Schlacht an der Katzbach.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Plan von der Schlacht von der Katzbach.

Katzbach, (Schlacht an der), den 26. Aug. 1813. Der Waffenstillstand zwischen Napoleon und den Verbündeten hörten mit dem Morgen des 17ten August auf. Blücher stand seit dem 14ten am rechten, der Feind am linken Ufer der Katzbach. Letzterer zog sich gegen den Bober zurück, und wich nach blutigen Postengefechten am 19ten und 20sten von Bunzlau, wo Ney die Boberbrücke abbrechen und die Verschanzungen zerstören ließ, bis hinter Löwenberg. Doch auf Napoleons Befehl rückte den 21sten das ganze französische Heer unter Ney, Macdonald, Lauriston und Sebastiani, zu denen noch Marmont und Mortier nebst allen Garden gestoßen waren, 130,000 Mann stark, wieder an das linke Boberufer vor. Denselben Tag kam der Kaiser in Löwenberg an. Sofort überschritten die französischen Heerhaufen hier und bei Bunzlau, wo Osten-Sacken vor Ney weichen mußte, den Bober, und drängten in drei blutigen Tagen die Verbündeten bis hinter Goldberg. Denn Blücher sollte jedes Hauptreffen gegen überlegene Macht vermeiden. Er stellte daher das Heer in einer durch Stromthäler und Höhenzüge gedeckten Gegend auf, und nahm den 23sten sein Hauptquartier zu Jauer an der wüthenden Neisse. Das feindliche befand sich zu Goldberg an der Katzbach. Aber schon am 23sten Nachmittags eilte Napoleon mit sämmtlichen Garden und den Heerhaufen unter Marmont und Mortier, nebst den Marschällen Berthier und Ney, nach Dresden zurück, um diese Stadt gegen das aus Böhmen hervorgebrochene Heer der Verbündeten zu behaupten. In Schlesien standen jetzt zwei Heere einander gegenüber, jedes etwa 80,000 Mann stark; unter Blücher: Sacken, York und Langeron mit ihren Heermassen; unter Macdonald: außer seiner Heerschaar, die von Ney und Lauriston, nebst der Reiterei unter Sebastiani. Als nun der Kampf mit gleicher Streitkraft beginnen sollte, regnete es fünf Tage und Nächte von 24. bis 28sten Aug. fast ohne Aufhören, daß alle Bergströme aus ihren Ufern traten. Doch Neys Heerhaufe rückte am 25sten bis an die Katzbach vor, und stand den 26sten bei Liegnitz; Lauriston stand bei Goldberg, und Macdonald hinter Goldberg. Schon hatte Blücher den Schlachtplan gegen sie angeordnet, als der Feind über die Katzbach ging, und die Heerhaufen unter Langeron und York zurückdrängte. Da ward er am 26sten von den Verbündeten zwischen Eichholz und Weinberg angegriffen. Sacken focht gegen Ney auf dem rechten, Langeron gegen Lauriston und Sebastiani auf dem linken Flügel, York gegen Macdonald in der Mitte des Bundesheeres. Aber zu weit war Lauriston auf dem linken Flügel der Verbündeten vorgegangen, als Blücher Nachmittags vom siegenden rechten Flügel her, an der Spitze der russischen Reiterei, mit Geschütz und Fußvolk auf Macdonald stürzte, und das feindliche Mitteltreffen zerriß. Man schlug sich mit blanken Waffen, da kein Gewehr losging. Ein Viereck französischer Grenadiere wurde von dem brandenburger Bataillon, das 200 Mann verlor, binnen 20 Minuten mit den Kolben zu Boden geschlagen, und aus dem todten Haufen wurden 150 Verwundete gefangen. So ward des Feindes Schlachtlinie durchbrochen! Als nun Blücher mit der Reiterei dem vorgedrungenen Lauriston in die Flanke fiel, mischten sich im furchtbaren Todeskampfe preußische und französische Reiterei, 8000 Mann. Nach einer Viertelstunde entschied Blüchers altritterlicher Muth, und die Heldenkraft seiner von heiliger Vaterlandsliebe begeisterten Schaaren, wie im Mittelpunkt der Schlacht, so auf beiden Flügeln den Sieg. Der Feind ward mit Roß und Mann in die wüthende Neisse und unter dem Rufe: Drauf und dran! in die Katzbach gestürzt. Am folgenden Tage schlug man das fliehende Heer bei Liegnitz; Blücher trieb es bis hinter Goldberg; am 28sten ward es bei Löwenberg geschlagen. Durch die angeschwollenen Bergströme aufgehalten, traf General Pacthod, der am 24sten von Löwenberg aus über Schönau marschirt war, um der verbündeten Armee bei Jauer in den Rücken zu kommen, zu spät in der Gegend des Kampfplatzes ein. Da er sich nun nicht bei Hirschberg auf das linke Boberufer retten konnte, zog er am rechten hinab bis gegen Löwenberg. Hier stieß er auf Langeron. Zwar setzte er sich auf den Höhen von Plagwitz, aber sein Haufe ward zertrümmert, und er entkam den 28sten mit nur 700 Mann zu Macdonald. Vergebens wollte dieser den 29sten mehrere Brücken über den Bober schlagen. Er wurde Nachmittags angegriffen, und wer nicht im Bober ertrank, ward gefangen. Doch entfloh Macdonald in der Nacht vom 29sten auf den 30sten mit etwa 12,000 Mann, die noch zusammenhielten, über den Bober nach Görlitz. Der ausgetretene Fluß hemmte die weitere schnelle Verfolgung. Dieß war der Sieg an der Katzbach. Die Verbündeten nahmen 103 Kanonen, 2 Adler, 250 Munitionswagen, des Feindes Lazareth, Gepäck, Feldschmieden und Mehlvorräthe; dabei machten sie 18,000 gefangene, nebst einem Divisions- und 2 Brigadegeneralen. Schlesien war befreit. Am 1sten Sept. erließ Blücher in kräftigen Worten den Siegesdank an sein Heer; und Alle lobten Gott unter freiem Himmel! Darauf trieb der graue Feldherr den Feind bis zum 7ten Sept. über den Queis und die Neisse bei Görlitz. Erst bei Rothkretscham, zwischen der Neisse und Spree, stellte sich Macdonald, als er Verstärkungen bekommen, wieder auf. Blücher blieb bei Görlitz auf dem rechten Neisseufer stehen, und vereinigte sich mit den Oesterreichern unter Bubna. Dadurch ward auch Böhmen frei gemacht; und Poniatowski, der bis Reichenberg vorgedrungen war, mußte sich den 17ten September in die feste Stellung bei Stolpen zurückziehen.


Biblioteka Narodowa w Warszawie.


Armeebericht von der schlesischen Armee.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[2]
Den 25sten August hatte die leichte Kavallerie des Korps v. Sacken, das Korps vom Marschall Ney bereits bis nahe vor Haynau verfolgt, als dieses abermals umwendete und gegen die Katzbach vorrückte. Der General en Chef ließ hierauf das Korps von Sacken bis Maitisch, das Korps von York bis Jauer rücken, und das Korps vom Grafen Langeron in der schönen Position bei Hennersdorf aufstellen. Das Korps v. Lauriston stand in der Position bei Goldberg; seine Avantgarde bei Prausnitz, das Korps von Macdonald hinter Goldberg, das Korps von Ney bei Rothkirch in der Gegend von Liegnitz. Der General en Chef gab die Disposition zum allgemeinen Angriff auf den 26sten August Nachmittag 2 Uhr. Alle 3 Korps sollten die Katzbach zwischen Goldberg und Liegnitz passiren, die Korps v. York und v. Sacken das Ney'sche Korps schnell angreifen und erdrücken, während das Korps des Grafen Langeron gegen Goldberg den Rücken beider Korps deckte. Als das Korps v. York auf den Höhen von Brechelshof ankam, ging die Meldung ein, daß der Feind gegen die Korps von Graf Langeron und v. York anrückte und bereits die Avantgarde dränge. Der General en Chef ließ seine Kolonnen halten und verdeckt aufstellen. Ein Landregen, der mit dem Tage angefangen hatte und bis in die Nacht dauerte, verdunkelte die ganze Gegend. Einige Batterien auf den Höhen von Triebelwitz aufgefahren, nöthigten den Feind, sich zwischen Weinberg und Eichholz zu entwickeln. Diesen Augenblick bestimmte der General en Chef zum Angriff. Die Avantgarde und die Brigade Horn griff den rechten Flügel des Feindes bei Weinberg an. Die Brigade Prinz v. Mecklenburg folgte, die Brigade von Hünerbein deckte die linke Flanke gegen das Korps v. Lauriston, die Brigade von Steinmetz machte die Reserve. Der General en Chef theilte diese Disposition dem General Baron von Sacken mit und forderte ihn zum Angriff des feindlichen linken Flügels auf. Antworten Sie dem General: Hurrah! erwiederte dieser tapfere General, und alles warf sich auf den Feind. Der unaufhörliche Regen machte, daß bald die Gewehre nicht mehr losgingen. Die Infanterie kam zur Bajonett-Attaque, die preussische Reiterei hieb mit einzelnen Eskadronen ein, nahm Kanonen, und dem Feind blieb nichts übrig als mit seiner Kavallerie einen Angriff zu seiner Rettung zu versuchen. Die preussische Kavallerie ging ihr entgegen. 8000 Mann Kavallerie tummelten sich gegen einander. General Baron von Sacken drang auf seiner Seite unaufhaltsam vor, und der Feind wurde die steilen Thalränder der wüthenden Neisse und Katzbach hinunter gestürzt. Er mußte der kombinirten Armee das Schlachtfeld und den größten Theil seines Geschützes überlassen, sein Heil in der Flucht über die wüthende Neisse und Katzbach suchend. Die Schlacht ging gegen 3 Uhr Nachmittags an und dauerte bis in die Nacht, wo sie an der Katzbach endete. In jedem Augenblick werden Gefangene, Kanonen und Pulverwagen eingebracht. Ihre Zahl ist noch nicht zu übersehen, 16 Kanonen wurden mit dem Degen in der Hand genommen, in einem einzigen Defilé fand man 4 Kanonen, 2 Haubitzen und 39 Pulverwagen. Die wüthende Neisse und die Katzbach sind in der heutigen Nacht durch den fortwährenden Regen so angeschwollen, daß sie nicht mehr ohne Brücken zu passiren sind. Der Verlust der kombinirten Armee ist nicht bedeutend. Wir haben keinen Offizier von Rang verloren. Unter den Gefangenen befindet sich der französ. Gen. Südau."


Bericht eines Augenzeugen, über die Flucht der Franzosen nach der Schlacht an der Katzbach durch Nieder-Krayn bei Goldberg.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[3]

Nieder-Krayn ist ein Dorf an der wüthenden Neißa zwischen Jauer und Goldberg, da, wo der Hauptübergang über diesen damals angeschwollenen Bach geht. Vorwärts dieses Dorfes wurde die Schlacht entschieden, durch das Dorf ging fast die ganze Flucht der geschlagenen Armee durch.

Nachmittags, den 26sten Aug. 1813, war die Schlacht entschieden, und nun begann die wildeste Flucht, welche man sich nur denken kann. Die Franzosen kamen im bunten Gewühle die Engwege hinuntergestürzt, welche die Höhen längs dem rechten Ufer der wüthenden Neißa bilden und von Gross-Jänowitz nach Krayn führen. Infanterie, Cavallerie, Trainpferde, Kanonen und Munitionswagen eilten durch einander, eins über das andre herstürzend, die Bergwege hinunter. Hier und da blieb ein Wagen oder eine Kanone im Moraste stecken oder fiel um; dann erhob sich ein wildes Geschrei der Nachfolgenden, die nicht weiter konnten, und auf die Vordern losschlugen. Jeder war nur für seine Rettung besorgt. Die Trainknechte schnitten daher die Stränge ab und ließen Kanonen und Wagen im Stich, wodurch die Flucht der Nachkommenden verzögert, und die allgemeine Verwirrung vergrößert wurde. Die Reiter jagten dermaßen die Anhöhen hinunter, daß unter vielen die Pferde zusammenstürzten. Die Fußsoldaten wurden ohne Schonung überritten, und suchten sich daher Wege durch Gärten und Häuser zu bahnen, um vor den Pferden und Säbelhieben der ihnen nachfolgenden franz. Reiterei sicher zu seyn. Das Angstgeschrei der Flüchtenden erhöhte noch die Verwirrung; jeder schien schon das gezückte Schwert über sich zu sehen. Alles stürzte nach der einzigen Brücke über die wüthende Neißa, die sich dicht vor dem Dorfe befindet; aber nur ein Theil war im Stande auf diesem schmalen Punkte den Fluß zu passiren. Daher warf sich die Mehrzahl in das Wasser, um watend oder schwimmend das andere Ufer zu erreichen. Viele fanden darin ihren Tod. Wagen und Kanonen blieben darin stecken. Der sogenannte Küchenteich und der Mühlgraben lag besonders voll Munitionskarren. Alle Stackete und Zäune wurden niedergeworfen, um schneller entfliehn zu können, und einer dem andern zuvorzukommen. Verwundete ohne Zahl, wenigstens noch unverbunden, und blutige Spuren zurücklassend, ledige Pferde, zum Theil die Sättel unter dem Bauche, suchten sich durch den Schloßhof zu retten. In den Gemächern des Schlosses lagen zahllose Kranke und Verwundete, ebenso in den Scheunen. Wundärzte waren mit ihnen beschäftigt; alle Wände widerhallten von dem Wimmern der Verwundeten, denen ohne Schonung die beschädigten Glieder abgenommen wurden, und die zum Theil noch unter dem Verbande starben. Ueberall sah man das scheusliche Elend des Krieges.

Einige franz. Batterien, die das Dorf glücklich passirt hatten, begannen nun auf dasselbe Granaten zu werden, um die nachfolgenden Preußen und Russen aufzuhalten. Allein wie viele auch auf die Strohdächer fielen und die Mauern durchlöcherten, so zündete doch keine, da der unaufhörliche Regen alles durch und durch durchnäßt hatte.

Wie hatte sich das alles in wenigen Stunden so ganz geändert. Noch während der Schlacht hatten viele franz. Reiter das Dorf überfallen. Sie drangen ins Schloß, forderten Wein und Geld, und während einige sich mit Brot und Branntwein abfinden ließen, bestanden andere schlechterdings auf Wein. Ihre Zudringlichkeit zwang mich zur Flucht. Ich wendete mich an einen alten Artillerie-Capitän, der auch sogleich mit mir kam, und mit den Worten: où sont-ils, ces canailles? ins Schloß trat, und Herz genug hatte, die Plünderer mit dem Degen hinauszutreiben.

Indessen war immer noch während der Schlacht das Hauptquartier des Marschalls Macdonald in Nieder-Krayn angesagt worden. Seine fliegende Küche wurde in dem Schlosse abgepackt; die Köche schienen an die Möglichkeit, daß die Schlacht verloren gehen könnte, gar nicht zu glauben, und schon waren sie mit Zubereitung der Speisen beschäftigt, als plötzlich eilig heransprengende Reiter den Befehl brachten, sogleich alles wieder einzupacken und sich zurückzuziehen. Ich finde keine Worte, die Unordnung und Verwirrung zu beschreiben, mit welcher dieß geschah, und die von diesem Augenblick an sich der Franzosen bemächtigte. Zwei Stunden früher hatten noch franz. Officiere zu mir gesagt: "allez! allez! vos Prussiens ne mettront jamais plus un pied sur ce territoire. -- Jetzt hörte ich mehrere Officiere stöhnen: "Ah! mon Dieu! quelle perte aujourd'hui! Andere Soldaten wieder hörte ich schreien: Allons! Sauvons-nous, Camerades! Les barbares sont derrière nous!


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Conversations-Lexicon oder encyclopädisches Handwörterbuch für gebildete Stände. Stuttgart bei A. F. Macklot. 1816.
  2. Darstellung des Feldzuges der Verbündeten gegen Napoleon im Jahr 1813. 1814.
  3. Die Ameise oder Bemerkungen, Charakterzüge und Anekdoten, auch Schlachtberichte vom Kriegsschauplatze im Jahr 1812 bis 15. Als Fortsetzung der Sammlung von Anekdoten und Charakterzügen auch Relationen von Schlachten und Gefechten aus den merkwürdigen Kriegen in Süd und Nordteutschland. Herausgegeben von Ludwig Hußell. Erste Sammlung. Leipzig 1814, in der Baumgärtnerschen Buchhandlung.
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