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Von Reisende.Bearbeiten

Friedrich Schulz. [1]

[1793]

Unter der beträchtlichen Anzahl von Kirchen und Kapellen, die Nürnberg besitzt, sind die beyden Hauptkirchen, St. Sebald und St. Lorenz, und die Nebenkirche zu St. Aegydien, sowohl ihrer Bauart, als der altdeutschen artistischen Merkwürdigkeiten wegen, die sie einschließen, besonders sehenswerth.

Zu St. Sebald (Ewald) wurde schon im 12ten Jahrhundert der Grundstein gelegt. Ihr hohes und spitzes Gewölbe ruhet auf 22 Säulen. Die Gemalten Fenster machen sie sehr finster und die Kirchenstühle, womit sie angefüllt, und die Menge Wappen, womit sie behängt ist, überladen sie zur Ungebühr. Ihre größeste Merkwürdigkeit ist ein Denkmal des Heil. Sebald, nach Albrecht Dürers Zeichnung in Bronze gegossen, von Peter Vischer und seinen 5 Söhnen. Der Zeichnung liegt die etwas seltsame Idee zum Grunde, daß der Sarg die Gestalt eines Häuschens hat, welches unter einem Tabernakel stehet, der überreich an grössern und kleinern Figuren ist, unter denen sich die zwölf Glaubensboten besonders auszeichnen. Der Guß ist überaus rein und giebt die feinsten Fältchen und Pünktchen mit bewundernswürdiger Schärfe und Zartheit an. Vor diesem Grabmale steht ein hölzernes Kreuzbild von Veit Stoß, das in Rücksicht der Kunst Aufmerksamkeit verdient. Jenes kam im Jahre 1519, dieses 1526, zu Stande. Sonst sind noch mehrere Gemälde und Bildhauereyen von Albrecht Dürer, Creutzfelder, Kraft, Merian u. a. m. in dieser Kirche vorhanden.


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August von Kotzebue. [2]

[1804]

Die Sebalduskirche ist ein ehrwürdiges Denkmal des grauen Alterthums. Sie soll schon tausend Jahre zählen. Man sieht da allerlei Legenden vortrefflich in Stein gehauen, auch Albrecht Dürers Abnahme vom Kreuz. Ich habe schon irgendwo erklärt, daß dieses Abnehmen vom Kreuz mir ein sehr unglücklich gewählter Gegenstand für die Kunst scheint; ich sehe es ungern, und wenn der heilige Lukas selbst, der Raphael der ersten Christen es gemahlt hätte. Zwei der schönsten Bilder aus dieser Kirche wollten die Franzosen, wie gewöhnlich, mitgehen heißen, hatten auch schon das Maaß zu den Kisten genommen, als die Oestreicher sie plötzlich zwangen die Küsten stehen und die Gemählde hängen zu lassen. Indessen ist doch eins derselben, auf Holz gemahlt, bei dem ungeschickten Maaßnehmen gesprungen. -- Sonst zeigt man noch in dieser Kirche des heil. Sebaldus Grab von Bronze. Der gute Mann ruht hier in eine Menge Särge eingeschachtelt, weil er vermuthlich anders über das Begraben dachte, als der Herzog von Gotha. Die ungeheure Masse von Bronze ist bemerkenswerth, auch wohl die künstliche Arbeit. -- Die zahllose Menge von Wappen, die in der Kirche herum hängen, und noch täglich vermehrt werden, beweiset, daß die Nürnberger Patricier, auch noch nach dem Tode, ihre Eitelkeit gern irgendwo annageln. -- Hier belehrte mich auch eine Inschrift, daß es in Nürnberg eine Zunft der Altmacher giebt. Was diese Zunft eigentlich treibt, wußte mir das artige Mädchen, das uns herumführte, nicht zu sagen, und ich vergaß nachher mich näher darnach zu erkundigen. Dürfte man die Benennung nach dem Wortverstande nehmen, so würden die Altmacher bei den Damen wenigstens, schwerlich in Ansehen stehen.


Quellen.Bearbeiten

  1. Reise eines Liefländers von Riga nach Warschau, durch Südpreußen, über Breslau, Dresden, Karlsbad, Bayreuth, Nürnberg, Regensburg, München, Salzburg, Linz, Wien und Klagenfurt, nach Botzen in Tyrol. Berlin, 1795. bei Friedrich Vieweg dem ältern.
  2. Erinnerungen von einer Reise aus Liefland nach Rom und Neapel von August von Kotzebue. Berlin 1805. bei Heinrich Frölich.
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