Fandom


Preussisch Schlesien.Bearbeiten


Schlesien (Preussisch),[1] großes, ehemals zu dem Königreiche Böhmen gehöriges jezt souveränes Herzogthum. Es gränzt gegen Westen an Böhmen und die Lausitz, gegen Norden an die Mark Brandenburg, gegen Osten an das Oesterreichische Schlesien, und gegen Süden an das Herzogthum Warschau. Der Flächeninhalt, mit Einschluß der Grafschaft Glatz, beträgt gegen 640 ge. Meilen. Die Zahl der Einwohner betrug 1,795,468 nach der Zählung im Jahr 1797. Das Militär, welches unter dieser Zahl nicht begriffen ist, betrug 43,800 Mann. Im Jahr 1804 aber fanden sich 2,048,600 Einwohner, welche in 160 Städten, und 5,300 Dörfern leben. Von den Einwohnern sprechen die mehrern in Oberschlesien Polnisch, in Niederschlesien Deutsch; unter den erstern befinden sich auch mehrere Katholiken, unter den leztern mehrere Protestanten. Ihre Proportion war im Jahr 1794 folgende: 88,000 Lutheraner; 850,000 Katholiken, 4000 Reformirte, 1700 mährische Brüder und 9800 Juden. Das Klima des Landes ist sehr verschieden. Die südlichern Striche liegen ganz im Gebirge, und haben einen viel längern Winter als die nördlichern Theile; und auch hier sind die westlichern dem Riesengebirge nahen Striche kälter, als die östlichern an Warschau gränzenden. Der Oderstrom durchschneidet das ganze Land von Süden nach Norden; die Gegenden an seiner Ostseite haben viel Sand und Waldungen; die westlichern mehr steinigtes, aber im Ganzen fruchtbareres Land. Unter den Produkten der Erde wird nur der Flachs ein wichtiger Artikel für Ausfuhr und Fabriken. In dem Innern der Erde findet man aber mehrere Sorten von unächten Edelsteinen, Marmor, und vorzüglich viel Eisen, auch Kupfer, einiges Silber, viel Steinkohlen, mineralische Quellen. Die Manufakturen Schlesiens sind von großer Wichtigkeit, doch zeichnen sich von allen die Leinwandmanufakturen, und dazu gehörigen Spinnereyen und Bleichen aus; sie lieferten für 10 1∫2 Mill. Thaler Waare im Jahr 1805. Aber auch die Wollen- und Baumwollenmanufakturen, nebst den Lederbereitungen, sind von nicht viel geringerer Bedeutung. Die königl. Einkünfte betrugen jährlich 8 Millionen Thaler. Das ganze Land, und auch das Preussische Schlesien, wird gewöhnlich in Ober- und Niederschlesien eingetheilt. In Oberschlesien, welches gegen Süden liegt, sind die Fürstenthümer Teschen, Oppeln, Ratibor, Troppau, Jägerndorf, nebst den freyen Herrschaften Plessen und Beuthen. Es wird darinn viel polnisch, an etlichen Orten mit böhmisch und ungarisch untermischt, geredet, und die Sitten und Lebensart sind von der niederschlesischen merklich unterschieden. In Niederschlesien, welches gegen Norden liegt, sind die Fürstenthümer: Breßlau, Schweidnitz, Jauer, Liegnitz, Brieg, Wolau, Glogau, Oels, Münsterberg, Sagan, Trachenberg, Carolath, Grotkau und Trossen, nebst den freyen Herrschaften Wartenberg, Militsch und Goschütz, darinn die deutsche Sprache und Sitten durchgehends üblich sind. Das Preussische Schlesien ist aber in kameralistischer Rücksicht in 48 landräthliche Kreise getheilt, von welcher 32 zum Breßlauischen, und 16 zum Glogauischen Departement gehören. Die Hauptstadt ist Breßlau. Das ganze Land gehörte ehemals dem Hause Oesterreich; nach erfolgtem Tode Kaiser Carls VI. gieng aber eine große Veränderung vor. Die älteste Erzherzogin und Königin von Ungarn, Maria Theresia, nahm zwar das Land in Besitz; der König von Preussen aber machte 1740 als Kurfürst zu Brandenburg auf 4 Fürstenthümer, Jägerndorf, Liegnitz, Brieg und Wolau, Ansprüche, bemächtigte sich auch beynahe des ganzen Herzogthums, und erhielt in dem unter Großbritannischer Mediation geschlossenen Frieden, 1742 Ober- und Niederschlesien, (nur ein Stück von jenem ausgenommen,) nebst der Grafschaft Glatz, und zwar so, daß es von der Verbindung und Lehnarbeit der Krone Böhmen gänzlich frey und ledig seyn sollte. Ein Kammerdepartement wurde anfangs im Preuss. Schlesien errichtet, welches von dem Generaldirektorium in Berlin unabhängig war, und unter einem zu Breslau wohnenden Staats- und Kriegsminister stund. Die Justiz besorgen die drey Oberlandeskollegia zu Breslau, Glogau und Brieg. -- Die Katholiken sind in Ausübung ihrer Religion völlig ungekränkt, haben als geistliches Oberhaupt den Bischof von Breslau, und eine eigene Universität und 7 Gymnasien zu Breslau, Glogau, Glatz, Neisse, Oppeln, Leobschütz und Grüssau, welche im Jahr 1800 eine verbesserte Einrichtung erhalten haben. Die ehemaligen Kloster-Gymnasien sind aufgehoben. -- Im Jahr 1807, litt Schlesien sehr durch den Krieg Frankreichs gegen Preussen, durch die langewährenden Einquartierungen und durch die Hemmung des Leinwandhandels. Da nun seit dieser Zeit Neuschlesien an das Herzogthum Warschau abgetreten worden ist, und der Krieg die Bevölkerung um 50000 Seelen verminderte, so fanden sich im Jahr 1809 nur 1896359 Einwohn. in Schlesien.

Bey den darauf im J. 1744 abermal entstandenen Unruhen erhielt der König von Preussen Schlesien auf das neue, durch den Frieden zu Dreßden 1745, worauf ihm der Besitz davon theils in dem Aachner Frieden, Artic. 22, theils durch das Reich 1751 garantirt wurde. Als 1756 der König von Preussen glaubte, man habe den Gedanken, österreichischer Seits Schlesien wieder zu erobern, u. deswegen den ihm nachtheiligen Absichten zuvor kommen wollte, so entstund der blutige Krieg, in welchem gedachter K. von Preussen, in Verbindung mit Großbritannien, wider Oesterreich, und die mit diesem Hause verbundene Sachsen, Franzosen, Russen und Schweden, wie auch gegen die Reichsarmee zu streiten hatte, und in welchem Schlesien sehr mitgenommen wurde. In dem darauf erfolgten Hubertsburger Frieden, 1763 behauptete der K. von Preussen das ihm 1742 abgetretene Schlesien, und half, durch weise Anstalten, dem Lande wieder auf.


Literatur.Bearbeiten

  • Geographisch-Statistische Beschreibung des Herzogthums Schlesiens und der Grafschaft Glaz herausgegeben von J. G. Sternagel. Breslau, bey August Schall 1805.
  • Geographische Beschreibung des Herzogthums Schlesien und der Grafschaft Glatz. Herausgegeben von J. G. Sternagel. 1815.


Quellen.Bearbeiten

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.