Actenstücke der letzten Unterhandlungen zwischen Frankreich und England.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

[1]
Fortsetzung der im Moniteur bekannt gemachten officiellen Actenstücke in Betreff der abgebrochenen Friedensunterhandlungen zwischen Frankreich und England.

Nr. 1.

Downing-Street, den 10. Febr. 1806.

"Herr Minister! Ich halte es für meine Pflicht, als ehrlicher Mann, Ihnen auf das Schleunigste von einem sehr seltsamen Ereigniß Nachricht zu geben, das Kürzeste wird seyn, Ihnen ganz einfach die Sache, wie sie sich zugetragen hat, zu erzählen. Vor einigen Tagen machte mir Jemand die Anzeige, er sey so eben zu Gravesand ohne Paß gelandet, und bitte mich, ihm einen zu schicken, weil er kürzlich von Paris käme, und mir Dinge mitzutheilen hätte, die mir Vergnügen machen würden. Ich unterhielt mich mit ihm in meinem Cabinete, wo dieser Bösewicht, nach einigen unbedeutenden Gesprächen, die Verwegenheit hatte, mir zu sagen, daß man, um alle Kronen zu beruhigen, das Oberhaupt der Franzosen umbringen müsse, und daß man für diesen Endzweck zu Passy ein Haus gemiethet habe, von wo aus man diesen abscheulichen Anschlag sicher und ohne Gefahr ausführen könne. Ich habe nicht recht verstanden, ob dies mit gewöhnlichen Gewehren, oder gar mit Feuerwaffen von einer neuen Einrichtung geschehen solle. Ich schäme mich nicht, Ihnen zu gestehen, Ihnen, Herr Minister, der sie mich kennen, daß ich in einer ausserordentlichen Bestürzung darüber war, daß ich mich in dem Falle befand, mit einem erklärten Meuchelmörder in Unterredung begriffen zu seyn. Zufolge dieser Bestürzung gebot ich ihm, mich unverzüglich zu verlassen, indem ich zu gleicher Zeit dem Polizeybeamten, der ihn bewachte, Verhaltungsbefehle gab, um ihn aufs Schleunigste aus dem Königreiche zu schaffen. Nachdem ich reiflicher über das, was ich gethan, nachgedacht hatte, sah ich den Fehler ein, den ich gemacht hatte, indem ich ihn abgehen ließ, ehe Sie davon unterrichtet waren, und ließ ihn zurückhalten. Wahrscheinlich ist nichts an allem diesem, und der Elende hat wohl nichts anders zur Absicht gehabt, als den Prahler zu spielen, indem er Sachen versprach, die, nach seiner Denkungsart, mit Vergnügen machen würden. In jedem Falle, habe ich geglaubt, Sie von dem Vorgegangenen benachrichtigen zu müssen, ehe ich ihn zurückschickte. Unsere Gesetze erlauben nicht, ihn lange zurück zu halten, aber er wird nicht abreisen, bis Sie die nöthige Zeit gehabt haben, sich gegen seine Anschläge in Sicherheit zu setzen, vorausgesetzt, daß er noch böse Absichten habe; und, wenn er abreiset, so werde ich Sorge tragen, daß er nur in einen weit von Frankreich entfernten Hafen lande. Er hat sich hier Guillet de la Gevriliere genannt, allein ich glaube, dies ist eine falscher Name. Er konnte mir nicht ein Stückchen Papier vorweisen, und bey seinem ersten Eintritt, that ich ihm die Ehre an, ihn für einen Spion zu halten. Ich habe die Ehre mit der vorzüglichsten Anhänglichkeit zu seyn, Herr Minister, Ihr gehorsamster Diener. Unterzeichnet: K. T. Fox."


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wiener Zeitung Nro. 102 Sonnabend, den 20. December 1806
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