Schreiben des Kaisers Napoleon an den Senat zu Paris über den Krieg mit Preussen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14ten October, an dem Tage, an welchem die für die Preußische Armee so unglückliche Schlacht bei Auerstädt geliefert ward, wurde im Senat zu Paris folgendes Schreiben des Kaisers Napoleon verlesen:

Senatoren!

"Wir haben Unsre Hauptstadt verlassen, um Uns in die Mitte Unsrer Deutschen Armee zu begeben, sobald Wir mit Gewißheit wußten, daß sie auf ihren Flanken durch unvermuthete Bewegungen bedroht war. Kaum waren Wir an den Gränzen Unsrer Staaten angekommen, so hatten Wir Ursache, einzusehen, wie nothwendig Unsre Gegenwart daselbst war, und Uns zu den Vertheidigungsmaaßregeln Glück zu wünschen, die Wir, ehe Wir den Mittelpunct Unsers Reichs verließen, ergriffen hatten. Schon hatten die Preußischen, völlig completirten Armeen sich allenthalben in Bewegung gesetzt und waren über ihre Gränzen gegangen.

Sachsen war angefallen und der weise Fürst (le sage Prince), der es beherrscht, war gezwungen, gegen seinen Willen, gegen das Interesse seiner Völker zu handeln. Die Preußischen Armeen waren vor den Cantonnements Unsrer Truppen angekommen. Provocationen aller Art und selbst Thätlichkeiten hatten den Haß, der Unsre Feinde beseelt, und die Mäßigung Unsrer Truppen bezeugt, die bei dem Anblick aller dieser Bewegungen ruhig, sich bloß darüber wunderten, daß sie keinen Befehl empfiengen, und sich mit dem doppelten Vertrauen, welches der Muth und die gute Sache einflößt, beruhigten. Unsre erste Pflicht war, selbst über den Rhein zu gehen, Unsre Lager zu bilden und das Kriegsgeschrey ertönen zu lassen. Es ertönte im Herzen aller Unsrer Krieger; combinirte und schnelle Märsche brachten sie in einem Augenblick an den Ort, den Wir ihnen angezeigt hatten. Alle Unsre Lager sind formirt; wir werden gegen die Preußischen Armeen marschiren und Gewalt mit Gewalt vertreiben.

Doch, Wir müssen es sagen, Unser Herz trauert bei dem beständigen Uebergewicht, das in Europa der Genius des Uebels erhält, der unablässig Unsre Absichten für die Ruhe Europens und das Glück der gegenwärtigen Generation durchkreuzt, der alle Cabinette mit Verführung jeder Art umlagert, und diejenigen, die er nicht bestechen konnte, verirrt, sie über ihr wahres Interesse verblendet, und sie mitten in die Partheien ohne einen andern Führer, als die Leidenschaften, schleudert, die er ihnen eingeflößt hat. Das Cabinet von Berlin selbst hat die Parthei, die es ergreift, nicht nach weiser Berathschlagung gewählt; es ist in dieselbe mit Kunst und einer boshaften Geschicklichkeit geworfen worden.

Der König befand sich plötzlich 100 Lieues weit von seiner Hauptstadt auf den Gränzen des Rheinischen Bundes mitten unter seiner Armee und im Angesicht der Französischen, in Cantonnements zerstreuten Truppen, welche glaubten, auf die Bande zählen zu müssen, welche die beiden Staaten vereinigten, so wie auf die Versicherungen, an welchen es der Berliner Hof unter keinen Umständen hatte fehlen lassen. In einem so gerechten Kriege, wo Wir die Waffen zu Unsrer Vertheidigung ergreifen, den Wir durch keinen Act, keine anmaßende Forderung veranlaßt haben, und dessen wahre Ursache es uns schwer wäre anzugeben, zählen Wir vollkommen auf die Unterstützung der Gesetze und die Unsrer Völker, die in den Zeitumständen Veranlassung finden, Uns neue Beweise ihrer Liebe, ihrer Ergebenheit und ihres Muths zu ertheilen. Unsrer Seits wird keine persönliche Aufopferung Uns mühsam seyn, keine Gefahr Uns aufhalten können, so oft davon die Rede ist, die Rechte, die Ehre und die Wohlfahrt Unsrer Völker zu sichern.

Gegeben in Unserm Kaiserl. Hauptquartier zu Bamberg, den 7ten October 1806."
(Unterz) Napoleon.
Auf Befehl des Kaisers.
Der Minister Staatssecretär Maret.


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Politisches Journal nebst Anzeige von gelehrten und andern Sachen. Hamburg in der Hoffmannschen Buchhandlung. Jahrgang 1806.
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