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Das kaiserliche Schloß zu Compiegne.

Das Geburtsfest des Kaisers ist hier mit der größten Feierlichkeit begangen worden.

Die Arbeiten an dem kaiserlichen Schlosse werden ununterbrochen und mit großer Thätigkeit fortgesetzt. -- Alle Fremde, die hier durchreisen, verweilen hier, um die Verschönerungen zu besehen, die seit vier Jahren auf Befehl des Kaisers Napoleon an dem kaiserlichen Residenzschlosse vorgenommen worden sind.

Nicht nur sind alle einzelnen Theile der Gebäude des Schlosses, die während der Revolution sehr viel gelitten hatten, ganz wieder in den vorigen Zustand hergestellt worden, sondern man hat auch noch eine neue, ausnehmend schöne Gallerie hinzugefügt.

Die großen Gemächer sind auf eine bequemere Art eingetheilt worden. Das ganze Innere hat man verschönert, und nach heutiger Sitte ausgeschmückt. Die Zimmer des Kaisers sind des Monarchen würdig, zu dessen Wohnung sie bestimmt sind. Man zeichnet darunter besonders das Cabinet, das Schlafzimmer und die Bibliothek Sr. Majestät aus. Das große Cabinet, das durchaus mit Gobelinstapeten behangen, und mit herrlichen Gemälden und sehr kostbaren Leuchtern verziert ist, giebt einen sehr überraschenden Anblick. Das Schlafzimmer ist mit carmoisinrothen Lyoner Stoffen tapeziert, mit welchen auch die Möbeln überzogen, die noch mit Gold garnirt sind. -- Die Bücherbreter der Bibliothek sind zwar nur von französischem Holze ausgearbeitet: sie stellen aber sehr täuschend Mahagony vor, sind mit vergoldetem Bronze ausgeschmückt, und enthalten treffliche Werke und seltene Handschriften. Auf den Spiegeltischen und dem Camine stehen die Statuen der vier ausgezeichnetsten Schriftsteller aus dem Zeitalter Ludwig's XIV.

Jedermann bewundert dieses vortreffliche Appartement. Aber nichts kömmt der Pracht und dem Geschmacke bei, die sowohl in der Verzierung, als in der Möblirung des Appartements der Kaiserin herrschen.

Der erste Saal zeigt in den Plafonds und den Attiken Kameen grau auf grau gemalt, welche die herrlichste Wirkung thun. Acht Gemälde, welche die verschiedenen Felder der Wände des Saales einnehmen, stellen die vollkommenst treuen Abbildungen der seltensten und malerischsten inn- und ausländischen Blumen dar. Die Möbeln haben Lilagrund mit sehr gefälligen Figuren von Blumen überstreut, die mit denen auf den gedachten auch Gemälden in vollkommener Uebereinstimmung stehen.

Der große Saal ist mit Stuccaturarbeit verziert, welcher den Achat nachahmt, und wird noch durch vier Gemälde, welche die vier Jahreszeiten mit ihren Attributen darstellen, geschmückt. Die Decke ist mit vortrefflichen Gemälden verziert. Die Möblen sind mit dem schönsten, kostbarsten Stoffe überzogen, der seit zehn Jahren aus den Lyoner Fabriken gekommen ist. Er hat Gold auf grünem Grunde.

Das Schlafzimmer übertrifft alle andere Gemächer, in Rücksicht der Pracht. Das Bette stellt zwei Füllhörner dar, die mit Blumen und Früchten angefüllt sind. Der Betthimmel besteht aus einem Blumenkranze, in dessen Mitte der Namenszug Sr. Maj. der Kaiserin Marie Louise strahlt. Das Bettzeuch von weißem Reps, mit goldenen Borten und Frangen verziert, wird von zwei, vier und einen halben Fuß hohen Statuen von vergoldetem Holze empor gehoben. Hinter dem Bette zeichnet sich eine seidene Draperie nach Römischer Art, von hochrothem Grunde, mit goldenen Mohnköpfen überstreut, aus. Die Stühle sind dieser Draperie gleich.

Die Baukunst, die Verzierungen und die Zeichnungen besorgte der kaiserl. Baumeister, Herr Berthault. die feine Tischlerarbeit und die Bücherbreter sind vom Herrn Jacob; die Wand- und Deckengemälde sind von den Herrn Redouté und Dubois, und die Möbeln von dem Pariser Tapezierer Herrn Darrac. Die Aufsicht führte der Oberaufseher über die kaiserlichen Mobilien.

Die hier beschriebene Wohnung der Kaiserin, welche so schön Pracht mit Geschmack vereinigt, ist, nach der einstimmigen Meinung der Kenner, die schönste Wohnung in Frankreich.

Man arbeitet gegenwärtig an der Vollendung der Anlagen der Gärten. Bei seiner letzten Anwesenheit hat Se. Majestät unter Andern befohlen, eine Blumenlaube als Bogengang anzulegen, welche von dem Auftritte des Schlosses bis in den Wald führte, und dem Spaziergänger einen lieblichen, schattigen Gang anböte, der sich in einer Länge von 800 Toisen und einer Breite von 14 Fuß hinziehen soll. -- Man spricht auch von der Grabung eines Canals von ungefähr derselben Länge auf welchem Ihre Majestäten zu Schiffe von dem Ausgange aus dem Schlosse bis zur ersten Station des Jagdreviers auf dem Wasser fahren könnten.

Seine Majestät hat auch befohlen, die Marställe und mehrere Gebäude, die verkauft worden waren, und jetzt in Trümmer zerfallen, wieder anzukaufen.

Alle Maßregeln, die der Kaiser ergreift, um die zum Hofstaate gehörigen Einrichtungen zu treffen, sind lauter Wohlthaten für unsere Stadt, welche nicht nur durch die väterliche Sorgfalt unseres Monarchen ansehnlich verschönert, sondern auch dadurch würdig gemacht wird, von geschmackvollen Reisenden aus Wißbegierde besucht zu werden, die auch der Hofhaltung des Monarchen nachziehen werden, der ohne Zweifel jedes Jahr eine kurze Zeit in unserer Mitte zubringen wird.

In dem Augenblicke, in welchem dieses geschrieben wird, schmeichelt man uns wieder mit der baldigen Ankunft des Kaisers. --

Quellen und Literatur

  • London und Paris. Jahrgang 1810. Rudolstadt, im Verlage der Hof- Buch- und Kunsthandlung. 1810.
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