Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Journal der Kriegs-Operationen.[]


Der Ober-Commandeur der Armeen, General-Feldmarschall Fürst Golenitschtschew-Kutusow, unterlegt Sr. Kaiserlichen Majestät am 28. October aus dem Hauptquartier der Stadt Elny über die Kriegs-Operationen vom 24. bis zum 28. October die Fortsetzung des Journals folgenden Inhalts. [1]

Den 24. October unterlegte der General von der Cavallerie Platow vom 23. October. Es hat sich in der Folge ergeben, daß statt der früher angezeigten bey dem kolotzkischen Kloster genommenen 20 Geschütze die Anzahl 27 gewesen.

Es hat der General Orlow-Denißow, welcher seine Gefechte mit den zum Fouragiren und und Abbrennen der Dörfer ausgeschickten feindlichen Parteyen ununterbrochen fortgesetzt, 300 Mann niedergemacht und 88 gefangen.

Der Generallieutenant Schepelew berichtet vom 22. October, daß am 14., als er mit seinem Detaschement nach Elny gegangen, der Feind auf ihn gestoßen wäre. Sein gedachtes Detaschement, welches er in zwey Colonnen eingetheilt, warf den Feind, der in Unordnung nach der Stadt entflohen, und vertrieb ihn. Zur nähmlichen Zeit drängte sich ein anderes feindliches Detaschement ihm in den Rücken, allein der Generallieutenant Schepelew hielt dasselbe durch einige Schüsse mit Kugeln und Kartätschen zurück. Die feindlichen Detaschements hatten sich vereinigt und in der Stadt postirt, unsere Truppen hingegen ließen bloß das Thor nach Smolensk zu offen, und hielten die Feinde von 3 Seiten blockirt.

An diesem Tage war das Hauptquartier der Armee in dem Dorfe Krasnoi.

Am 26. October ging von dem General der Cavallerie Platow die Nachricht ein, daß er am 24sten den sich zurückziehenden Feind längs der großen Smolenskischen Straße bis zu der Dorfschaft Semlewo verfolgt, und mehr als 1000 Mann zu Gefangenen gemacht hat.

Der General von der Infanterie Miloradowitsch erreichte mit seinem Vortrab den Feind, dessen Avantposten bey der Dorfschaft Tschebatowa verlegt waren, und hielt zwey Werste davon bey dem Dorfe Sarubeschja Nachtlager. -- Dabey berichtet er, daß der Feind bey seinen eiligsten Rückzuge eine Kanone im Wasser zurückgelassen hat, die er wieder herausziehen lassen. Die ganze Straße ist von Leichnamen der theils an Krankheiten und Müdigkeit Umgekommenen, Theils Erschlagenen, imgleichen von einer Menge der am Wege zerstreuet liegenden kranken und ermüdeten Leute, so wie auch von Fuhren und abgematteten Pferden besäet.

Heute traf der General Miloradowitsch mit dem Vortrab in der Dorfschaft Semlewo ein und lösete den General der Cavallerie Platow ab, welcher mit seinem Detaschement vom großen Wege rechts marschirte, und nach Dorogobusch zu seine Richtung nahm.

Das Hauptquartier der Armee ist in dem Dorfe Gawrjukow.

Den 26. Der General der Kavallerie Platow übersendet eine in der Schlacht bey Wäsma eroberte Fahne mit dem Bericht, daß er bey seinem Verfolgen des Feindes von Wäsma nach Dorogobusch am 25. einige Escadrons von der Garde-Cavallerie geschlagen und ihnen drey Kanonen genommen hat. Bey dieser Gelegenheit sind viele auf dem Platze geblieben und 300 Mann zu Gefangenen gemacht. Gleichfalls berichtet er, daß er, von der großen Straße rechts gehend, sich bestreben wird dem Feinde zuvorzukommen, und sodann ihn entweder gänzlich zu schlagen oder auch ihn bey der Solowjewschen Überfahrt anzugreifen.

So marschirt denn der Vortrab des Generals Miloradowitsch längs der großen Straße hinter dem Feinde her. Der General Platow geht mit seinen Regimentern von der großen Straße rechts voran, sucht den retirirenden Feind an dem Hauptpuncte zu schlagen, und hat an den feindlichen Flügeln annoch besondere Commando's, denen befohlen ist, dem Feinde das Fouragiren und Abbrennen der Dörfer zu verhindern.

Der General-Adjutant, Graf Orlow-Denißow, ist dem linken feindlichen Flügel bis zur Überfahrt über den Dniepr, bey Solowjewa befindlich, gefolgt, und wird bemüht seyn, dessen Überfahrt zu erschweren. Die Armee, welche auf Nebenwegen geht, hatte ihr Hauptquartier in der Dorfschaft Bieloi Cholm.

Den 27. Der General Miloradowitsch verfolgte am 26. October mit Heftigkeit den Feind, und erlaubte ihm nicht, 8 Werste dießseits der Stadt Dorogobusch eine andere Brücke anzulegen, wodurch denn der Feind bey der Überfahrt einen beträchtlichen Verlust an Ertrunkenen und an einer Menge zurückgelassener Obose erlitt. -- Nach der Ankunft bey Dorogobusch nahm der Feind eine vortheilhafte Position ein und vertheidigte sich sehr hartnäckig, weßhalb der General Miloradowitsch sich genöthigt sah, ihn mit zwey Jägerregimentern anzugreifen, und schickte zur nähmlichen Zeit die vierte Division ab, um ihn umzugehen. Dieß zwang den Feind, die Stadt zu verlassen. Bey seinem Anzug haben ihm die Jäger zwey Kanonen und einige Pulverkasten, die Kosaken aber zwey Feldstücke abgenommen. Zu Gefangenen sind gemacht worden: 1 Officier und gegen 600 Gemeine.

Der Oberstlieutenant Dawidow berichtet vom 26. October: daß er zwischen den Städten Krasnoi und Smolensk mit forcirten Märschen gehe, und die feindlichen Transporte zu vernichten suchen werde.

Die Gefangenen erzählen, daß, als am 13ten zwischen Jaroslawez und Barowsky 11 Kanonen genommen worden, sodann Napoleon selbst mit seiner Suite sich in der Nähe befunden habe, und aus Jaroslawez nach Borowsk zu eiligst geritten sey, und wenn dieß (wie die französischen Offiziers bemerken) den Kosaken und Jägern, unter dem Commando des Obersten Kaisarow, wissend hätte seyn können; so würden sie gewiß ihre Anstrengung, zur Abnahme der Kanonen, ausgesetzt, und ihre ganze Aufmerksamkeit auf diese so theure Beute gerichtet haben, er würde durch unsere Kosaken ohne Zweifel eingehohlt und gefangen genommen worden seyn.

Hauptquartier der Armee in der Stadt Elny.

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Quellen.[]

  1. Actenstücke und Materialien zu der Geschichte des großen Kampfes um die Freyheit Europa's in den Jahren 1812 und 1813. Germanien, bey Peter Hammer. 1813.
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