Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Wavre, ein kleines in Belgien an dem Flüsschen Dyle gelegenes Städtchen, zählt ungefähr 3000 Einwohner und ist in den letzten Jahren durch das am 18. Juni 1815 zwischen den Franzosen und Preußen hier vorgefallene Treffen bekannt geworden.

Fürst Blücher hatte sich nämlich am 17. Juni nach der verlornen Schlacht von Ligny (s.d. Art. Ligny) mit seinem ersten, zweiten und dritten Armeecorps in einer vortheilhaften Position auf den steilen Höhen jenseits Wavre aufgestellt, theils um die Vereinigung mit Lord Wellington, der sich auch seinerseits in eine günstige Stellung bei Mont St. Jean gezogen hatte, leichter vollziehen zu können. Beide Feldherren verabredeten, daß Wellington seine Stellung so lange als möglich vertheidigen, Blücher aber ihm mit dem ganzen preußischen Heere zu Hülfe eilen solle. Diesem versprechen zufolge ließ dieser Held den 18. das vierte Corps aus seinem Beiwacht jenseits Wavre aufbrechen, es in dem zufällig in Brand gerathenen Städtchen Wavre die Dyle passiren und auf St. Lambert marschiren; ihm folgte das zweite Corps. Das erste brach gegen Mittag auf, um gegen Ohain vorzurücken, das dritte sollte gegen Chapelle St. Lambert dirigirt werden, und die Reserve bilden.

Alles außer dem dritten Corps war nun schon im Marsch, als plötzlich der Marschall Grouchy mit dem dritten und vierten französischen Armeecorps und zwei Reiterdivisionen erschien, und das Städtchen Wavre angriff. General Thielemann wendete sich sogleich gegen ihn, und es entstand nun ein Artillerie und Tirailleurgefecht längs der ganzen Dyle, dessen Hauptpunkt indessen stets Wavre blieb. Alle andern Corps blieben im Marsch, um ihre wichtigere Bestimmung zu erfüllen (s.d. Art. Waterloo), nur das 19. Infanterieregiment, und einige Cavallerieschwadronen, welche den Nachtrab des ersten Corps bildeten, wurden gegen das Dorf Limale, welches am äußerste rechten Flügel des Thielemannschen Corps lag, detachirt. Sie fanden die dortige Brücke und einen Theil des Dorfes schon von Feinde besetzt, setzten aber dennoch der von dort vorbrechenden Uebermacht einen so tapfern Widerstand entgegen, daß es das Vordringen des Feindes bis zur völligen Dunkelheit hinderte.

Das am Abend abgebrochene Gefecht wurde am Morgen fortgesetzt, der Feind forcirte die Höhen von Limale und General Thielemann beschloß deßhalb, da die Fortsetzung des Gefechts überdies durch die eingegangene Nachricht vom Sieg der Hauptarmee überflüssig geworden war, eine andere Stellung 2 Stunden rückwärts zu nehmen. Er ward auf dem Marsche dahin vom Feinde nicht beunruhigt, und erfuhr am Abend, daß auch die Franzosen sich zurückgezogen hatten. General Thielemann folgte hierauf dem Feinde, konnte jedoch nur die Spitze seines Nachtrabs einholen.

Der Verlust jedes Theiles möchte gegen 4000 Mann betragen.


Quellen und Literatur.[]

  • Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
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