WLB Stuttgart


Hall in Schwaben.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Hall in Schwaben, Schwäbischhall, ehemalige freye Reichsstadt in Schwaben, am Fluß Kocher, an den Fränkischen Gränzen. Die Religion ist lutherisch. Sie hat 757 Häuser und 5,100 Einwohner von welchen ein Theil sich in der Vorstadt jenseit des Kochers, und in den Vorstädten Unterlimpurg und der Gelbingerstrasse befindet. Die Stadt ist größtentheils gut gebaut, hat ein schönes Rathhaus, ein vorzügliches Gymnasium und 6 Pfarrkirchen, unter welchen sich die Hauptkirche St. Michaelsmünster unter andern auch durch ihre große steinerne Treppe auszeichnet. Die Hauptnahrung der Bürger kommt von dem Salze, dessen Sudgerechtigkeit in 111 Portion unter viele Eigenthümer vertheilt ist. Die Salzquelle ist in der Stadt, wird aber durch Saug- und Druckwerke in die 6 großen Gradierhäuser ausserhalb der Stadt geleitet und dann die Sole innerhalb der Stadt in 14 sogenannte Haalhäusern, deren jedes zwey Pfannen hat, gesotten. Doch sind ausser der Stadt bey den Gradierhäusern noch 8 Pfannen, in welchen so viel Salz gesotten wird, als zur Bestreitung der öffentlichen Unkosten der Gradierhäuser xc. nöthig ist. Die Quelle giebt 5 - 7 löthiges Salzwasser, welches bis auf 18 Loth gradirt und dann versotten wird. Jährlich werden 80,000 Centner Salz bereitet und verschlossen. Die Verfassung des kleinen Staats war mehr demokratisch als aristokratisch, auch gab es kein eigentliches Patriciat; aber einige Familien wusten sich doch in dem Besitz der wichtigsten Aemter zu erhalten. Die Zahl der Rathsherren bestund aus 24 Mitgliedern, an der Spitze stunden die beyden Städtemeister. Die Stadt hatte auch ein beträchtliches in 7 Aemter getheiltes Gebiet, von 6 Quadratmeilen mit mehr als 10,000 Einwohnern, so daß man die ganze Menschenzahl gegen 16,000 annehmen kann. Die Landschaft hat eine sehr beträchtliche Viehzucht, erzeugt Getreid und einigen Wein. Das nöthige Holz zu den Salzwerken kommt größtentheils aus dem Limburgischen. Die jährlichen reinen Einkünfte der Stadt betragen über 90,000 Gulden. -- Im Jahr 1802 wurde diese Stadt als Entschädigung an Würtemberg gegeben, und ist jezt ein Oberamt. Ihr Gebiet wurde in die 3 Aemter Rosengarten, Vellberg u. Honhardt zusammengezogen. Das Ganze gehört zur Landvogtey Ellwangen. Die sogenannten Heller haben ihren Namen von dieser Stadt. Hier ist 1610 die bekannte Union der Protestanten geschlossen worden. Den 2ten September 1728 ist die Stadt durch eine Feuersbrunst sehr verwüstet worden. Zu einem Römermonath giebt diese Stadt 180 fl. und zu einem Kammerziel 175 Thlr 79 kr. Ihr Wappen ist eine rechte Hand im gelben, und ein goldnes Kreuz im rothen Felde.


Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
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