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Im Hauptquartier zu Nizza am 8ten Germinal, im Jahre 4. (d. 28sten März 1796.)

Der Obergeneral Bonaparte an das Vollziehungsdirectorium.

Ich bin seit mehrern Tagen im Bezirk der Armee, deren Oberbefehl ich seit gestern übernommen habe.

Von drei wesentlichen Gegenständen habe ich Ihnen Bericht zu erstatten: 1) von den Departements Vauclüse, der Rhone-Mündungen, des Var und der Nieder-Alpen; 2) Von dem Zustande der Armee, von dem, was ich that und was ich hoffe; 3) Von unsrer politischen Lage in Beziehung auf Genua.

Die vier Departements des Bezirks der Armee haben weder das gezwungene Anlehn und die Contributionen an Getraide bezahlt, noch die durch das Gesetz vom 7ten Vendemiaire ausgeschriebenen Fouragelieferungen bewerkstelligt, noch auch die Stellung des dritten Pferdes begonnen.

Es herrscht große Langsamkeit im Gange dieser Verwaltungen; ich habe den Angestellten geschrieben und mit ihnen geredet; man hat mich einige Thätigkeit in Hinsicht dieser für die Armee so wichtigen Gegenstände hoffen lassen.

Die administrative Lage der Armee ist sehr unangenehm, aber sie ist nicht hoffnungslos. Die Armee wird künftig gutes Brod essen und Fleisch haben; schon hat sie einige Vorschüsse auf ihr rückständiges Darlehn erhalten.

Die Etapen auf der Marschroute durch das Rhone- und das Var-Departement sind verproviantirt und seit fünf Tagen ist meine Cavallerie, mein Fuhrwesen und meine Artillerie in Bewegung. In Kurzem werde ich marschiren. Ein Bataillon hat sich der Meuterei schuldig gemacht; unter dem Vorwande, daß es weder Schuhe noch Geld habe, weigert es sich, von Nizza auszumarschiren. Ich ließ alle Grenadiere in Verhaft nehmen, ich ließ das Bataillon ausrücken; als es aber mitten in der Stadt war, ertheilte ich Gegenbefehl und ließ es in den Rücken der Armee marschiren. Es ist meine Absicht, dieß Corps zu verabschieden und die Soldaten andern Bataillonen einzuverleiben, indem auch die Officiere nicht Eifer genug bewiesen haben. Dieß Bataillon besteht nur aus 200 Mann und ist wegen seines Hanges zur Meuterei bekannt.

Ich bin bei der Armee mit Vertrauen empfangen; insbesondere war ich mit der Aufnahme des Generals Scherer zufrieden. Er hat sich durch sein rechtliches Benehmen und durch seinen Eifer, mit alle Nachrichten mitzutheilen, die von Nutzen für mich seyn konnten, Anspruch auf meine Dankbarkeit erworben. Seine Gesundheit scheint in der That etwas zerrüttet zu seyn. Er verbindet mit großer Leichtigkeit des Vortrages moralische und militairische Kenntnisse, die ihn vielleicht in irgend einer wichtigen Stelle nützlich machen können.

Unsere Lage in Beziehung auf Genua ist sehr bedenklich; man benimmt sich sehr schlecht; man hat entweder zu viel oder zu wenig gethan; aber glücklicherweise wird die Sache keine andern Folgen haben.

Die Regierung von Genua hat mehr Genie und Kraft, als man glaubt; man kann nur zwei Wege gegen sie einschlagen: entweder Genua durch einen raschen coup de main wegnehmen, -- allein dieß läuft Ihren Absichten und dem Völkerrecht zuwider, -- oder mit den Genuesern in Freundschaft leben und nicht suchen, ihnen ihr Geld abzuzwingen, das Einzige was sie schätzen.

Bonaparte.
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Ebendaselbst, am 8ten Germinal d. J. 4. (den 28. März 1796.)

An den Chef des Generalstabes.

Es ist meine Absicht, am 12ten von Nizza abzugehen, um mein Hauptquartier zu Albenga zu nehmen; Sie werden Befehl ertheilen, daß Alle an diesem Orte vertheilt werden und Jeder nach seinem Grade und dem Militär-Reglement einquartirt werde. Es ist unumgänglich nöthig, daß sämmtliche Truppen am 10ten dort eingerückt sind.

Bonaparte.

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Quellen.Bearbeiten

  1. Ungedruckte amtliche und vertrauliche Correspondenz Napoleon Bonaparte's mit fremden Höfen, Fürsten, Ministern, französische und auswärtigen Generalen in Italien, Deutschland und Aegypten. Erster Band. Italien. Leipzig, 1819. J. C. Hinrichssche Buchhandlung.
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