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Von Reisende.Bearbeiten

Friedrich Schulz. [1]

[1793]

Unter der beträchtlichen Anzahl von Kirchen und Kapellen, die Nürnberg besitzt, sind die beyden Hauptkirchen, St. Sebald und St. Lorenz, und die Nebenkirche zu St. Aegydien, sowohl ihrer Bauart, als der altdeutschen artistischen Merkwürdigkeiten wegen, die sie einschließen, besonders sehenswerth.

St. Lorenz ist ungefähr in demselben Geschmacke und von demselben Umfange, wie St. Sebald. Auch diese Kirche zeichnet sich in ihrem Innern durch mehrere Merkwürdigkeiten der alten deutschen Kunst aus. Von Adam Kraft ist das sogenannte Sakramentshäuslein am Hauptaltar, 64 Ellen hoch und ganz aus Stein gehauen, mit einer Feinheit und Zartheit, daß es scheint, der Künstler habe den Stein mit einer Leichtigkeit bearbeitet, wie Holz. Auch meynt Hr. v. Murr, in seinen Merkwürdigkeiten von Nürnberg: Kraft habe das Geheimniß gewußt, einer Mischung von Sand und Ton die Härte des Steines zu geben, und sonach habe er manche der feinern Stücke an diesem Werke gleichsam bossiert, dann gehärtet und angesetzt. Seltsam ist der Gedanke, dieses ganze steinerne Gebäude, sich und seinen beyden Söhnen auf den Kopf zu setzen; er, nämlich, und jene, knieen unter demselben und bilden solchergestalt den Fuß, worauf das Ganze ruhet. Ein großer Verstoß gegen die Wahrscheinlichkeit in der Kunst, den man aber an mehrern gothischen Gebäuden wiederholt findet, z. B. an dem Dom zu Kremona, dessen Portal auf zwey Löwen ruhet. -- Von Veit Stoß ist auch ein Meisterstück hier, aber in Holz, das die Verkündigung Mariens vorstellt. Es ist im Chor am Gewölbe befestigt und kann nicht ohne große Mühe gesehen werden.


Quellen.Bearbeiten

  1. Reise eines Liefländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau, Dresden, Karlsbad, Bayreuth, Nürnberg, Regensburg, München, Salzburg, Linz, Wien und Klagenfurt, nach Botzen in Tyrol. Berlin, 1795. bei Friedrich Vieweg dem ältern.
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