Potocki (Graf Stanislaus Felix), Großmeister der pohlnischen Artillerie, Besitzer eines ansehnlichen Vermögens, stand in Pohlen zu der Zeit der Unruhen im Jahre 1788 in grossem Ansehen. Als ein starker Anhänger der ehemaligen Aristokratie widersetzte er sich aus ganzer Macht dem um diese Zeit versammelten Landtage, welcher im May 1791 dem Staate eine monarchische Verfassung zu geben versuchte, die allein fähig gewesen wäre, denselben aus der Anarchie und folglich aus der Unbedeutenheit, unter der er schmachtete, zu ziehen. Die Plane des Grafen Potocki trafen mit denen des russischen Hofes zusammen, er trat daher in genaue Verbindung mit diesem und wagte selbst im May 1792 (vereinigt mit Rzewuski und Branicki) zu Targowitz ein Manifest gegen die neue Konstitution herauszugeben, welches dieselbe vernichten sollte. Von der russische Armee, an die er sich anschloß, unterstützt, setzte er sein Vorhaben leicht durch, und der König August Stanislaus, trat selbst dieser Verhandlung von Targowitz bey, welcher der unter Rußlands Auspizien und Potockis Einflusse gehaltene Landtag von Grodno folgte. Dieser hob die, im vorhergehende Jahre beschlossene, monarchische Konstitution auf und unterschrieb die Theilung des Landes. Viele Pohlen haben geglaubt, daß er einen Augenblick gehofft habe, die Krone Poniatowski zu entreissen und sie auf sein eigenes Haupt zu setzen. Wie dem auch seyn mag, so übernahm er 1793 mehrere Kommissionen bey der Kaiserinn von Rußland, und übte im Laufe dieses Jahres eine grosse Gewalt in Pohlen aus. Als aber seine Landsleute, aufgemuntert und angeführt von Kosciuszko, Kolontay, Ignaz Potocki u. a. m., im Jahre 1794 gegen die Russen zu den Waffen griffen, machte man Felix Potocki den Prozeß; er wurde für einen Verräther des Vaterlandes erklärt und zum Tode verurtheilt; seine Güter wurden eingezogen, und da er abwesend war, schlug man sein Bildniß an den Galgen. Im Januar 1795 ernannte ihn Katharina II. zum General en Chef. 1793 hatte er schon den Alexander Newski Orden erhalten. Seitdem lebt er auf seinen Gütern und starb 1803.


Quellen und Literatur.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Moderne Biographien, oder kurze Nachrichten von dem Leben und den Thaten der berühmtesten Menschen, von Karl Reichard. Leipzig, 1811. In Commission bey Peter Hammer.
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