Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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Sizilianische Briefe.[]

Trapani, den 14. Juni.

Meine Reise von Girgenti bis hierher hätte eine abentheuerliche Gestalt gewinnen können, l. V. Leicht wär es möglich gewesen, daß ein Roman daraus geworden wäre, in welchem Seeräuber, Sklaverei, Tunis, Bei's und wer weiß, wer noch mehr? figurirt hätten. In einiger Entfernung von Girgenti fanden wir alle Landleute in der grösten Angst. In der Nähe von Siculiana hatten sich zwo barbareskische Gallioten nahe ans Land vor Anker gelegt. Sie waren die vergangene Nacht in Monte reale ans Land gekommen, und hatten gegen 10 Personen hinweggeführt. Durch diese und andre, von ihnen verübten, Gewaltthätigkeiten war natürlich alles in Bewegung gebracht, doch die zu tief gesunkenen Bewohner noch nicht zu einer männlichen Bewafnung und Gegenwehr vermocht worden. Es war gerade die Aerndte-Zeit; aber Niemand wagte es im freien Felde zu arbeiten, weil man jeden Augenblik neue Besuche fürchtete. Längs der ganzen Seeküste hin waren die Einwohner Tag und Nacht bereit -- zu fliehen, und diese Störung der Arbeit und des Verkehrs hatte mancherlei traurige Folgen nach sich gezogen. Unser Weg führte uns hart am Seeufer vorbei, und leicht hätten uns die gefährlichen Gäste die sicilianische Gastfreundschaft bitter verkümmern mögen. So liessen sie uns aber ruhig unsre Wege ziehen, und begnügten sich, uns blos mit ihren Fernröhren zu verfolgen.

Wundern muß man sich über die Frechheit dieser Afrikaner, wenn man bedenkt, daß die Mannschaft von einigen, mittelmäßigen Orten dazu hinreichte, ihnen vor der dreizakigten Insel Ehrfurcht einzuflössen. Aber sie ist auf die Kenntniß des sicilianischen Karakters gebaut, welcher bei dem Landmann an der Seeküste zur niedrigsten Feigheit, und zu einem Sklavensinn herabgesunken ist, der von selbst zum Raube des theuersten, was der Mensch besizt, seiner Freiheit, einzuladen scheint. Man überläßt die Vertheidigung der Küste einigen 100 Landmilizen, welche schwer auf Einem Punkte zu vereinigen sind. Längs dem Seeufer hin sind zwar Wachtthürme gebaut, auf welchen das Feuerzeichen gegeben wird, sobald Feinde sich nähern. In Zeit von Einer Stunde ist es auf dem ganzen Umkreis der Insel wiederhohlt. Aber was hilft in einem so entvölkerten Lande eine Anstalt, welche offenbar auf die Selbst-Bewafnung einer stattlichen Nation berechnet ist? Der Feind braucht seinen Anfall ja nur mit Behendigkeit auszuführen, so schleppt er Menschen und Vieh, und alles bewegliche Eigenthum mit sich weg.

Dieses Feuerzeichen ist eine, schon sehr alte, Einrichtung. Der Nahme Fano, den es in der heutigen sicilianischen Sprache hat, stammt, wie Sie sehen, aus der griechischen ab, und steht wohl mit den Telegraphen der Alten (π....α) in Verbindung, über welche und Polyb in einem Fragmente seines 10ten Buchs eine, freilich etwas unverständliche, Nachricht hinterlassen hat. Sonst wurde er von Berge zu Berge gegeben: im Jahr 1779 aber beschloß das sicilianische Parlament, eigene Thürme zu mehrerer Bequemlichkeit dazu erbauen zu lassen. Einige geschikte Ingenieurs erhielten Befehl, den ganzen Umriß der Insel aufzunehmen, und die Pläze zu bestimmen, wo sie errichtet werden sollten. Diese Thürme haben eine eigene Gestalt, sind vierekigt, und gegen oben sich etwas erweiternd. Ihre Höhe ist ungleich, aber selten beträchtlich. Eine Leiter, welche Nachts heraufgezogen wird, führt in die Wohnung des Wächters, und auf dem platten Dache ist meist eine Kanone aufgepflanzt. In den Städten hingegen wird das Feuerzeichen von der Festung, oder einem andern erhabenen Ort gegeben. Die Verordnungen, welche diese Einrichtung betreffen, sind im Jahr 1594 abgefaßt worden, und werden noch heutzutage beobachtet, wenn sie schon nicht mehr ganz für die gegenwärtige Zeit passen mögen.

Offenbar darf man heutzutage keine Angriffe mehr fürchten, wie zu den Zeiten der Karthager oder später der Normänner. Für ähnliche, vor welchen Sicilien auch bei der heutigen Lage der Dinge nicht ganz gesichert seyn dürfte, würden jene Zeichen nichts helfen. Die Barbaresken machen nur kurze, schnelle Besuche, und gebrauchen mancherlei Listen, um ihre Anschläge auszuführen. Selten z. B. gehen sie bei Tag ans Land, und wenn sie Nachts kommen, so geschieht es mit einer Stille oder einem Lärmen, welche sie beide gleich sicher zum Ziele führen. Im leztern Fall z. B. haben sie sich schon oft Kuh- und- Ziegen-Schellen umgehangen, und damit die Bewohner betrogen, daß sie eine Heerde kommen wähnten. So fielen sie über die Armen her, und nahmen, was ihnen immer gelüstete.

Unser erstes Nachtquartier war in Sciacca, einer ziemlich ansehnlichen Stadt. Das Wirthshaus daselbst war mit Gästen angefüllt, welche den benachbarten Bädern von Calogero zu lieb gekommen waren. Nur mit Mühe kamen wir unter. Die Betten schickte uns der gastfreundliche Kanonikus Palermo, an den ich empfohlen war.

Sehr abwechselnd war der Weg gewesen, und so fanden wir ihn auch von Sciacca nach Castelvetrano. Er gewährt beinah unaufhörlich den Blick auf ein gut angebautes Land, erheitert durch die Aussicht auf die See, und die schönen Gebirge des Innlands. In einer grossen Ebene, die sich mit weniger Senkung bis an das Meer herabzieht, wo die Trümmer des alten Selinunts sind, liegt Castelvetrano. Der Weg nach den Trümmern ist schlecht, und gegen 7 Meilen stark, zum Theil durch angebautes Land, zum Theil durch Steine und Sumpf führend. Die Tempel selbst liegen auf einem Bergrücken, der sich längs dem Seeufer hindehnt. Sie haben da dieselbe Lage, wie die in Girgenti. Es baute sie dasselbe Vertrauen auf die schüzenden Götter. Aber die Tempel, welche die Stadt nicht zu erhalten vermochten, haben doch ihre Schüzling überlebt; und wo von den tausend Menschenwohnungen nur noch undeutliche Reste übrig geblieben sind, da haben sich von denen der Götter noch staunenerregende Trümmer erhalten.

Von Ungeziefer aller Art wimmeln diese gewaltigen Massen. Sie sind vielleicht unter allen Ruinen die einzigen ihrer Art, wo man so deutlich sieht, wie Ein gewaltiger Stoß Alle auf einmal umgestürzt hat. Nur Erdbeben oder Vandalismus konnten diese ungeheuren Lausen von einander heben; sonst stünden sie gewiß noch so fest da, wie die von Segest. Nach dem Jupiterstempel in Girgenti sind hier gewiß die grösten Massen, ob sie gleich um die Hälfte kleiner sind. Eine Säule des leztern hat 16 Palm und 3 Lin. im Durchmesser; die dicksten von jenen 10½; Ein reinerer Geschmack scheint indeß im Bau dieser Tempel geherrscht zu haben, als in denen des alten Agrigentum. Castelvetrano ist ein sehr ansehnlicher und wohlhabender Ort. Wir waren daselbst in einem Franziskanerkloster logirt, wo wir freylich wenig Gelegenheit hatten, einen so vortheilhaften Begriff von dem Wein dieser Gegend zu erhalten, als die deutschen Truppen unter dem General Mercy im Jahre 1710. Dieser Orden ist überhaupt in Sicilien sehr arm, und sein Kloster in Castelvetrano von etlichen 40 Mönchen, die es ehemals enthielt, zum Glück auf 10 Brüder herabgesunken.

Die Regierung hätte bei ihren lezten, sehr starken, Veränderungen in Religionssachen gewiß nichts Ersprießlichers thun können, als die Aufhebung der Klöster der Bettelorden ist. In diesen Wohnungen des Aberglaubens, des Müssiggangs und der gröbsten Sinnlichkeit entnervt sich so mancher starke Arm, den das entvölkerte Land nicht missen kann. Die allermeisten Bewohner derselben sind Landleute, welche aus Faulheit, oder aus Muthlosigkeit, sich selbst fortzubringen, in diese Asyle flüchten, wo sie eben kein besonders gutes, aber doch ein ruhiges, sorgloses Leben erwartet. Sonderbarer Weise hängt das Volk an ihnen mehr, als an den andern Orden. Ihr Handwerk und ihre Geburt bringt sie mit den niedersten Ständen am meisten in Verbindung, und die gröbste Obkuranz verbreitet sich durch sie am äussersten Süden von Europa eben so gut unter das Volk, als ehemals in der Mitte unsers Welttheils.

In einer Kirche sahen wir den Täufer Johannes von Antonio Gaggino. Bekanntlich findet sich von diesem vorzüglichen Künstler nur weniges auf dem festen Lande, *) obgleich sein Vaterland sehr reich an seinen Werken ist. Der Hauptvorzug dieser Arbeit bestand in den Gewändern, welche in einem grossen Styl entworfen sind; denn die Arbeit des ausgehungerten Körpers will ich nicht loben. Gaggino hat sich in diesem Sujet so oft wiederholt, als die Florentinischen Schule, welche sich auch in demselben gefallen zu haben scheint, weil der Täufer der Schuzpatron von Florenz ist, noch mehr aber, weil Mich. Angelo, das Hauptlicht derselben, und unsers Künstlers Lehrer war. Die Geschichte schien in dem Vorläufer Christi einen recht starken Gegensaz zu dem jüngern Johannes, dem Liebling des Erlösers zu verlangen, und die Kunst jener Zeit pflegte diesen Kontrast wirklich etwas derb darzustellen. Wer erinnert sich nicht des Täufers von Donatello in der Florentinischen Gallerie, in welchem es der Künstler so anschaulich, als immer möglich, gemacht hat, daß der heilige Mann schon vierzig Tage nur von Heuschrecken gelebt habe? Wem sind nicht andere Darstellungen des jüngern Johannes bekannt, worin jene verdächtige Süßlichkeit eines modernen Adonis oder gar Ganymeds enthalten ist? Wie ganz anders hat dafür Raphaels alles verklärender Geist den Jugendfreund des Erlösers von seinem Vorläufer zu trennen gewußt? Wenn er ihm auch nicht die Schuhriemen aufzulösen würdig ist, so erkannt man in ihm immer den Mann, der nur tief unter einem Sohn Gottes stehen konnte. In diesem Sinne ist der Johannes in der Tribune der Florentinischen Gallerie gedacht, und ausgeführt.

*) Eigentlich weiß ich nichts von ihm, als den Umstand, daß er unter Michael Angelo an dem Grabmahl Julius II mitgearbeitet hat. Einige Ornamente und Basreliefs desselben werden ihm zugeschrieben.

Ohne Merkwürdigkeit ist der Weg von Castelvetrano über Marsala nach Trapani. Freilich drängen sich die Erinnerungen an das Alterthum auch hier mächtig auf, wo einst das alte Lilybäum gestanden; aber wo so Alles hinweggewischt ist, auf dem langen, unangebauten Steinfeld, über das man zu reiten hat, ist die Stimmung, die sie erwecken, eben nicht die angenehmste. Wenn so nichts dauert, als die Nothwendigkeit der Zerstörung, wie soll man Muth und Lust haben, für die Zukunft zu bauen? Sieht man es nicht Allem, was uns von Rom und Griechenland und Aegypten geblieben ist, deutlich an, daß Nationen es aufführten, die keine Ruinen gesehen hatten, und auf einer neuen Erde für die Ewigkeit gründen wollten?

In der nähe von Trapani werden die Gegenden wieder interessanter. Der Weg schlingt sich da allmählig der See zu, in welche sich das Land in vielen Zungen hinausstrekt. Auf einer derselben, die sich an dem Fuße des berühmten Berges Eryx endigt, liegt der Stadt Trapani gleichsam mitten im Meere; denn auch auf der Landseite ist sie beinahe ganz mit Gruben umgeben, in denen die Sonne das Seewasser zu Salz kocht.

Ich führe Sie gleich auf den genannten Berg, von welchem wir die Gegend am besten übersehen. Gegen zwo Meilen geht der Weg in der Ebene fort bis an den Fuß des S. Giuliano, wie er heutzutage nach dem, auf ihm liegenden, Städtchen heißt. Dann steigt man auf dieser Seite ziemlich steil an ihm empor, und hat sich keiner Cultur desselben zu erfreuen. Lange ist die Spize des Berges nicht sichtbar, aber immer mehr erweitert sich die Aussicht auf die Ebene zu seinen Füssen. Sehen Sie hinab, so zieht sich links das Meeresufer in geschwungener Linie fort, bis es sich mit der blauen Ferne vermischt. Neben ihm dehnt sich ein langes Thal hin, in welchem manche Palme, weit über den Oelbaum erhoben, grünt, und, ausser manchen kleinen Orten, die Städte Mazzara und Marsala sichtbar sind. Es zieht sich um den Eryx herum, bis es, durch seinen Fuß eingeschlossen, sich in einer schmalen Landzunge in das Meer hinausdehnt, auf deren Spize die Stadt Trapani in Form eines Dreieks, ruht. Von diesem Dreiek aus streken sich auf verschiedenen Seiten lange, weisse Felsenzungen in die See hinein, und geben vielfach zu rathen, wo die Alten die Sichelform gefunden haben, nach der die Stadt benannt ist, und die sich mehr, als einmal, in diesen mannichfaltigen Winkeln und Linien erkennen läßt. Zwischen dem Lande und der Stadt breiten sich, die leztern beinah ganz einschliessend, die weissen Salzgruben bis nach Marsala hin aus, und verleihen dieser Ansicht, je nach dem Stand der Sonne und der Beschaffenheit des Wetters, ein seltenes Zauberspiel von Licht und Farben. Und in der grauen Ferne heben die ägadischen Inseln in wilden Formen ihr Haupt empor, und vollenden den kühnen Umriß dieses Gemähldes, das die Fikzion der Alten mit Giganten und Kyklopen bevölkert hat.

Noch grösser, und in mahlerischer Rücksicht merkwürdiger wird die Ansicht der Gegend von den Trümmern des faracenischen Kastells aus betrachtet, das auf des Berges höchstem Punkte, auf der Stelle, wo einst der Venus-Tempel sich erhoben, ruhend, rings durch steile Felsenwände gesichert, mit finsterem Haupte auf das Land zu seinen Füssen herabblickt. Durch der alten Mauer Risse sieht man in vortrefflich angebaute Thäler hinab, die, sich hin und wieder in sanften Hügeln erhebend, brüderlich um ihren Vater Eryx sich herumlagern. Auch sie begränzt auf der einen Seite das blaue Meer, theils an ebenen Ufern sich wiegend, theils an wilden Vorgebirge plätschernd. Auf der andern Seite aber schweift der Blick mit dem Gedanken in die Fernen der Vorzeit.

Auf diesem Berge liegt die Stadt S. Giuliano. Sie ist sehr unbeträchtlich, und enthält wohl schwerlich 10,000 Einwohner, wie man mich versicherte. Auf jeden Fall hat sich hier, wie überall in Sicilien, die Volksmenge sehr vermindert, obgleich die reine, etwas frische Luft, die da oben weht, die Lebenskraft ausserordentlich begünstigt. Auffallend ist der Vorzug, und schon seit alten Zeiten gerühmt, des hohen Alters, das die Bewohner erreichen. Auch die Schönheit der menschlichen Formen ist hier höher als im übrigen Sicilien; nur ist es für den Fremden schwer, sich in Bezug auf das andere Geschlecht von diesem Vorzuge zu überzeugen. Die Denkungsart der Bewohner hat sich mit dem Tausch des Venustempels gegen das faracenische Kastell geändert. Sie sind einmal nicht von der Beschuldigung zu reinigen, daß Eifersucht einen Hauptzug in ihrem Charakter ausmacht. Ich konnte wenigstens mit aller Mühe nur alte Weiber und Kinder zu Gesichte bekommen; aber diese waren schon hinlänglich, die allgemeine Meinung zu bestätigen.

Trapani ist eine sehr gut gebaute und befestigte Stadt. In militärischer Rücksicht hat sie ausserordentlich viel Wichtigkeit, ob die Regierung gleich sie gegenwärtig vernachlässigt. Der Kanonen sind wenige da, und die meisten unbrauchbar; die Besazung besteht nur aus 200 Mann, meist Invaliden. Wenn Sicilien daher in den Seekriegen des mittelländischen Meeres je eine bedeutende Rolle spielen sollte, so wird ein kluger Feind hauptsächlich diese schwache Seite benuzen, welche ihn früher, als die Eroberung jedes andern festen Punkts der Insel, in den Besiz der Hauptstadt sezt. Unter den jezigen Umständen würde die Stadt einem feindlichen Angriff zu Wasser unmöglich widerstehen können, wenn er mit gehöriger Schnelle, und mit dem Anschein eines Planes auf Syrakus oder Messina gemacht würde.

Die Zahl der Einwohner ist etwa 16000. Der Mangel au Land, den die Stadt hat, und ihre natürliche Lage haben in ihr einen höhern Grad von Thätigkeit bewirkt, als er in den meisten andern Städten der Insel sichtbar ist. Es herrscht viel Kunstfleiß hier, und einige Zweige desselben aussschließlich in diesem Orte. Darunter gehören hauptsächlich Kameenschneiderei, in Muscheln, und Korallenarbeiten. Diese leztern, welche, mit Inbegriff der Korallenfischer, deren gegen 200 seyn mögen, eine beträchtliche Anzahl von Menschen beschäftigen, sind sehr ansehnlich. Man verfertigt aus diesen Material größere Arbeiten, die sehr theuer sind; als, Krucifixe u. dgl, Die Meisten dieser Künstler aber beschäftigen sich mit Korallenknöpfe und Kugeln für Halsbänder von verschiedener Grösse. Sie gehen meist nach Livorno, und werden verarbeitet nach ihrer Grösse geordnet, und im Verhältniß zu dieser Pfundweise verkauft. Von den grösten einer Haselnuß ähnlich z. B. kostet das Pfund etwa 15 Unzen; von kleineren und vierfacher Abstufung von Farben (Grossezza di quattro colori) 8; von ungleichem Wasser und etwas kleiner noch; 3 Unzen, 10 Tari: grosse und kleine unter einander, 3 U. 2 T. und die kleinsten (Smezzati) 1 U. 20 T. In Livorno werden diese Stücke wieder auf eine andere, noch detaillirtere, Weise geordnet, und um vieles theurer verkauft, als sie hier zu haben sind.

Ueberhaupt aber ist der Handel dieses Orts sehr beträchtlich. Ich seze Ihnen hier die Hauptartikel nebst dem ungefähren, jährlichen Absaze, bei, um Ihnen zu zeigen, wie viele Wichtigkeit dieser, von seiner Regierung so sehr vernachlässigte, Ort habe.

Salz ist ein Hauptartikel des Handels von Trapani. Es ist reine Ausfuhr, indem es in den Umgebungen der Stadt von der Sonne aus dem Meersalze gekocht wird. Die Gruben gehören Privateigenthümern, aber die Behandlung ist nicht sorgfältig genug, indem beinah die Hälfte des Produkts durch Nachlässigkeit und Unwissenheit verlohren geht. Indeß beträgt die jährliche Ausfuhr doch noch 100,000 Salme, welche meist an den Küsten des adriatischen Meeres abgesezt werden. Das nahe Marsala bringt eben soviel hervor, führt aber nur 50,000 Salme aus, deren jeder an Bord gegenwärtig 12 Tari kostet.

Pottasche. Erst seit ungefähr 40 Jahre ist der Bau dieser Pflanze im Gebrauche. Beinahe Alles Land der Stadt ist damit angebaut, und sehr viele Striche der benachbarten Gegend. Jährlich werden 20,000 Quintale ausgeführt. Der Preis ist ungefähr 2 Unzen für das Quintal.

Sommaco in farina zum Ledergerben ungefähr 800 Salme, deren jeder etwa 3 Unzen kostet.

Süßholzsaft, davon grosse Quantitäten nach dem Norden gehn. Die Fabrik war dieses Jahr stehen geblieben. Es hatten sich keine Kalabresen, welche sie sonst zu miethen pflegten, eingefunden.

Käse, cascio cavallo; davon versenden Marsala und Mazzara jährlich etwa 1000 Quintal, deren eines zu 5 - 7 Unzen zu berechnen ist.

Gesalzene Fische, Sardellen. Trapani verschikt jährlich ungefähr 6000 Barile, deren eines bis an Bord ungefähr 2 Unzen kostet. Die Fischer sind meist aus entfernten Gegenden Siciliens, und der Käufer muß fürs Einsalzen selbst sorgen.

Thunfisch. Blos Trapani allein sezt davon 6000 Barile ab, deren Eins auf 3 Unzen etwa zu stehen kommt.

Süsse Mandeln ohne Schaale, kommen aus der Gegend von Castelvetrano u. s. w. jährlich 1000 Quintale, deren Eines etwa zu 6 Unzen angeschlagen ist.

Getreide -- Hiervon ist die Ausfuhr ungleich indem jedesmal eigene Erlaubniß der Regierung dazu erfordert wird.

Bohnen, liefern Mazzara und Marsala ungefähr 6000 Salm zu 12 Unzen 15 Tari. Sie werden aber meist in Trapani selbst verbraucht.

Olivenöl liefert das Innland meist zum Gebrauch der Stadt allein etwa 4000 Quintal, deren eines im November und Dezember etwa zu 5 Unzen zu stehen kommt.

Leinöl. -- Davon liefert Mazzara mit seiner Umgegend etwa 4000 Quintal, jeder zu etwa 4 Unzen 15 Tari.

Wein liefert Marsala ungefähr 1500 Botte. Zur Zeit der Lese kommt jede unter Segel zu etwa 7 Unzen.

Stracci bianchi e neri liefern Trapani, Marsala und Mazzara ungefähr 2000 Quintal, das Quintal zu 1 Unz. 6 Tari aufs Schiff.

Schaaf- und Ziegenfelle, etwa 10,000 Stük, deren Hundert gewöhnlich zu 4 U. 6 Tri. kommt.

Alle diese Artikel werden von fremden Seeleuten abgehohlt, obgleich die Trapanesischen Schiffer vielleicht die kühnsten und erfahrensten dieser Gewässer sind. Allein die Furcht von der Barbaresken hält die Unternehmer von dem Bau grösserer Fahrzeuge ab, und die ganze unmittelbare Thätigkeit des Orts ist in den Händen der wenigen Schiffer, welche etwa in 40 Barken, deren eine mit etwa 18 oder 19 Mann besezt ist, gewöhnlich auf den Korallenfischfang ausziehen. Nun ist beinahe darauf zu rechnen, das jedesmal eines oder mehrere dieser Fahrzeuge genommen werden. Nichts als ihre Kühnheit und Geschiklichkeit ist es daher, worauf sie sich verlassen müssen. Von einer solchen Eskadre, die so eben zurükgekommen ist, sind zwo Barken genommen, aber von der Mannschaft derselben nur 5 gefangen worden. Die Uebrigen warfen sich in die See und schwammen ihren Landsleuten nach, von denen sie auch aufgenommen wurden. Bei alle dem versicherte man mich doch, daß mehrere hundert Trapanesen in afrikanischer Barbarei schmachten. Erst vor Kurzem nahmen sie einen Adelichen dieser Stadt, der nach Palermo fuhr, mit seiner schönen, jungen Frau gefangen. Beide wurden gleich von einander getrennt, verkauft, und blos für die leztere werden 5000 Unzen *) Lösegeld gefordert, welche die Familie nie bezahlen kann.

*) Gegen 30,000 Gulden.


Quellen und Literatur.[]

  • Italienische Miscellen Tübingen in der J. G. Cotta'schen Buchhandlung. 1805.
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