Von Bastille bis Waterloo. Wiki
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S. Lucie, eine von den Caraibischen Inseln, über dem Winde, in Westindien, zwischen Martinique und S. Vincent. Sie hat 9 geogr. Meilen in die Länge von Norden nach Süden, 5 M. in der mittlern Breite von Osten nach Westen, einen Flächeninhalt von 10½ QM. und einen bergichten doch ziemlich fruchtbaren Boden, ist aber als eine der am spätesten besetzen Inseln noch nicht hinlänglich bevölkert. Im J. 1788 enthielt die 2,159 weisse, 1,588 farbigte Leute und freye Negern und 17,221 Negersklaven. Man zählte daselbst 55 Zuckerplantagen, 5,240,000 Kaffebäume, 2,512,000 Kakaobäume, 650 Baumwollenfelder und Indigopflanzungen, welche 250 Centner lieferten. Die ganze Ausfuhr nach Frankreich betrug an Werth über 4 Mill. Livres. Der Kaffe von dieser Insel wird sehr geschätzt. Im J. 1803 hatte die Bevölkerung bis auf 16,645 Seelen abgenommen, unter welchen sich 13,710 Negern und 1,660 Mulatten befanden, auch die Kultur des Landes ist rückwärts gegangen. Sie hat bey dem Hauptorte Castries an der Nordwestküste einen vortrefflichen Hafen, Namens le Carenage, in dem Flotten von Kriegsschiffen sicher liegen können; man kann mit jedem Winde leicht und in kurzer Zeit auslaufen; hingegen kann kein Schiff, ohne Hülfe, hineinkommen. Die Luft auf dieser Insel ist, besonders für Europäer, ungesund; wie dann vom Sommer, 1780 bis zur nämlichen Jahrszeit, 1781 von der damaligen englischen Besatzung über 2,000 Soldaten darin starben.

Auf diese Insel machten, von dem 17ten Jahrh. an, Franzosen und Engländer gegen einander Ansprüche. Die Engländer, die sich allda angebauet hatten, wurden 1639 von den Caraiben theils umgebracht, theils verjagt, und zeigten keine Lust mehr, wieder zu kommen. Im J. 1642 überließ der König von Frankreich, Ludwig XIII. alle ihm zugehörige Inseln in Westindien, und darunter auch S. Lucie, an die westindische Compagnie. Diese verkaufte verschiedene davon, worunter auch erstbenannte war, an Jac. d'Houel und Hrn. dü Parquet. Dü Parquet, nachdem er den darauf folgenden 22. Oct. Gouverneur der Insel St. Lucie geworden, ließ ein Fort darauf bauen und legte eine beträchtliche Colonie an. Bis 1664 hatten die Engländer nichts einzuwenden, und verlangten nicht, gegen den Besitz der Franzosen zu protestiren, ob sie gleich Gelegenheit dazu gehabt hätten. Nur erst im J. 1664 landete ein englischer Officier nahm das französische Fort weg. Allein gleich im folgenden Jahre verlangten die dortigen Engländer selbst von den Franzosen zu Martinique, daß sie S. Lucie wieder in Besitz nehmen möchten, indem die Caraiben sie nicht bey sich leiden wollten; und sie gestunden den Franzosen das Eigenthumsrecht zu, welche auch die Insel von neuem besetzten und ungestört behielten, bis 1686, da wieder ein engl. Schiff erschien, die Franzosen aufforderte und Feindseligkeiten wider sie ausübte. Allein sie erhielten bald Hülfe und die Engländer mußten weichen.

Im J. 1700 erneuerte der englische Gouverneur zu Barbados den Anspruch seiner Nation, schritte aber nicht zu Thätlichkeiten. Die Franzosen blieben, mehrerer Versuche von Englischer Seite ungeachtet, im Besitz der Insel, bis im J. 1723 ein Vergleich geschlossen wurde, kraft dessen S. Lucie neutral seyn, und weder von Engländern, noch Franzosen besessen werden sollte. Aber im J. 1755, da ein neuer Krieg zwischen diesen Nationen sich näherte, machten sich die Franzosen wieder davon Meister, und blieben es auch, indem 1763 durch den Friedenstractat, diese Insel von England an Frankreich überlassen wurde. Im Kriege, 1779 nahmen sie die Engländer wieder ein, und trieben den Angrif ab, den der Graf von Estaing und der Gouverneur von Martinique auf sie thaten. Durch den Frieden zu Versailles, 1783 wurde die Insel wieder von Großbritannien an Frankreich zurückgegeben. Im Revolutionskriege eroberten sie die Engländer abermals, traten sie aber im Frieden von Amiens 1802 wieder an Frankreich ab. Der Gouverneur oder Kommandant von St. Lucie steht unter dem General-Capitän von Martinique.


Quellen und Literatur.[]

  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor der Geschichte zu Landshut. Landshut, bei Philipp Krüll, Universitätsbuchhändler. 1811.
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