Sechs und zwanzigstes Bülletin der kaiserl. königl. Französischen Armee.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Wolkersdorf, den 9. July 1809.

Der Rückzug des Feindes ist eine flucht. Man hat einen Theil seiner Equipagen aufgefangen. Seine Verwundeten sind in unsere Hände gefallen; man zählt ihrer schon über 12,000; alle Dörfer sind damit angefüllt. In seinen fünf Spitälern allein hat man mehr als 6000 gefunden.

Der Herzog von Rivoli verfolgte den Feind über Stockerau, und ist zu Hollabrunn angelangt.

Der Herzog von Ragusa verfolgte ihn Anfangs auf der Strasse von Brünn, verließ aber diese Strasse, und schlug jene von Znaym ein. Heut um 9 Uhr des Morgens ist er zu Laa auf den Nachtrab gestossen, hat ihn geworfen, und 900 Gefangene abgenommen. Er wird morgen in Znaym seyn.

Der Herzog von Auerstädt ist heute zu Nikolsburg eingetroffen.

Der Kaiser von Oesterreich, der Prinz Anton, und ein Zug von beyläufig 200 Wagen, Caleschen und Fuhrwerken, haben den 6. in Ernstbrunn, den 7. in Hollabrunn, und den 8. in Znaym die Nacht zugebracht. Sie sind den 9. Morgens von da aufgebrochen; nach Berichten von Augenzeugen war ihre Niedergeschlagenheit ganz ausserordentlich.

Einer der Fürsten Rohan wurde verwundet auf dem Schlachtfelde gefunden; der Feldmarschall Vukassovich ist unter den Gefangenen.

Die Artillerie der Garde hat sich mit Ruhm bedeckt. Ihr Befehlshaber, Major Aboville, wurde verwundet; der Kaiser hat ihn zum Brigade-Generalen ernannt. Der Escadrons-Chef von der Artillerie, Grenner, hat einen Arm verloren. Diese unerschrockenen Canoniere haben die ganze Macht dieser furchtbaren Waffe entwickelt.

Die berittenen Jäger von der Garde haben am Tage der Schlacht von Wagram drey Vierecke feindlicher Fußvölker angegriffen. Sie haben 4 Canonen erobert. Die Polnischen leichten Reiter von der Garde haben ein Regiment Uhlanen angegriffen, den Fürsten Auersberg gefangen genommen, und 2 Canonen erobert.

Das Sächsische Hussaren-Regiment Albert hat das Cuirassier-Regiment Herzog Albert angegriffen, und ihm 1 Fahne genommen. Es war eine ganz eigene Sache, 2 Regimenter, die demselben Obersten angehörten, eines gegen das andere kämpfen zu sehen.

Es scheint, daß der Feind Mähren und Ungarn aufgibt, und sich nach Böhmen zieht.

Die Strassen sind mit Leuten von der Landwehre und vom Aufgeboth bedeckt, welche nach Hause gehen.

Der Verlust, welchen der Feind durch Ausreissen erleidet, trägt nebst dem an Todten, Verwundeten und Gefangenen zur Vernichtung dieser Armee das Seinige bey.

Die vielen aufgefangenen Briefe geben ein auffallendes Bild von dem Mißvergnügen der feindlichen Armee, und von der Unordnung, die daselbst herrscht.

Während der Schlacht vom 6. warf der Feind einige hundert Mann als Beobachtungs-Posten aufs rechte Donau-Ufer. Nachdem sie einige Mann an Todten und Gefangenen verloren, haben sie sich wieder eingeschifft.

Die Hitze war diese Tage über ausserordentlich; das Thermometer stand fast beständig auf 26 Grad.

Der Wein ist in grosser Menge vorräthig. Es gibt Ortschaften, wo man bey 3 Millionen Maß Wein fand.

Zwanzig Ortschaften, die ansehnlichsten in der schönen Fläche von Wien, und wie man sie nur in den Umgebungen einer grossen Hauptstadt findet, sind während der Schlacht in Brand gesteckt worden. Die Nation wirft einen gerechten Haß auf jene verbrecherischen Menschen, welche dieses Unglück über sie gebracht haben.

Der Brigade-General Laroche ist den 28. Juny mit einem Corps Reiterey in Nürnberg eingezogen, und von da gegen Baireuth aufgebrochen. Er hat den Feind bey Petzenstein begegnet, ihn mit dem ersten provisorischen Dragoner-Regimente angegriffen, und alles zusammengehauen, was er vor sich fand. Zwey Canonen wurden erobert.

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Quellen.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wiener-Zeitung. Verlegt von den v. Ghelenschen Erben. Nro. 92. (1809)
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