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Schlacht bei Wagram.Bearbeiten


Wagram (Schlacht bei), am 5. u 6. Juli 1809 von Napoleon gegen das österr. Heer unter Erzherzog Carl gewonnen.

ScenePassageDanube4Juillet1809r
SectieWagram plan

Schlacht bei Städtl Enzersdorf den 6ten Jul. 809. zwischen der k.k. franz Armée, unter Anführung Sr.M. des Kaisers Napoleon, und der k.k. österreichischen, unter Sr. K. H. Erzherzog Carl.

Napoleon hatte am 4. Juli den größten theil seiner Truppen auf der Lobauinsel concentrirt, um 10 Uhr Abends begann ein heftiges Feuer aus allen Batterien gegen Enzersdorf und die von den Oesterreichern gegen den wahrscheinlichen Uebergangspunkt errichteten Verschanzungen; unter dem Schutz dieses Feuers gingen zuerst 1500 Voltigeurs, welche sich sogleich des Dorfes Mühllaiten bemächtigten, dann 2500 Mann, von 2 Uhr an aber die ganze Armee auf schnell geschlagnen Brücken auf das linke Ufer über.

Am Morgen des 5ten entfaltete sich das französische Heer so, daß Bernadotte bei Aspern den linken Flügel bildete, ihm zur Rechten die italiänische Armee bei Eßlingen, dann Massena (der die dort angelegten Verschanzungen umging und Enzersdorf nahm), nachher Oudinot eine Linie formirten, deren äußersten rechten Flügel Davoust machte. Diese Linie, welche eine zahlreiche Artillerie zerstreut vor sich hatte, drängte die Oesterreicher den Tag über langsam zurück und befand sich Nachmittags 4 Uhr in der Richtung von Glinzendorf über Raschdorf hinaus. Erzherzog Carl bestand dieses Gefecht mit 3 Armeecorps der Cavallerie- und der Grenadierreserve und zog sich fechtend hinter den Rußbach zurück. Wir können den Gang des Gefechts so wie den von den Sachsen versuchten Angriff auf Wagram nicht im Detail darlegen, er führte auch keine Entscheidung herbei, die von dem folgenden Tag zu erwarten stand.

Am 6ten früh war die Aufstellung der französischen Armee folgende. Der äußerste linke Flügel gegen Hirschstetten verlängert, Bernadotte, Massena; das Centrum bei Raschdorf, die Garden und die italiänische Armee; dann rechts Marmont und Oudinot; Davoust auf dem äußersten rechten Flügel bis über Glinzendorf hinaus; sie wird zu 150,000 Mann mit 584 Geschützen angegeben.

Die Schlachtdisposition der österreichischen Armee, welche ungefähr 98,000 Mann mit 410 Geschützen zählte, war: das 6te Corps (Klenau), welches sich rechts an die Donau stützte, war nebst dem 3ten (Collowrat marschirte über Leopoldau gegen Breitenlee und ließ eine Brigade mit einer Batterie bei Stammersdorf) und dem Grenadiercorps (d'Aspré) zum Angriff des linken Flügels bestimmt; das Reservecorps unter Fürst Lichtenstein rückte links diesen zwischen Süßenbrunn und Aderklan vor; das 1ste Corps (Bellegarde) rückte gegen Aderklan und hielt anfänglich die Höhe hinter Wagram besetzt, das 2te (Fürst Hohenzollern) sollte den Rußbach aufs äußerste halten und bei günstigen Erfolgen mit den Uebrigen in gleiche Höhe vorgehen, das 4te Corps (Fürst Rosenberg) mit der Abtheilung des Erzherzog Johann (welcher durch wiederholte Befehle von Preßburg herbeigerufen ward) den rechten französ. Flügel angreifen, das 5te Corps (Fürst Reuß) war bestimmt, den Spitz, die schwarze Lache und die übrigen Punkte an der obern Donau zu halten, es stand mit der Hauptmacht am Bisamberg.

Die Tendenz dieser Anordnungen war, den Feind, dessen debouchiren man nicht wie bei Aspern hatte verhindern können, durch einen lebhaften Angriff auf seinen linken Flügel (also an der gefährlichsten Stelle der Communication mit der Lobau) an energischen Unternehmungen gegen den eignen linken Flügel zu hindern, den man schon vor der Schlacht als den Punkt erkannte, wo die ungünstigste Entscheidung lag.

Der rechte österr. Flügel begann den Angriff nach der gegebenen Disposition, Klenau stieß hinter Leopoldau auf den Feind und warf ihn unerachtet der aus dem Centrum erhaltenen Verstärkungen mit einem Verlust von 10 Canonen bis hinter Enzersdorf zurück, er ließ Aspern, Eßlingen und Enzersdorf besetzen, blieb mit seiner Hauptmacht zwischen Aspern und Breitenlee stehen und erwartete hier die Fortschritte des Centrums (früh 10 Uhr). Collowrat besetzte letztern Ort und verlängerte Klenau's Linie; Lichtenstein stellte sich mit den Grenadiers und seinem Corps zwischen Süssenbrunn und Aderklan auf, schlug einen Angriff Massena's auf dieses Dorf ab, wobei ihm 400 Gefangene, 4 Fahnen in die Hände fielen, und rückte dann gegen Breitenlee in gleiche Höhe mit Collowrat. Bellegarde war während deß bis zwischen Wagram und Aderklan vorgegangen und hielt sich hier; Rosenberg griff Glinzendorf und Großhofen an, ward aber von dem überlegenen Feinde zurückgeworfen und zog sich bis Markgrafen Neusiedel zurück, wo er das Gefecht durch eine Canonade unterhielt. Eine feindliche Colonne begann hier die Umgehung durch den Marsch auf Loibersdorf.

Napoleon hatte durch den misslungenen Angriff auf Aderklan doch so viel bewirkt, daß das Centrum (1s u. 2. Corps) nicht gleichmäßig mit dem rechten Flügel vorrückte, wodurch eine schädliche Ausdehnung der so im eingehenden Winkel laufenden österreichischen Schlachtordnung entstand; er wußte sie darin festzuhalten und damit weitere Offensivbewegungen zu hemmen. Jetzt schritt der Feind, der indeß die Umgehung des linken Flügels bewirkt hatte, von Obersiebenbrunn und Glinzendorf aus zum lebhaften Angriffe desselben, und suchte besonders die Stellung bei Markgrafen Neusidel zu forciren*); Fürst Rosenberg behauptete sich hier nur mit großem Verlust.

Während nun gleichzeitig der österreichische rechte Flügel mehrere starke Angriffe abzuweisen hatte, machte Napoleon einen Versuch, die Schlacht durch Zerstreuung des Centrums zu entscheiden, Massena griff, von Macdonald, Nansouty und den Garden zu Pferd unterstützt, mit 100 Canonen Aderklan an, auf halbe Schußweite begannen diese ihr Feuer, Macdonald warf sich auf den Punkt, wo die Grenadiere und das 3te Corps zusammenstießen. Gelang es hier durchzubrechen, so war das österreichische Heer in zwei Theile geschieden unrettbar verloren, aber eine von Fürst Lichtenstein angeordnete geschickte Rückwärtsbewegung des rechten Flügels der Grenadiere, so wie die ungemeine Tapferkeit der Truppen ließ diesen Versuch scheitern; alle wiederholten Angriffe der feindlichen Cavallerie und Infanterie, in starken Massen kraftvoll ausgeführt, blieben ohne Erfolg. (Ungefähr 12 Uhr Mittags.)

Wenn in diesen Momenten Erzherzog Johann, wie er sollte, auf dem linken Flügel anlangte, so hätten entschieden günstige Resultate erlangt werden müßen; dies geschah aber nicht und die französ. Truppen, welche bisher längs des Rußbaches gestanden, zogen sich, Fürst Rosenberg überflügelnd, so weit rechts, daß dadurch die Front des Fürsten Hohenzollern degagirt wurde, er sendete darauf unaufgefodert jenem Unterstützung, welche zur Verlängerung des gegen die Ueberflügelung gebildeten Hakens benutzt ward.

Beim dritten Angriff bemächtigte sich endlich der Feind der Höhe von Markgrafen Neusidel, Fürst Rosenberg zog sich nach einigen vergeblichen Versuchen, sie wieder zu nehmen, in der Richtung von Wolkersdorf zurück. Fürst Hohenzollern folgte dieser Bewegung und stellte sich bei Engersfeld auf, die Straße nach Mähren deckend, der rechte Flügel mußte demnach der errungenen Vortheile aufgeben und zog sich in großer Ordnung zurück, zuerst Bellegarde über Gerasdorf bis vor Hagenbrunn, Fürst Lichtenstein bis zwischen Säuring und Stammersdorf, in derselben Richtung Collowrat und Fürst Reuss; Klenau deckte diese Bewegungen, blieb die Nacht hindurch bei Stammersdorf stehen und schlug erst am folgenden Morgen die Straße von Böhmen ein, auf welcher die genannten Corps während der Nacht zurückgegangen waren.

Erzherzog Johann - welchen, wie angegeben wird, die Versammlung seines Corps bei Preßburg aufgehalten hatte - traf erst spät am Abend auf dem Schlachtfelde im Rücken des Feindes ein, machte einige Gefangene und zog sich, da er Alles schon entschieden sah, der eigenen Sicherheit halber hinter die March zurück. Der Feind verfolgte bei allen jenen rückgängigen Bewegungen fast nur mit Canonenfeuer, welches indeß bedeutenden Verlust verursachte.

Man sieht aus dieser Darstellung, bei der jede Detailbeschreibung übergangen mußte, dass die Schlacht von Napoleon durch das Rechtsziehen beim Debouchiren mit vieler Geschicklichkeit eingeleitet, durch die Niederlage des linken österr. Flügels entschieden ward.

Beide Armeen haben darin mit großer Tapferkeit gefochten, der Verlust der Oesterreicher mochte 23,000 Todte und Blessirte betragen, darunter mehrere Generale, sie hatten dabei 7000 Gefangene gemacht, 12 Adler und Fahnen, 11 Canonen erobert; der Verlust der Franzosen ist nicht geringer zu berechnen, auch sie rühmten mehrerer gewonnenen Trophäen und Gefangenen, unter denen sich viele Verwundete befanden.


Wiener Zeitung.Bearbeiten


Aus dem kaiserl. königl. Französischen Hauptquartier zu Wolkersdorf ist vom 7. July folgende officielle Nachricht eingetroffen:

Der Kaiser von Oesterreich ist gestern hier gewesen. Er hatte am 5. erfahren, daß die Franzosen alle verschanzten Lager der Oesterreichischen Armee durch geschickte Manövres wegnahmen, und sie bis in ihre Linien, die auf den Anhöhen von Deutsch-Wagram und Markgraf-Neusiedel angelegt waren, zurückschlugen.

Während der gestrigen Schlacht, in welcher die Franzosen einen vollständigen Sieg davon trugen, sah der Kaiser von Oesterreich dem Treffen von einer Anhöhe zu. Als die Schlacht verloren war, ist er hierher zurück gekommen, und während der Nacht nach Brünn abgereiset. Sein Hauptquartier ist heute vom Kaiser Napoleon in Besitz genommen worden.

Die Französischen Vorposten stehen drey Stunden vor Nikolsburg. Die Zahl der verwundeten, zersprengten und fliehenden Oesterreicher, die hier und in der Gegend vorbeygezogen sind, ist wahrhaft unbegreiflich. Sie sagen, daß nicht 45,000 Mann zum Dienst in der Linie bleiben, und daß die Oesterreichische Armee 30,000 Mann auf dem Schlachtfelde gelassen hat. Man findet die Verwundeten zu Tausenden in allen Dörfern, die um Wolkersdorf liegen.

  • Besondere Beylage zur Wiener-Zeitung Nro. 76. Wien den 8. July 1809.


Fünf und zwanzigstes Bulletin der Armee.Bearbeiten


Wolkersdorf, den 8. Juli 1809.

Die Arbeiten des Gen. Grafen Bertrand und des von ihm befehligten Korps hatten bereits seit den ersten Tagen des Monats die Donau völlig gebändigt. Se. Maj. beschlossen auf der Stelle, Ihre Armee auf der Insel Lobau zusammen zu ziehen, auf die östreichische Armee zu debouchiren, und ihr eine allgemeine Schlacht zu liefern. Dieses geschah. Aber darum nicht, weil die Stellung der französischen Armee zu Wien nicht sehr schön gewesen wäre, als Herr vom ganzen linken Ufer der Donau, von Oestreich und einem großen Theil Ungarns, befand sie sich im größten Ueberfluß. Gab es einige Schwierigkeiten, die Volksmenge von Wien mit Lebensmitteln zu versehen, so beruhten diese auf der schlechten Organisazion der Administrazion, auf einigen Hindernissen, welche aus den obwaltenden Verhältnissen und in einem Lande natürlich erfolgen mußten, wo der Getreidhandel ein ausschließliches Privilegium des Gouvernements ist. Aber warum sollte man so durch einen 3 bis 400 Toisen breiten Kanal von der feindlichen Armee getrennt bleiben, da die Uebergangsmittel zubereitet und gesichert waren? Man würde dadurch die Verläumdungen, welche der Feind so verschwenderisch in seinem Lande und bei seinen Nachbarn debitirte und verbreitete, akkreditirt haben; die Vorfälle bei Eßling wären zweifelhaft geblieben -- man hätte dadurch zu der Muthmaßung berechtigt, eine Gleichheit des Zustandes zwischen 2 so verschiedenen Armeen anzunehmen, wovon die eine durch wiederholte glükliche Resultate und Siege belebt und gleichsam verstärkt, und die andere durch die denkwürdigsten Widerwärtigkeiten muthlos geworden war.

Alle Nachrichten von der östreichischen Armee meldeten, sie sei beträchtlich stark, sie sei durch zahlreiche Reserven, durch die Aushebungen in Mähren und Ungarn, durch alle Landwehren der Provinzen rekrutirt; sie habe ihre Kavallerie durch Requisizionen in allen Kreisen wieder beritten gemacht, und durch ungeheure Aushebungen von Wägen und Pferden in Mähren, Böhmen und Ungarn ihr Artilleriefuhrwerk verdreifacht. Um zu ihrem Beßten neue Hülfsmittel hinzuzufügen, hatten die östreichischen Generäle Feldverschanzungen angelegt, deren rechter Flügel sich an Groß-Aspern und der linke an Enzersdorf stüzte. Die Dörfer Aspern, Eßling und Enzersdorf und die sie von einander trennenden Zwischenräume waren mit pallisadirten, und spanischen Reitern versehenen, und mit mehr als 150 aus den böhmischen und mährischen Festungen gezogenen Feldstücken gespikten Redouten besezt. Es war Jedem ein Räthsel, wie es möglich sei, daß der Kaiser bei seiner Kriegserfahrung so mächtige, durch eine Armee von 200,000 Mann, theils Linientruppen, Milizen, theils Insurrekzionstruppen vertheidigte, und durch eine Artillerie von 8 bis 900 Feldstücken unterstüzte Werke angreifen wollte. Weit einfacher schien es, einige Stunden weiter herabwärts noch einige Brücken über die Donau zu schlagen, und dergestalt das von dem Feind zugerüstete Schlachtfeld unnüz zu machen; aber im leztern Falle sah man nicht ein, wie die widrigen Zufälle, die schon einmal der Armee unglükbringend gewesen waren, abzuwenden wären, u. wie man in 3 bis 4 Tagen es dahin bringen könne, die neuen Brücken gegen die Maschinen des Feindes in Sicherheit zu setzen

Auf der andern Seite war der Kaiser ruhig. Man sah auf der Insel Lobau sich Werke über Werke erheben, und auf dem nemlichen Punkt mehrere Pfahlbrücken und mehrere Reihen Verpfählungen anlegen.

Diese zwischen 2 großen Schwierigkeiten befindliche Stellung der französischen Armee war dem Feinde nicht entgangen. Er gab zu, daß seine zu zahlreiche und nicht sehr maniable Armee sich einem unvermeidlichen Verlust aussetzen würde, wenn sie offensiv verführe, zu gleicher Zeit glaubte er aber auch, es sein unmöglich, ihn aus seiner Centralposizion, wo er Böhmen, Mähren und einen Theil Ungarns dekte, zu depostiren. Es ist wahr, diese Posizion dekte Wien nicht, und die Franzosen waren Herren dieser Hauptstadt. Aber diese Stellung war bis auf einen gewissen Punkt streitig, weil sich die Oestreicher im Besiz eines Ufers der Donau erhielten, und das Anlanden der für die Subsistenz einer so großen Stadt nothwendigen Mittel verhinderten.

SectieLobauAlexander-Ins

Lobau.

So gründeten sich die Hoffnungen und die Furcht, und die Gegenstände der Unterhaltung bei beiden Armee: als der Kaiser am 1. Juli 4 Uhr Morgens sein Hauptquartier nach der Insel Lobau, welcher die Ingenieurs bereits den Namen Napoleons-Insel gegeben hatten, verlegte; eine kleine Insel, der man den Namen des Herzogs von Montebello beigelegt hatte, und die Enzersdorf bestrich, war mit 10 Mörsern und 20 Achtzehnpfündern besezt worden. Eine andre Insel, die spanische, war mit 6 zwölfpfündigen Feldstücken und 4 Mörsern bewehrt gemacht. Zwischen diesen beiden Inseln hatte man eine Batterie, so stark, wie die auf der Insel Montebello, und die gleichfalls Enzersdorf bestrich, angelegt. Diese 64 Feldstücke hatten einen und denselben Zwek, und sollten in 2 Stunden Zeit die kleine Stadt Enzersdorf rasiren, den Feind aus ihr verjagen, und die dort befindlichen Werke zerstören. Auf dem rechten Flügel sollte die mit 4 Mörsern, 10 Zwölfpfündern und mehr als 12 sechspfündigen Feldstücken besezte Insel Alexander die Ebene bestreichen, und das Ployment und Deployment unserer Brücken decken.

Am 2ten passirte der Aide de Camp des Herzogs von Rivoli, -- -- -- mit 500 Voltigeurs nach der Mühleninsel, und bemächtigte sich ihrer. Man bewaffnete diese Insel, und verband sie durch eine kleine Brücke, welche nach dem linken Ufer überging, mit dem festen Lande. Vor derselben zeigte man eine kleine Fleche, welche man die kleine Redoute nannte. Am Abend schienen die Redouten von Eßling eifersüchtig darüber zu seyn, indem sie wohl einsahen, sie sei die erste Batterie, welche man gegen sie spielen lassen würde; sie feuerten auf's Lebhafteste. Dieses hatte man gerade durch die Wegnahme dieser Insel beabsichtigt, man wollte die Au merksamkeit des Feindes dahin ziehen, um sie vom eigentlichen Ziel der Operazionen abzuleiten.

Uebergang über den Arm der Donau nach der Insel Lobau.

Am 4ten 10 Uhr Abends ließ General Oudinot 1500, vom General Couroux befehligte Voltigeurs auf dem großen Arm der Donau einschiffen; der Oberst Baste mit 10 Kanonierschaluppen schikte sie ab, und landete sie jenseits des Einflusses des kleinen Arms der Insel Lobau in die Donau; die Batterien des Feindes waren bald rasirt, und er selbst ward aus den Wäldern bis zum Dorf Muhleten gejagt.

Um 11 Uhr Abends erhielten die auf Enzersdorf gerichteten Batterien Befehl, ihr Feuer anzufangen. Die Haubitzen äscherten diese unglükliche kleine Stadt ein, und in weniger als ½ Stunde waren die feindlichen Batterien zum Schweigen gebracht.

Der Direktor der Brückenequipagen, Bataillonschef Dessoles, und der Marinechef -- -- -- -- hatten über den Arme der Insel Alexander eine 80 Toisen lange Brücke aus Einem Stük, und 5 große Fähren angelegt.

Der Oberst St. Croix, Aide-de-Camp des Herzogs von Rivoli, warf sich mit 2500 Mann in Barken, und landete am linken Ufer.

Die Brücke aus Einem Stücke, die erste, welche von der Art je angelegt ward, war in weniger als 5 Minuten geschlagen, und die Infanterie passirte sie im Geschwindschritt.

Der Kapitän Bazelle schlug eine Stromschiffbrücke in 1½ Stunden, und der Kapitän Payerimoffe eine Floßbrücke in 2 Stunden.

So hatte um 2 Uhr nach Mitternacht die Armee 4 Brücken, und der linke Flügel hatte 1500 Toisen unterhalb Enzersdorf, beschüzt durch die Batterien, und der rechte über Wittau debouchirt. Das Korps des Herzogs von Rivoli bildete den linken Flügel, das Oudinotsche das Zentrum, und das Auerstädt'sche den rechten Flügel. Die Korps des Fürsten von Ponte Corvo, des Vizekönigs und des Herzogs von Ragusa, die Garde und die Kürassiere bildeten die 2te Linie und die Reserven. Tiefe Nacht, heftiger Sturm und ein in Strömen sich ergießender Regen machten diese Nacht eben so schauderhaft, als sie für die franz. Armee günstig war, und ruhmvoll für sie ausfallen mußte.

Am 5., beim Hervorbrechen der ersten Sonnenstralen, sah Jedermann, welchen Plan der Kaiser gehabt hatte, der sich damals mit seiner Armee am äussersten Ende des feindlichen linken Flügels in Schlachtordnung befand, alle seine verschanzten Lager tournirt, alle seine Werke unbrauchbar gemacht, und so die Oestreicher gezwungen hatte, aus ihren Stellungen heraus zu gehen, und ihm auf einem für ihn passenden Terrain eine Schlacht zu liefern. Dieses grosse Problem war gelöst, und ohne die Donau anderswo zu passiren, ohne irgend eine Beschützung von den angelegten Werken zwang man den Feind, sich ¾ Stunden weit von seinen Redouten zu schlagen. Jezt sah man die größten und glüklichsten Resultate voraus.

Um 8 Uhr Morgens hatten die Batterien, welche Enzersdorf beschossen, eine solche Wirkung hervor gebracht, daß der Feind sich begnügte, diese Stadt mit 4 Bataillonen besetzen zu lassen. Der Herzog von Rivoli ließ seinen ersten Aide de Camp, St. Croix gegen die marschiren, welcher sich auch derselben ohne großen Widerstand bemächtigte, und Alles, was sich darin befand, zu Gefangenen machte.

Der Chef Oudinot umzingelte das Schloß Sachsengang, welches der Feind befestigt hatte, zwang 900 Mann, die dasselbe vertheidigten, zur Uebergabe, und erbeutete 12 Kanonen.

Nun ließ der Kaiser die ganze Armee in der unermeßlichen Ebene von Enzersdorf deployiren.

[Schlacht von Enzersdorf]

Inzwischen erholte sich der in seinen Plänen irre gemachte Feind von seinem Erstaunen, und suchte auf dem neuen Schlachtfelde einige Vortheile wieder zu erhalten. Zu diesem Zwek detaschirte er mehrere Kolonnen Infanterie, eine gute Zahl Artilleriestücke, und seine ganze Kavallerie, sowol Linien- als Insurrekzionstruppen, um wo möglich den rechten Flügel der französischen Armee zu überflügeln. Deshalb besezte er das Dorf Rutzendorf. Der Kaiser befahl dem Graf Oudinot, dieses Dorf einnehmen zu lassen, und ließ auf der rechten Seite desselben den Herzog von Auerstädt passiren, um sich nach dem Hauptquartier des Erzherzogs Karl zu dirigiren, indem er immer von der Rechten zur Linken marschirte.

Seit Mittag bis 9 Uhr Abends manövrirte man in dieser ungeheuren Ebene, man nahm alle Dörfer weg, und nach Maasgabe, wie man auf der Höhe der retranchirten Lager des Feindes ankam, fielen diese von selbst, gleichsam durch einen Zauberschlag. Der Herzog von Rivoli ließ sie ohne Widerstand besetzen. Auf diese Art bemächtigten wir uns der Werke von Eßling und Großaspern, und so ward die 40tägige Arbeit des Feindes für ihn ganz unnüz gemacht. In Raschdorf, welches der Fürst von Ponte-Corvo angreifen und durch die Sachsen wegnehmen ließ, leistete er einigen Widerstand. Der Feind ward allenthalben auf der Flucht verfolgt, und durch die Ueberlegenheit unsers Feuers vernichtet. Das ungeheure Schlachtfeld blieb mit seinen Trümmern bedekt.

Schlacht bei Wagram.

Heftig erschrekt durch die Fortschritte der französischen Armee und der ihr fast ohne Anstrengung zu Theil gewordenen großen Resultate, ließ der Feind alle seine Truppen marschiren, und nahm 6 Uhr Abends folgende Stellung ein: Sein rechter Flügel stand von Stadlau bis Gernsdorf, sein Zentrum von Gernsdorf bis Wagram, und sein linker Flügel von Wagram bis Neusiedel. Der linke Flügel der franz. Armee befand sich zu Großaspern, ihr Zentrum zu Raschdorf, und ihr rechter Flügel zu Glinzendorf. In dieser Stellung rükte die Nacht heran, und man mußte auf den andern Morgen sich auf eine große Schlacht gefaßt machen; man vermied diese aber und coupirte die Stellung des Feindes dadurch, daß man ihn verhinderte, irgend ein System annehmen zu können, wenn man sich in der Nacht des Dorfes Wagram bemächtigte. Dann mußte seine bereits ungeheure, plözlich und durch den Wechsel des Kampfs überfallene Linie die verschiedenen Korps der Armee ohne Ordnung und Ziel herumirren lassen, und man wäre ohne ernsthaften Kampf bald damit fertig geworden. -- Wagram ward angegriffen, unsere Truppen nahmen das Dorf weg, aber eine Kolonne Sachsen und eine Kolonne Franzosen hielten sich in der Dunkelheit für feindliche Truppen, und die Operazion mißlang.

Jezt rüstete man sich zur Schlacht von Wagram. Es scheint, die Disposizionen des franz. Generals und des östreichischen waren einander entgegengesezt. Der Kaiser verwandte die ganze Nacht, seine Streitkräfte in sein Zentrum, wo er persönlich, einen Kanonenschuß weit von Wagram sich befand, zusammenzuziehen. Zu diesem Zwek marschirte der Herzog von Rivoli auf die linke Seite von Aderklau, und ließ zu Aspern eine einzige Division, welche Befehl hatte, sich nöthigenfalls nach der Insel Lobau zurük zu ziehen. Der Herzog von Auerstädt erhielt Befehl, über das Dorf Großhofen vorzurücken, um sich dem Zentrum zu nähern. Der östreichische General schwächte im Gegentheil sein Zentrum, um seinen Flügel, dem er eine neue Ausdehnung gab, zu besetzen und zu verstärken.

Am 6. mit Tagesanbruch besezte der Fürst von Ponte-Corvo den linken Flügel, in seiner zweiten Linie befand sich der Herzog von Rivoli. Der Vizekönig schloß ihn an das Zentrum an, wo das Korps des Grafen Oudinot, das des Herzogs von Ragusa, die Korps der kaiserl. Garde und die Division der Kürassiere 7 bis 8 Linien bildeten.

Der Herzog von Auerstädt marschirte vom rechten Flügel an, um beim Zentrum anzulangen; der Feind hingegen sezte das Korps von Bellegarde nach Radlau in Marsch, die Korps Kollowrath, Lichtenstein und Müller verbanden sich mit dem rechten Flügel in der Stellung von Wagram, wo der Fürst von Hohenzollern war, und an dem Ende des linken Flügels zu Neusiedel; wo das Rosenbergische und das Auerstädtische Korps debouchirten, durch eine umgekehrte Bewegung bei den ersten Sonnenstrahlen auf einander stießen, und das Signal zur Schlacht gaben. Der Kaiser begab sich sogleich auf diesen Punkt, ließ den Herzog von Auerstädt durch die Kürassierdivision des Herzogs von Padua verstärken, und das Rosenbergische Korps durch eine Batterie von 12 Stücken von der Division des Generals Grafen von Nansouty in die Flanke nehmen. In weniger als ¾ Stunden hatte das schöne Auerstädtsche Korps das Rosenberg'sche geworfen, und jagte es bis jenseits Neusiedel, nachdem es ihm vielen Schaden zugefügt hatte.

Während dessen entwikelte sich die Kanonade auf der ganzen Linie und die Dispisizionen des Feindes entwickelten sich von Augenblik zu Augenblik. Sein ganzer linken Flügel bespikte sich mit Artillerie; man hätte sagen sollen, der östreich. General schlüge sich nicht um einen Sieg zu erhalten, sondern er beabsichtigte nur die Mittel, Nutzen daraus zu ziehen. Diese Disposizion schien so zwekwidrig, daß man irgend eine Falle vermuthete, und der Kaiser einige Zeit wartete, ehe er die leichten Disposizionen anordnete, welche nöthig waren, die des Feindes zu vernichten und für ihn unglükbringend zu machen. Er befahl dem Herzog von Rivoli ein Dorf, welches der Feind inne hatte und wodurch das Ende des Zentrums der Armee ein wenig gedrängt war, anzugreifen. Er befahl dem Herzog von Auerstädt, die Posizionen von Neusiedel zu nehmen, und von da auf Wagram vorzurücken, und ließ den Herzog von Ragusa und den General Macdonald in Kolonnen formiren, um Wagram in dem Augenblicke, wann der Herzog von Auerstädt debouchirte, wegzunehmen.

Nach diesen Zwischenvorfällen meldete man, der Feind griffe das Dorf, welches der Herzog von Rivoli weggenommen hatte, wüthend an; unser linker Flügel sei auf 3000 Toisen umzingelt, man höre bereits zu Großaspern eine lebhafte Kanonade und der ganze Zwischenraum zwischen Großaspern und Wagram scheine mit einer ungeheuern Linie Artillerie besezt zu seyn. Daran war nicht zu zweifeln. Der Kaiser befahl auf der Stelle den Gen. Macdonald, die Divisionen Broussier und Lamarke in Angriffskolonnen aufzustellen. Er ließ sie durch die Division des Generals Nansouty, der Garde zu Pferd und 40 Stücken von verschiedenen Korps unterstützen. Der General Lauriston marschirte an der Spitze dieser Batterie von 100 Artilleriestücken im Trab gegen den Feind an, näherte sich ihm, ohne zu feuern, bis auf halbe Kanonenschußweite, und fing dort ein bewundernswürdiges Feuer an, wodurch das feindliche zum Schweigen und Tod in seine Reihen gebracht wurde. General Macdonald rükte nun im Sturmschritt an. Der Divisionsgeneral Reille unterstüzte mit der Brigade Füsiliers und Tirailleurs der Garde den Gen. Macdonald. Die Garde hatte ihre Fronte verändert, um diesen Angriff unfehlbar zu machen. In einem Augenblik verlor das Zentrum des Feindes eine Stunde Terrain; sein bestürzter Flügel merkte die Gefahr der Stellung, worin er sich befand, und zog sich in größter Eile zurük. Nun griff ihn der Herzog von Rivoli an der Tete an. Während die Flucht des Zentrums Bestürzung verbreitete, und die Bewegungen des rechten Flügels forcirte, ward sein rechter Flügel von dem Herzog von Auerstädt, der Neusiedel weggenommen, den Hügel erstiegen hatte, und auf Wagram losmarschirte, angegriffen und umzingelt. Die Divisionen Broussier und Gudin bedekten sich mit Ruhm.

Damals war es erst 10 Uhr Morgens und hellsehende Leute sahen schon, daß der Tag entschieden und der Sieg auf unsrer Seite sei.

Mittags marschirte der Graf Oudinot gegen Wagram, um den Angriff des Herzogs von Auerstädt zu unterstüzen. Es glükte ihm, und er nahm diese wichtige Stellung weg. Von 10 Uhr an schlug sich der Feind nur wegen seines Rückzuges; seit Mittag geschah dieser ganz deutlich und in Unordnung, und lange vorher, ehe die Nacht einbrach, war der Feind aus dem Gesicht. Unser linker Flügel stand zu Jetelsee und zu Ebersdorf, unser Zentrum bei Ebersdorf, und die Kavallerie unsers rechten Flügels hatte Posten bis Schönkirchen.

Den 7. mit Tagesanbruch war die Armee in Bewegung und marschirte gegen Korneuburg und Wolkersdorf, und hatte Posten bei Nikolsburg. Der von Ungarn und Mähren abgeschnittene Feind befand sich auf der Seite von Böhmen in die Enge getrieben.

Dieser wäre die Darstellung der Schlacht von Wagram, der entscheidenden u. ewig glorwürdigen Schlacht, woselbst 3 - 400,000 M., 12 - 1500 Kanonen, sich für ein großes Interesse auf einem vom Feinde seit mehrern Monaten studirten, überdachten u. befestigten Schlachtfelde schlugen. 10 Fahnen, 40 Kanonen, 20,000 Gefangene, worunter 3 bis 400 Offiziere, und eine gute zahl Generäle, Obersten und Majors sich befinden, sind die Trophäen dieses Siegs. Die Schlachtfelder sind mit Leichnamen bedekt, worunter man die Körper mehrerer Generäle, unter andern den des Hrn. Normann, eines Franzosen und Vaterlandsverräthers, fand, der seine Talente gegen dasselbe prostituirt hatte.

Alle Blessirte des Feindes sind in unsere Hände gefallen. Die, welche er beim Anfange der Schlacht hatte fortbringen lassen, wurden in den umliegenden Dörfern gefunden. Man kann berechnen, daß das Resultat dieser Schlacht die östreichische Armee wenigstens um 60,000 Mann schwächen wird.

Unser Verlust war beträchtlich; man schäzt ihn auf 1500 Todte und 3 bis 4000 Blessirte. Dem Herzog von Istrien ward in dem Augenblik, als er den Angriff der Kavallerie ordnete, sein Pferd durch eine Kanonenkugel getödtet; die Kugel fiel auf seinen Sattel, und verursachte eine leichte Kontusion am Schenkel. Der Divisionsgeneral Lasalle ward durch eine Flintenkugel getödtet. Er war ein Offizier vom größten Verdienst und einer der besten Generäle der leichten Kavallerie. Der bairische General Wrede, und die Generäle Peras, Grenier, Vignolle, Sahuc und Defrance wurden verwundet. Der Oberst, Fürst Aldobrandini, wurde am Arm durch eine Flintenkugel getroffen; die Chasseurmajors von der Garde, Dousmenil und Corbineau, und der Oberst Ste. Croix erhielten gleichfalls Blessuren. Der Adjutant-Kommandant Duprat ward getödtet; der Oberst des 9ten Linieninfanterieregiments blieb auf dem Schlachtfelde. Lezteres Regiment bedekte sich mit Ruhm.

SceneLasalleWagram1809 BNW

Der Generalstab läßt den Etat unsers Verlusts aufnehmen.

Ein besonderer Umstand bei dieser großen Schlacht ist, daß die Wien zunächst liegenden Kolonnen keine 1200 Toisen davon entfernt waren. Die zahlreiche Bevölkerung bedekte die Thürme, Dächer und Anhöhen, um Zeugen dieses großen Schauspiels zu seyn.

Der Kaiser von Oestreich verließ am 6. um 5 Uhr Morgens Wolkersdorf, und stieg auf ein Belvedere, von wo aus er das Schlachtfeld sah, und bis Mittag verweilte; dann reisete er aber eiligst ab.

Das französische Hauptquartier kam am 7. d. Morgens zu Wolkersdorf an. (M.Z)


Tagsbericht von der kaiserl. königl. Armee.Bearbeiten


Am 1sten July begann der Uebergang der franz. Armee von Schönbrunn und Ebersdorf durch die Insel Lobau und die nahen kleinern Inseln auf das linke Donauufer.

Vom 1sten bis zum 6ten July fielen unaufhörliche, jedoch nicht entscheidende Gefechte vor *).

*) Nicht entscheidende Gefecht!

Am 6ten July Abends mußte sich der Erzherzog Karl in der Position auf der Hohenleiten zurückziehen. Dieser Rückzug geschah zwar in guter Ordnung und ohne Verlust an Artillerie, jedoch wurde unser rechter Flügel (die Armee-Korps der Fürsten Rosenberg und Hohenzollern) stark gegen Stockerau gedrückt.

Am 7ten July erneuerte sich die Schlacht auf der ganzen Linie, und mit einbrechendem Abend mußte sich der franz/ linke Flügel wirklich von Kornenburg, Lang-Enzersdorf und Bilsamberg an die Donau zurückziehen.

Am 8ten bewegte sich unsere Hauptquartier wieder vorwärts, wiewohl sehr langsam.

Am 9ten wurde der franz. linke Flügel völlig geschlagen, und mit Verlust der Artillerie und Bagage wieder über den Wiener Spitz herabgedrückt. Die ganze franz. Armee ging wieder in die Insel Lobau zurück, hatte aber noch immer ihre Posten auf dem linken Ufer, wogegen der Erzherzog Karl die Stellung bey Wagram wieder bezog.

Erst am 10ten entschloß sich Kaiser Napoleon auch in Person wieder nach Schönbrunn zurück zu gehen. Der Rückzug *) der ganzen franz. Armee vom linken auf das rechte Donauufer geschah, übereinstimmenden Nachrichten zufolge, erst in der Nacht vom 10ten auf den 11ten.

*) Der Rückzug der ganzen französ. Armee geschah am 10ten oder 11ten -- und am 12ten -- sage: am zwölften -- wurde jener berühmte Waffenstillstand -- vor Znaym in Mähren (und nicht auf dem rechten Donauufer) geschlossen.

Der Verlust des Feindes ist ungeheuer. Seit dem 2ten July kamen unausgesetzt Blessirte in Wien an. Seit dem 7ten bildeten diese Transporte in der That einen ununterbrochenen Zug von Enzersdorf bis Wien. Die ganze Straße war von Blut gefärbt. Nach den Quartier-Kommissions-Listen sind vom 2ten July bis zum 10ten Nachts nahe an 60,000 Blessirte bey der St. Marxer- und Favoriten-Linie, von Ebersdorf und der Gegend her, wo nämlich die feindlichen Schiffsbrücken geschlagen waren, in die Vorstädte und in die Stadt hereingebracht.

Man nennt 31 todte, verwundete und gefangene feindliche Generale. Schon das 25ste Bülletin nannte deren 12.

Noch während seines Rückzuges über die Brücken erlitt der Feind großen Abbruch, da er von unserer Artillerie unausgesetzt aufs heftigste beschossen wurde.

Die unter dem Feinde herrschende Bestürzung ist allgemein und unbeschreiblich. ( ! ! ) Auf Befehl des Armee-Kommando ist überall in Oesterreich, Steyermark, Kärnthen und Böhmen das Volk in Masse aufgeboten, um dem Feinde seinen Rückzug, wo nicht unmöglich, doch so schwierig und blutig als möglich zu machen *).

*) Man vergleiche mit dieser Nachricht das nachstehende Schreiben des Gen. M. Sch. -- -- Und doch wurde der Tagsbericht von den Meisten -- als reine Wahrheit geglaubt.


Relation über die Schlacht von Wagram.Bearbeiten

Relation über die Schlacht bei Wagram auf dem Marchfelde am 5ten und 6ten Jul. 1809. und die Gefechte, welche derselben bis zum Abschlusse des Waffenstillstandes am 12ten des nemlichen Monats folgten.

"Seit der Schlacht von Aspern war der Kaiser Napoleon anhaltend beschäftiget, die Lobau in einen furchtbaren Vertheidigungsstand zu setzen.

Die Verschanzungen, welche zum Theil schon vor dieser Schlacht angelegt waren, wurden erweitert, und dehnten sich von Tag zu Tag weiter aus. Werke von dem stärksten Profil wurden angelegt, und alle Mittel, welche die Befestigungskunst darbietet, aufgeboten, um diese Insel zu einem Waffenplatze zu machen, dem man sich nur durch Trenchèen nähern konnte. Zu diesem Ende wurde Geschütz von dem schwersten Kaliber eingeführt, und die Wälle nicht allein mit 18 und 24 pfündigen Kanonen, sondern selbst mit 30, und 60pfündigen Mörsern besetzt. Ueber die große Donau wurden zwey Joch- eine Schiff- und eine Floßbrücke mit außerordentlicher Schnelligkeit erbauet; Eingerammte Pfähle schützten sie gegen jede zufällige oder absichtliche Zerstörung, und eine bewaffnete Flottille kreuzte zwischen den Inseln, um die vielfältigen Communicationen zu decken.

Alle diese Arbeiten, welche zuletzt ziemlich hörbar wurden, und ihre laute Bekanntmachung in den öffentlichen Blättern erhoben die Vermuthung, die man schon Anfangs auf den Karakter des feindlichen Feldherrn gegründet hatte, das nämlich das Marschfeld abermals zum Schauplatz einer wichtigen Schlacht bestimmt sey, zur höchsten Wahrscheinlichkeit. Es ließ sich denken, daß die Anstrengungen des Feindes bey dieser zweyten Unternehmung auf einem Platze, wo er die Tapferkeit seiner Gegner schon einmal zu seinem Nachtheil auf die Probe gesetzt hatte, nicht geringe seyn würden, und der Erzherzog Carl beschloß daher die Dörfer Wagram und Eßling, besonders aber den Punkt, welcher seiner günstigen Lage wegen dem Feinde schon ehemals zum Uebergangsplatze gedient hatte, mit Feldverschanzungen umgeben zu lassen, wobey es von den Umständen abhängen würde, entweder einen partiellen Uebergang ganz zu vereiteln, oder eine Hauptoperation so lange in Schranken zu halten, bis sich die Armee in der Verfassung befände, aus ihrer rückwärtigen Stellung zwischen Stammersdorf und Markgrafen-Neusiedl, welche auch aus diesem Grunde nicht verschanzt wurde, dem Feinde entgegen zu gehen, und ihm eine entscheidende Niederlage beizubringen.

Als gegen Ende des Monats Juny die eingegangenen Nachrichten darin übereinstimmten, daß der Feind alle seine Kräfte an der Donau bey Kayser-Ebersdorf concentrirt habe, und mit einer Truppenmasse von 140 bis 160000 Mann bereit stehe, in die Lobau zu defilren; so war über den Zeitpunkt der erwarteten Unternehmung kein Zweifel mehr übrig, und man eilte die nöthigen Veranstaltungen zu einem kräftigen Empfange des Feindes zu treffen. Es wurde beschlossen, die Vortruppen nach Maaß, als sie der überlegenen Stärke des Feindes bei seinem Uebergang weichen müßten, näher gegen die Stellung der Armee von den Höhen von Stammersdorf bis Markgrafen-Neusiedl hinter dem Rußbach heran zu ziehen, dann aber durch eine kräftige Offensive, besonders mit dem rechten Flügel, auf die Communication des Feindes zu wirken. (Man sehe die topographische Karte der Gegenden um Wien von Ludwig Schmidt.)

Weil jedoch der linke Flügel der Gefahr ausgesetzt war, umgangen zu werden, so erhielt der Erzherzog Johann, welcher sich mit seinem Corps zu Preßburg befand, den Befehl sogleich über Marcheck zur Armee zu stoßen, und in Vereinigung mit ihrem linken Flügel den Umständen gemäß zu agiren.

Der Courier gieng am 4ten gegen Abend aus dem Hauptquartier mit dieser Ordre ab, traf am 5ten in der Frühe um 5 Uhr bey Sr. Kayserl. Hoheit zu Preßburg ein, und es schien kein Hinderniß denkbar, daß dem Eintreffen und der Mitwirkung dieses Corps am Tage der Schlacht, welche für den 6ten in der früh vorausgesetzt wurde, entgegen stehen konnte.

Den gefaßten Entschlüssen gemäß, wurde die Avantgarde unter dem Feldmarschall-Lieutenant Nordmann und das 6te Armee-Corps, welches statt des erkrankten F. M. L. Hiller, Feldmarschall-Lieutenant Graf Klenau befehligte, zur Besetzung der Verschanzungen am Ufer der Donau verwendet, und zu ihrer Unterstützung die ganze Kavallerie-Reserve in der Ebene von Breitenloe aufgestellt.

Feldmarschall-Lieutenant Nordmann hielt den linken Flügel von Mühlleuten bis rechts von Enzersdorf, -- das 6te Armee Corps hingegen den rechten, von da bis an das Dorf am sogenannten Spitz besetzt; beide Corps hatten den Befehl, sobald sie gedrängt würden, sich auf die Position zu repliiren.

Am 4ten nach 9 Uhr Abends fieng der Feind an, aus der Lobau und einigen benachbarten Inseln, ein fürchterliches Feuer auf unsere Vorposten zu machen, und sie mit Kartätschen, Bomben, Granaten und Wachteln zu bewerfen, wobey die Stadt Enzersdorf in Brand gesteckt wurde. Da dieses Feuer von unserem Feldgeschütz nicht mit der nämlichen Wirkung beantwortet werden konnte, so gelang es dem Feinde unter Begünstigung eines starken Regens und Sturmwindes den schmalen Donau Arm zwischen der Lobau und dem linken Ufer zu übersetzen, und in kurzer Zeit vier Brücken, wozu er schon sehr frühzeitig alles in Bereitschaft gesetzt hatte, zu Stande zu bringen. Er warf sich mit einer ungeheuren Stärke auf die Avant-Garde des Generals Nordmann, welche auf dem Hanselgrunde stand, trieb sie zurück, und besetzte Nachts um 11 Uhr Mühlleuten, von wo er sich gegen Wittau ausdehnte. Die von Aspern bis Enzersdorf aufgeworfenen leichten Verschanzungen wurden jedoch noch behauptet.

Am 5ten mit Tages Anbruch sah man drey Massen Kavallerie, und eben so viel Infanterie mit vielem Geschütz bey Wittau postirt, und hinter ihnen rechts von Probsdorf eine starke Colonne von allen Waffen Nutzendorf zu defiliiren.

Gegen 6 Uhr hatte der Feind alle unsere Verschanzungen zwischen Esling und Enzersdorf, deren Besatzung größtentheils getödtet oder blessirt war, in Rücken genommen und emportirt; Stadt-Enzersdorf wurde noch von einem Bataillon Bellegarde vertheidigt, und schlug zwey Stürme ab. Als sich aber dieses Bataillon verfeuert hatte, und abgelößt werden sollte, so gelang es dem Feind mit der Ablösung zugleich in die Stadt einzudringen, und sich derselben zu bemächtigen. Von jetzt an, um 9 Uhr Vormittags, war der Feind blos damit beschäftigt, den Aufmarsch seiner Colonne zu decken, welche Rutzendorf mit ihrer Tete bereits passirt hatte, während ihre Queue sich bis hinter Mühlleuten verlor. Sie drang in der Richtung von Ihsdorf und Raschdorf vor, und langte gegen Mittag am ersten Orte an, wo sich ein lebhaftes Gefecht mit der Reserve-Cavallerie engagirte.

Unter dieser Zeit kam ein neues feindliches Corps zwischen Esling und Enzersdorf zum Vorschein, und richtete seinen Marsch auf Breitenloe; unsere Vortruppen zogen sich nunmehr ganz auf die Stellung der Armee zurück. Diese Bewegung geschah in der größten Ordnung und unter dem Schutze der Cavallerie, welche, ob sie gleich immer von der feindlichen Artillerie flanquirt wurde, sich dennoch wie auf dem Exercier-Platz en Echec retirirte. Feldmarschall-Lieutenant Nordmann mit der unter ihm stehenden Avant-Garde und einem Theil der Reserve-Cavallerie zog sich fechtend auf den linken Flügel gegen Markgrafen-Neusiedl, und Feldmarschall Lieutenant Klenau mit dem 6ten Armee-Corps kam Abends um 8 Uhr auf den Höhen von Stammersdorf an.

Um 4 Uhr Nachmittags waren die feindlichen Colonnen in der Höhe von Raschdorf angelangt, und da des Feindes kühne Absicht dahin gieng, das Centrum unserer Stellung hinter dem Rußbach bey Deutsch Wagram zu durchbrechen, drang er in der Richtung von Aderklaa und Großhofen vor, besetzte dieser letztere, nachdem er die Jäger aus Glinzendorf vertrieben hatte, und schickte beträchtliche Kavallerie-Abtheilungen zwischen Markgrafen Neusiedl und Ober-Siebenbrunn vor.

Die Corps des Fürsten Rosenberg, Fürsten Hohenzollern und Grafen Bellegarde, welche die Höhe zwischen Markgraf-Neusiedl und Deutsch-Wagram couronnirten, traten nunmehr ins Gewehr, und erwiederten aus ihren Positions-Batterien das Feuer des Feindes, das von seiner ganzen Linie mit der äußersten Lebhaftigkeit gegen unsere Stellung hinter dem Rußbach spielte. Vierzig Feuer-Schlünde beschossen den Ort Baumersdorf und setzten ihn in Brand; mitten in den Flammen rangen beide Theile um seinen Besitz, der General Graf Ignatz Hardegg behauptete sich doch in demselben mit einer beispiellosen Entschlossenheit. Auf dem äußersten linken Flügel versuchte der Feind einen Angriff auf Markgraf-Neusiedl, welcher aber abgeschlagen wurde, und der Feldmarschall-Lieutenant Fürst Rosenberg zwang auch die feindlichen Cavallerie-Abtheilungen, die ihn bereits überflügelt hatten, sich wieder auf Glinzendorf zurückzuziehen.

Endlich als die Sonne sich bereits zu neigen anfing, und das Vorspiel der folgenden Schlacht durch die gegenseitige Canonade beendigt schien, glaubte der Feind die Standhaftigkeit unserer Truppen durch sein mörderisches Feuer aus schwerem Geschütz hinlänglich erschüttert zu haben, und seinen vorgefaßten Entwurf, das Centrum des Position mit stürmender Hand zu durchbrechen, ausführen zu können. Er drang daher von dem Rauche des in Brand gesteckten Orts Baumersdorf, und vom Dampfe der in einem anhaltenden Bataille-Feuer begriffenen Batterien begünstigt, in zwey geschlossenen Colonnen rechts und links von Baumersdorf über den Rußbach, und erstieg mit einer seltenen Kühnheit die Höhen unserer Stellung. Die Colonne rechts bestand aus einem Theile der Garden, und suchte vorzüglich den linken Flügel des hohenzollerischen Corps zu gewinnen; das Regiment Zach und ein Theil von Joseph Colloredo unter dem tapfern General Buresch leisteten den kräftigsten Widerstand, während der Feldmarschall-Lieutenant Fürst Hohenzollern selbst das Chevauxlegers Regiment Vincent herbeiholte, und dasselbe so rasch und entscheidend einhauen ließ, daß der Feind über den Rußbach zurückgeworfen, und von dem General Hardegg noch eine große Strecke in der Ebene gegen Raschdorf verfolgt wurde.

Die andere feindliche Colonne drang in eine von Baumersdorf gegen die Stellung laufende und in dem Intervall zwischen den Corps des Fürsten Hohenzollern und des Generals, Grafen Bellegarde gelegene Schlucht, warf sich mit Ungestüm zwischen beide Treffen, brachte den linken Flügel des Bellegardischen Corps in Unordnung, riß die Regimenter Vögelsang, Argenteau, und das 3te Bataillon von E. H. Rainer mit sich fort, und würde unterstützt von seiner schnell folgenden Kavallerie das unternommene Wagstück glücklich vollbracht haben, wenn nicht der Erzherzog Generalissimus selbst und der General der Cavallerie, Graf Bellegarde die wankenden Truppen wieder ralliirt, sich an ihre Spitze gesetzt, und sie dem Feinde entgegen geführt hätten.

Das Regiment Erbach drang unter der Anführung seines Majors Fromm, nachdem der Oberste Brixen blessirt war, aus dem 2ten Treffen in Divisions-Massen gegen den heranströmenden Feind, und machte alles nieder, was bereits durch das 1ste Treffen gebrochen war; Vögelsang, Argenteau und das 4te Legions-Bataillon schlossen sich an dieses tapfere Regiment an, und da zur nemlichen Zeit Fürst Hohenzollern, nachdem er den Angriff auf seinen linken Flügel abgeschlagen hatte, und die Gefahr auf seinem Rechten vernahm, sogleich mit Vincent herbeieilte, und dieses Regiment abermals einhauen ließ; so wurde durch diese gemeinschaftlichen Angriffe auch hier das Unternehmen des Feindes vereitelt, und alles, was sich noch retten konnte, floh gegen Rußbach zurück.

Hier stieß jedoch Vincent auf die zur Unterstützung nachgerückte feindliche Cavallerie, welche das Regiment mit einem Gegen-Angriff bedrohte; dieses sammelte sich abermals, und da Fürst Hohenzollern dasselbe noch mit 2 Divisionen von Hessen-Homburg Husaren verstärkte, und sich selbst an ihre Spitze setzte, so wurde der Feind noch einmal angegriffen, und mit einem ungeheuren Verlust ganz über den Rußbach geworfen. Der Erzherzog Generalissimus, welcher in der Melee des Sturms durch einen Streifschuß leicht verwundet wurde, belohnte die Tapferkeit des Regiments Erbach mit dem Vorrecht, künftig in allen Gelegenheiten den Grenadier-Marsch schlagen zu dürfen.

Das 4te Legions-Bataillon eroberte eine Fahne, und der Oberlieutenant Dittmayer von Argenteau ergriff einen feindlichen Adler, nachdem der Unterlieutenant Zlasnovsky dieses Regiments von drey Säbelhieben betäubt, die Fahne die er selbst führte, dem Feind überlassen mußte. Ein feindlicher General und mehrere Officiers wurden gefangen.

Nach diesen Ereignissen auf den Höhen hinter Baumersdorf erfolgte der Angriff der Sachsen auf Deutsch-Wagram, welcher von dem ganzen sächsischen Corps unterstützt wurde. Noch mehreren abgeschlagenen Versuchen, und nachdem der Oberste Oberndorf, welcher diesen Ort mit ausgezeichneter Bravour vertheidigte, blessirt war, gelang es dem Feind, sich des Haupt Eingangs van Aderklaa her zu bemächtigen, und sich im Dorfe auszubreiten; indessen rückte ein zur Unterstützung aufgestelltes Bataillon von Reuss-Plauen links, und ein Bataillon von Mittrovsky von der rechten Seite des Dorfs dem eindringenden Feinde entgegen, brachten ihn gegen den Haupteingang in ein mörderisches Kreuz-Feuer und zwangen ihn mit Hinterlassung vieler Todten, Blessirten und Gefangenen, den Ort eiligst zu verlassen, welcher zwar behauptet, aber während des Gefechts ganz in Flammen gesetzt wurde.

So endigte um 11 Uhr Nachts die Schlacht vom 5ten July; die Armee hatte alle Angriffe des Feindes auf ihre Stellung blutig abgewiesen, und erwatetet in Schlachtordnung den folgenden Morgen.


Die Stellung sämmtlicher Armee-Corps in der Nacht vom 5ten auf den 6ten war folgende:

Das 4te Armee Corps unter dem F. M. L. Fürsten Rosenberg, an welchen sich der F. M. L. Nordmann mit der bei Enzersdorf gestandenen Avantgarde angeschlossen hatte, bildete den äussersten linken Flügel, und hielt Markgraf Neusiedl und die Anhöhen rechts und links dieses Orts besetzt.
An dasselbe schloß sich das 2te Armee-Corps unter dem F. M. L. Fürsten Hohenzollern, welches bis hinter Baumersdorf reichte, und dieses Dorf besetzt hatte.
Den Raum von da bis Deutsch-Wagram, und diesen Ort selbst nahm das 1ste Armee-Corps unter dem General Grafen Bellegarde ein.
Diese drey Armee-Corps standen in 2 Treffen aufmarschirt, und hatten ihre Front durch den Rußbach gedeckt, der mit Tirailleurs besetzt war, und über welchen eine leichte Kette von Feldwachen vorpoussirt wurde.
Das Cavallerie-Reserve Corps unter dem General der Cavallerie, Fürsten Lichtenstein stand zwischen Deutsch-Wagram und Gerasdorf bis auf 4 Regimenter unter dem F. M. L. Grafen Nostitz, welche zur Versicherung des linken Flügels hinter der Höhe von Markgraf-Neusiedl aufgestellt waren. General Baron Fröhlich stand mit einigen Husaren Divisionen bey Ober-Siebenbrunn zur Beobachtung der linken Flanke.
Das Grenadier-Corps bivouacquirte vor Säuring, und das 3te Corps unter dem Feldzeugmeister Grafen Kollowrath bei Hagenbrunn.
Diese beyden Corps waren am 5ten nicht zum Gefecht gekommen, weil der Feind sich auch bey Nußdorf stärker als gewöhnlich gezeigt, und im Fall derselbe einen Angriff über die schwarze Lacke gegen den Bisamberg gerichtet hätte, das 3te Corps zur Behauptung desselben, so wie die Grenadiers zur Reserve für jedes unvorgesehene Ereigniß bestimmt waren. Erst nachdem der Feind seine Absicht ganz entwickelt, und am 5ten Abends auch die Gegend bey Nutzdorf von Truppen entblößt hatte, konnten diese beyden Corps ohne Gefahr zum Haupt-Angriff am 6ten verwendet werden.
Das 6te Armee-Corps unter einstweiliger Anführung des F. M. L. Grafen Klenau war auf den Höhen von Stammersdorf, und hielt seine Vorposten vorwärts Gerasdorf und Leopoldau.
Das 5te Corps nnter dem Feldzeugmeister Fürsten Reuß nahm keinen Theil an der Schlacht, sondern hielt den Bisamberg, die sogenannte schwarze Lacke, und die obere Donau bis Krems mit Beobachtungsposten besetzt.

Sämmtliche diese Corps mit Ausnahme des letztern bildeten eine Heeresmacht von nicht vollen 100,000 Streitbaren, bei welchen 410 Stück Feldgeschütz von verschiedenem Kaliber eingetheilt waren.

Der Feind hatte Glinzendorf, Großhofen, Aderklaa, Süssenbrunn und Hirschstätten in Besitz. Das Gros seiner Armee stand bei Raschdorf in mehreren Treffen aufmarschirt, und seine Linie gieng von Aspern über Raschdorf bis Glinzendorf.

Da die große-Fläche des Marschfeldes jede Täuschung beinahe unmöglich macht, und nur die Mehrzahl der hinter einander aufgestellten Treffen die Beurtheilung der eigentlichen Stärke beschränken konnte; so schätzte man die Stärke des Feindes, wie sich solche am 6ten mit Tages Anbruch dem freyen Auge darstellte, auf 140 bis 150000 Mann; nach einer spätern Aeusserung des Kaysers Napoleon selbst aber und aller seiner Generale bestand sie mit Einschluß der unter dem Vice-König herbeigezogenen Italienischen Armee und aller Hülfstruppen der deutschen Bundesfürsten aus 180000 Streitern, bei welchen sich ein Artillerie-Train von 584 Piecen meist schweren Kalibers befand.


In der Nacht um 12 ½ Uhr wurde in einem vom Feuer noch nicht ergriffenen Hause zu Deutsch-Wagram zur bevorstehenden Schlacht am 6ten Julii entworfen:

"Das 6te und 3te, dann das Grenadier-Corps sind zum Angriff des feindlichen linken Flügels bestimmt; Feldmarschall-Lieutenant Klenau stützt seinen rechten Flügel an die Donau, und bleibt in steter Verbindung mit dem Feldzeugmeister Kollowrath, welcher seine Richtung über Leopoldau gegen Breitenloe nimmt; dieser verbindet sich mit dem Grenadier-Corps, welches seinen Marsch auf Süssenbrunn richtet. Alle drey Corps setzen ihren Angriff in den angezeigten Direktionen auf das lebhafteste fort.
"Das Cavallerie-Reserve-Corps unter dem General der Cavallerie, Fürsten Lichtenstein rückt zwischen Aderklaa und Süssenbrunn vor, sucht die Verbindung rechts mit dem Grenadiers- und links mit dem 1sten Corps unter dem General der Cavallerie, Grafen Bellegarde.
"Das 1ste Corps marschirt auf Aderklaa, bleibt rechts mit dem Cavallerie-Corps in Verbindung, und stützt seinen linken Flügel an den Rußbach. Graf Bellegarde hält jedoch die Höhe hinter Deutsch-Wagram mit einem Theil seines Corps besetzt, welches nach Maaß als die Vorrückung auf dem rechten Ufer des Rußbachs abwärts gelingt, ebenfalls diesen Bach passirt. Feldmarschall-Lieutenant Fürst Hohenzollern mit dem 2ten Corps behauptet die Position hinter dem Rußbach auf das äusserste, canonirt den Feind aus seinem Positions-Geschütz, und nach Maaß als das 1ste Corps gegen ihn Terrain gewinnt, passirt derselbe ebenfalls den Rußbach, und rückt en Front vor.
Marschall-Lieutenant Fürst Rosenberg mit dem 4ten Corps dringt gegen den rechten Flügel des Feindes, gegen welchen das Corps des Erzherzogs Johann sich bereits in Marsch befindet.
Feldzeugmeister Fürst Reuß wird den Spitz-, die schwarze Lacke, und die übrigen Posten an der obern Donau auf das äusserste halten. Feldzeugmeister Kollowrath läßt vom 3ten Corps eine Brigade mit einer Batterie auf der Höhe von Stammersdorf zurück.
Das 6te und 3te Corps brechen um 1 Uhr nach Mitternacht auf; -- Feldmarschall d'Aspre mit den Grenadiers um 3 Uhr früh; Fürst Lichtenstein rückt mit der Cavallerie in dem Maaß vor, als die Tete der Grenadiers-Colonne herbei kommt; -- Das erste Corps greift um 4 Uhr Morgens Aderklaa an, und Graf Bellegarde poussirt seine Attaque in dem Maaß, als Fürst Lichtenstein die nöthige Höhe erreicht, um beim Angriff mitwirken zu können.
Fürst Rosenberg setzt sich um 4 Uhr Morgens in Bewegung, um den rechten Flügel des Feindes anzugreifen, und sucht seine Verbindung mit dem Erzherzog Johann bey Siebenbrunn.
Die Schlachtordnung ist für die Infanterie in Bataillons-Massen oder Quarrés mit einigen Plenklern vorwärts. Die Stille wird besonders empfohlen, und das unnöthige Schiessen auf zu große Entfernung verboten.
Die Marschordnung bleibt jedem Corpskommandanten überlassen, eben so die Zusammensetzung der Avantgarden vor jeder Colonne, Fürst Lichtenstein giebt der Grenadir-Colonne ein Cavallerie-Regiment zur Avantgarde bei.
Der Erzherzog Generalissimus wird sich bei dem Corps des Grafen Bellegarde aufhalten.
Die erste Geschütz-Munitions-Reserve bleibt zu Groß-Enzersdorf, die zweite zu Wolkersdorf. Infanterie-Munition befindet sich beim Helmhof."

In Gemäßheit dieser Disposition setzte sich jedes Armee-Corps in Marsch; da aber der spät erfolgte Angriff auf Wagram, und die äusserst finstere Nacht die Erlassung und das Eintreffen der Befehle bei den entferntern Corps des rechten Flügels verzögert hatten; so konnten auch die Angriffsstunden von denselben nicht so genau eingehalten werden.

Das 4te Corps welches den Thurm *) und die Anhöhen hinter Markgraf-Neusiedl besetzt hielt, formirte sich früh um 4 Uhr in drey Colonnen, von welchen zwei bestimmt waren, die Dörfer Großhofen und Glinzendorf zu nehmen, die dritte aber, die aus Cavallerie bestand, jenen die linke Flanke zu decken.

Der Feind hatte den Ort Großhofen mit Infanterie und Geschütz besetzt; rückwärts stand feindliche Cavallerie in zwei Treffen. Eine ähnliche Stellung wurde bey Glinzendorf wahrgenommen, und beide Oerter waren durch eine Chaine Tirailleurs, unterstützt von kleinen Infanterie-Abtheilungen, verbunden.

Während die Angriffs-Colonnen des Fürsten Rosenberg sich in Bewegung setzten, sah man eine starke feindliche Armee-Abtheilung zwischen Kimmerleinsdorf und Breittenstätten rechts abmarschiren, welche bey Loibersdorf vorbey den Rußbach passirte, und in der Direktion von Ober-Siebenbrunn unaufhaltsam vorrückte.

Diese Bewegung hinderte zwar unsere Cavallerie-Colonne mit den beiden andern gleiche Höhe zu halten, dennoch gelang es den Avantgarden, die ersten Häuser der vorbenannten Dörfer zu erreichen, und die Colonnen setzten sich eben in Verfassung, durch einen stürmenden Angriff dem mörderischen Feuer des Feindes ein Ende zu machen, als der Befehl des Erzherzogs Generalissimus anlangte, auf dem linken Flügel inne zu halten, weil die Corps vom rechten zum gemeinschaftlichen Angriff noch nicht herangekommen waren, und der Erzherzog in der Besorgniß stand, daß das Corps des Fürsten Rosenberg allein den überlegenen Kräften des Feindes unterliegen würde; um so mehr als von der Anrücken des Erzherzogs Johann noch keine Spur vorhanden war.

Der Feind wurde nicht sobald die Stockung in den Bewegungen unsers linken Flügel gewahr, als er sein Feuer gegen denselben beträchtlich vermehrte, mehrere Stücke von der in der Ebene von Markgrafen-Neusiedl aufgeführten Artillerie demontirte, und selbst von den Positions-Batterien auf der Höhe einige zum schweigen brachte.

Dem Fürsten Rosenberg blieb demnach nichts anders übrig, als seine Angriffs-Colonnen unter dem Schutz ihrer vorpoussirten Avantgarden wieder in die Position zurückzuziehen, und daselbst aufmarschiren zu lassen.

Indessen hatte das 1ste Armee-Corps bey Tages Anbruch bemerkt, daß das bey Aderklaa gestandene sächsische Corps sich in Marsch nach Raschdorf setzte.


Augenzeugenbericht.Bearbeiten

Nach neun Uhr wurde unser General benachrichtiget, dass die sächsischen Truppen nicht über die Brücke gehen würden, die dicht vor unserem Lager lag, sondern über eine andere, die von der Insel Alexander aus geschlagen worden sey. Zwei Grenadierbataillone sollten zurückbleiben als Besatzung der Insel. Die zu unserer linken gelagerte Cavalerie setzte sich allgemach in Bewegung, und um drei viertel auf zehn Uhr sahen wir in einiger Entfernung die Escorte des Kaisers abreiten, worauf unmittelbar der Generalmarsch das längst erwartete Zeichen gab.

An der Spitze unserer Colonne marschirte die leichte Cavalerie. Bei jedem Bataillon der darauf folgenden Infanterie wurden, einer neuerdings befohlnen Anordnung gemäss, zwei Kanonen eingetheilt; den Beschluss machten die Garde du Corps und die Cuirassiere.

Die italienische Armee hatte noch nicht völlig die Brücken passirt. Die Artillerie stopfte sich an den Uebergängen. Wir mussten Halt machen, um die ganze Cavalerie der kaiserlichen Garde bei uns vorbei zu lassen. Die kalte stürmische Nacht hatte einen schönen heiteren Sommertag erzeugt, und es war in der That ein erfreulicher Anblick, die grossen geputzten Leute mit ihren Bärenmützen, glänzenden Helmen und Cuirassen auf den wohlgenährten Pferden im Sonnenschein dahin reuten zu sehen, als gienge es zur Musterung, statt in die Schlacht.

Meinen Hauptmann, der schon längst vor Ungeduld brannte, zu wissen, was sich drüben ereigne, ward endlich das stete Stocken und Zögern zu lang.

In der Gegend von Enzersdorf fieng es jetzt stärker an zu donnern. Das Massenasche Corps schlug sich mit der Avantgarde des feindlichen rechten Flügels. Es war wahrscheinlich, dass das Gefecht sich, falls die Oesterreicher überwältigt würden, längs der Donau aufwärts ziehen werde. Der Hauptmann wirkte sich daher die Erlaubniss aus, auf der Brücke unweit der Mühlinsel übergehn, und das Gefecht bei Esling und Aspern so lange in der Flanke beobachten zu dürfen, bis das sächsische Corps, das fast zur Reserve bestimmt zu seyn schien, thätig mit einzugreifen berufen werde. Ich begleitete ihn. Als wir an die erwähnte Brücke kamen, war man beschäftigt, die neben der Jochbrücke angelegten Schiffbrücken wieder abzubrechen und weiter abwärts nach Enzersdorf zu fahren. Ein Bataillon Badener hatte die Wache vor der Brücke und es ward thätigst an der Vollendung des noch nicht allzuweit gediehenen Brückenkopfs gearbeitet. Das vor demselben liegende Gehölz war, mit Ausnahme des dem Feinde zugekehrten Saumes, in ein Verhack zusammen gehauen. Wir mussten daher unsere Pferde zurücklassen, und der wachthabende Officier warnte uns auf unserer Hut zu seyn, weil die feindlichen Vedetten unmittelbar den unserigen gegenüber ständen. Mit grosser Mühe arbeiteten wir uns bei der drückenden Sonnenhitze durch das Labyrinth des Verhaus bis auf einen lichten Platz, wo wir auf Baumstämmen mit unsern Fernröhren zu recognosziren begannen. Wir sahen Aspern mit Schanzen und Schiessscharten vor uns liegen, aber keine Linie des Feindes. Einige Graumäntler mit Casketten, die seitwärts im Gebüsche sichtbar wurden, vertrieben uns von unserem Platze; das Gefecht schien ganz eine andere Richtung genommen zu haben und wir begaben uns zu unseren Pferden zurück. Die sächsische Batterie, welche anfangs zur Deckung dieses Brückenkopfs zurück geblieben war, fanden wir jetzt ebenfalls abmarschirt; die Cavalerie holten wir noch diesseits des Ueberganges ein. Am jenseitigen Ufer warfen die Sappeurs in der Geschwindigkeit ein Paar kleine Schanzen auf. Eine Brigade sächsischer Infanterie war zur Deckung des Ueberganges an denselben zurückgeblieben, mit dem Befehl, dieses Posten nicht eher zu verlassen, bis die dalmatische Armee zu ihrer Ablösung herangerückt sey. Die übrige Infanterie war über Enzersdorf hinaus, um sich links an die italienische Armee anzuschliessen. Davoust und Oudinot befanden sich auf dem rechten Flügel so weit vorwärts, dass man sie kaum absehen konnte, zur linken focht das Corps von Rivoli in der Gegend von Esling gegen eine ungefähr gleich starke feindliche Linie, die ihm das vorliegende Terrain Schritt für Schritt streitig zu machen schien. Der Marschall, der am Tage zuvor mit dem Pferde einen harten Fall gethan, commandirte zu Wagen. Den Vizekönig von Italien sahen wir zu Fuss mit der Charte in der Hand, von mehreren Adjudanten umgeben.

Noch immer war das Gefecht unbedeutend. Couriere kamen von vornher zurück, und riefen uns zu, die Schlacht sey gewonnen, der Feind ziehe sich eilfertig auf allen Puncten ab. In der That sah man nichts als in mehreren Richtungen einzelne ferne Kanonenblitze, als ob auf den Hauptstrassen die feindlichen Nachtrupps mit unseren Avantgarden sich schlügen.


Züge von Heldenmuth.Bearbeiten

In der Schlacht von Wagram war ein Bataillon des 12ten Infanterieregiments, Fürst Aloys Lichtenstein dem heftigsten Kanonenfeuer ausgesetzt; besonders richteten die Kugeln unter der in der Front stehenden Kompagnie eine schreckliche Verwüstung an: einschlagende Granaten zerrissen die Glieder, und die Verstümmelten und Leichen hinderten die, größtentheils aus jungen Soldaten bestehende, Mannschaft sich wieder zu schließen; Offiziers und Unteroffiziers sind meistens todt oder blessirt; das Bataillon fängt an zu schwanken, und die feindliche Kavallerie sprengt an, um von dieser Unordnung zu profitiren. In diesem Augenblicke von Gefahr drängt sich der Feldwebel Wenzel Neumann, von derselben Kompagnie aus der allgemeinen Unordnung hervor, wirft sein Gewehr der Länge nach den feindlichen Reitern entgegen, richtet die Glieder mit dem kältesten Blut, und stellt so halb, durch Zureden halb mit Gewalt die Ordnung wieder her, wodurch der Feind bewogen wird, von seinem Angriff abzustehen.
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Nicht immer besteht der Heldenmuth in Beweisen von Tapferkeit während des Gefechtes; eine großmüthige Preisgebung seiner eigenen Person zur Rettung anderer verdient ein eben so großes Lob, und ist oft noch verdienstvoller, zumal in solchen Augenblicken, wo Selbsterhaltung eine sehr nothwendige Pflicht wird.
Als die östreichische Armee nach der Bataille von Wagram in geschlossenen Quarrees vom Schlachtfelde abmarschirte, befand sich der Gemeine, Vincenz Laska, vom Regiment Kaiser Infanterie Nro. 1. unter den Tirailleurs, welche dem Feinde entgegengeworfen wurden, um sein rasches Andringen aufzuhalten. Die Hitze, ein dadurch erzeugter brennender Durst, und die blutigen Anstrengungen des Tages hatten jedermann ermattet: viele konnten sich kaum fortschleppen, viele stürzten kraftlos zu Boden, und mußten das Ziel ihrer rühmlichen Thaten in einer traurigen Gefangenschaft erwarten. So fand der oberwähnte Gemeine mehrere seiner Kameraden in einem hilflosen Zustande am Wege liegend. Gerührt von ihrer betrübten Lage vergaß er seine eigene Ermüdung, und suchte nur sie zu retten. Unvermögend alle auf einmal fortzubringen, ermunterte er diejenigen, die noch Kräfte zu gehen hatten, sprach ihnen Muth zu, und feuerte sie an ihm zu folgen; von den ganz Erschöpften lud er einen nach dem andern auf seine Schultern, trug ihn dem retirirenden Regimente nach, legte ihn, wenn er in dessen Nähe kam, nieder, um die andern nachzuholen. So gelang es diesem braven Manne bis gegen Abend alle seine Kameraden dem Regimente nachzubringen. Mehrmals wurde er bey dieser sauern Arbeit von einzelnen herumschwärmenden feindlichen Reitern überfallen; aber dieß schreckte ihn nicht ab; er legte seine bürde nieder, nahm sein Gewehr zur Hand, schlug sich mit ihnen herum, hatte das Glück zwey zu erlegen, andere zurückzuweisen, und so ungestört seinen lobenswerthen Zweck zu erreichen.
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Der Gemeine Stephan Layiß von Stipsicz Husaren wurde 8 July 1809 mit 4 Mann zum Streifen ausgeschickt, und drang bis nach Markgraf-Neusidl vor. Mitten unter den Ruinen des noch rauchenden Dorfes stieß er auf verwundete Österreicher, die ihn um Hülfe -- oder den Tod anflehten. Layiß entschlossen, die Unglücklichen zu retten, sandte seine Waffenbrüder fort, um Wägen herbey zu schaffen; er selbst sprengte auf das Schlachtfeld hinaus, und fand hier noch mehrere Österreicher, die Hülflos in ihrem Blute lagen. Als ein wahrer Himmelsbothe erschien den Verzweifelnden Layiß; er ließ Wasser herbeytragen, um ihren brennenden Durst zu löschen, und dann mit ihren Brüdern im Dorfe, in allen 67, auf 11 Wägen vertheilen. Allein die ganze Gegend wimmelte von feindlichen Nachzüglern, diesen schrecklichen Quälern des Landmannes; was jedoch eine kleine Schar, vom Heldensinne beseelt, zu leisten vermöge, das haben ja schon oft österreichische Krieger gezeigt! -- "Unsere verwundeten Brüder, rief Layiß seinen Waffengenossen zu, verlassen wir nicht, es mag kommen, wer da will." "Wir verlassen euch nicht war die Antwort der Braven, und sie hielten ihr Wort. Oft von einer großen feindlichen übermacht gedrängt, schlugen sie alle Angriffe feindlicher Streifenwachen blutig ab, und geleiteten alle Wägen glücklich über die March. Inniges Gefühl für die Leiden seiner Mitbrüder schmückte den Helden, um so schöner, je mehr er in Gefahr ist, die Gefühle der Menschlichkeit in steten wilden Gefechten zu verlieren. Layiß verdiente die silberne Tapferkeitsmünze, schon durch die innige Theilnahme an dem Schicksale seiner Waffenbrüder, wäre auch sein Heldensinn dadurch nicht erprobt worden.
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In der Schlacht von Wagram am 6. July sprengte ein feindlicher Husaren-Officier ganz allein vor die Front des sechsten Dragoner-Regiments Riesch, und forderte einen Mann heraus, der es mit ihm aufnehmen wolle. Der Gemeine, Peter Negedli, der schon mehrere Proben seines Muthes gegeben hatte, läßt sich dieß nicht zwey Mahl sagen. Mit Bewilligung seines Escadrons-Commandanten sprengt er auf den Goliath los, und haut ihn unter den stärksten Kugelregen zusammen.

Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1809.
  • Der Korrespondent von und für Deutschland. Num. 197. Sonntag. 16. Juli 1809.
  • Interessante Beyträge zu einer Geschichte der Ereignisse in Tyrol vom 10. April 1809 bis zum 20. Februar 1810. Gesammelt und herausgegeben zur unterhaltenden Vergleichung mit andern Nachrichten, Zeitungen und französischen Armee-Tags-Berichten -- nebst kurzen Anmerkungen. 1810.
  • Reise mit der Armee im Jahre 1809. Rudolstadt, im Verlage der Hof- Buch- und Kunsthandlung. 1811.
  • Neue militärische Zeitschrift. Wien 1811. Gedruckt bey Anton Strauß.
  • Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst. Zweyter Jahrgang 1811. Wien, gedruckt und im Verlag bey Anton Strauß.
  • Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst. Dritter Jahrgang 1812. Wien, gedruckt und im Verlag bey Anton Strauß.
  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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