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Die Abtei Essen.Bearbeiten

Die Abtei Essen ist von der Grafschaft Mark, Abtei Werden, den Herzogthümern Berg und Kleve und der Grafschaft Recklinghausen eingeschlossen, zählt auf anderthalb Quadratmeilen 12 -- 13,000 Einwohner und wurde von Bischof Alfred von Hildesheim im Jahr 877 als ein Benediktinerkloster gestiftet. Sie hatte von den ältesten Zeiten an die ausgezeichnetsten Privilegien, unter andern auch das Recht, sich einen Schutz- oder Schirmvoigt zu wählen, welche Würde sie im J. 1275 dem Kaiser Rudolph dem Ersten übertrug. Einige Jahre nachher (1291) wurden die Grafen von der Mark damit belehnt, und als Kurfürst Friedrich Wilhelm der Große den Besitz von Kleve und Mark antrat, empfing er 1648 die Erbvoigtei für sich und seine Nachkommen zu Lehn. Die jedesmalige Aebtissin führte den Titel: Wir von Gottes Gnaden N. N. des kaiserlichen freiweltlichen Stifts Essen Aebtissin, des heil. Röm. Reichs Fürstin, Frau zu Breysich, Rellinghausen und Huckarde. Das Kapitel besteht aus 9 Personen, der Pröbstin, Dechantin, Scholastika, Küsterin, prinzlichen und gräflichen Standes. Auf dem Reichstage saß die Aebtissin bisher unter den Aebtissinnen auf der rheinischen Bank, auf den westphälischen Kreistagen aber auf der Fürstenbank zwischen dem Stift Kornelis Münster und der Abtei Thorn.

Die Stadt Essen (Assindia) betrachtete sich als eine freie Reichsstadt, wurde aber von dem Stift für eine Municipalstadt gehalten. Nach einem deshalb erhobenen hundertjährigen Prozeß wurde endlich 1670 vom Reichskammergericht dahin entschieden, daß zwar die Aebtissin, als die ordentliche Obrigkeit und rechte Landesfürstin der Stadt anzusehen sey, und diese allen gebührenden Gehorsam in gebot und Verbot zu leisten hätte, jedoch sey auch die Stadt bei ihren hergebrachten Rechten zu schützen, als Befreiung von der der Aebtissin zu leistenden Huldigung, von Landsteuern, von aller weltlichen und politischen Administration in bürgerlichen und peinlichen Sachen xc. Kraft eines im J. 1495 errichteten und nachher verschiedentlich erneuerten Erbvoigteikontrakts, erkannte sie in Kurbrandenburg ihren besondern Schutz- und Schirmherrn. Die Stadt ist ziemlich groß, hat gute Tuch- und Eisenfabriken; minder beträchtlich ist die Gewehrfabrik. Der größte Theil der Einwohner ist nebst dem Magistrate lutherisch, doch findet man auch eine reformirte und einige katholische Kirchen und Klöster, von denen eins -- das Franze Nonnenkloster genannt, sich durch eine ganz zweckmäßig angelegte Pensionsanstalt auszeichnet *), -- auch eine deutsche Ordenskommenthurei. Noch ist hier ein Gymnasium. Die Abtei liegt neben der Stadt, sie hat aber in derselben eine Burgfreiheit und Residenz. In dieser befindet sich die fürstliche Kanzlei. In der Nähe der Stadt sind gute Steinkohlenbergwerke, die auch bei Rellinghausen gefunden werden. Steyl oder Steel ein Städtchen mit einer lutherischen und einer katholischen Kirche. Borbeck ein Dorf mit einem Lustschloß der Aebtissin. --

*) Denkwürdigkeiten xc. Janner 1800. S. 56 - 64.

Die in dem oben angeführte abteilichen Titel genannte Herrschaft Breysich oder Brisich liegt im Herzogthum Jülich am Rhein. In dem dazu gehörigen Flecken Brisich ist ein Kommenthureihaus des Johanniterordens.

G. Vieweg.


Essen.Bearbeiten

Essen, ehemaliges freyweltliches Stift und gefürstete Abtey bey der Stadt Essen im Westphälischen Kreise, zwischen der Grafschaft Mark und den Herzogthümern Jülich und Berg.

Das Capitel bestund aus 10 Prinzessinnen und Gräfinnen; und die Aebtissin hatte als Reichsfürstin, Sitz und Stimme auf der Rheinischen Prälatenbank. Die Reichsanlage ist auf 2 zu Pferd, und 13 zu Fuß, oder monatlich 76 fl. gesezt. Der Beytrag zu einem Kammerziel beträgt 202 Thlr. 81 kr.

Es gehörte zu dieser Abtey das Städtchen Steyl oder Steel, die Herrschaften Rellinghausen, Huckarde und Breylich, welche leztere im Herzogthum Jülich liegt, und nun an Frankreich gekommen ist. Die übrigen Besitzungen des Stifts enthalten, die Stadt Essen mit eingerechnet, auf 2 Quadratmeilen gegen 7,000 Menschen und die Einkünfte schäzte man auf 50,000 fl.

Im J. 1802 wurde das Stift nebst seinen Besitzungen als Entschädigung an Preussen gegeben.


Quellen und Literatur.Bearbeiten

  • Gemeinnützige Unterhaltungen für 1803 Eine Wochenschrift zum Besten der Armen Herausgegeben von der Literarischen Gesellschaft zu Halberstadt. Halberstadt, gedruckt bei Heinrich Matthias und Delius Erben.
  • Geographisch- Historisch- Statistisches Zeitungs-Lexikon von Wolfgang Jäger, Professor zu Altdorf. Neu bearbeitet von Konrad Mannert, Königl. Bairischen Hofrath und Professor der Geschichte und Geographie zu Würzburg. Nürnberg, bey Ernst Christoph Grattenauer 1805.
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