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Tilsit.Bearbeiten


PanoramaTilsi BL

Tilsit,[1] welches etwa 7000 Einwohner enthält, ist die erste Stadt dem Range nach unter allen Preussisch-Lithauischen. Ihre Anlage ist eben nicht die beßte, denn sie bildet gl ichsam einen Winkel; die Häuser sich fast durchgängig klein, und nicht über 2 Stock hoch; aber bey allem dem gefällt sie doch. Die Strassen sind breit, und meistens gut gepflastert; ein Vorzug, der sie vor so vielen Preussischen Städten erhebt; und was dem Orte den vorzüglichsten Reitz und den größten Vortheil verschafft, ist die Aussicht nach dem breiten Memelstrohme (Niemen) hin, der hart an ihr vorbeyfließt, und sie mit der Stadt Memel in Verbindung setzt. Dieser Verkehr mit Memel und der Ackerbau sind die Hauptnahrungszweige von Tilsit. In der Stadt wird durchgängig Deutsch gesprochen, obgleich beynahe jeder Bürger auch die Landessprache, die Lithauische, versteht. Die Gegenden um Tilsit nach Kurland zu, sind angenehm.


Von Reisende.Bearbeiten

Jean-Philippe Graffenauer. [2]

[1807]

Tilsit ist ein ziemlich beträchtlicher Ort, der, nächst Königsberg, zu den vorzüglichsten Städten im ganzen Königreich gehört. Der Niemen oder die Memel fließt auf der Nordseite der Stadt. Dieß ist ein großer Strom. Noch etwas breiter als die Seine bey Paris. Er kömmt aus dem Großherzogthum Litthauen, und theilt sich eine Meile unterhalb Tilsit in zwey Arme, die in das kurische Haff ausströmen. Die Ufer den Niemen sind etwas erhaben und fast durchgängig sehr fruchtbar. Auf diesem Strome treibt Tilsit mit Polen und Königsberg Handel.

Die Zahl der Einwohner in Tilsit kann ungefähr acht Tausend betragen. Die Stadt ist gut gebaut, sie hat besonders zwey breite Straßen, die mit einander parallel laufen, vortreffliches Steinpflaster und mehrere schöne Häuser haben. Sie werden von einigen wenigen breiten, aber auch recht hübschen Straßen durchschnitten. Tilsit hat auch ansehnliche Vorstädte.

Bey unserer Ankunft war die Stadt gedrücktvoll von Menschen. Außer dem großen kaiserlichen Hauptquartiere und der ganzen kaiserlichen Garde, waren hier die Marschälle von mehreren Armee-Korps mit ihrem General-Staabe, die angesehensten Administrations-Chefs, viele Feld-Wundärzte, Employirte u. s. w. Daher hielt es auch sehr schwer, unterzukommen. Oft mußten unser mehrere mit einer kleinen Kammer vorlieb nehmen. Das Brod war damals hier sehr selten, und man sah sich mehrmals genöthigt, in Ermangelung desselben, an die Soldaten Reis auszutheilen.

In Tilsit war sonst eine sehr feste und dauerhafte Brücke über den Niemen erbaut. Die Russen verbrannten sie, um dadurch die Franzosen auf ihrem siegreichen Marsche aufzuhalten. (>>>)


Quellen.Bearbeiten

  1. Wiener-Zeitung Nro. 58. Sonnabend, den 18. Julius 1807.
  2. Meine Berufsreise durch Deutschland, Preußen und das Herzogthum Warschau, in den Jahren 1805, 1806, 1807 und 1808. Von J. P. Graffenauer, Doktor der Arzneygelahrtheit, vormaligem Arzte bey der großen französischen Armee, mehrerer gelehrten Gesellschaften Mitgliede. Chemnitz, bey Carl Maucke. 1811.
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