel vom Centrum machte. Jenseits der letztern stand Kompans, die 5te Division, dann die 1ste unter Morand und hierauf Friorts 2te Division, welche den Stützpunkt für den linken Flügel des 5ten Korps vom Fürst Poniatowsky bildete. Hier war das Terrain durchschnitten, und deshalb sowohl, als auch aus einer späterhin sich zeigenden taktischen Absicht waren die Polen weniger ausgebreitet, dadurch der Wirkung des von den Thürmen und Vorstädten spielenden Geschützes mehr ausgesetzt. General Kaminieczky hatte mit der 18ten Division des Korps linken, General Zayonzeck mit der 16ten den rechten Flügel quer über die Straße von Kasan sich dehnend, Dombrowsky befehligte im Centrum die 17te Division. Zwischen der Straße von Kasan und dem Dnieper endigte die große Umzinglung -- vor sich eine mit Kosaken besetzte Anhöhe -- der König von Neapel, welcher, als die Korps in der Nacht zum 17ten in den Positionen eintrafen, die Kavallerie zurückgezogen und rechts vereinigt hatte, unter dem Nansouty, Montbrün und Grouchy die Reiterdivisionen Bruyeres, St. Germain, Valence, Vathier, Defrance, Doumerc, Chastel, la Houssaye und Broussiere kommandirten.

Die Garden befanden sich hinter dem 1sten Korps jenseits eines Baches, die italienische Armee in einem Walde, rückwärts der Reiterei.

Längs der so gestallteten Einschließungslinie war die Artillerie in Batterien vertheilt, wovon die beiden größten im Centrum vor den Divisionen Güdin und Friart placirt wurden.

Die Manövres derselben leitete, unmittelbar unter dem Kaiser, dessen Adjutant, der Divisions-General Graf Charpentier. *)

Napoleon hoffte, daß die Russen aus Smolensk hervorkommen und eine offne Schlacht annehmen würden. Da dies aber nicht geschah, sie im Gegentheil sich innerhalb der Stadt und Vorstädte immer mehr verschanzten, so gab er, durch eine heftige Kanonade der Batterie des Centrums, das Signal zum Angriff, worauf das Korps des Herzogs von Elchingen in Bataillons-Echellons avancirte.

Es ist bereits bemerkt worden, daß der rechte Flügel gedrängt stand und von der Artillerie der Thürme litt. Napoleon refüsirte ihn, nachdem Ney attaquirt hatte, und befahl auch der Kavallerie, sich, hart am Dnieper, etwas zurückzuziehen.

Hierdurch ward das Feuer nicht mehr so zerstörend, hauptsächlich aber war die Absicht, die Russen hervorzulocken und ihnen Gelegenheit zu geben, sich in den, zwischen Mürats Kavallerie und dem 5ten Korps entstandenen Raum auf die Straße nach Kasan zu werfen, wo sie bald vom 4ten, dem Reservekorps, angegriffen und durch eine Schwenkung des 5ten Korps rechts, von der gedachten Straße abgeschnitten werden sollte. Um die Russen auf die Ausführung einer für sie so unglücklichen Bewegung noch lüsterner zu machen, ließ man sie in dem ungestörten Besitz der Anhöhen vor der rechten Flügelfront, und unterließ, die in jener Gegend befindlichen Schiffbrücken zu kanoniren. Allein alle diese Einladungen waren umsonst, und da eine geraume Zeit damit vergebens hingebracht worden war, eilte der Kaiser nun, durch eine förmliche Offensive diese wieder nachzuholen. Der Divisions-General Brüyeres [xx] vorzugehen, das 5te Korps mußte gleichfalls avanciren und den rechten Flügel so vornehmen, daß dieser Montbrüns Reiterei masquirte.

Unterdessen wurde das 1ste Korps beordert, im Centrum vorzudringen, die Flügel an das 3te und 5te Korps anzulehnen und mit diesen in gleiche Höhe zu gehen.

Sobald dergestalt die ganze Linie, unter dem Schutz einer starken Kanonade, avancirte, und die Polen vorwärts der Müratschen Reiterei eintrafen, griff Brüyeres [xx] die Kosaken auf die Anhöhen an, warf sie in die Vorstadt, und der Artillerie-General Sorbier etablirte eine Batterie von 60 Kanonen darauf, welche die Stellung deckten und zugleich die Russen in ihrer jenseitigen Position heftig beschossen. Die 17te und 16te Division formirten darauf eine geschlossene Kolonne, mit der sie über eine dort liegende Brücke und über einen kleinen Bach defilirten, sich jenseits desselben entwickeleten und die Vorstadt Mato-Ochostky zu stürmen begannen.

Napoleon begab sich jetzt in das Centrum und befehligte Davoust, mit steter Rücksicht auf die Erhaltung der Verbindung mit Poniatowskys Korps, die Vorstadt Katzschobska zu nehmen. Güdin [xx] marschirte deshalb links. Morand [xx] aber gerade gegen dieselbe. Die 2te Division beobachtete die Kommunikation mit dem 5ten Korps, die 5te Division hielt das Centrum zwischen der 1sten und 3ten, um beide, wenn es nöthig wäre, zu unterstützen, die 4te folgte den Bewegungen Güdins [xx], nahm aber bald ihre alte Stellung wieder, um hauptsächlich ihre Aufmerksamkeit auf das 3te Korps und die Krasnoier Straße zu wenden, weil Ney vergeblich versuchte, Terrain zu gewinnen, indem die Russen, durch zwei frische Divisionen und zwei Garde-Regimenter verstärkt, auf dem heiligen Felde vordrangen.

Die Polen nahmen, nach den äußersten Anstrengungen, die Vorstadt vor ihrer Front und beschossen sogleich die beiden Schiffbrücken.

Die Generale Morand [xx] und Güdin drangen um 4 Uhr Nachmittags in Mato-Ochostky ein, und der glückliche Erfolg der Division Güdin gab der nebenstehenden 25sten Division, vom würtembergschen General Scheler befehligt, Gelegenheit, eine Schwenkung links zu machen, die die Russen auf dem heiligen Feld überflügelte. Die 10te Division rückte zugleich aus der Reserve am Dnieper vor, und der Feind war genöthigt, sich nach der Ringmauer zurückzuziehen. Es war beinah 6 Uhr Abends. Vergeblich hatte Napoleon Berichte von Jünot erwartet. Alle seinem Marsch nachgesendeten Offiziere bestätigten, daß er sich zu weit rechts gezogen oder am Dnieper keinen tauglichen Uebergangspunkt gefunden haben müsse, um, worauf man sich rechnete, am rechten Ufer herab gegen die aufgestellte russische Macht und dortige Vorstadt zu manövriren.

Seine Instruktionen hatten ihm ein ernstliches Gefecht untersagt, aber dagegen geboten, sich so zu bewegen, daß der Feind über seine wahre Stärke in Ungewißheit erhalten und in die Besorgniß gesetzt würde, die Straße auf Moskwa abgeschnitten zu finden.

Endlich nöthigte das Feuer der zahlreichen Artillerie des rechten Flügels die Russen jenseits, sich zurückzuziehen, und die von den Polen zerstörten Brücken fingen an, die Verbindung mit Smolensk zu erschweren. Die Franzosen waren Herr der Vorstädte und etablirten gegen die Ringmauer drei Breche-Batterien. Die französischen Garden folgten langsam dem allgemeinen Vordringen. Die Stadt gerieth durch die Menge eingeworfener Granaden in einen Brand, der sich, bei der Mehrzahl hölzerner Häuser, bald überall verbreitete.

Zweimal waren die Polen mit den Russen zugleich in die Stadt gedrungen, aber eben so oft zurück geworfen worden.

Um 2 Uhr in der Nacht ward die Breche hinter der Katzschobska-Vorstadt für gangbar erachtet, und die Grenadiere des 1sten Korps rüsteten sich zum Sturm. Allein die Russen hatten sich bereits um 1 Uhr zum Rückzug nach Dorogobucz entschlossen, und so rückte man in die zerstörte, von Leichen gefüllte Stadt ohne Widerstand ein.

Die Russen haben beinahe 12,000 Mann an Todten und Verwundeten verloren, der französische Verlust ist, weil sogleich alle Todte auf die Seite gebracht wurden, zwar schwer zu bestimmen, aber alle Meinungen treffen darin überein, daß er über 13,000 Mann sei, welches um so wahrscheinlicher ist, wenn man bedenkt, daß die Angreifenden in freiem Felde, die Vertheidiger dagegen meistentheils durch Wälle und Schanzen gedeckt fochten.

So endigte der erste Act des großen Weltkampfes und der Sieg bei Smolensk schien eben so eine Aufforderung für Napoleon zu sein, noch während der Dauer der guten Jahreszeit mit raschem Schritt weiter gegen die alte Hauptstadt des russischen Reichs vorzudringen, wie er die Hoffnungen der polnischen Nation belebte, die ausgesprochne Wiederherstellung ihres Königreiches und ihres Völkernamens begründet und gesichert zu sehen.


Bericht des Marschalls, Prinzen von Eckmühl, an den Major-General.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den 30sten August 1812. [4]

Monseigneur!

Den Befehlen Sr. Majestät zufolge, hat das 1ste Korps der großen Armee am 16ten dieses seine Stellung vor Smolensk in nachstehender Ordnung genommen:

Die 3te Division stellte sich 600 Klafter von dem Platze, indem sie ihren linken Flügel an die Straße von Krasnoi lehnte, wo sie sich an das 3te Korps anschloß. Ihr rechter Flügel erstreckte sich bis nach der Windmühle, die sich auf der Straße von Mohilow befindet.

Die 1ste Division besetzte auf ihrer linken Flanke die Windmühle und stieß mit der rechten Flanke an das 5te Korps.

Die 3 andern Divisionen wurden in weniger Entfernung rückwärts gestellt, indem die Nacht ihnen nicht erlaubte, sich nach den verschiedenen ihnen angewiesenen Punkten zu begeben.

Da am 17ten die 3te und die 1ste Division in derselben Position blieben, so begab sich die 2te Division nach der linken Flanke der 1sten. Die 4te blieb bey dem Ravin hinter dieser Division, und die 5te hielt die Anhöhe von . . . besetzt.

Am 17ten befahlen Se. Majestät, daß der Feind aus seinen Positionen verdrängt, und nach dem Platz zurückgetrieben würde. Die 1ste, 2te und 3te Division, die sich in erster Linie befanden, erhielten den Befehl, den Angriff zu gleicher Zeit zu machen. Er erfolgte gegen Mittag. Nachdem dem Feinde durch ein Artilleriefeuer, auf welches er aus dem Platze und aus seinen Verschanzungen antwortete, stark zugesetzt worden, so rückten die Truppen vorwärts, und griffen die ihnen entgegengestellten feindlichen Truppen auf allen Punkten an. Der Angriff war sehr lebhaft und die Vertheidigung hartnäckig; indeß wich Alles der Bravour der Truppen Sr. Majestät. Die Verschanzungen wurden genommen und die mit Schießscharten versehenen Häuser forcirt. Der Feind ward verfolgt und in den Platz zurückgeworfen, wohin er sich nach einem großen Verlust flüchtete.

Ich kann das Betragen der Truppen bey dieser Gelegenheit nicht genug rühmen. Generale, Officiere und Soldaten von allen Waffen haben an Eifer, an Bravour und Ergebenheit für den Dienst Sr. Majestät gewetteifert.

Das 127ste Linienregiment, welches sich zum Erstenmal im Feuer befand, zeigte sich auf die glänzendste Art. Ich bitte Se. Majestät, demselben seinen Adler zu bewilligen, den es nicht besser verdienen konnte.

Auch muß ich des 13ten leichten Regiments mit Lob erwähnen, welches mit der größten Bravour auf die Anhöhe vordrang, die sie angreifen sollte, und zwar ungeachtet des Kartätschen- und Musketenfeuers, welches lebhaft auf dasselbe gemacht wurde. General Dalton, der diesen Angriff dirigirte, benahm sich dabey mit der größten Bravour. Wir bedauern, daß er durch einen Schuß, der ihn am Ende des Gefechts traf, ausser Stand gesetzt worden, dem Kampfe weiter beyzuwohnen. General Friant ward von einer matten Kugel getroffen. Unser Verlust ist im Vergleich mit dem feindlichen wenig beträchtlich gewesen.

Die Herren Divisionsgenerale Morand, Friant und Gudin haben bey dieser Affäre neue Beweise ihrer Talente und ihrer Tapferkeit gegeben.

Ich habe die Ehre, Ihnen ihre besondern Berichte, so wie die Verzeichnisse der Militärs, zu übersenden, die sich ausgezeichnet haben, und für welche sie um die Gnadenbezeigungen des Kaisers ersuchen. Ich bitte Ew. Durchlaucht, selbige Sr. Majestät vorlegen zu wollen.

Auch füge ich Ansuchungen für einige Officiere meines Generalstabs bey, die sehr viele Bravour und Ergebenheit bewiesen haben, und die mit dem größten Eifer dienen.

(Unterz.) Der Marschall, Herzog von Auerstädt, Prinz von Eckmühl.


Bericht des Generals der Infanterie, Barclai de Tolli.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Der General der Infanterie, Barclai de Tolli, berichtet Sr. Kaiserl. Majestät, aus dem Lager bey Umolje, vom 9ten August, Folgendes: [5]

Nach meinem letzten allerunterthänigsten Bericht an Ew. Kaiserl. Majestät haben, in Bezug auf die Stellung der Armee, sehr wichtige Begebenheiten statt gehabt. Am 3ten August ging die Nachricht von dem Generalmajor Newerowskji ein, daß der Feind, der in großer Macht gegen Krasnow anrückte, seine Avantgarde aus Lädy verdrängt habe; und unterdessen liefen auch die Nachrichten ein, daß Napoleon sogar Witepsk verlasse, und seine ganze Macht gegen uns bey Babinowitschy, Orscha und Dubrowna koncentrire. In Folge dieses ward sogleich beschlossen, daß die zweyte Armee nach Smolensk marschiren, und, nach Vereinigung aller ihrer Korps, auf dem linken Ufer des Dniepers Halt machen solle. Die erste Armee war in Bereitschaft, sich Smolensk zu nähern, oder angriffsweise zu agiren, wenn der Feind seine Macht zertheilen sollte. Denselben Tag in der Nacht rapportirte der Generallieutenant Rajewskji, daß der Generalmajor Newerowskji, nachdem er von einer überlegenen Macht angegriffen worden, genöthigt gewesen sey, sich mit einem nicht geringen Verlust zurück zu ziehen, und daß er sich bereits nur 7 Werst von Smolensk befinde; alle übrige Nachrichten bestätigten, daß der Feind mit seiner ganzen Macht auf das linke Ufer des Dniepers hinüber gehe. Ich setzte mich nach diesem, ohne Zeit zu verlieren, sogleich mit der ganzen Armee in Marsch, und kam am 4ten in der Nacht bey Smolensk an, zu eben der Zeit, als der Feind eine heftige Attake auf das Korps des Generallieutenants Rajewskji machte. Die Umstände dieser Affäre werden Ewr. Kaiserl. Majestät gewiß schon aus den Berichten des Oberbefehlshabers der 2ten Armee bekannt seyn, und sie dienen zum neuen Beweis von der unerschütterlichen Tapferkeit Deroselben Truppen. Nach vollkommener Ueberzeugung, daß der Feind seine ganze Macht auf einem Platze koncentrirt, und sogar das Korps des Fürsten Poniatowskji an sich gezogen hatte, mußte durchaus angenommen werden, daß seine wahre Absicht sey, und in Dorogobush, oder auf irgend einem andern Punkte, durch welchen er die Moskauische Straße in seine Gewalt bekommen könnte, zuvorzukommen. In Rücksicht dieses beschlossen wir gemeinschaftlich mit dem Fürsten Bagration, daß die erste Armee Smolensk besetzen und auf dem rechten Ufer des Dniepers verbleiben, und eben dadurch den Marsch der zweyten Armee auf Dorogobush decken solle. In der Nacht zwischen dem 4ten auf den 5ten war dieser Plan ausgeführt. Das 6te Korps, welchem ich die 3te Infanteriedivision zur Verstärkung gab, besetzte Smolensk und alle Aussenposten. Die zweyte Armee, welche sich in derselben Nacht in Marsch setzte, nahm 15 Werst von Smolensk Position, und sandte ihre irregulären Truppen nach der Gegend von Jelna und Roslawl, um den Feind zu beobachten. Der Feind zog inzwischen seine ganze Macht auf einem Platze zusammen, und stellte sie, 150,000 Mann stark, gegen Smolensk auf. Am 5ten, Nachmittags um 1 Uhr, attakirte er unsere Truppen, die auf der Straße von Krasnow und auf andern Punkten um Smolensk aufgestellt waren; ward aber nach einem Treffen, das drey Stunden in eins fortdauerte, überall geworfen. Um 5 Uhr begann er, nachdem er von allen Seiten starke Massen seiner Streitkräfte und eine ungewöhnlich zahlreiche Artillerie hatte näher anrücken lassen, die Stadt nach allen Richtungen anzugreifen; allein alle seine wüthenden Anstrengungen und vielfachen Versuche waren vergebens, obgleich er unsere Vordertruppen bis selbst zu den Ruinen der alten Mauern von Smolensk verdrängte, und sich sogar entschloß, mit Sturm in die Stadt zu dringen. Unsere tapfern Truppen warfen ihn nicht nur überall, sondern vertrieben ihn auch auf eine solche Entfernung, daß wir auf die Nacht unsere Vorposten vor der Stadt aufstellen konnten. Das ungestüme Andringen des Feindes war ausserordentlich heftig und kühn, aber auch der Lohn dafür und sein Verlust so ausserordentlich groß, daß unser Verlust nicht im geringsten mit dem des Feindes in Vergleich gezogen werden kann, obgleich sich derselbe an Getödteten und Verwundeten auf 4000 Mann beläuft. Unser Zweck bey Vertheidigung der Ruinen von Smolensk bestand darin, hier den Feind zu beschäftigen, und die Vollführung seiner Absicht, Jelna und Dorogobush zu erreichen, aufzuhalten, und eben dadurch dem Fürsten Bagration die nöthige Zeit zu verschaffen, ungehindert in der letzten Stadt anzukommen. Die weitere Vertheidigung von Smolensk aber konnte keinen Vortheil haben, sondern dagegen eine vergebliche Aufopferung der tapfern Soldaten nach sich ziehen, weswegen ich mich denn auch, nach glücklicher Zurückschlagung eines heftigen Andringens des Feindes, entschloß, in der Nacht vom 5ten auf den 6ten die Stadt Smolensk, jedoch mit Behauptung der Petersburgischen Vorstadt, zu verlassen, und mit der ganzen Armee Position auf den Anhöhen, Smolensk gegenüber, zu nehmen, und mich zu stellen, als ob ich keine Attake erwartete. Der Feind, nachdem er die Stadt besetzt hatte, scharmuzirte den ganzen Tag mit unsern Jägern, die in der Vorstadt postirt waren, und welche er am Abend durchaus nehmen wollte, aber stets zurück getrieben wurde. In der Nacht aber gelang es ihm, oberhalb dieser Vorstadt eine Brücke zu schlagen, und auch die alte in der Vorstadt selbst zu repariren. Um 7 Uhr Abends, da man bereits keine Attake von Seiten des Feindes mehr erwarten konnte, setzte sich ein Theil der Armee, welche die zweyte Kolonne bildete, und aus dem 2ten und 3ten Kavalleriekorps, und dem 5ten und 6ten Infanteriekorps, auch aus einem Theile des Detaschements des Generalmajors Newerowskji bestand, unter dem Befehle des Generals von der Infanterie Dochturow, in Marsch, und verfolgte denselben über Sakalina, Poisklow, Marschulka und Suschtschowo nach Prudischtsche. Um 9 Uhr des Abends setzte sich auch die erste Kolonne, aus dem 2ten, 3ten und 4ten Infanterie-, und aus dem 1sten Reservekavalleriekorps bestehend, unter dem Kommando des Generallieutenants Tutschkow, über Krachotschino, Gedeonowo, Karelje, Poßarzy, Stupino und Bredichino auf die große Straße von Dorogobush in Marsch; die Truppen aber, welche unter dem Befehle des Generalmajors, Baron Korff, die Petersburgische Straße besetzt hielten, marschirten am 7ten, nach Mitternacht um 2 Uhr ab, und bildeten die Arrieregarde der ersten Kolonne. Der General Platow sonderte einen Theil seiner leichten Truppen zu dieser Arrieregarde ab, und bildete eine Kette von Detaschements von Smolensk nach Poretschje und Duchowschtschina, damit, so wie sich die beyden Kolonnen der Armee dem Orte, wo über den Dnieper gesetzt werden sollte, nähern würden, auch diese Detaschements immer näher zusammen rücken und eine Masse bilden möchten, die auf allen Seiten hin frey gebraucht werden könnte. Bey dem Rückzuge des Generalmajors Korff, fing der Feind, um 3 Uhr nach Mitternacht, an, ihn zu verfolgen, und fertigte unterdessen einen großen Theil seiner Truppen auf der großen Moskauischen Straße ab, die am rechten Ufer des Dniepers hinläuft; und kaum hatte das 2te Korps das Dorf Gedeonowo passirt, wo sich die Straßen theilen -- eine geht nach Moskau, die andere, ein Landweg, nach Bredichino, wohin die erste Kolonne marschirte -- als der Feind die Vorposten warf, die auf der großen Moskauischen Straße standen, und im Sturmschritt eilte, von dem Punkte Besitz zu nehmen, wo die Arrieregarde des Generalmajors, Baron Korff, durchkommen mußte. Um das Detaschement dieses Generals, der den Rückzug der Armee auf dem Landwege deckte, und sich noch 6 Werst vom 2ten Korps befand, keiner Gefahr auszusetzen, befahl ich dem Generalmajor, Prinzen Eugen von Würtemberg, mit einigen Regimentern der 4ten Division und mit der nöthigen Anzahl von Artillerie diesen Punkt durchaus so lange zu behaupten, bis der Generalmajor Korff mit seinem Detaschement ankomme. Ungeachtet der überlegenen Anzahl der feindlichen Macht behauptete der Prinz von Würtemberg diesen Punkt mit dem erwünschten Erfolge, während der Generalmajor Korff mit seinem Detaschement zu dem Detaschement des Prinzen Eugen von Würtemberg stieß, und unsere Retirade deckte. Der Feind, dem dies Unternehmen nicht geglückt war, fing an, das Detaschement des Generalmajors Karpow, welches am Ufer auf der großen Moskauischen Straße stand, zu drängen, und oberhalb desselben von dem linken auf das rechte Ufer des Dniepers Truppen in be~~ächtlicher Anzahl überzusetzen, um vor der Ankunft des 2ten Korps von dem Punkte Meister zu werden, wo man auf die große Straße biegen muß. Das 3te und 4te Korps war an diesem Orte bereits in Schlachtordnung gestellt; aber um den Feind in seinem Vorhaben aufzuhalten, ward ihm auf der großen Moskauischen Straße die Avantgarde, unter dem Befehlen des Generalmajors Tutschkow 3., entgegen geschickt, der sich bereits 4 Werst von der Straße befand, auf welcher das 2te Korps und das Detaschement des Generalmajors Korff ankommen mußten. Nicht lange darauf ward der Generalmajor Tutschkow 3., der vom Feinde sehr gedrängt ward, mit einem Theil der Truppen vom 3ten und 4ten Korps verstärkt, um dem ungestümen Andringen des Feindes, ungeachtet seiner überlegenen Anzahl, Einhalt zu thun; allein Abends um 6 Uhr fing der Feind an, den Generalmajor Tutschkow mit seiner ganzen Macht, und namentlich mit den Korps der Marschälle Davoust, Ney, und einem Theil von dem des Vicekönigs von Italien, Prinzen Eugen, und mit der ganzen Kavallerie des Königs von Neapel, zu forciren, indem er sich alle Mühe gab, denselben aus der Position zu werfen. Inzwischen kam das 2te Korps und das Detaschement des Generalmajors Korff auf der großen Straße an, von denen ich auch einen Theil Truppen zur Verstärkung des Generalmajors Tutschkow abschickte. Das Treffen, welches von 1 Uhr Nachmittags bis 10 Uhr Abends dauerte, war heiß und blutig. Die Truppen Ewr. Kaiserl. Majestät schlugen sich tapfer, und behaupteten, ungeachtet der überlegenen Anzahl der Feinde, diese für uns wichtige Position. Unser Verlust an diesem Tage ist ziemlich beträchtlich, aber der feindliche übertrifft unsern bey weitem. Auf unserer linken Flanke war Kavallerie aufgestellt, welche, ungeachtet der überlegenen Anzahl der feindlichen Kavallerie, einige heftige Attaken derselben abschlug. Am 8ten, um 1 Uhr nach Mitternacht, setzte sich die Armee in Marsch, und nahm ihre Richtung auf Solowjew, wo ein Theil der Truppen gestern, und die übrigen heute, auf das linke Ufer des Dniepers hinüber gegangen sind; die ganze Armee wird auf der Hälfte des Weges nach Dorogobush, wo die 2te Armee gestern angekommen ist, Position nehmen. Der größte Theil der irregulären Truppen, unterstützt von einigen regulären, verbleibt auf dem rechten Ufer des Dniepers, und unterhält die Kommunikation mit dem Detaschement des Generaladjutanten, Barons Winzingerode, dem befohlen ist, seine Richtung auf Duchowschtschina hin zu nehmen. In diesen verschiedenen Gefechten haben wir von dem Feinde gefangen genommen, Stabs- und Oberofficiere und Gemeine bis 500, und die irregulären Truppen in diesen 3 Tagen 800 Mann.


Augenzeugenbericht.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein deutscher Officier. [6]

Gegen die Mitte des Monats August marschirten wir von da ab, die Hitze wurde täglich drückender und die Abnahme der Soldaten häufiger. So kamen wir den 16. August vor Smolensk an. Die Stadt ist mit einer sehr hohen Mauer von Backsteinen umgeben, aus welcher die Spitzen der vielen Thürmen hervorragen. Schon von der Natur ist sie durch ihr coupirtes Terrain befestigt, dann mit dem Fluß Dnepr, der zwischen der Stadt und den Vorstädten durchströmt -- mit Anhöhen -- und Abgründen ganz umgeben.

Die Vorstädte, welche blos von Holz gebaut waren, wurden abgebrannt. Die Stadt selbst hat mehrere schöne, von Stein aufgeführte Gebäude, und liegt auf dem rechten Ufer des Flusses.

Des Abends, als wir daselbst ankamen, gab es schon mit den Vorposten kleine Scharmützel, aber ohne Bedeutung. Allein den 17. August Morgens fingen die Bewegungen an. Die Regimenter standen geschlossen oder in der Debandate, wie es gerade erforderlich war, im Feuer; es wurden Anhöhen gestürmt und öfters nach der größten Anstrengung mit außerordentlicher Aufopferung nicht erstiegen, weil sie der Feind stärker, als wir Angreifenden waren, besetzt hielt und uns wieder über unsre todten und verwundeten Kameraden zurück warf. Man sammelte sich wieder und wagte zum zweyten und öfters zum drittenmal, seinen Willen durchzusetzen, bis es endlich gelingen mußte. So wurde der Feind mit der größten Aufopferung von unsrer Seite gegen die Stadt zurückgedrückt. Es wurde Nacht, das Feuer ließ nach, und die Corps bivouakquirten auf derselben Stelle, wo sie vorgerückt waren, und stellten starke Piqueter aus. Ich bekam eine Gewehrkugel durch das Casquet und eine kleine Kugel an den Degen, der durch den Schlag ganz krumm gebogen wurde. Ich hatte noch eine Flasche Brantwein, die ich mit einem guten Freunde des Nachts mit Kartoffeln, Gelbrüben und unreifen Aepfeln, die wir uns in dem Garten, wo wir bivouakquirten, zusammengesucht und am Bivouakfeuer gebraten hatten, verzehrte.

Den andern Morgen am 18. August ging es auf die Stadt los. Einige Vorstädte standen schon in Flammen, und waren bereits in unsern Händen. Die Russen zogen sich in die Stadt zurück, feuerten von der Mauer auf uns, allein es stund nicht lange an, so verließen sie dieselbe auch, und zogen sich über den Fluß. Wir marschirten in die Stadt, und nun wurden einige Bataillons befehligt, die Vorstädte jenseits des Flusses zu nehmen. Da aber keine Brücke mehr da war, so mußte man den Fluß durchwaten, und weil er nur ungefähr vier Fuß tief war, so konnten die Soldaten um so eher ihre Gewehre und Patronen trocken erhalten, indem sie diese in die Höhe hielten.

Während des Uebergangs wurde tüchtig auf uns gefeuert, aber zum Glück nur wenige Soldaten leicht verwundet.

Naß und ermüdet kamen wir durch den reissenden Strom auf dem linken Ufer an, während die andern Corps rechts und links vorrückten; es wurde debandirt, auf die rechtsliegende Vorstadt losgegangen, und diese nach einem kurzen, aber hartnäckigen Widerstand genommen. Ich bekam den Befehl, mit einiger Mannschaft eine Kreuzstraße zu vertheidigen und immer in gleicher Höhe mit dem Bataillon zu bleiben. Diesen Befehl erfüllte ich auch, bis endlich die beiden Straßen mit Flammen von den rechts und links brennenden Häusern bedeckt waren. Nun zog ich mich wieder zurück, um mich anzuschließen, fand aber die Bataillons, die den Fluß durchsetzten, zurückgeworfen auf dem Wall, der einen Theil der Vorstadt umschloß. Einer meiner Vorgesetzten wollte den Sturm durch das Thor von neuem beginnen, sahe aber in seinem Eifer nicht, wie wenig er Mannschaft hatte, und wie viele auf jenem Punkt erforderlich waren; ich schloß mich an ihn an, und wir waren die einzigen Offiziere mit weniger Mannschaft, weil die andern alle auf dem Walle waren, die noch einmal durch das Thor stürmten, wo wir aber mit einem dichten Kugelregen begrüßt wurden. Der größte Theil der wenigen Mannschaft blieb dort liegen, die andern zogen sich schnell zurück, und der brave Officier fiel mir verwundet in die Arme. Mit der größten Anstrengung brachte ich ihn sogleich zurück, und beorderte zwei Soldaten ihn weiter über den Fluß zu bringen. Dieses geschah, und er kam in Smolensk ins Spital. endlich zehrten die Flammen die ganz von Holz gebaute Vorstadt auf, und nun hatten wir die zweite Vorstadt links vor uns zu nehmen. Zu dem Ende verließen wir die Brandstätte und nahmen nebst der Unterstützung, die wir erhielten, stürmend die andre Vorstadt weg, die dann auch sogleich ein Raub der Flammen wurde. Alsdann zogen sich die Regimenter, nachdem sie starke Piqueter ausgestellt hatten, wieder ans Wasser, wo man den geraden Schüssen gesichert war, zurück, und die Franzosen fingen sogleich an, Brücken zu erbauen, die aber nicht zu Stande kamen. Der Tag war schön und Heiter, und die Kleidung trocknete schnell am Körper. Als aber der Abend herbei kam, wurden wir abgelöst, und mußten wieder zurück durch den Fluß. Obgleich man mehrere Pferde nahm, um die Truppen trocken über den Fluß zu bringen, so kamen doch viele wieder ganz naß im Bivouak an, welches die geschwächten Körper noch mehr erkrankte, hauptsächlich da es in der Nacht sehr kühl wurde, und an Lebensmitteln gebrach.


Zeitungsnachrichten.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1812]

Königsberg, den 2ten September. [7]

Nach den neuesten Nachrichten ist es einige Tage nach der Einnahme von Smolensk, jenseits dieser Stadt, zwischen der großen französischen und der russischen Armee zu einer Hauptschlacht gekommen, welche gänzlich zum Vortheil der erstern ausgefallen ist. Die russische Armee hat sich, vom Sieger verfolgt, bereits über 20 Meilen hinter Smolensk, auf der Straße nach Moskau, zurückgezogen.

Die Resultate der Gefechte vor und nach der Einnahme von Smolensk sind bedeutender gewesen, als man anfänglich vermuthete.

Der Feind hat an 7000 Todte, 18,000 Blessirte und 4000 Gefangene verloren. Ein General ist gefangen genommen und 8 getödtet oder verwundet worden. Zwey russische Divisionen, welche früher noch nicht angegriffen waren, sind in dem Gefecht vor Valontina am 19ten August geschlagen und sehr übel mitgenommen worden. Im Allgemeinen kann dieses Gefecht als das folgenreichste seit Beginn dieses Krieges angesehen werden.

Der Rückzug des Feindes ist so überaus schleunig gewesen, daß die französischen Truppen, indem sie denselben verfolgten, 8 Stunden zurückgelegt haben, ohne nur einen Kosaken anzutreffen. Die Dörfer waren voll von Todten und Blessirten, und stündlich mehrte sich die Anzahl der Karren und Pulverwagen, welche man einbrachte und welche die Russen im Stich gelassen hatten.


Warschau, den 1sten September. [8]

Unsere heutige Zeitung enthält über die Einnahme von Smolensk, namentlich in Bezug auf unsere Truppen, noch nachstehendes Detail: Am 17ten August war es, wo sich das polnische Heer mit Ruhm bedeckte, er stritt in Gegenwart Napoleons unter den Mauern von Smolensk, bemächtigte sich zwey seiner Vorstädte und hielt von 3 Uhr Nachmittags bis 3 Uhr Morgens nicht nur das feindliche Feuer, sondern auch die hartnäckigste Gegenwehr der Besatzung sowohl, als der Bürger, aus. Am 18ten ganz früh wurde Smolensk unter der heftigsten Kanonade gestürmt. Die hiezu bestimmte Division unter dem General Zaigczeck wurde von diesem Helden trotz der erhaltenen Wunden in Person angeführt; eine Abtheilung des 15ten Regiments rückte zuerst in die Stadt, allen Adjutanten des Generals Zaigczeck wurden die Pferde unterm Leibe theils getödtet, theils verwundet. Der Kapitän Adjutant Dembiuski, ein talentvoller junger Mann, ist geblieben. Der Brigadegeneral Mielzynski und der Oberst Miaskowski sind verwundet, der Obrist Zakrzewski ist geblieben. Mit nicht geringerem Muthe focht die Division des Generals Kniaziewicz. Der erste Brigadegeneral derselben, ein Mann voll Muth und Entschlossenheit, war der erste beym Sturm, verwundet sank er und gerieth wahrscheinlich in Gefangenschaft, da er nicht auf dem Schlachtfelde gefunden wurde; der Obrist Krukowiecki ist verwundet, der Obrist Gaward getödtet worden; überhaupt haben wir 14 todte und 49 verwundete Officiere. Unser Verlust beträgt 1200 Mann, der Feind hat unendlich mehr verloren. Die Russen, völlig geschlagen, räumten in der Nacht vom 17ten zum 18ten Smolensk, und retteten über eine Brücke, die sie nachher abbrannten, noch viel Geschütz. Geschahe dieser Rückzug einen Tag später, so mußten sie sich auf Gnade oder Ungnade ergeben, denn es waren schon alle Anstalten getroffen, sich der Brücke zu bemeistern.

Der geschlagene und verfolgte Feind hat schon hinter Smolensk viel Mannschaft und 50 Kanonen verloren, worüber unsere nächste Zeitung das Ausführliche enthalten wird. Smolensk ist größtentheils in einem Schutthaufen verwandelt worden; fast alle seine Bewohner sind der geflüchteten russischen Armee gefolgt, und nur wenige Menschen, größtentheils Weiber und Kinder, fand man in den Kirchen vor.


Posen, den 2ten September. [9]

Jeden Augenblick erhalten wir neue Details über die Affäre von Smolensk und über die siegreichen Märsche der großen Armee.

Die Russen haben in den Gefechten von Smolensk und Valontina 25 bis 30,000 Mann und 20 getödtete, verwundete oder gefangne Generals und eine Menge Officiers verloren.

Bey der Verfolgung der russischen Armee ließ der Kaiser im Angesicht derselben die Position von Dologlwbug, wo der Feind feste Werke hatte, wegnehmen.


Kriegsnachrichten (russische). [10]

Am 16ten August erschien Kaiser Napoleon an der Spitze seiner ganzen 100,000 Mann starken Armee vor Smolensk. Sechs Meilen von der Stadt wurde er von dem Korps des Generallieutenants Rayewsky empfangen. Das Gefecht begann um 6 Uhr Morgens und wurde gegen Mittag sehr blutig. Der Muth der Russen siegte über die Menge und der Feind wurde geworfen. Das Korps des Generals Doktoroff, welches angekommen war, und das Korps Rayewsky abzulösen, griff den Feind am 17ten bey Tagesanbruch an, und das Gefecht dauerte bis zum Eintritt der Nacht. Der Feind wurde auf allen Punkten zurück getrieben, und die russischen Soldaten voll Muth und Unerschrockenheit, die sie bey Vertheidigung des Vaterlandes beseelt, schlugen sich mit Erbitterung und riefen den Beystand des Allmächtigen an.

Während dieser Zeit aber wurde die Stadt Smolensk ein Raub der Flammen, und unsere Truppen nahmen eine Stellung zwischen dem Dnieper, den Dorfe Pennewa und Doroghoburg.

Die Eroberung des in Asche gelegte Smolensk kostete dem Feind mehr als 20,000 Mann. Die Einwohner der Stadt waren sämmtlich vor der Schlacht abgezogen. Von unserer Seite beläuft sich der Verlust an Todten und Blessirten gegen 4000 Mann. Man zählt unter den ersteren die beyden braven Generale Skalon und Bala.

Man hat eine große Menge Gefangene gemacht; ganze Bataillone der feindlichen Armee waren gezwungen, die Waffen zu strecken, um dem Tode zu entgehen. Drey Kosaken- und drey Kavallerieregimenter warfen 60 Eskadrons der feindlichen Kavallerie, welche der König von Neapel kommandirte.


London, den 24sten September. [11]

Am Sonnabend hat man Briefe von Sir Robert Wilson erhalten. Dieser Officier befand sich bey der Schlacht von Smolensk. Nach seinem Bericht betrug der Verlust der Russen 6000 Mann an Todten und 4 Generale. Sie haben sich am 19ten zurückgezogen, um Herren der Heerstraße von Moskau zu bleiben.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutsche Blätter Herausgegeben von Friedr. Arn. Brockhaus. Zweiter Band, Leipzig und Altenburg, 1814.
  2. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1818.
  3. Mittheilungen aus dem russischen Feldzuge, an einen Offizier des Generalstabes von Röder von Bomsdorff, Leipzig bey Wilhelm Engelmann. 1816.
  4. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 278 Dienstag, den 19. November/1. December 1812.
  5. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 303. Mittewoch, den 18. December 1812.
  6. Merkwürdige Tage meines Lebens. Feldzug und Kriegs-Gefangenschaft in Rußland. Aus dem Tagebuch eines deutschen Officiers. Stuttgart, im Verlag der J. D. Sattler'schen Buchhandlung. 1817.
  7. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 218. Dienstag, den 10/22. September 1812.
  8. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 219. Mittewoch, den 11/23. September 1812.
  9. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 223. Montag, den 16/28. September 1812.
  10. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 233. Freytag, den 27. September/9. Oktober. 1812.
  11. Allgemeine deutsche Zeitung für Rußland. No. 244. Donnerstag, den 10/22. Oktober 1812.
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